Junge Wilde – bereit für höhere Aufgaben?
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Auf dem Weg zu «Finalisten der Herzen» – und ein «ungeheuerlicher» Gedanke
So spektakulär haben die Schweizer bei keiner der bisherigen 23 Deutschland Cup-Teilnahmen gespielt. Müssen wir sogar das Undenkbare denken?
Drei Partien, dreimal Spektakel, dreimal 30 oder mehr Torschüsse: So gute Unterhaltung, so dynamisches und «totales» Hockey haben die Schweizer beim Deutschland Cup seit 1987 noch nie geboten. Nach den Siegen gegen die Slowakei (5:2) und Deutschland (4:3 n.V) und einer Penalty-Niederlage gegen Russland (3:4 n.P) gewann die Schweiz zum dritten Mal nach 2001 und 2007 das Turnier.
Ob es bei der WM im Mai zum Final reichen wird, ist auch nach dem gewonnenen Deutschland Cup noch nicht sicher. Nicht einmal das Minimalziel Viertelfinals ist garantiert. Aber die Schweizer sind mit dem mitreissenden, «totalen» Spektakelhockey, das sie in Krefeld gezeigt haben ,auf dem besten Weg, bei der WM «Finalisten der Herzen» zu werden.
Theoretisch ist es möglich, dass keiner dieser «Helden von Krefeld» bei der WM im Mai 2020 in Zürich dabei ist. «Das kann ich mir gar nicht vorstellen» sagt Franz Reindl, die Deutsche Hockey-Legende und heute Präsident des Deutschen Verbands, der von der Qualität der helvetischen «B-Auswahl» tief beeindruckt ist. Bei ihm hätten ein paar aus unserem Deutschland Cup-Team allerbeste WM-Chancen.
Patrick Fischer sagt es ähnlich wie Franz Reindl, aber aus anderer Perspektive. Er hat den Mut zu überraschenden WM-Aufgeboten. Wer im April in Hochform kommt, hat unabhängig eine WM-Chance. Einige der «Helden von Krefeld» (die Ehrenbezeichnung ist wegen dem grossen Sieg über Deutschland wohl verdient) werden auch für das Dezember-Turnier in Visp aufgeboten.
Der Nationaltrainer legt sich in Personalfragen nicht fest. «Natürlich haben wir einige Spieler, auf die wir nicht verzichten können. Aber die Basis ist inzwischen breiter geworden und die Konkurrenz wirkt belebend.» Einzelkritiken macht er keine und auf die Frage, wer sich beim Deutschland Cup in sein Notizbuch für eine WM-Nomination gespielt habe, sagt er: «Die ganze Mannschaft.» Das ist diplomatisch klug, entspricht aber auch dem tipptoppen Auftreten der Schweizer: so viel Leidenschaft und Opferbereitschaft, auch im letzten Spiel am Sonntagvormittag um 11:00 Uhr. Diese Schlussspiele am Heimreisetag umwehte in der Vergangenheit oft ein melancholischer Charme des Schlendrians. Davon war diesmal nichts zu sehen.
Patrick Fischer hat eine Botschaft an die Klubs: «Wir könnten keine zweite solche Mannschaft aus jungen Spielern zusammenstellen.» Das sei beunruhigend, die Basis sei nach wie vor zu schmal und er appelliert, den Jungen in den Klubs vermehrt eine Chance zu geben. «Wir haben hier gesehen, dass junge Spieler auch auf internationalem Niveau überraschend gut mithalten können.»
Der einfachste Weg, herauszufinden, wer WM-Chancen hat, ist eine Rangliste der Kandidaten für die letzten WM-Plätze. So gross die Konkurrenz auch sein mag: Es wäre eine Überraschung, wenn mehr als fünf «Krefelder-Helden» die WM-Nomination schaffen würden. Bisher sind in der Amtszeit von Patrick Fischer immer mindestens fünf Spieler, die er für die November-Länderspiele aufgeboten hat, am Schluss der Saison auch zur WM gefahren.
Torhüter
- Melvin Nyffeler
- Joren van Pottelberghe
Verteidiger
- Andrea Glauser
- Samuel Kreis
- Claude-Curdin Paschoud
- Yannick Rathgeb
- Simon Le Coultre
- Dominik Egli
- Fabian Heldner
- Roger Karrer
Stürmer
- Pius Suter
- Noah Rod
- Alessio Bertaggia
- Marco Müller
- Jason Fuchs
- Tyler Moy
- Luca Fazzini
- Dario Simion
- Raphael Prassl
- Jérôme Bachofner
- Luca Hischier
- Thierry Bader
- Ken Jäger
Bis auf Roger Karrer, Samuel Kreis, Dario Simion und Ken Jäger haben alle Spieler entweder eine neutrale oder eine Plus-Bilanz. Noah Rod (+4) hat vor Tyler Moy (+3) die beste Bilanz.
Pius Suter ist mit 7 Punkten (3 Tore, 4 Assists) Topskorer des Teams (und des Turniers), vor Tyler Moy (2 Tore/2 Assists) und Dominik Egli, Noah Rod und Jason Fuchs (je 3 Skorerpunkte).
Auch beim ZSC «on fire»: Nati-Stürmer Pius Suter.
Bild: KEYSTONE
Auf einer Position sind bei der WM-Nomination keine Überraschungen zu erwarten. Und doch kommt nach dem Deutschland Cup kommt ein ungeheuerlicher Gedanke auf: Was wäre, wenn Melvin Nyffeler (24) statt Leonardo Genoni (32) für die WM aufgeboten würde? Völlig undenkbar! Ja, geradezu absurd! Oder doch nicht?
Es gibt bei einem solchen hockeytechnisch eigentlich «ungeheuerlichen» Gedankenspiel zwei Varianten:
- Leonardo Genoni ist mehrfacher Meister und der WM-Silberheld von 2018, der uns ins Finale und dort bis ins Penaltyschiessen gehext hat.
Die aktuelle Form in der Meisterschaft spielt bei ihm eigentlich nur eine ungeordnete Rolle. Wenn die Dinge ihren normalen Lauf nehmen, wird er im Laufe der Qualifikation sein bestes und in den Playoffs sein allerbestes Hockey spielen.
Wenn es um die WM mit maximalem Erwartungsdruck im eigenen Land geht, ist es undenkbar, einen so bewährten Veteranen nicht zu berücksichtigen. Er ist unsere Nummer 1 für die WM. Ohne «wenn» und «aber».
- Melvin Nyffeler hat beim Deutschland Cup in für den Torhüter schwierigen Spektakelspielen – 69 Torschüsse in den zwei Partien gegen die Slowakei und Russland – eine Fangquote von 92,95 Prozent erreicht.
Der flinke Reflexgoalie ist vier Zentimeter kleiner als Leonardo Genoni und für internationales Hockey eigentlich fast zu klein. Aber er hat die dominante, selbstsichere Ausstrahlung eines grösseren Goalies. Sein Stil ist ein Mix aus Reto Pavoni und Leonardo Genoni. Er hat zwar die Lakers in die höchste Liga und zum Cup-Sieg gehext. Aber sonst noch keine nationalen und internationalen Meriten.
Der Gedanke an ein Aufgebot von Melvin Nyffeler für die WM 2020 mag abenteuerlich sein. Aber der Deutschland Cup hat zumindest gezeigt, dass wir auch Torhüter für die Zeit nach Leonardo Genoni und Reto Berra haben.
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
HC Davos: 5 - Marc Gianola. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. PHOTOPRESS / JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. KEYSTONE / Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. KEYSTONE / STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. KEYSTONE / MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
SC Bern: 22 – Patrick Howald. KEYSTONE / JUERG MUELLER
SC Bern: 26 – Marc Reichert. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
SC Bern: 28 – Martin Plüss. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
SC Bern: 31 – Renato Tosio. KEYSTONE / EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. KEYSTONE / URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. KEYSTONE / STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. KEYSTONE / URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. KEYSTONE / GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KEYSTONE / KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. KEYSTONE / EDI ENGELER
EV Zug: 57 – Fabian Schnyder keystone / ENNIO LEANZA
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. KEYSTONE / EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. KEYSTONE / STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. KEYSTONE / ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. KEYSTONE / GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. PHOTOPRESS / KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt. KEYSTONE
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. TI-PRESS / FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. KEYSTONE / STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. KEYSTONE / MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. KEYSTONE / EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. PHOTOPRESS / FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Nico Hischier beantwortet unsere ungewöhnlichen Fragen
Video: watson / Emily Engkent, Sandro Zappella