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Millioneneinnahmen neben dem Rasen: Bei Cristiano Ronaldos Wechsel zu Juventus geht es nicht nur um Tore.

Interview

Sportökonom zum Mega-Transfer: «Ronaldos Follower sind ein Segen für Juventus»

Von Real Madrid zu Juventus Turin: Professor Sebastian Uhrich spricht im Interview über die wirtschaftlichen Folgen des Wechsels von Cristiano Ronaldo, die Bedeutung von Instagram & Co. und die Klub-Untreue von asiatischen Fussballfans.

Publiziert: 11.07.18, 19:29 Aktualisiert: 12.07.18, 10:34

Herr Uhrich, Juventus bezahlt 112 Millionen Euro für Cristiano Ronaldo. In den nächsten vier Jahren zahlt ihm der Verein ein Jahresgehalt von 30 Millionen Euro. Kann sich dieser Transfer für Juventus wirtschaftlich überhaupt auszahlen?
Sebastian Uhrich:
Prinzipiell schon. Man müsste dafür allerdings messen können, welchen Anteil Ronaldo nach seinem Wechsel zu den allfälligen sportlichen Erfolgen von Juventus beiträgt. Diesen Beitrag genau zu beziffern ist allerdings kaum möglich. Es ist aber auf jeden Fall so: Erzielt Juventus dank Ronaldo mehr sportliche Erfolge, generiert der Verein damit automatisch finanzielle Mehreinnahmen. Mehr sportliche Erfolge bedeuten z.B. mehr Einnahmen aus TV-Geldern, mehr Champions-League-Prämien. Noch viel wichtiger sind aber die indirekten Einnahmen.

Was meinen Sie damit?
Ronaldos Transfer verschafft Juventus eine kaum bezifferbare mediale Aufmerksamkeit. Cristiano Ronaldo ist möglicherweise der bekannteste Fussballspieler des Planeten. Er hat Fans in aller Welt. Von der Aufmerksamkeit, die Juventus dank Ronaldo zuteil wird, profitiert der Verein mannigfaltig: Sie steigert die Trikotverkäufe, erhöht die Anzahl Follower in den Sozialen Medien und macht Juventus generell attraktiver für Sponsoren. Dadurch kann der Verein bei Werbe- und Sponsoringverträgen mehr verlangen.

Sebastian Uhrich ist Professor am Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule in Köln. Bild: zvg

Ganz konkret: Kann Juventus Turin die rund 230 Millionen Euro, die es für Ronaldo insgesamt ausgibt, refinanzieren?
Das kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Im Gegensatz beispielsweise zum Neymar-Transfer von Barcelona zu Paris St-Germain im vergangenen Jahr gab es bei Juventus aber durchaus auch rationale, ökonomische Abwägungen, die schliesslich zum Entscheid für diesen Transfer geführt haben. Die 112 Millionen Euro Ablöse sind bloss die fünfthöchste je bezahlte Summe. Für Ronaldo, der weiterhin einer der absolut besten Fussballspieler der Welt ist, lässt sich dieser Preis durchaus rechtfertigen.

Das war beim Neymar-Deal anders?
Der Neymar-Transfer fand nicht aus irgendwelchen ökonomisch begründbaren Motiven heraus statt. Den katarischen Eigentümern des PSG dient der Verein als Eintrittsticket in die Pariser Gesellschaft, der Klub ist ein Spielzeug unter anderen. Sie wägen lediglich ab, ob sie nun 222 Millionen Euro für Neymar ausgeben oder eine neue Luxusjacht kaufen wollen. Bei ihrem Ziel, dank Neymar endlich die Champions League zu gewinnen, sind sie in der vergangenen Saison kläglich gescheitert.

Juve-Trikot-Boom in der Schweiz

Der Wechsel von Cristiano Ronaldo dürfte die Beliebtheit von Juventus Turin auch hierzulande steigern. Stefan Heiniger, Vorstandsmitglied von ASMAS, dem Verband des Schweizer Sportfachhandels, rechnet mit einer Absatzsteigerung bei den Juve-Trikots von 30 bis 50 Prozent. Das bringe den italienischen Rekordmeister in die Nähe der bisherigen Spitzenreiter Barcelona, Real und Bayern München. Auch die Wechsel von Neymar zum PSG und von James Rodriguez zu Real hätten für einen Umsatzboom gesorgt. Beim Juve-Ausrüster Adidas richtete man Sportfachmann Heiniger am Mittwochmorgen aus, neue Trikots seien erst im November wieder lieferbar. Der Juve-Webstore ist unter der Belastung zwischenzeitlich zusammengebrochen. (cbe)

«Im Sponsoring geht es immer weniger um traditionelle Formen wie Trikot- oder Bandenwerbung.»

Die Sponsoring-Analysefirma Hookit berechnete den Wert, den Ronaldo zwischen Mai 2016 und Mai 2017 für seine und Real Madrids Sponsoren auf Social Media erzielte, auf knapp 1 Milliarde US-Dollar. Gemäss Hookit ist er damit der wertvollste Sportler der Welt. Wie sehr kann Juventus davon profitieren?
Im Sponsoring geht es immer weniger um traditionelle Formen wie Trikot- oder Bandenwerbung. Firmen stellen sich die Frage, wie sie ihr Sponsoring «aktivieren» können, wie man im Fachjargon sagt. Eine Möglichkeit dazu besteht darin, die Stars mit ihren Fans interagieren zu lassen und dabei die Produkte des Sponsors subtil zu bewerben. Juventus kann nun darauf verweisen, dass Cristiano Ronaldo bei Twitter 74 Millionen, bei Facebook 122 Millionen und auf Instagram 134 Millionen Follower hat. Diese Follower sind ein Segen für Juventus: Sie bringen Aufmerksamkeit, die härteste Währung im Sponsoring – was die Verhandlungsposition bei Gesprächen mit Sponsoren eindeutig stärkt.

Das sind die 34 teuersten Fussball-Transfers der Welt

Rang 44: Luis Figo (POR), Rechtaussen. Wechselte im Juli 2000 für 60 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Real Madrid.
Platz 43: Anthony Martial (FRA), Sturm. Wechselte im September 2015 für 60 Millionen Euro vom AS Monaco zu Manchester United. PETER POWELL
Platz 42: Oscar (BRA), Mittelfeld. Wechselte im Dezember 2016 für 60 Millionen Euro von Chelsea zu Schanghai SIPG.
Platz 41: Naby Keita (GIN), Zentrales Mittelfeld. Wechselte im Juli 2018 für 60 Millionen Euro von RB Leipzig zum FC Liverpool.
Rang 40: Luka Jovic (SRB), Mittelstürmer. Wechselte im Juli 2019 für 60 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Real Madrid. Juan Carlos Hidalgo
Rang 39: Tanguy Ndombélé (FRA), zentrales Mittelfeld. Wechselte im Juli 2019 für 60 Millionen Euro von Olympique Lyon zu Tottenham Hotspur.
Platz 38: Alisson (BRA), Tor. Wechselte im Juli 2018 für 62.5 Millionen Euro von der AS Roma zum FC Liverpool. GUILLAUME HORCAJUELO
Platz 37: Angel Di Maria (ARG), Mittelfeld. Wechselte im Sommer 2015 für 63 Millionen Euro von Manchester United zu Paris St-Germain. Laurent Cipriani
Platz 36: Raheem Sterling (ENG), Sturm. Wechselte im Sommer 2015 für 63.7 Millionen Euro vom FC Liverpool zu Manchester City. PETER POWELL
Platz 35: Pierre-Emerick Aubameyang (GAB), Sturm. Wechselte im Januar 2018 für 63.75 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Arsenal. David Davies
Rang 34: Christian Pulisic (USA), Rechtsaussen. Wechselte im Juli 2019 für 64 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Chelsea. Martin Meissner
Platz 33: Edinson Cavani (URU), Sturm. Wechselte im Juli 2013 für 64.5 Millionen Euro vom SSC Napoli zu Paris St-Germain. UNITED PHOTOS
Platz 32: Aymeric Laporte (FRA), Innenverteidigung. Wechselte im Januar 2018 für 65 Millionen Euro von Athletic Bilbao zu Manchester City. Rui Vieira
Platz 31: Alvaro Morata (ESP), Sturm. Wechselte im Juli 2017 für 66 Millionen Euro von Real Madrid zu Chelsea. JOSEPH NAIR
Platz 30: Diego Costa (ESP), Sturm. Wechselte im Januar 2018 für 66 Millionen Euro von Chelsea zu Atlético Madrid. Alejandro Garcia
Platz 29: Kaká (BRA), offensives Mittelfeld. Wechselte im Juli 2009 für 67 Millionen Euro von der AC Milan zu Real Madrid. Philippos Christou
Platz 28: Riyad Mahrez (ALG), Rechtsaussen. Wechselte im Juli 2018 für 67.8 Millionen Euro von Leicester City zu Manchester City. Rui Vieira
Platz 27: Zlatan Ibrahimovic (SWE), Sturm. Wechselte im Juli 2009 für 69.5 Millionen Euro von Inter Mailand zum FC Barcelona. David Ramos
Rang 26: Thomas Lemar (FRA), Linksaussen. Wechselte im Juli 2018 für 70 Millionen Euro von der AS Monaco zu Atlético Madrid. SEBASTIEN NOGIER
Rang 25: Rodrigo (ESP), defensives Mittelfeld. Wechselte im Juli 2019 für 70Millionen Euro von Atlético Madrid zu Manchester City.
Platz 24: Ángel Di María (ARG), rechtes Mittelfeld. Wechselte im August 2014 für 75 Millionen Euro von Real Madrid zu Manchester United. ANDREW YATES
Platz 23: James Rodríguez (COL), offensives Mittelfeld. Wechselte im Juli 2014 für 75 Millionen Euro von der AS Monaco zu Real Madrid. MIGUEL VIDAL
Platz 22: Frenkie de Jong (NED), zentrales Mittelfeld. Wechselte im Juli 2019 für 75 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona.
Platz 21: Kevin De Bruyne (BEL), offensives Mittelfeld. Wechselte im August 2015 für 76 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. NIGEL RODDIS
Platz 20: Zinédine Zidane (FRA), offensives Mittelfeld. Wechselte im August 2001 für 77.5 Millionen Euro von Juventus Turin zu Real Madrid. PAUL WHITE
Platz 19: Kepa Arrizabalaga (ESP), Torhüter. Wechselte im Sommer 2018 für 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FC Chelsea. WILL OLIVER
Platz 18: Lucas Hernandez (FRA), Innenverteidigung. Wechselte im Juli 2019 für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid zu Bayern München.
Platz 17: Luis Suárez (URU), Sturm. Wechselte im Juli 2014 für 81.72 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona. GUSTAU NACARINO
Platz 16: Virgil van Dijk (HOL), Innenverteidiger. Wechselte im Januar 2018 für 84.65 Millionen Euro von Southampton zum FC Liverpool. Rui Vieira
Platz 15: Romelu Lukaku (BEL), Sturm. Wechselte im Juli 2017 für 84.7 Millionen Euro von Everton zu Manchester United. Dave Thompson
Platz 14: Matthijs de Ligt (NED), Innenverteidiger. Wechselte im Juli 2019 für 85,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin.
Platz 13: Neymar (BRA), linkes Mittelfeld. Wechselte im Juli 2013 für 88.2 Millionen Euro vom FC Santos zum FC Barcelona. Emilio Morenatti
Platz 12: Gonzalo Higuaín (ARG), Stürmer. Wechselte im Sommer 2016 für 90 Millionen Euro von Napoli zu Juventus Turin. Alessandro Di Marco
Platz 11: Cristiano Ronado (POR), Sturm. Wechselte im Juli 2009 für 94 Millionen Euro von Manchester United zu Real Madrid. SERGIO PEREZ
Rang 10: Eden Hazard (BEL), Linksaussen. Wechselte im Juni 2019 für 100 Millionen Euro von Chelsea zu Real Madrid. Rodrigo Jimenez
Platz 9: Gareth Bale (WAL), rechtes Mittelfeld. Wechselte im September 2013 für 101 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zu Real Madrid. Andres Kudacki
Platz 8: Paul Pogba (FRA), Mittelfeld. Wechselte im August 2016 für 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United. Martin Rickett
Platz 7: Cristiano Ronaldo (POR), Sturm. Wechselte im Juli 2018 für 117 Millionen Euro von Real Madrid zum Juventus Turin. ALESSANDRO DI MARCO
Platz 6: Antoine Griezmann (FRA), Mittelstürmer. Wechselte im Juli 2019 für 120 Millionen Euro von Atlético Madrid zum FC Barcelona. Quique Garcia
Platz 5: Ousmane Dembélé (FRA), Offensives Mittelfeld. Wechselte im August 2017 für 125 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum FC Barcelona. ALEJANDRO GARCIA
Platz 4: Joao Felix (POR), Sturm. Wechselte im Juli 2019 für 126 Millionen Euro von Benfica Lissabon zu Atlético Madrid. FERNANDO VELUDO
Platz 3: Kylian Mbappé (FRA), Sturm. Wechselte im Juni 2018 für 135 Millionen Euro von der AS Monaco zu Paris Saint-Germain. JULIEN DE ROSA
Platz 2: Philippe Coutinho (BRA), Mittelfeld. Wechselte im Januar 2018 für 145 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona. Alejandro Garcia
Platz 1: Neymar (BRA), Sturm. Wechselte im August 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain. Michel Euler

Entscheiden sich Vereine aus sportlichen Gründen für einen Spieler wie Ronaldo oder geht es um die Vorteile im Sponsoring?
Sportliche Kriterien stehen nach wie vor im Vordergrund. Sonst hätten die grossen Klubs schon längst spielerisch limitierte Spieler aus China verpflichtet – dem interessantesten neuen Absatz- und Werbemarkt. Aber es ist zweifellos so, dass man sich nebst den sportlichen Überlegungen natürlich auch Gedanken dazu macht, welche Vorteile ein Spieler dem Klub im Sponsoring oder allgemein medial bringen kann. Das geschieht bei vielen Transfers im Profifussball, nicht nur bei Superstars wie Ronaldo.

«Die Fussballfans in Asien sind häufig sehr viel mehr auf einzelne Stars fokussiert als auf Vereine.»

Und was bringen Cristiano Ronaldo seine Millionen Follower bei Vertragsverhandlungen?
Über die Details solcher Transfergespräche wird ja meistens Stillschweigen vereinbart. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Ronaldo und sein Berater die Aufmerksamkeitssteigerung, welcher er Juventus bringt, aufs Parkett gebracht und entsprechende finanzielle Gegenleistungen eingefordert haben.

Sie haben vorhin China erwähnt. Asien gilt als Eldorado für europäische Spitzenklubs, wo sich mit Trikotverkäufen, TV-Geldern und Werbepartnerschaften Milliarden verdienen lassen. Was bedeutet der Ronaldo-Wechsel für Juventus und für Real in Bezug auf Asien?
Die Fussballfans in Asien sind tatsächlich häufig sehr viel mehr auf einzelne Stars fokussiert als auf Vereine. Insofern ist Ronaldo für Juventus ein Glücksfall: Viele seiner asiatischen Fans werden ihre Real- nun gegen Juventus-Trikots austauschen und auf den sozialen Medien nun den Turinern folgen. Das war etwa beim Transfer von David Beckham von Manchester United zu Real Madrid der Fall: Millionen Beckham-Fans in Asien wurden über Nacht von ManUnited- zu Real-Anhängern.

So würden sich deine Fussball-Stars in der Badi verhalten

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