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Wie lange kann das Contact Tracing noch aufrecht erhalten werden? Bild: keystone

Contact Tracer am Anschlag – so viel Personal bräuchten die Kantone wirklich

Die täglich durchgeführten Coronatests steigen und mit ihnen auch die Fallzahlen in der Schweiz. Wie lange können die Contact-Tracing-Teams der Flut der Neuansteckungen noch standhalten? Wir haben nachgerechnet.

Publiziert: 16.09.20, 06:10 Aktualisiert: 16.09.20, 13:47

Am Dienstagvormittag schlug der Kanton Waadt Alarm: Die Hospitalisierungsrate im Kanton steige wieder an, ältere Menschen sind wieder vermehrt betroffen. 1668 Neuinfektionen verzeichnete der Kanton in den letzten zwei Wochen, durchschnittlich 119 pro Tag. Der Kanton Waadt ist mittlerweile für rund einen Drittel aller Neuinfektionen der Schweiz verantwortlich.

Auch die Positivitätsrate der Coronatests ist im Kanton Waadt mit über sieben Prozent hoch. Zum Vergleich: In Zürich liegt die Positivitätsrate bei unter drei Prozent.

Durchschnittliche Anzahl täglicher Neuinfektionen der letzten zwei Wochen

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Die steigenden Zahlen machen das Contact Tracing zur grossen Herausforderung. Nicht nur in der Waadt, auch in anderen Kantonen. Wie der «Tagesanzeiger» berichtete, müssen Infizierte teilweise tagelang warten, bis sie kontaktiert werden.

Daniel Koch meinte zu Beginn der Pandemie im Frühling noch, dass es bei mehr als 100 Neuinfektionen pro Tag schwierig werde, die Kontakte nachzuverfolgen. Diese Grenze wurde längst überschritten. Die Kantone scheinen aber mittlerweile besser vorbereitet zu sein. Die Teams wurden aufgestockt, in Zürich arbeiten 250 Tracer à 100 Vollzeitstellen.

Trotzdem stellt sich die Frage: Wie lange geht das noch gut?

20 bis 40 Stunden pro Coronafall

Um diese Frage zu beantworten, müssen ein paar Variablen gesetzt werden. Zuerst der Zeitaufwand, der pro positiv getesteter Person und deren Umfeld fürs Contact Tracing entsteht.

Der Kanton Bern beziffert diesen auf seiner Website auf 20 bis 40 Stunden. Zur Berechnung nehmen wir also 30 Stunden. In dieser Zeit müssen im Schnitt 20 Personen ausfindig gemacht werden.

Weiter gehen wir von einer täglichen Arbeitszeit von 8,4 Stunden aus und rechnen mit der Anzahl Vollzeitstellen bei Tracern, nicht der absoluten Anzahl an Tracern.

Ein Rechenbeispiel: Im Kanton Zürich wurden in den letzten zwei Wochen durchschnittlich 68 Fälle pro Tag gemeldet. Jeder Fall bedeutet 30 Stunden Arbeitsaufwand. Also 2040 Stunden, oder 242 Arbeitstage. Es bräuchte also theoretisch 242 Vollzeit-Tracer im Kanton Zürich, um die Neuansteckungen zu bewältigen. Vorhanden sind 100.

Für die Top-5-Kantone in Sachen Neuansteckungen sieht das dann wie folgt aus:

Ein Personen-Icon = 10 Contact Tracer. In Bern bräuchte es also 90. In Zürich 242. bild: reto fehr

Der Kanton Waadt bräuchte theoretisch 420 Contact Tracer, die jeden Tag arbeiten, um die aktuelle Fallzahl zu bewältigen. Derzeit sind 100 Tracer im Einsatz, die insgesamt 50 Vollzeitstellen abdecken.

Auch bei den anderen Kantonen ist ziemlich genau bekannt, wie viele Contact Tracer am Werk sind. Und es sind überall zu wenig. Theoretisch. Denn auf Nachfrage heisst es stets, das man zwar gefordert, aber die Anzahl Fälle noch bewältigbar sei.

Wie genau das aufgeht, ist nicht klar. Manche Kantone, zum Beispiel Basel, haben damit angefangen, Abstriche bei der Nachbetreuung von Reiserückkehrern zu machen. Auch können gewisse Personen nicht fristgerecht kontaktiert werden und fallen damit gänzlich aus der Liste.

Wie der «Tagesanzeiger» zudem berichtet, werden Erkrankte teilweise gebeten, ihre Kontaktpersonen selber zu informieren und in Quarantäne zu schicken.

Wie lange das Contact Tracing also noch aufrecht erhalten werden kann, ist unklar. Bundesrat Alain Berset will auf jeden Fall nicht aufgeben. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte er: «Egal was passiert, egal wie hoch die Fallzahlen sind: Wir werden das Contact-Tracing bis zum Ende der Krise durchziehen.»

Bilder der Corona-Demo in Berlin

Knapp 20'000 Personen forderten am 1. August in Berlin ein Ende der «Corona-Diktatur». keystone / FELIPE TRUEBA
Veranstalter hatten zunächst 500'000 Teilnehmer angekündigt. Laut Polizei sind 17'000 gekommen. keystone / FELIPE TRUEBA
Darunter radikale Impfgegner, Esoteriker und Verschwörungserzähler wie auch Antisemiten und Rechtsextremisten. keystone / FELIPE TRUEBA
Menschen mit Mund-Nasen-Schutz wurde aus dem Protestzug «Masken weg» entgegengerufen. keystone / Markus Schreiber
Am Nachmittag wurde auf der Kundgebungsbühne erst von 800'000, dann von 1,3 Millionen Menschen gesprochen. keystone / Markus Schreiber
Die Polizei ging «in der Spitze» von etwa 17'000 Teilnehmenden aus. Bei einer anschliessenden Kundgebung sollen rund 20'000 Personen teilgenommen haben. keystone / Markus Schreiber
Die Corona-Demonstrierenden verbreiteten mit Fake-Bildern die Falschmeldung, in Berlin hätten über eine Million Menschen gegen Corona-Massnahmen demonstriert. Hier ist nicht Berlin, sondern die Street Parade in Zürich zu sehen.
Im Internet wurden die Fake-News der Corona-Leugner schnell entlarvt.
Auch Parolen wie «Die grösste Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie» waren zu hören. keystone / Paul Zinken
Das Motto der Demonstration lautete «Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit». Den Titel «Tag der Freiheit» trägt auch ein Propagandafilm der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl über den Parteitag der NSDAP 1935. keystone / Paul Zinken
Gegendemonstranten unter dem Motto «Omas gegen rechts» riefen dem Zug «Nazis raus» entgegen keystone / Christoph Soeder
Angela Merkel ist das Feindbild der Corona-Demonstrierenden. keystone / Christoph Soeder
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier plädiert für härtere Strafen bei Verstössen gegen die Corona-Regeln. «Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat», sagte der CDU-Politiker. keystone / FELIPE TRUEBA
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das Demonstrationsrecht unterstrichen, zugleich aber harsche Kritik am Berliner Protestzug gegen staatliche Corona-Beschränkungen geäussert. keystone / Christoph Soeder
«Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so», schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. keystone / FELIPE TRUEBA
Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur «mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist» zu meistern. keystone / Markus Schreiber
Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken schrieb auf Twitter: «Tausende #Covidioten feiern sich in #Berlin als «die zweite Welle», ohne Abstand, ohne Maske. Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Unverantwortlich!» keystone / FELIPE TRUEBA
Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann schrieb auf Twitter: «Wieder 1000 Neuinfektionen/Tag und in Berlin wird gegen Coronaauflagen demonstriert? Diesen gefährlichen Blödsinn können wir uns nicht mehr leisten.» sda / Christoph Soeder
Laut Polizei wurden die Hygieneregeln während der Demo nicht eingehalten. keystone / FELIPE TRUEBA
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keystone / Markus Schreiber
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Video: sda / SDA

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