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Ein atypisches Foto von Panda Eyes. Live-Auftritte des Schweizer Dubstep-Produzenten wie hier am Blacklist Festival in Oberhausen (2019) sind eine Seltenheit. bild: Marius Joe Pohl

Wie der Zürcher Musiker Panda Eyes ohne Label 14'000 Franken pro Monat verdient

Publiziert: 13.08.20, 12:31 Aktualisiert: 14.08.20, 11:08

«Wo sind demfall meine 900 Kröten?», fragte unser Oliver Baroni, nachdem wir über die mutmasslichen Einnahmen ausgewählter Schweizer Bands und Solokünstler mit Spotify berichteten. Unser Food-Guru bearbeitet bei Hillbilly Moon Explosion den Kontrabass. Mit ca. 15'000 täglichen Streams sollte Olis Band ungefähr 900 Franken pro Monat mit Spotify verdienen.

Die Krux ist die: Die Einnahmen hängen stark von zwei Faktoren ab – von den Streams selber und den Verträgen mit dem Label. Bei den Streams spielen das Bezugsland und das Abonnement eine Rolle. Die Höhe der Auszahlung kann so bis zu 500 Prozent variieren. Bei den Verträgen mit dem Label oder dem Distributor sind es andere Faktoren: «Ein traditioneller Vertrag beinhaltet eine sogenannte Recoupment-Klausel. Das bedeutet, dass das Label so lange sämtliche Streaming-Einnahmen kassiert, bis sämtliche vorgängigen Ausgaben für den Künstler / die Band gedeckt sind», erklärt der Musikbusiness-Stratege Phil Indlekofer. «Zu diesen Ausgaben gehören im internationalen Umfeld ein Vorschuss für die Band, die Musik- und Videoproduktion und der Tour-Support, in neueren Profit-Sharing-Modellen manchmal auch Kosten für Distribution, Marketing und Pressearbeit.» So kann es Monate oder Jahre dauern, bis eine teure CD-Produktion amortisiert ist. Nochmals Indlekofer: «Im Musikbusiness herrscht eine unkontrollierbare Unsicherheit, was auf dem Markt tatsächlich funktioniert und was nicht. Früher war es so, dass ungefähr neun von zehn CDs nie schwarze Zahlen schrieben.» Vielleicht werden Baronis 900 Bucks von der Recoupment-Klausel geschluckt. Anyway.

Sich komplett von solchen Verträgen gelöst hat Oskar Gabriel Steinbeck alias «Panda Eyes». Seit 2015 lebt er hauptberuflich von der Musik – und nach einem kurzen Ausflug zu einem Label ist er nun wieder unabhängig.

Oskar Gabriel Steinbeck alias Panda Eyes in Denver, Colorado: Seine Musik produziert er aber zuhause in Zürich. bild: Alex Mocaer

Panda Eyes ist ein sogenannter «Bedroom Producer». In der Dubstep-, Glitch-Hop- und Drumstep-Szene geniesst er einen hervorragenden Ruf. Ohne Label auszukommen, kann er sich leisten, weil er nicht auf teure CD-Produktionen angewiesen ist. Mit CDs verdient er kein Geld. Auch mit Downloads macht er nur ein besseres Taschengeld. Tantiemen von Schweizer Radiosendern? Ebenfalls Fehlanzeige. Ähnlich steht es um einen weiteren klassischen Haupterwerb von Schweizer Musikern: Live-Auftritte. Auch diese halten sich in Grenzen – und finden hauptsächlich im Ausland statt. Dann dafür aber richtig: Zum Beispiel in Los Angeles 2018 und in Oberhausen im Oktober 2019 (bereits mit Maske!).

Panda Eyes in L.A. 2018

Video: YouTube/OfficialPandaEyes

Panda Eyes 2019 in Oberhausen

Video: YouTube/OfficialPandaEyes

Haupteinnahmequelle von Panda Eyes sind Streams auf Spotify und Werbung auf YouTube. Weil er ohne Label auskommt, streicht er (beinahe) sämtliche Einkünfte durch Streaming-Dienste selber ein. Auf den ersten Blick verlockende Angebote von Labels weist er bewusst zurück. Denn am Ende geht für ihn die Rechnung ohne Label besser auf.

Um allerdings von Streams und YouTube-Videos leben zu können, braucht es davon eine Menge. Eine ausserordentlich grosse Menge. Vor allem bei YouTube.

Täglich werden 80'000 Panda-Eyes-Songs gehört – alleine auf Spotify. Regelmässig, Tag für Tag, und das Monat für Monat. Manchmal sind es mehr, manchmal ein bisschen weniger. In den letzten 28 Tagen waren es 78'000. Das bringt ihm laut Aussagen seines Managements schon einmal ein Grundeinkommen von fast 5000 Franken.

Etwa denselben Betrag generiert er mit YouTube-Videos (YouTube Content ID). Sein Kanal zählt pro Monat eine halbe Million Views. Weil seine Videos auch durch andere Kanäle gestreut werden, werden weltweit täglich 480'000 Panda-Eyes-Videos geschaut (oder auch nur gehört). Die Zahl ist enorm.

Das Management von Panda Eyes hat uns eine vereinfachte Abrechnung für seine Einkünfte eines Durchschnittsmonats zusammengestellt. Nicht darin enthalten sind die Ausgaben. Diese betragen im Monat zwischen 2000 und 3000 Franken. bild: alex mocaer/watson.ch

Zu den beiden Grundpfeilern seines Salärs kommen kleinere Beträge von Google Play / YouTube Music, Apple Music und anderen – zum Beispiel dem chinesischen Streamingdienst music.163.com, der zum NetEase-Imperium gehört.

Der einzige grössere Posten auf der Ausgabenseite ist das Management, das auf Stundenbasis bezahlt wird und nicht automatisch Prozente kassiert.

Wird das Panda-Eyes-Modell das Zukunftsmodell in der Musikbranche? Haben Labels wegen Spotify bald ausgedient? Ja und Nein, glaubt Experte Indlekofer: «Im heutigen Musikbusiness ist jeder Artist sein eigenes Startup und verschiedene Modelle und Einnahmequellen werden co-existieren. In gewissen Nischen, gerade in der elektronischen Musik, wo Produktions- und Promotionskosten überschaubar bleiben, wird dieses Modell sicher Schule machen – macht es bereits Schule. Im grossen internationalen Mainstream und Pop wird es schwieriger. Die gesamte notwendige Arbeit, Beziehungen und grosse finanzielle Aufwände, u.a. auch die Radiostationen zu beackern, wird mehrheitlich wohl immer noch von Labels oder Label-ähnlichen Partnern gestemmt werden müssen.» Einen Newcomer in einem Major-Markt zu lancieren, kostet etwa zwischen einer halben und zwei Millionen Dollar. Ohne Garantie auf Erfolg.

Wer jetzt glaubt, er könne selber mit einer Software schnell ein paar Knöpfe drücken und sich damit ein Einkommen von 10'000 Franken generieren, ist naiv. Das sieht auch Phil Indlekofer so: «Die Einstiegshürden sind durch Angebote wie Garage-Band und Spotify gefallen. Dafür ist die Konkurrenz gestiegen. 40'000 Songs werden täglich auf Spotify hochgeladen, 20'000 davon beantragen eine Aufnahme in eine der Spotify-Listen. Um da herauszustechen, muss man einen Nerv treffen.» Und genau das tut Panda Eyes offensichtlich.

Darum löscht Spotify Musik von R. Kelly aus Playlisten

Video: srf/Roberto Krone

So schlägt sich Apple Music gegen Spotify und Co.

Streamingdienste im Vergleich: Obwohl Musik in erster Linie zuhause gehört wird, konzentrieren sich die Anbieter von Mietmusik vor allem auf Smartphone-Nutzer. Apps für iOS und Android bieten alle Dienste an, für Windows Phone und Blackberry gibt es nicht immer eine passende Software.
Neuzugang Apple Music: Mit dem Software-Update auf iOS 8.4 kommt das Angebot des kalifornischen Konzerns auf iPhones, iPads und iPod touch. Mac- und Windows-User bekommen den Zugang über ein iTunes-Update, Android-Nutzer müssen noch bis Herbst warten.
Beim Normalpreis orientiert sich Apple am Branchenstandard und verlangt knapp 13 Franken pro Monat. Ein Familienabo für bis zu sechs Personen kostet 19.90 Franken. Bevor man bezahlt, kann man den Dienst drei Monate lang kostenlos testen.
Branchenführer Spotify freute sich gerade erst über 20 Millionen Bezahlkunden (insgesamt 75 Mio. Nutzer) und meldete am 30. Juni, dass er nun auch die Musik von AC/DC im Streaming anbieten kann. Auch bei anderen Diensten sind die Alben der Altrocker neuerdings verfügbar.
Mit Running hat Spotify erst kürzlich eine interessante Zusatzfunktion für Sportler eingeführt. Über die Bewegungssensoren des Handys erkennt die App das Schritttempo und stellt dazu passende Songs zusammen.
Beim Musikhören wird im Grossformat und in guter Auflösung das zum jeweiligen Song gehörende Plattencover eingeblendet.
Die Zusatzfunktionen sind es, die Spotifys Mehrwert ausmachen. So kann man mit wenigen Fingertipps einen Song oder ein Hörbuch zu einer Playlist hinzufügen oder einen persönlichen Radiosender erstellen, der auf diesem Song basiert.
In der Play-Ansicht von Deezer sind etliche Funktionen gruppiert. Aktiviert man «Synchronisieren», werden die entsprechenden Songs zur Offline-Nutzung heruntergeladen, tippt man das Sternchen an, werden sie zur persönlichen Musikbibliothek hinzugefügt.
Das Gegenstück zum Musikkenner im Plattenladen sind bei Deezer die redaktionellen Empfehlungen mit sehr knappen Kommentaren zur jeweiligen Musik.
Die Benutzeroberfläche von Deezer ist mit Symbolen für verschiedene Funktionen wie etwa das Liken von Songs angefüllt. Eine Besonderheit ist das Mikrofonsymbol in der Mitte. Wer darauf tippt ...
... gelangt zum Text des gerade laufenden Titels.
Google Play Music kombiniert online abrufbare Songs mit der eigenen Musikbibliothek, die man auf den Service hochladen kann. Ein wichtiger Unterschied zwischen iOS- und Android-App: Nur mit der Android-Variante lässt sich Musik direkt übers Handy kaufen.
Beim Abspielen füllt die Google-App den ganzen Bildschirm mit dem jeweiligen Plattencover aus, auf freien Flächen wird eine passende Farbe angezeigt.
Ähnlich wie bei Spotify lassen sich auch in Googles App beim Abspielen eines Songs einige Zusatzfunktionen aufrufen.
Verglichen mit der Konkurrenz wirkt das Design der App von Xbox Music (seit Mitte 2015 heisst der Dienst Microsoft Groove) etwas spröde. Dafür ist die App extrem übersichtlich und aufgeräumt.
Auch die Übersicht der Radiosender, die Xbox Music bietet, scheint zunächst sehr dürftig. Erst wenn man einige Sender ausprobiert hat, wird sie attraktiver, weil der viele Freiraum mit vergrösserten Darstellungen der bisher benutzten Sender aufgefüllt wird. So lassen sich oft genutzte Kanäle schneller aufrufen.
In der Albumansicht ist die Xbox-Music-App auf das Nötigste reduziert: den Play-Button.
Erst wer den gerade laufenden Song aufruft, indem er auf das Symbol am unteren Bildschirmrand tippt, bekommt mehr Optionen angezeigt.

Die Musiker TUWAN sprechen über Heimat und Rassismus

Video: watson / lea bloch

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