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Für Schulkinder und Eltern beginnt jetzt das Quarantänen-Roulette

Publiziert: 01.09.21, 10:06

Die Ferien sind vorbei, für die Schweizer Schul- und Kindergartenkinder heisst es wieder Schulranzen packen, Hausaufgaben machen, z'Nüni nicht vergessen.

Doch für wie lange?

An diversen Schulen werden in den ersten Wochen seit den Sommerferien Kinder positiv auf Covid-19 getestet. In Zürich Nord wird eine Kindergartenklasse in Quarantäne geschickt. Die Vier- und Fünfjährigen müssen für ein paar Tage zu Hause bleiben.

An derselben Schule trifft es auch eine Betreuungsgruppe mit Schulkindern. Wer an den freiwilligen Massentests teilnimmt, darf zwar weiterhin am Unterricht teilnehmen, jegliche Aktivitäten ausserhalb der Schule sind aber untersagt. Zum Beispiel die Teilnahme an privaten Geburtstagsfeiern.

Die Quarantäne hängt wie ein Damoklesschwert über den Schweizer Klassenzimmern. Wer es in den Händen hält, ist für Eltern nicht immer klar, noch willkürlicher ist, wann und wie es niederfährt. Denn nicht überall werden Quarantänen so schnell gesprochen wie in Zürich Nord.

Exekutive in Sachen Quarantäne sind die Kantone, auch wenn die Richtlinien dafür vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) abgesteckt werden:

  • Die Quarantäneregeln sind für Geimpfte/Genesene und Ungeimpfte unterschiedlich.
  • Geimpfte/genesene Personen sind unter gewissen Umständen von der Quarantänepflicht befreit. Wer sich in den letzten Monaten impfen liess, erfüllt diese Umstände mit grosser Wahrscheinlichkeit.
  • Entscheidend für eine Quarantänemassnahme ist, ob «enger» Kontakt zu einer positiv getesteten Person stattgefunden hat – und ob die Infizierte ansteckend war zu dem Zeitpunkt.
  • «Enger» Kontakt wird definiert mit 15 Minuten pro Tag (kumulativ) und das mit weniger als 1,5 Metern Abstand ohne Schutzmassnahmen wie Masken / Trennwände.
  • Für Kinder unter 6 Jahren gelten besondere Regeln. So heisst es: «Wenn in einer Schulklasse/Betreuungsgruppe drei oder mehr Kinder Symptome haben und die kantonalen Stellen davon in Kenntnis gesetzt wurden, dann legen sie in Absprache mit den betreuenden Kinderärzten das weitere Vorgehen für die Kinder fest.»

Der Ball für Quarantäne-Massnahmen an Schulen liegt bei den Kantonen und Ärzten. Diese interpretieren ihren Spielraum unterschiedlich, wie watson-Anfragen zu einem Beispiel einer vierköpfigen Familie zeigen. Denn was in Zürich in einer Quarantäne enden kann, wird in anderen Kantonen mehr oder weniger weggelächelt.

Beispiel: Sohn Sam (4) geht in den Kindergarten, Tochter Tilda (8) geht in die dritte Klasse. In Sams Kindergartenklasse werden zwei Kinder positiv auf das Coronavirus getestet.

Im Kanton Basel-Stadt passiert in diesem Fall erstmal nichts. Der gemeinsame Besuch des Kindergartens wird per se nicht als enger Kontakt gewertet (Reminder: Als Richtlinie für «engen» Kontakt gelten 15 Minuten pro Tag (kumulativ) in unter 1,5 Meter Abstand ohne Schutzmassnahmen). Die Stadtbasler Einschätzung teilt man so im Kanton Glarus.

Die Beurteilung der Fälle liegt in den Händen des Contact-Tracings des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes. Beeinflussende Faktoren sind das Alter, der ansteckungsrelevante Zeitraum, die Symptomatik, die Anzahl der erkrankten Personen, die Dauer des Kontaktes, der letzte Kindergartenbesuch etc.

Inwiefern diese Daten in Kindergärten valide erhoben werden können, steht nicht zur Debatte.

Ähnlich ist das Vorgehen in St.Gallen. Bei zwei oder mehr Erkrankungen innerhalb von 10 Tagen bespricht die Schulleitung zusammen mit dem Contact-Tracing mögliche Massnahmen. Im Gegensatz zu Zürich werden hier nicht ganze Kindergarten-Klassen unter Quarantäne gesetzt.

Aus Luzern erhalten wir die Antwort, dass es keine fixen «Wenn-Dann-Entscheide» gäbe – jeder Fall sei anders. Etwas transparenter ist der Kanton Graubünden. Ab vier erkrankten Kindern innerhalb von kurzer Zeit muss die gesamte Kindergartenklasse in Quarantäne. Den finalen Entscheid fällt das Gesundheitsamt. Beinahe sämtliche Schulen beteiligen sich hier an den Massentests.

Zurück zum bevölkerungsreichsten Kanton. Auf unsere schriftliche Anfrage kriegen wir in nützlicher Frist (24 Stunden) keine Antwort. Wir rufen deshalb beim Contact-Tracing an. Dort wird uns geraten, die Quarantäne auf Sams Eltern, falls ungeimpft, auszuweiten, auch auf Tochter Tilda. Die Begründung: Bei einer Quarantäne eines so jungen Kindes könne die vom Bund geforderte Isolation von anderen Familienmitgliedern nicht gewährleistet werden. Es komme zwangsläufig zum «engen» Kontakt.

Andere Kantone, andere Sitten. Schulkinder und Eltern tun auf jeden Fall gut daran, sich auf rasch verändernde Verhältnisse einzustellen.

Die 99-Prozent-Initiative kurz erklärt

Video: watson/lea bloch

Vom Minirock zur Burka – Frauen in Afghanistan

Kabul 1972: Studentinnen in Miniröcken sind im Neubauviertel Shar-e-Naü unterwegs. Eine dünne städtische Oberschicht in Afghanistan übernahm westlichen Lebensstil und westliche Kleidung. Laurence BRUN /Gamma-Rapho via Getty Images
Ebenfalls Kabul im Jahr 1972: Diese Frauen tragen die Burka, die traditionelle afghanische Ganzkörperverschleierung. Laurence BRUN/Gamma-Rapho via Getty Images
Afghanische Frauen 1967 in westlicher Kleidung vor dem Flughafen Kabul. Dieser Aufzug war nicht ungefährlich; es kam vor, dass religiöse Fanatiker Säure auf die nackten Beine der Frauen spritzten. Getty Images
Westlich gekleidete Frauen 1968 in Afghanistan. Twitter
Nicht alle westlich Gekleideten waren Einheimische: In den 60er- und 70er-Jahren kamen jedes Jahr zehntausende von Hippies nach Kabul – wie diese Hippie-Familie 1971. Die Stadt war ein wichtiger Knotenpunkt auf dem sogenannten Hippie-Trail von Europa nach Südasien. A family of hippies in Afghanistan, 1971. (Photo by Anwar Hussein/Getty Images)
Strassenszene in Kabul 1979. In diesem Jahr marschierte die Rote Armee in Afghanistan ein, um das kommunistische Regime an der Macht zu halten. Twitter/SeyranAtes
Kabul im selben Jahr: Frauen in Burka vor dem Hauptquartier der Kommunistischen Partei. Francois LOCHON/Gamma-Rapho via Getty Images
Junge Leute beider Geschlechter flanieren im Park, Kabul 1988. In diesem Jahr begann der Abzug der sowjetischen Truppen; ein Jahr später herrschte Bürgerkrieg. Patrick ROBERT/Sygma via Getty Images
Kabul im selben Jahr: Eine Frau in Burka geht an Friseuren vorbei, die ihrem Geschäft auf der Strasse nachgehen. Patrick ROBERT/Sygma via Getty Images
Bewaffnete Frau an einer Demonstration der Kommunistischen Partei Afghanistans während des sowjetischen Truppenabzugs 1989. Das kommunistische Regime konnte sich noch bis 1992 halten, dann fiel Kabul an die Mudschaheddin – die sich sofort in einem nächsten Bürgerkrieg zerfleischten, bis schliesslich die Taliban 1996 die Macht übernahmen. Patrick ROBERT/Sygma via Getty Images
Nach der Machtübernahme der Taliban war es endgültig vorbei mit westlicher Kleidung für Frauen. Und nicht nur damit: Frauen wurde die Erwerbsarbeit verboten und Mädchenschulen wurden geschlossen. Robert Nickelsberg/Getty Images

Die 99-Prozent-Initiative kurz erklärt

Video: watson / lea bloch

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