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In der Livesendung zeigt die Schauspielerin und Moderatorin Palina Rojinski ihre Dick-Pic-«Sammlung». bild: screenshot youtube.com

Warum Joko und Klaas hätten sagen müssen, dass auch sie Frauen sexuell belästigt haben

Die Entertainer Joko und Klaas machten in einem Video auf sexuelle Gewalt und Belästigung aufmerksam. Doch einst taten sie genau das. Thematisiert haben sie das in ihrem Beitrag nicht. Warum das ein Fehler ist.

Publiziert: 14.05.20, 17:58 Aktualisiert: 15.05.20, 20:55

Am Mittwochabend lösten Joko und Klaas die 15 Minuten Sendezeit ein, die sie in ihrer Duell-Show gegen Prosieben gewonnen haben. Der Moderator Klaas Heufer-Umlauf kündigte auf Twitter an, dass das wohl die speziellsten 15 Minuten sein würden, die sie je gesendet hätten.

In der Livesendung begrüsste die deutsche Journalistin Sophie Passmann die Zuschauerinnen und Zuschauer. «Es wird hart, es wird bitter, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch. Willkommen bei der Ausstellung ‹Männerwelten›.» Zuerst zeigt Schauspielerin und Moderatorin Palina Rojinski ihre «Sammlung» an Dickpics, die sie ständig zugesendet bekommt. Passman führt während 15 Minuten durch Geschichten von Frauen, die Opfer von sexueller Belästigung, sexueller Gewalt und Vergewaltigung wurden.

Die Aktion geht unter die Haut. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das Video derzeit auf den sozialen Medien, auf Twitter trendet der Hashtag #männerwelten. Alle sind sich einig: Der Beitrag ist richtig und wichtig. In der Kommentarspalte auf YouTube schreibt jemand: «Ich liebe den Fakt, dass Joko und Klaas sich dazu entschieden haben, bei diesem speziellen Thema selber nicht in diesem Video aufzutreten. Das zeigt auch, wie viel Sensibilität sie dafür haben.»

Doch genau da liegt das Problem.

Denn die beiden Entertainer taten einst genau das, was sie 15 Minuten lang von den Frauen anprangern liessen: 2012 beauftragte Klaas in der ZDF «neoParadise»-Sendung, Kumpel Joko einer Messe-Hostesse doch Mal kurz an die «Moppen und den Arsch zu fassen». Was dieser dann auch tat – vor laufender Kamera. Der Frau war es sichtlich unangenehm, sie versuchte zu lächeln und zuckte mit den Schultern. Klaas sagt lachend zu Joko: «Gott aber der war das auch so unangenehm, die stand da und hat sich wirklich so entwürdigt gefühlt. Die fährt jetzt nach Hause und dann wird die schön heulen unter der Dusche.»

Der Aufschrei folgte prompt. Die beiden Moderatoren entschuldigten sich darauf öffentlich auf Twitter. «Wir haben lustigen Quatsch mit fahrlässigem, beleidigendem Schwachsinn verwechselt.»

Angesichts dieser Vorgeschichte, hinterlässt der Pro-Sieben-Beitrag von Mittwochabend einen fahlen Beigeschmack. Dass Joko und Klaas sexistische und sexualisierte Gewalt an Frauen wirklich ernst nehmen, ist plötzlich schwer zu glauben.

Sie hätten klarstellen müssen, dass sie Teil des Problems waren. Sie hätten vermitteln können, was sie nach der Sendung von damals gelernt haben und warum sie sich jetzt an einem anderen Punkt befinden. Denn was es dringend braucht, um sexueller Belästigung und Übergriffen auf Frauen aus der Welt zu schaffen, sind selbstkritische Männer, die fähig sind, ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Männer, die einschreiten, wenn sich ihre Kumpels sexistisch verhalten, die den Mut haben, hinzustehen und zu sagen, dass sie keinen Bock mehr haben, mitzulachen und sich nicht mehr zu Mittäter machen.

Joko und Klaas hätten wahre Grösse bewiesen können. Ihre Aktion hätte so die Wichtigkeit erhalten, die sie eigentlich verdient. Denn das letzte was Frauen in dieser Diskussion brauchen, ist der vermeintliche Opportunismus zweier Männer, die sich als feministische Wohltäter inszenieren möchten.

Der Frauenstreik 2019 in Bildern:

Sitzstreik in der Berner Kramgasse. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Viele Transparente in Lausanne. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Der Demo-Umzug in Zürich. KEYSTONE / MELANIE DUCHENE
Der Bundesplatz platzt aus allen Nähten. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Auch in St.Gallen wird demonstriert. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Am heutigen Freitag findet in der Schweiz der Frauenstreik statt. Der Kampftag für die Gleichstellung der Geschlechter ist dezentral organisiert und geht an vielen Orten mit mannigfaltigen Aktionen über die Bühne. Im Bild: Streikende Frauen in Luzern. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Lehrerinnen und Mütter am Frauenstreik im Zürcher Kreis 3. KEYSTONE / WALTER BIERI
Frauen blockieren die Tramgeleise am Zürcher Central. KEYSTONE / WALTER BIERI
Streikende Frauen in Luzern. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Frauen streiken in Luzern. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Streikende Frauen in Luzern. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Aktivistinnen richten sich an einer Strassenecke neben einer Skulptur einer Klitoris ein, Bern. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Frauenstreik in Zürich. KEYSTONE / WALTER BIERI
Mitarbeiterinnen einer KiTa legen ihre Arbeit nieder anlässlich den Frauenstreik, Winterthur. KEYSTONE / MELANIE DUCHENE
Teilnehmerinnen am Frauenstreik erstellen Plakate während einer Kundgebung zum Frauenstreik auf dem Bundesplatz. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Die Skulptur Helvetia auf Reisen wurde mit Tüchern und Plakaten eingedeckt, Basel. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
Zwei Frauen ziehen eine Klitoris-Skulptur über die Hardbrücke in Zürich. KEYSTONE / DETLEV MUNZ
Die SP-Nationalraetinnen Nadine Masshardt, Yvonne Feri, Laurence Fehlmann Rielle, Priska Seiler Graf, Barbara Gysi, Mattea Meyer, und Jacqueline Badran, von links, posieren für ein Selfie. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundesrätin Viola Amherd, rechts, zeigt sich, neben Walter Mueller, FDP-SG, und Nationalratspraesidentin Marina Carobbio Guscetti, mit einem Button solidarisch mit dem Frauenstreik im Nationalrat, während der Sommersession der Eidgenössischen Räte. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
In Lausanne werden Strassen umbenannt. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Im Café «P'ti Bar» in Lausanne streikt frau heute auch. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Seit Mitternacht gab es bereits erste Aktionen, wie hier in Lausanne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Eine Frau verbrennt ihren BH, Lausanne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Die Kathedrale von Lausanne ist in violettes Licht getaucht. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Vor der Kathedrale gab's eine Versammlung. Mit viel Lärm läutete man den Frauenstreik ein. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
«Girls just wanna have FUNdamental rights!», in Lausanne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Das Logo des Frauenstreiks vom 14. Juni wird von der gegenüberliegenden Seite des Rheins auf den Roche-Turm projiziert in Basel, am Donnerstag, 13. Juni 2019. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS

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