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«Mann+Frau geht, Frau+Frau geht irgendwie, Mann+Mann geht nicht», twittert ein CVPler

«Wir sollten in den Grenzen der Biologie bleiben», findet der Präsident der CVP Luzern in Bezug auf die Familienplanung und tritt damit einen Shitstorm auf Twitter los. Nun will er die Zurich Pride besuchen.

Publiziert: 09.05.18, 13:26 Aktualisiert: 25.05.18, 10:30

Als ein junger CVPler am Montagmorgen ein Zitat der ehemaligen Bundesrätin Ruth Metzler auf Twitter teilt, kann er noch nicht ahnen, dass unter seinem Tweet zwei Tage später ein regelrechter Shitstorm stattfinden wird. 

Der Grund dafür ist Christian Ineichen, der Präsident der CVP Luzern. Dieser reagiert auf die Forderung von Kaufmann nach einer Ehe für alle. Seine Antwort:

Darauf wird Ineichen gebeten, sich konkreter zu äussern. Das tut er, indem er einen Tweet absetzt, für den er die darauffolgenden Stunden heftig angegangen werden wird. 

Sein Tweet bezieht auf die verschiedenen Familienmodelle, von denen er das «klassische» bevorzugt. Was er davon hält, wenn zwei homosexuelle Männer gemeinsam ein Kind adoptieren, drückt er mit einem weiteren Tweet aus:

Die heftigen Reaktionen auf Twitter

«Wie genau soll Frau Frau biologisch gehen.»
«Wählbarkeit
@jcvpZH: geht. @JCVPSchweiz: geht irgendwie.
@cvpluzern: geht nicht.»
«Lieber Herr Ineichen, wenn es nach der Vorsehung der Biologie ginge, wären Sie nach Ihrer letzten Angina bereits tot.»

Und ein Vorstandsmitglied von Pink Cross schreibt

Ineichen wehrt sich

Christian Ineichen spricht im Gespräch mit watson von einem heftigen Shitstorm, der über ihn hereingebrochen sei. Er betont, er werde nun zu Unrecht als stockkonservativer Politiker abgestempelt. «Ich habe nichts gegen neue Lebensformen und Partnerschaftsmodelle. Doch besteht das von mir bevorzugte Familienbild aus Frau, Mann und Kind/ern.»

Darauf angesprochen, warum Frau und Frau für ihn irgendwie geht, Mann und Mann aber nicht, meint Ineichen: «Frauen können sich eine Schwangerschaft organisieren», und spricht damit eine Samenspende an. «Eine Kindeszeugung zwischen Mann und Mann ist nun aber einfach nicht möglich.» Und die Leihmutterschaft sei in der Schweiz ja verboten.

Seine Meinung sei aber nicht in Stein gemeisselt, fährt Ineichen fort. «Ich diskutiere mit meinen Kritikern gerne bei einem Bier darüber und lasse mich allenfalls auch belehren.»

Dazu könnte es bald kommen. Ineichen wurde zur Zurich Pride am 16. Juni eingeladen. Er freue sich über die Einladung und werde hingehen, sagt der CVP-Politiker.

Die Einladung ausgesprochen hat Anne-Sophie Morand, die Leiterin des Politikressort der Zurich Pride und Mitglied der FDP. Die Tweets von Ineichen hätten sie schockiert. Morand: «Ich empfinde solche Statements als rückständig und im Ton vergriffen.» Doch es sei wichtig solche Leute nicht einfach links liegen zu lassen, sondern das Gespräch mit ihnen zu suchen. «Und sie mit genau jenen Menschen zu konfrontieren, über die sie sonst nur urteilen.»

Anne-Sophie Morand. Bild: zvg

Morand glaubt aber noch nicht daran, dass Ineichen wirklich auftauchen wird. «Es musste meine Einladung fast annehmen, sonst hätte er sich auf den Social Media Kanälen noch mehr ins Abseits manövriert . Ob er wirklich kommt, ist eine andere Sache. Warten wir einmal ab.»

René Schegg, der Geschäftsführer von Pink Cross, würde sich über sein Kommen freuen. Dann könnte er mit ihm über den Begriff Natürlichkeit debattieren. Denn weder die Medizin, noch das Keuschheitsgebot der Priester seien natürlich, führt er aus. «Natürlichkeit und biologistische Argumentationen sind nicht die Grundlage für politische oder/und ethische Entscheidungen. Das kennen wir schon lange unter dem Begriff des naturalistischen Fehlschlusses»

Und Studien würden zeigen: «Ein Kind braucht eine stabile Umgebung und emotionale Sicherheit. Ob es eine Mutter und einen Vater, zwei Väter oder zwei Mütter hat, ist total irrelevant.»

Recht so: Eltern begleiten ihre Kinder mit bedingungslosem Stolz an die Gay Pride!

«So ein spezielles Wochenende, an dem ich die Pride mit meiner Mutter feiere.» Quelle: twitter / @AaronRhodes
«Hehe ich liebe meinen Papi :) Seine erste (Pride Parade; Anm. d. Red.)!» Quelle: instagram / mr_krunchi
«Dieser Typ hat mir Tränen in die Augen getrieben. Mein Vater an seiner ersten Gay Pride Parade in DC mit meinem kleinen Burder. Ich liebe dich und ich würde dich nicht anders wollen!» Quelle: instagram / discogasmic
«Ich konnte wegen meinem neuen Job nicht an der Gay Pride teilnehmen. Ich wollte unbedingt gehen und war brutal enttäuscht deswegen. Meine Mutter ... » Quelle: twitter / @LezbrosNfrnz
«... die nicht ganz einverstanden mit meinem Lebensstil ist, hat gemerkt wie niedergeschlagen ich deshalb war und hat mich gestern Nachmittag als ich aufgewacht bin mit ...» Quelle: twitter / @LezbrosNfrnz
«... dem besten Geschenk überrascht, sie hat mir diesen Regenbogen-Baum gemalt!» (siehe nächstes Bild) Quelle: twitter / @LezbrosNfrnz
«Ich, meine Frau und meine Mutter marschieren heute für Gleichberechtigung!!» Quelle: facebook / Carol Walker
«Ich hatte einen wunderschönen Tag heute, als ich mit meinem Sohn an der Parade war. Wir waren beseelt/inspiriert von all der Unterstützung. Wir können nicht ruhen, ehe alle so akzeptiert werden, wie sie sind!» Quelle: facebook / Tara Ryan Faupel
«Mein Vater ist mit meiner Schwester und ihren Freunden und Freundinnen an die LA Pride gegangen und das finde ich sowas von liebenswert!» Quelle: twitter / @linda_marie14
«Meine Mutter hat mich den ganzen Weg von Indiana gefahren für meine erste Pride seit meinem Coming-Out. Danke euch allen herzlichst, dass ihr es eine absolut unglaubliche Erfahrung habt werden lassen!» Quelle: facebook / Taylor Hunt
«Wenn deine Mutter dich nur lieben und unterstützen will und sie deshalb deine Pride-Einrahmung auf Facebook kopiert.» Quelle: twitter / @favoritemelody
«Mein Vater ist gestern an die Pride Parade in DC gegangen, während ich nicht konnte und ich muss sagen, ich finde das ziemlich verdammt cool» ... Quelle: twitter / trillpickart
... Der dazugehörige Gesprächsverlauf. Dad: «Wo ist Will?». Will: «Lmao. Fühlst du dich schon stolz?». Dad: «Ja. ich muss sagen, es war eine ziemlich geniale Parade». Quelle: twitter / trillpickart
Und so sah Wills Dad aus. Quelle: twitter / trillpickart
«Meine Mutter ist heute zur Pride in DC gegangen und hat mir einen Button besorgt :')» Quelle: twitter / @sistersadeyes
«Mein wunderbarer Sohn mit meinem Mann an unserer ersten Parade. Was für ein schöner Tag, den wir mit ihm teilen dürfen!» Quelle: facebook / Ashley Jolly Leonard

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