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In Bern werden am Samstag mehrere Demonstranten von der Polizei abgeführt. bild: watson

Aufmarsch der Lockdown-Gegner: Polizei greift durch und räumt Demos

In Bern, Basel und Zürich kam es am Samstag erneut zu Anti-Lockdown-Protesten. Die Polizei löste die Demonstrationen auf. Mehrere Demonstrierende wurden abgeführt.

Publiziert: 16.05.20, 16:11 Aktualisiert: 16.05.20, 22:10

Es ist das dritte Wochenende in Folge, an dem sich Lockdown-Gegner in verschiedenen Schweizer Städten zum gemeinsamen Protest zusammengefunden haben. Nachdem am vergangenen Samstag Kritik an der Polizei laut wurde, weil sie dem Treiben zu wenig schnell ein Ende bereitete, griffen die Beamten nun härter durch. In Bern, Basel und Zürich wurden die Demonstrierenden an den Versammlungsorten von Beginn an weggewiesen. Mehrere Personen wurden abgeführt.

Demonstration gegen Corona-Massnahmen in Zürich

Video: watson/een

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In Zürich versammelten sich Lockdown-Gegner gegen 14 Uhr auf dem Sechseläutenplatz. Die meisten Leute standen auf engem Raum und die Abstandsregelung wurde nicht eingehalten. Sogenannte Dialogpolizisten suchten das Gespräch mit den Demonstrierenden. Die Lockdown-Gegner forderten unter anderem die Aufhebung der Notstandsmassnahmen.

In Zürich sitzt ein Ehepaar auf Stühlen und beobachtet das Treiben. Auf ihren Rücken haben sie ein Papier mit einer Botschaft: «Lieber Bundesrat, geben Sie 8, dass die Bekämpfung des Virus nicht mehr Leben kostet, als das Leben selbst!» bild: watson

Die Ideologien der Demonstrierenden sind sehr heterogen. Es gibt einige, die sich in ihren Grundrechten eingeschränkt fühlen, andere sind der Meinung, das neue Coronavirus sei so harmlos wie eine normale Grippe. Viele sind allerdings Anhänger von kruden Verschwörungstheorien. Sie vermuten Bill Gates als heimlichen Führer der WHO oder dass das Coronavirus aus einem Hochsicherheitslabor stammt.

Video: watson

Video: watson

Die watson-Reporter werden mehrfach beleidigt und gar tätlich angegriffen. Als ein Reporter ein Foto einer Demonstrantin macht, wird er harsch am Rucksack gepackt und angepöbelt. Demonstrierende rufen: «Lügenpresse!»

Polizei greift durch

Nach einer Warnung der Polizei wurde der Sechseläutenplatz um 14.30 Uhr geräumt. Kurz vor 15 Uhr war die Demo mehr oder weniger aufgelöst.

Auf der oberen Hälfte des Platzes standen auch später noch viele Leute in Gruppen zusammen und hielten ihre Schilder. Eine Demoteilnehmerin sagte empört: «Finden Sie es ok, dass ich nicht für meine Grundrechte demonstrieren kann?» Als die Reporterin sie um ein Statement bittet, winkt sie ab und sagt: «Mit watson rede ich nicht, ihr seid mir zu sehr Mainstream.»

Um 15.40 Uhr verkündete die Polizei, dass die Kontrollen auf dem Sechseläutenplatz beendet sind. Man könne sich wieder auf dem Platz aufhalten, solange die Covid-19-Verordnung eingehalten werde. Ansammlungen von mehr als fünf Personen sind demnach nicht erlaubt.

53 Personen, die sich geweigert hätten, die Kundgebung zu verlassen, seien kontrolliert und weggewiesen worden, heisst es in einer Mitteilung der Zürcher Stadtpolizei vom frühen Samstagabend. Von diesen würden 37 Personen, die gegen das Veranstaltungsverbot und somit gegen die Covid-Verordnung verstossen hätten, bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Polizei stoppt Aluhüte in Bern

Auch in Bern änderte die Polizei ihre Strategie gegenüber der Vorwoche. Mahnwachen oder Kundgebungsversuche von Lockdown-Gegnern wurden konsequent unterbunden. Sowohl beim Bundesplatz als auch auf der Allmend wies die Polizei alle Leute weg, die sich versammeln wollten.​

Ein Demonstrant im Rollstuhl bei einer Demonstration gegen den Coronavirus-Lockdown vor dem Bundesplatz in Bern. Bild: KEYSTONE

Der Bundesplatz wurde schon vor 14 Uhr abgeriegelt. Mehrere Demonstranten wurden abgeführt.

In der Umgebung des Bundesplatzes trug die Polizei ein paar wenige mutmasslich Kundgebungswillige zur Personenkontrolle weg; die meisten folgten den Polizisten aber normal. Kurz nachdem der Wochenmarkt zu Ende gegangen war, hatte die Polizei den ganzen Platz mit Gittern abgesperrt, so dass er nicht zugänglich war.

Auf der Berner Allmend kesselte die Polizei etwa zwanzig Personen ein, nachdem diese der Aufforderung nicht nachgekommen waren, die Örtlichkeiten zu verlassen. Per Lautsprecher hatte die Polizei vorher die Leute aufgerufen, den Platz vor den Berner Expo-Hallen zu verlassen.

Es handle sich um eine unbewilligte Demonstration. Wer sich nicht entferne, dem drohe eine Anzeige wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen. Die eingekesselten Personen mussten ihre Personalien angeben.

Demonstrierende, die als Gruppe von der Allmend in die Innenstadt von Bern unterwegs waren, wurden von der Polizei auf der Kornhausbrücke gestoppt. Mehrere Demo-Teilnehmer wurden kontrolliert und weggewiesen.

Ein bekannter Lockdown-Gegner hatte diese Woche im Internet bekanntgegeben, er verlege am Samstag seine Mahnwache vom Bundesplatz auf die Berner Allmend.

Anti-Lockdown-Demo auch in Basel

Eine Impfgegnerin an der Demo in Basel. Bild: KEYSTONE

In Basel haben sich am Samstagnachmittag rund 120 Gegnerinnen und Gegner der Coronavirus-Pandemie-Massnahmen vor dem Rathaus versammelt. Die Kundgebungsteilnehmer, darunter viele ältere, aber auch junge Menschen, trugen Schilder mit Aufschriften wie «Freiheit für freie Bürger» oder «Gates go home» und sangen zum Teil kirchliche Lieder.

Die Demonstrantinnen und Demonstranten zogen nach einer halben Stunde durch die mit Passanten prall gefüllte Freie Strasse bis zum Münsterplatz.

Bild: KEYSTONE

Kurz vor 15 Uhr begann die Polizei mit den zuvor angekündigten Personenkontrollen. Damit löste sich die Kundgebung auf, ohne dass es zu Eskalationen kam.

(😷li/sda)

Anti-Lockdown-Demo am 9. Mai 2020

Polizisten halten Absperrbänder, um Demonstranten vom Bundesplatz fernzuhalten. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Eine Demonstrantin jongliert Bälle. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
EPA / PETER KLAUNZER
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EPA / PETER KLAUNZER
EPA / PETER KLAUNZER

Häftlinge wollen sich mit Coronavirus infizieren

Video: watson

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