Aktuelle Themen:

Während die Spieler in der Super League erst wieder mit dem Mannschaftstraining begonnen haben, wird in Österreich bald wieder gespielt. Bild: KEYSTONE

«Keine Skepsis der Spieler» – warum Österreich Vorsprung auf den Schweizer Fussball hat

Warum der österreichische Fussball nach der Coronakrise ein paar Wochen Vorsprung auf den schweizerischen hat.

Publiziert: 28.05.20, 15:27 Aktualisiert: 28.05.20, 17:20
markus brütsch / ch media

Der österreichische Fussball drückt aufs Gaspedal. Schon morgen Freitag, also just am Tag, an dem die Schweizer Clubs darüber abstimmen, ob sie die Saison abbrechen oder ab dem 19. Juni fortsetzen wollen, wird in Österreich wieder gekickt.

Mehr noch: Ausgerechnet mit dem Cupfinal zwischen Meister Salzburg und dem Zweitligisten Austria Lustenau wird in Klagenfurt nach siebeneinhalbwöchiger Pause das Fussballcomeback gefeiert. Ohne Zuschauer, versteht sich.

Zur Erinnerung: Nachdem der Bundesrat wegen des Coronavirus den Fussball hierzulande bereits Ende Februar gestoppt hatte, absolvierten die Österreicher noch zwei Vollrunden – und dies ohne Publikumseinschränkung. Gleichzeitig jedoch wurden im Tiroler Skiort Ischgl die Après-Ski-Bars unter den wegschauenden Augen der lokalen Politiker zum Superspreader des Virus.

Mehr Einigkeit als unter den Schweizer Clubs

Die Tatsache, dass der Fussball in unserem Nachbarland dem schweizerischen nun gleichwohl um mindestens drei Wochen voraus ist, hat auch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz zu tun. Dessen drastische Ausgangssperren und die Maskenpflicht beim Einkaufen sorgten für ein schnelles Sinken der Fallzahlen und die damit verbundenen Lockerungen.

«Geisterspiele kosten zwar, dennoch können wir mit ihnen den wirtschaftlichen Schaden reduzieren.»

Christoph Längle, CEO SCR Altach

Der zeitliche Vorsprung der «Ösis» ist aber vor allem dem Verhalten der Clubs geschuldet. Während in der Schweiz unter den Vereinen grösstmögliche Uneinigkeit darüber herrscht, wie es weitergehen soll, haben sich die Bundesligaclubs zusammengerauft. «Am Anfang gab es schon auch unterschiedliche Meinungen», sagt Christoph Längle, der Geschäftsführer des Erstligisten SCR Altach. «Doch nach der Erarbeitung eines gut durchdachten Präventionskonzepts legte sich die Skepsis.»

Bald wird im Stadion des SCR Altach wieder gespielt. Bild: www.imago-images.de

Hilfreich war auch die behördliche Erlaubnis zum Pool-Testing. Dadurch konnten die Kosten der Coronatests um 75 Prozent gesenkt werden. «Es setzte sich die Auffassung durch, die Beendigung der Saison mit Geisterspielen sei alternativlos», sagt Längle. «Auch, damit es keine Rechtsstreitigkeiten gibt bezüglich Meister, Auf- und Absteigern sowie dem TV-Geld.»

«Bei uns gab es auf Seite der Spieler überhaupt keine Skepsis.»

Christoph Längle, CEO SCR Altach

Dieses bewegt sich mit 35 Millionen Franken auf demselben Niveau wie jenes in der Schweiz. «Geisterspiele kosten zwar, dennoch können wir mit ihnen den wirtschaftlichen Schaden reduzieren», sagt Längle. Er berichtet von einem Cash-Burn-Test in der Liga, um die Liquidität der Vereine zu eruieren. Das Ergebnis: Ohne Spiele wären ab September nur noch drei der zwölf Erstligaclubs im grünen Bereich gewesen, die anderen am Ende. «Bei uns in Altach wäre es definitiv im August eng geworden», sagt Längle. Es gibt für die Clubs zwar auch in Österreich die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen, aber mehr als 5300 Euro brutto – in der Schweiz ist es das Doppelte – gibt es nicht. Zehn der zwölf Vereine haben Gebrauch davon gemacht.

Wichtig war auch, die Spielergewerkschaft mit im Boot zu haben. Während diese in der Schweiz den Spielern riet, Kurzarbeit abzulehnen und in einer kruden Umfrage 60 Prozent von ihnen in den Mund legte, sie seien gegen das Weiterspielen, waren ihre österreichischen Berufskollegen fast ausnahmslos dafür. «Bei uns gab es auf Seite der Spieler überhaupt keine Skepsis», sagt Längle.

Nur englische Wochen: Zehn Runden in 34 Tagen

Wenn in Österreich vier Tage nach dem Cupfinal auch der Ligabetrieb hochgefahren wird, wartet ein happiges Programm auf die Akteure. Die restlichen zehn Runden werden bis zum 4. Juli in 34 Tagen und lauter englischen Wochen durchgepaukt. «Das wird eine enorme Herausforderung», sagt Alain Wiss. Der 29-Jährige spielt neben den Salzburgern Philipp Köhn und Noah Okafor als einer von drei Schweizer in Österreich.

Alain Wiss (rechts) wechselte von St.Gallen nach Österreich. Bild: www.imago-images.de

«Ich habe keine Angst vor einer Ansteckung und freue mich extrem auf die Spiele.»

Alain Wiss, Spieler SCR Altach

Nach viereinhalb Jahren beim FC St.Gallen hatte er im Januar dieses Jahres zu Altach gewechselt und sich sofort einen Stammplatz erobert. Die Zeit im «Homeoffice» verbrachte Wiss dann vorwiegend bei seiner Familie in Luzern. Nach dem Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining stellte er fest, dass alles für die Sicherheit der Spieler getan wird. «Wir sind schon mehrmals auf das Coronavirus getestet worden. Ich habe keine Angst vor einer Ansteckung und freue mich extrem auf die Spiele», sagt Wiss, der mit Altach die Abstiegsrunde bestreitet.

Ganz in Minne verläuft der Countdown zum Re-Start aber auch in Österreich nicht. Geheime Aufnahmen überführten den Linzer ASK der groben Unfairness. Dieser hatte bereits als Mannschaft trainiert, als noch lediglich Gruppentrainings erlaubt waren. Die anderen Clubs verlangen eine harte Bestrafung des Tabellenführers. Von einer hohen Geldstrafe über einen Abzug von Punkten bis zum Europacupausschluss ist die Rede.

Diese Sportler haben den perfekten Namen für ihre Sportart

Ross County FC: Die drei Torhüter beim schottischen Ross County FC heissen mit Vornamen Ross, Ross und Ross.
Luke Winters: Der Amerikanische Skifahrer hat sich bei seiner Sportauswahl die richtige Jahreszeit ausgesucht. www.imago-images.de / Klansek /Eibner-Pressefoto
Tennys Sandgren: Tennisspieler aus Tennessee, der am Australian Open 2018 überraschend Stan Wawrinka und Dominic Thiem eliminierte. AP/AP / Vincent Thian
Kai Kraft: Athletik-Trainer von RB Leipzig. Hoffentlich ist der Name nicht Programm.
Marco Velo: 3 x italienischer Meister im Zeitfahren. AP / PETER DEJONG
Chris Moneymaker heisst wirklich so – als Pokerspieler macht er viel Geld, als er 2003 die WM gewinnt und damit 2,5 Mio. Dollar einstreicht. AP NY / JOE CAVARETTA
Alan Ball: Mit England Fussball-Weltmeister 1966.
Thomas Pöck: Eine Eishockey-Dynastie in Österreich: Vater Herbert Pöck jagte dem Puck an drei Olympischen Spielen nach, die Söhne Thomas (Nationalspieler; Bild) und Markus (mehrfacher österreichischer Meister) traten in seine Fussstapfen. PHOTOPRESS / MARCEL BIERI
Thomas Zamboni: Der Assistenztrainer des EHC Biel hört auf den Namen der Eismaschine. KEYSTONE / MARCEL BIERI
Leo Beenhakker: Ein toller Name für einen Fussballer! Der Holländer führte als Trainer Ajax Amsterdam und Real Madrid zu Meistertiteln – und verpasste 1992 mit GC blamabel die Finalrunde. AP / Jon Super
Fernando De Napoli: Der italienische Fussball-Nationalspieler kommt zwar nicht, wie es sein Name verspricht, aus Napoli. Er spielte aber lange dort.
Roger Wachs: Chef-Wachser der Schweizer Langläufer. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
Dong Dong: Welches Geräusch macht ein Trampolin, auf dem man herumhüpft? Genau: Dong Dong. Der gleichnamige Chinese wurde 2012 Olympiasieger, gewann 2008 Bronze und 2016 Silber. EPA/EPA / TATYANA ZENKOVICH
Jens Weissflog: Schnee ist weiss und Jens flog weit: Der DDR-Skispringer wurde Olympiasieger, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger und Sieger der Vierschanzentournee. AP / ECKEHARD SCHULZ
Melanie Walker: Die Leichtathletin aus Jamaika kann nicht nur schnell laufen, sondern dabei auch noch springen: Sie wurde 2008 Olympiasiegerin über 400 m Hürden. EPA / ROBERT GHEMENT
René Back: Klar, dass du als Eishockey-Spieler mit dem Namen Back kein stürmischer Forward wirst, sondern hinten verteidigst.
Tim Wiese: Bevor der Deutsche zum Wrestler mutierte, war er als Fussball-Goalie da zuhause, wo er hingehört: auf der Wiese. Bongarts / Martin Rose
Toni Lang: Als Langläufer schaffte es der Deutsche in einem Teamsprint aufs Weltcup-Podest. Als er auf Biathlon umsattelte, gelang ihm das Gleiche mit der Staffel. AP / UWE LEIN
Ross Mulholland: Der irische Springreiter kann sich noch steigern: Er ist Anfang 2018 die Welt-Nummer 949.
Paddy Driver: Der Südafrikaner fuhr in der Motorrad-WM neun Mal aufs Podest und wechselte dann von zwei auf vier Räder. Bei seinen beiden Starts in der Formel 1 sah er das Ziel beide Male nicht.
Scott Speed: Der Amerikaner versuchte sich erfolglos in der Formel 1: Bei 28 Starts gewann er nie WM-Punkte. Schnell ist Speed dafür im Rallycross, wo er schon drei Mal bei den X-Games siegte. EPA / GERO BRELOER
Brian Passmore: Der ehemalige Eishockey-Profi aus Kanada führt heute seine eigene Nachwuchs-Akademie. Was gelernt wird? Sicher nicht «Dribbel, was du kannst», sondern: «Pass more!»
Klaus Stürmer: Wer mit diesem Namen zur Welt kommt und Fussballer wird, über dessen Position muss nicht diskutiert werden. Klaus war Stürmer beim HSV, nach einem Meistertitel in Hamburg wurde er mit dem FC Zürich zwei Mal Meister.

Video der Woche:

Video: watson / Lino Haltinner

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben