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UNO: Heroin kommt zurück, Hasch wird unterschätzt – und 200'000 sind wegen Drogen gestorben

Publiziert: 23.06.16, 13:41 Aktualisiert: 23.06.16, 16:12

Der Gebrauch von Heroin nimmt wieder zu, die Gefahr von Haschisch wird unterschätzt und viele neue Substanzen für Designer-Drogen überschwemmen den Markt: Das sind wesentliche Erkenntnisse des Weltdrogenberichts der Vereinten Nationen.

Comeback des Heroins

Inzwischen leiden laut UNO weltweit 29 Millionen Menschen wegen ihrer Drogensucht an schweren Krankheiten, das sind zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Das habe auch mit dem wieder häufigeren Spritzen von Heroin in den USA und Europa zu tun, sagte die Expertin der UNO-Drogenbehörde, Angela Me, in Wien. «Heroin kehrt zurück.»

Als Folge seien ausserdem etwa 1,6 Millionen Heroinsüchtige mit HIV infiziert. Sechs Millionen litten an Hepatitis C. «Die Wirkung des Drogenkonsums auf die Gesundheit ist weiterhin verheerend», so der Weltdrogenbericht.

Highweh – der Leidensweg eines Junkies

«Ich erinnere mich wirklich ungern an die Zeit der Heroinsucht. Warum es dazu kam, scheint mir in vielen Punkten heute noch ein Rätsel zu sein ...» Marlo Limacher
«Als wir klein waren, hätte nie jemand im entferntesten daran gedacht, welches Schicksal mich und meinen kleinen Bruder ereilen würde ...» Marlo Limacher
«Anfangs spielten wir als Kinder in der Clique oft Fussball. Drogen waren da noch kein grosses Thema. Doch dies änderte sich dann bald. Mit 13 rauchten wir unsere ersten Zigaretten. Ein wenig später begannen wir Hasch und Alkohol zu konsumieren. Mit 16 rauchte ich dann das erste Mal Heroin. Ich glaubte damals, dass ich im Heroin den Sinn des Lebens gefunden habe.» Marlo Limacher
«Oft stritten sich meine Eltern zuhause. Von meinem Vater bekam ich nicht die Zuneigung, die ich brauchte. Die Stimmung innerhalb der Familie kippte immer wieder. So kam es, dass ich mehr und mehr Abstand von meinem Elternhaus nahm ...» Marlo Limacher
«Heroin und andere Drogen bestimmten bald mein ganzes Leben. Mit 17 griff ich zur Nadel. Bald erfuhr auch der Lehrmeister von meinen Problemen. Er bot mir an, einen kalten Entzug zu machen. Die Sucht aber war stärker und ich konsumierte weiter. So kam es, dass ich die Lehrstelle verlor. Immer wieder stürzte ich mit den Kollegen aus der Clique ab. Mit 21 führte ich ein Doppelleben ...» Marlo Limacher
«Bis zum 5. Februar 1992 konnte man in der Umgebung des Platzspitzes seinen Stoff kaufen. Doch nach der Schliessung des Areals wurde die offene Drogenszene von der Polizei ins nahegelegene Lettenareal gedrängt. Die Situation verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr. Die Junkies lagen wie Abfall herum. Alles drehte sich nur noch um den nächsten Heroinschuss. Das Heroin schwemmte alle Sorgen weg.» Marlo Limacher
«Es ging nicht lange, bis das Heroin mein komplettes Leben bestimmte. Ich versuchte durch einen «kalten» Entzug clean zu werden. Es fühlte sich an wie eine schwere Grippe. Das war nicht auszuhalten, deshalb nahm ich erneut Heroin. Die Droge war wie ein Magnet und zog mich immer wieder an.» Marlo Limacher
«Als Ich süchtig war, stolperte ich high tagelang ziellos auf dem Lettenareal umher.» Marlo Limacher
«Highweh» – die Webdoku von Marlo Limacher gibts auf www.highweh.ch. Marlo Limacher / Marlo Limacher
«In der Szene nannte man die Vene ‹Autobahn›. Nähmaschinenartig stachen wir uns Junkies die Nadel in Arme, Beine, ja sogar in den Hals.» Marlo Limacher
«Jeder von uns befindet sich zeitweise auf einem mühsamen Lebensweg. Ein Weg mit vielen Schlaglöchern und spitzen Steinen. Häufig befand ich mich im Leben auf unbefahrbaren Wegen ...» Marlo Limacher

207'000 Menschen seien 2014 als Folge des Konsums illegaler Drogen gestorben. Diese Zahl sei eine sehr konservative Schätzung, sagte Me. Fast 250 Millionen Menschen konsumierten Haschisch, Kokain, Heroin oder synthetisch hergestellte Designer-Drogen.

Cannabis nicht unterschätzen

Die am häufigsten gebrauchte illegale Droge ist Cannabis, das als Haschisch oder Marihuana auf dem Markt ist. Fast 183 Millionen Menschen greifen zum Joint oder anderen Formen dieser Droge. «Cannabis schädigt die Gesundheit», warnte Me vor einer Verharmlosung.

10 Promis, von denen du nie gedacht hättest, dass sie gekifft haben

George Washington hat auf seiner Farm in Mount Vernon hauptsächlich Hanf angebaut. Seinen Tagebuch-Einträgen zufolge züchtete er die Pflanzen gezielt daraufhin, ihre Potenz zu steigern. NY PUBLIC LIB. PICTURE COLLECTIO / GILBERT STUART
Königin Victoria von England wurde zum Konsum quasi gezwungen: Ihr Leibarzt Russell Reynolds verschrieb ihr eine Tinktur mit Cannabis, um ihre schweren Menstruationsbeschwerden zu lindern. (Bild: Royal Collection)
Finanzjongleur George Soros hat Gras geraucht und mochte es. «Aber ich gewöhnte es mir nicht an und habe es schon viele Jahre nicht mehr geschmeckt.» EPA / ALEXANDER NEMENOV
Über Bill Gates hiess es, Marihuana sei bei Drogen «seine pharmazeutische Wahl». AP / ADAM NADEL
Medienzar Ted Turner hat laut Nachrichtensprecherin Gwen Scott gerne mal im Büro einen durchgezogen. AP/AP / David Goldman
Ex-Präsident George W. Bush sagte zum Thema: «Ich werde keine Marihuana-Fragen beantworten. Wisst ihr warum? Ich will nicht, dass ein kleines Kind tut, was ich getan habe.» AP / DAVID J. PHILLIP
Rush Limbaugh, erzkonservativer US-Radiomoderator, bekundete, er hätte seine vielen Sendungen ohne medizinisches Marihuana nie durchgestanden. AP / Chris Carlson
New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg ganz offen: «Du kannst einen darauf lassen, dass ich es getan habe. Und ich hab's genossen.» AP / CHAD RACHMAN
Republikanerin Sarah Palin gab zu: «Ich kann nicht auf Bill Clinton machen und sagen, ich hätte nie inhaliert.» AP Juneau Empire / BRIAN WALLACE
US-Aussenminister John Kerry beantwortete die Frage, ob er Marihuana geraucht habe, schlicht und ergreifend mit «Ja». EPA / ERIK S. LESSER

In den USA und in Südamerika, wo einzelne Bundesstaaten oder Länder Cannabis legalisiert haben, sei der Trend besorgniserregend. «Es gibt dort eine steigende Zahl von regelmässigen Konsumenten», sagte Me.

Die Drogen-Mafia mischt ausserdem immer neue Gift-Cocktails: 75 neue aufputschende und enthemmende Substanzen sind der UNO-Drogenbehörde (UNODC) im vergangenen Jahr von den Fahndern gemeldet worden. «Die Zahl steigt immer weiter. Es ist ein sehr dynamischer Markt», sagte die UNO-Expertin.

Zum Internationalen Marihuana-Tag: Die schönsten Joints der Welt

Der internationale Marihuana-Marsch wird weltweit in über 100 Städten durchgeführt. Jedes Jahr gibt es einen, der es ein wenig übertreibt ... EPA/EFE / LUIS EDUARDO NORIEGA
Während einer Kundgebung in Rio de Janeiro raucht eine Frau einen Joint. Andere wurden richtig kreativ, wie die folgenden Bilder zeigen. EPA/EFE / Antonio Lacerda
Dieser junge Mann aus Bogotá, Kolumbien, treibt es während der Demonstration schon ein bisschen weiter: Marihuana aus dem Apfel. X02467 / JOHN VIZCAINO
Das ist aber nichts gegen diese Wassermelone-Pfeife – diesmal in Medellín, Kolumbien. Dabei ist die Stadt eigentlich wegen einer anderen Droge bekannt geworden. Einst hatte hier das berüchtigte Medellín-Kartell seinen Sitz, das mit dem Verkauf von Kokain Millionen verdient hat. X02140 / FREDY BUILES
Jetzt haben sich die Kolumbianer offensichtlich aufs Rauchen mit exotischen Früchten spezialisiert: die Ananas-Pfeife. X02140 / FREDY BUILES
Sie, auch in Medellín, serviert Joints auf dem Silbertablett. EPA/EFE / LUIS EDUARDO NORIEGA
Dasselbe auf Afrikanisch: In Südafrika demonstriert ein Mann mit einer riesigen Hasch-Pfeife für die Legalisierung von Cannabis. Als medizinisches Heilmittel darf es hier bereits eingesetzt werden. EPA/EPA / NIC BOTHMA
Was für eine Hanfblüte! EPA/EPA / NIC BOTHMA
Und nun zu den Statement-Joints: Dieser Mann hat für die Demonstration in Mexico City schon ein recht grosses Stück gefertigt. X90174 / HENRY ROMERO
Er hier setzte in São Paulo, Brasilien, eher auf den Durchmesser. EPA EFE / CARLOS VILLALBA R.
Dieser überdimensionierte Joint in Rio de Janeiro ist hingegen nicht zum Kiffen da. AP/AP / Silvia Izquierdo
Zwar mit weniger grossen Joints, aber dennoch bestimmt, forderte man auch in Stuttgart die Legalisierung von Hanf. Der internationale Marihuana-Marsch wurde am 7. März in über 100 Städten rund um die Welt durchgeführt. EPA/DPA / FRANZISKA KRAUFMANN

Kokain in Asien auf dem Vormarsch

Etwa 20 Millionen Menschen nehmen nach UNODC-Angaben Ecstasy, fast 36 Millionen greifen zu Amphetaminen. Rund 170 Tonnen Designer-Drogen wurden laut dem Report 2014 beschlagnahmt.

Nyaope-Drogenszene in Johannesburg

Auf dem Weg ins Township Thokoza. Lindokuhle Sobekhwa
Ein Nyaope-Süchtiger setzt sich eine Spritze. Lindokuhle Sobekhwa
Nyaope-Drogenszene (Johannesburg, Südafrika). Lindokuhle Sobekhwa
Nyaope-Drogenszene (Johannesburg, Südafrika). Lindokuhle Sobekhwa
Die Wirkung von Nyaope ist euphorisierend, hält aber nur wenige Stunden. Lindokuhle Sobekhwa
Blick aus der «Nyaope-Hütte» auf ein «squatter camp» in Thokoza. Lindokuhle Sobekhwa
In der «Nyaope-Hütte». Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Dieser Süchtige wurde verprügelt, weil er etwas gestohlen haben soll. Lindokuhle Sobekhwa
Warten auf den nächsten Schuss. Lindokuhle Sobekhwa
Altmetall-Sammeln in einer Abfalldeponie. Mit dem Erlös werden Drogen gekauft. Lindokuhle Sobekhwa
Präventionskampagne gegen Nyaope auf einer Hauswand in Thokoza. Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
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Ein Süchtiger beim Ausspannen in einer Betonröhre. Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
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Unterwegs auf den Strassen von Thokoza. Lindokuhle Sobekhwa
Nyaope wird gespritzt, wenn die Wirkung beim Rauchen nicht mehr stark genug ist. Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Lindokuhle Sobekhwa
Snacks verkaufen auf der Strasse, um Drogen zu kaufen. Lindokuhle Sobekhwa

Kokain spielt in Asien eine zunehmend wichtigere Rolle, in den USA nimmt seine Bedeutung eher ab. Die UNO gehen davon aus, dass weltweit 18 Millionen Menschen Koks nehmen. 655 Tonnen Kokain wurden von den Fahndern 2014 aus dem Verkehr gezogen.

In den vergangenen beiden Jahren führte jedoch eine Rekordausfuhr von Opium aus Afghanistan dazu, dass der Markt in den USA von billigem Heroin überschwemmt wurde. In der Folge verdoppelte sich die Zahl der Heroin-Toten in den USA zwischen 2012 und 2014 fast auf 10'800.

Afrika-Route wird wichtiger

Laut dem UNO-Drogenbericht gibt es auch Anzeichen dafür, dass der Heroinschmuggel nach Europa zunimmt. Dafür sprächen steigende Beschlagnahmungen durch den Zoll in Frankreich und Italien.

Die Hauptroute des Drogenschmuggels gehe weiter von Afghanistan, über den Iran, die Türkei und den Balkan nach Europa. Dort würden jährlich Drogen im Wert von 28 Milliarden Dollar geschmuggelt, hiess es. In Afghanistan werden 85 Prozent des weltweiten Opiums hergestellt. Heroin wird aus Rohopium gewonnen.

Aufgrund des hohen Fahndungsdrucks im Iran und der Türkei - dort wird ein erheblicher Teil der jährlich rund 130 Tonnen Rohopium aus Afghanistan beschlagnahmt - gewinne nun die Route über Afrika an Bedeutung. Es bestehe damit die Gefahr, dass afrikanische Länder nicht nur Transitstaaten, sondern Konsumentenstaaten würden, hiess es von der UNO-Drogenbehörde. (sda/dpa/afp)

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