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Detailhändler beruhigen Hamsterkäufer: «Es besteht kein Engpass»

Publiziert: 14.03.20, 13:27 Aktualisiert: 14.03.20, 16:15

Gemüse? Ausverkauft! Bild: watson

In Einkaufsgeschäften ist es nach den neuen Massnahmen des Bundesrats gegen die Coronavirus-Epidemie zu Hamsterkäufen gekommen. Menschen standen in mehreren Städten vor teils leergekauften Regalen. Die Detailländler versicherten, es bestehe kein Engpass.

In den sozialen Medien teilten Menschen am Freitagabend und am Samstag Fotos aus Läden mit teilweise leeren Gemüse- und Büchsenregalen, darunter aus grossen Detailhandelsfilialen etwa in Zürich, Basel aber auch aus der Westschweiz.

Es komme in den Filialen teilweise trotz massiv erhöhten Lieferkapazitäten und riesigem Personaleinsatz zu leeren Regalen, teilte ein Migros-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Die Mitarbeitenden arbeiteten rund um die Uhr daran, um die Filialen mit zusätzlichen Mengen zu beliefern.

In den Verteilzentren werde in Sonderschichten gearbeitet, erklärte der Sprecher weiter. Das Personal sei verstärkt worden und für die Belieferung der Filialen würden Extrafahrten unternommen. Die Kapazitäten auf der Strasse und der Schiene seien erhöht worden.

Lieferschwierigkeiten aus Italien

Aldi Suisse verzeichnete erste Lieferschwierigkeiten, insbesondere von italienischen Lieferanten, wie ein Sprecher mitteilte. Die einzelnen Ausfälle seien bislang mit Alternativartikeln gut abgedeckt worden. Die Filialen würden nun täglich mit dem kompletten Sortiment beliefert.

Die Nachfrage sei schweizweit seit Freitag nochmals sehr stark angestiegen, sagte eine Coop-Sprecherin. «Wir setzen alles daran, die Warenverfügbarkeit sicherzustellen.» Die Nachfrage sei seit zwei Wochen stark erhöht.

Vermehrt gekauft werden den Angaben der Detailhändler zufolge etwa länger haltbare Lebensmittel, Beilagen, Tiefkühl-Produkte, Toilettenpapier, Mehl und Zucker sowie Handreinigungsprodukte.

Geschäftiger als Vor-Feiertagseinkäufe

Ein derartiges Einkaufsverhalten beobachtete Aldi seit dem Markteintritt in der Schweiz im Jahr 2005 noch nie, wie der Firmensprecher sagte. Selbst die üblichen Vor-Feiertagseinkäufe seien nicht vergleichbar. Zum Ausmass der Hamsterkäufe und zu den allenfalls höheren Tagesumsätzen machten die Unternehmen keine Angaben.

«Ich habe keine Angst» – Diese Leute waren an der Langstrasse

Video: watson/Helene Obrist, Emily Engkent

Generelle Engpässe seien aktuell kein Thema, heiss es bei den Detailhändlern. Auch in der derzeitigen Ausnahmesituation sei es nicht notwendig, grosse Vorräte anzulegen, die weit über den Alltagsbedarf hinausreichen würden. «Wir werden auch nächste Woche laufend nachliefern und die Regale auffüllen», erklärte der Migros-Sprecher. «Es gibt keinen Engpass an Lebensmitteln, für Nachschub in der täglichen Versorgung ist auf jeden Fall gesorgt. Unsere Lager sind gut gefüllt.»

Sommaruga warnt vor Panik

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga warnte trotz verschärfter Massnahmen am Freitag vor den Bundeshausmedien vor Panik. «Die Lage ist ernst, aber die Massnahmen müssen für die Bevölkerung weiterhin tragbar sein.» Allgemeine Ladenschliessungen seien kein Thema.

Der Bundesrat hatte am Freitag weitreichende Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen und schränkte das öffentliche Leben weiter ein. So darf an den Schweizer Schulen bis am 4. April kein Unterricht mehr stattfinden. Bis Ende April sind alle Veranstaltungen im Land ab 100 Personen verboten. An der Grenze werden wieder Kontrollen gemacht. Der Wirtschaft will die Landesregierung zehn Milliarden Franken zur Verfügung stellen. (aeg/sda)

Coronavirus: Was du wissen musst

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 geht um die Welt. Was du darüber wissen musst. AP / Zoltan Balogh
Sars-CoV-2 gehört zur gleichen Erregergruppe wie das Sars- und Mers-Virus. EPA / CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND
Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers. EPA / NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES O
Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am 1. März waren es weltweit rund 90'000. EPA / MARK R. CRISTINO
Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien. EPA / JAN HETFLEISCH
Das grösste Risiko, an Covid-19 – so heisst die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit – zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. EPA / JEROME FAVRE
Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck. EPA / TOLGA BOZOGLU
Anzeichen für eine Infektion sind gemäss WHO grippeähnliche Symptome, Atembeschwerden, Atemlosigkeit, Fieber und Husten. AP
Vier von fünf der von der Krankheit betroffenen Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. AP / Kerstin Joensson
In schweren Fällen kann das Virus zu Lungenentzündungen, akuten Atembeschwerden, Nierenversagen oder zum Tod führen. EPA / Tamas Soki
Zur Vorbeugung wird empfohlen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, sich regelmässig die Hände zu waschen, Mund und Nase zu bedecken, wenn man hustet und niest, respektive in die Ellenbeuge zu husten und zu niesen. EPA / MOURAD BALTI TOUATI
Einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gibt es noch nicht. Und das dürfte auch noch dauern. Für das Mers-Virus, das 2012 auf der Arabischen Halbinsel entdeckt wurde und das auch zu den Coronaviren gehört, wird ein Impfstoff erst seit 2018 klinisch geprüft. EPA / NICOLA FOSSELLA
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