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Eine Pflegefachperson kümmert sich im Spital in Neuenburg um einen Corona-Patienten (Symbolbild). bild: keystone

Intensivpflegerin: «Konnten uns im Sommer nicht wirklich erholen»

Die Expertin für Intensivpflege Andrea Schmid kümmerte sich schon während der zweiten Corona-Welle um Covid-Patientinnen und Patienten. Mit Sorge blickt sie auf den Herbst. Und erzählt, wie es ihr in den letzten zehn Monaten ergangen ist.

Publiziert: 05.09.21, 06:38

«Die Lage auf der Intensivstation spitzt sich zu. Es ist sehr streng im Moment. Und auch den Sommer hindurch konnten wir uns trotz weniger Corona-Patienten nicht wirklich erholen», sagt Andrea Schmid, Expertin für Intensivpflege in der Zentralschweiz.

Mit Schmid sprach watson bereits während der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020. Schon damals berichtete sie von den Herausforderungen, denen sie täglich begegnete. Es sei nicht einfach, die Covid-Patientinnen zu betreuen, erzählte sie. «Sie sind alle schwer krank und machen nur langsam Fortschritte.»

Auch zehn Monate später ist Schmids Arbeit nicht einfacher geworden. Trotz der stagnierenden Fallzahlen im Frühsommer konnten Schmid und ihre Teamkollegen nicht wirklich durchatmen. «Wir hatten zwar kaum Corona-Patienten auf der Intensivstation, mussten aber bei sehr vielen zuvor verschobenen Operationen aufholen.» Das sei besonders für Mitarbeitende in der Anästhesie fordernd gewesen, da die Durchlaufrate in den Operationssälen hoch gewesen sei.

Trotzdem war auch Schmid froh, dass im Sommer kaum Patienten wegen Corona hospitalisiert wurden. «Auch wir waren coronamüde.»

Doch die Corona-Verschnaufpause war nur von kurzer Dauer. Die Lage in den Schweizer Spitälern ist erneut angespannt. Während sich Corona-Fallzahlen auf einem hohen Niveau in den letzten zwei Wochen stabilisierten, nimmt die Auslastung der Intensivpflegeplätze weiter zu.

Auch Schmid kriegt die Zunahme an Patientinnen im Spital deutlich zu spüren. «Wir sind bereits wieder am Zirkeln, müssen schauen, wen wir überhaupt aufnehmen können und wo noch Platz ist.» Noch laufe der Operationsbetrieb mit wenigen Einschränkungen, sagt Schmid. «Doch das kann sich bald ändern.»

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Während der zweiten Welle waren die Besucherregelungen in Schmids Spital sehr strikt. Pro Patient durften nur zwei Angehörige innerhalb eines fixen Zeitfensters vorbeischauen. Die Regeln seien nun etwas gelockert. «Das entlastet auch uns. Denn als die Angehörigen ihre Liebsten nicht besuchen konnten, war ihr Informationsbedürfnis sehr hoch. Wir verbrachten viel Zeit mit Erklären und Erzählen.»

Blick in die Intensivstation im Spital in Neuenburg. bild: keystone

Ihren Job finde Schmid noch immer extrem spannend. Doch die intensive Zeit beginne an ihr zu nagen, sagt die junge Frau, die 2018 ihre Ausbildung zur Expertin Intensivpflege abgeschlossen hat. «Die kurzen Ruhezeiten und die mental und körperlich fordernde Arbeit führen dazu, dass ich nach Feierabend einfach müde bin und gar nichts mehr machen mag.»

Zermürbend seien zuweilen auch die Heilungsaussichten der Covid-Patientinnen: «Viele liegen über Wochen auf der Intensivstation und machen kaum Fortschritte. Das lässt. mich nicht kalt.»

Anstrengend sei es auch, weil die Behandlungsmöglichkeiten der Covid-Patienten schnell ausgeschöpft seien, erklärt Schmid. «Das Schwierige an der Covid-Infektion ist, dass wir gar nicht so viel machen können. Wir können die Patientinnen auf den Bauch drehen, damit die Lunge besser durchblutet und belüftet wird. Auch können wir sie mechanisch beatmen und Cortison. Viel mehr Optionen haben wir nicht. Es ist immer wieder ein Hoffen und Bangen darauf, dass es das Immunsystem der erkrankten Person selbst schafft, den Virus zu besiegen.» Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass auch die Medizin irgendwann an ihre Grenzen stosse. «Eine Lunge kann nicht einfach so ersetzt werden.»

Die kommenden Monate machen Schmid Sorgen. «Auch im letzten Herbst stiegen die Fallzahlen an. Ich rechne damit, dass die Belegung der IPS-Betten weiter zunimmt.» Darauf angesprochen, dass der Grossteil der jetzigen Covid-Patienten ungeimpft sind, sagt Schmid: «Wir behandeln alle Patienten gleich und ich bin der Meinung, dass jeder und jede auch Anspruch auf die richtige medizinische Betreuung hat. Aber natürlich ist es frustrierend zu wissen, dass es mit der Impfung eine einfache Möglichkeit gäbe, das Virus zu kontrollieren.»

«Ich wünsche mir einfach, dass sich alle Zeit nehmen, um sich mit dem Thema Impfen auseinandersetzen. Nach einem eineinhalb Jahren Pandemie sollte man sich dieser Verantwortung nicht mehr entziehen und sich mithilfe wissenschaftlich fundierten Quellen informieren», fügt Schmid hinzu. Danach könne jeder selbst entscheiden, wie er oder sie mit den Konsequenzen einer Ansteckung umgehen wolle.

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Video: watson / een

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