«Project Cars 3» bietet über 200 Autos und mehr als 120 Strecken-Layouts.
Bild: Bandai Namco Entertainment
Wieso «Project Cars 3» das richtige Rennspiel zum richtigen Zeitpunkt sein könnte
Mehr als nur ein gutes Rennspiel? «Project Cars 3» soll endlich auch die breite Masse erreichen.
Was macht für dich ein perfektes Rennspiel aus? Vielleicht magst du es möglichst realistisch, möchtest jeden Stein unter den virtuellen Reifen spüren. Oder sind es doch die Anzahl der lizenzierten Fahrzeuge, eine authentische Umsetzung der Modelle und natürlich deren Sounds? Oder kommt es dir vor allem auf Fahrspass an, zu dessen Gunsten du gerne auf das eine oder andere Quäntchen Realismus verzichtest?
Im Idealfall steckt unter der Haube eines richtig guten Rennspiels ein bisschen was von allem. Und dann wären wir beim Genre der Simcade-Racing-Games angekommen. Der bekannteste Ableger: Die «Forza»-Serie von Microsoft. Nirgends sonst lagen Freude am Fahren und gespielter Realismus derart nah zusammen.
Genau in diese zugegebenermassen grosse Nische möchte nun auch das britische Team von Slightly Mad mit «Project Cars 3» vorstossen. Richteten sich die zuvor veröffentlichten Ableger eher an Rennspielpuristen, soll der dritte Teil endlich auch den Mainstream erreichen.
Mit dem Indy-Car über die Laguna Seca.
Bild: bandai namco entertainment
Motivation durch Belohnungen
Während der Präsentation erklärt Game Designer Matt York, dass man einen neuen «Gameplay-Loop» kreieren möchte, um Spieler zum Dranbleiben zu motivieren. Was sich wie Entwickler-Kauderwelsch anhört, bedeutet im Klartext: «Project Cars 3» belohnt dich für nahezu jede Aktion im Spiel – egal, ob in der Karriere, in eigenen Events oder gar im Online-Spiel.
Im Anschluss an jedes Rennen erhältst du Erfahrungspunkte und Ingame-Credits. Du erzielst also jederzeit Spielfortschritt. Gerade das verdiente Kleingeld benötigst du dringend: Damit kaufst du zum einen neuen fahrbaren Untersatz, rüstest diesen auf oder schaltest gar neue Veranstaltungen in der Karriere frei.
«Wir haben in Project Cars immer versucht, eine Rennfahrerkarriere nachzubilden. Diesmal aber möchten wir dem Spieler ein besseres Gefühl für den eigenen Fortschritt geben», erklärt Matt York weiter. Und für diesen Eindruck des «Vorankommens» kannst du sogar unliebsame Divisionen überspringen. Keine Lust auf Muscle Cars oder Strassenkutschen? Dann lass diese Veranstaltungen einfach aus!
Klassische Fahrzeuge wie dieser Mercedes 300 SL steuern sich deutlich anders als moderne Rennwagen.
Bild: Bandai Namco Entertainment
Auch für Fahranfänger
Slightly Mad verzichtet dabei auf eine Geschichte oder andere Erzählelemente. Das Geschehen auf der Strecke steht im Vordergrund. Du arbeitest dich durch insgesamt zehn Divisionen mit unterschiedlichen Renn- und Fahrzeugtypen. Vor jeder Veranstaltung stellt dich das Spiel vor verschiedene Aufgaben: etwa einen Platz unter den ersten drei, das Meistern von Kurven oder auch das Erreichen einer bestimmten Rundenzeit.
Auch hier gilt: Du musst nicht jedes Rennen gewinnen, um Fortschritt zu erzielen. Manchmal landest du noch nicht mal in den Top Ten und hast trotzdem alle Aufgaben abgehakt. Das motiviert und trotzdem ist «Project Cars 3» kein Kinderspiel. Schliesslich fordert es dich genau so, wie du es dir einstellst.
Bist du ein erfahrener Spieler, deaktivierst du Hilfefunktionen und stellst die Gegner-KI ein Stückchen höher. Dafür erhältst du im Gegenzug mehr Erfahrungspunkte und Credits. Als Anfänger greifen dir Symbole für Abbremsen, Lenken und Beschleunigen statt einer dynamischen Ideallinie unter die Arme. Das Einzige, was weiterhin fehlt, ist eine Rückspulfunktion, um Unfälle oder Fahrfehler wieder auszubügeln.
Diese optisch aufgemotzten Toyota Supras brettern durch den Stadtkurs von Havana.
Bild: Bandai Namco Entertainment
Tunen, tüfteln, basteln!
Auf der Strecke selbst wird «Project Cars 3» dem angesprochenen Ruf der Simcade-Games zweifellos gerecht. Über 200 Autos von Herstellern wie BMW, Ford, Ferrari oder Honda warten auf dich. Nach dem Freischalten kannst du deinen Wagen in der Werkstatt upgraden und so die Werte und Fahreigenschaften verbessern. Aber gerade in der Karriere musst du aufpassen: Motzt du dein Spielzeug zu sehr auf, darfst du in bestimmten Divisionen nicht mehr antreten.
Auch bei Leistungstuning gilt die Devise «Komplex, aber doch überschaubar». Farbige Balken zeigen die Auswirkung deiner Basteleien an. Willst du tiefer einsteigen, dann darfst du vor dem Rennen im Detail-Tuning an den Teilen herumschrauben, die du zuvor mit Upgrades montiert hast. Ähnlich wie in Actionspielen legst du auch in «Project Cars 3» verschiedene Konfigurationen für deine Fahrzeuge fest und greifst immer wieder darauf zu.
Zusätzlich zu dem Leistungs- und Fein-Tuning bearbeitest du deine Autos auch optisch. So verpasst du den Karren etwa eine frische Lackierung mitsamt Mustern und anderen Design-Elementen. Das mag für Offline-Spieler nur eine nette Dreingabe sein, für Multiplayer-Freunde jedoch ist das durchaus wichtig. Schliesslich fungiert hier der eigene Wagen als Avatar: Alle anderen Spieler werden deine Farben und dein Auto sehen.
Neben den klassischen Versus-Optionen bietet «Project Cars 3» auch die asynchronen «Rivalitäten». Bei diesen wechselnden Herausforderungen stellst du eine Bestzeit auf und Freunde oder auch Fremde müssen diese brechen. Dadurch entsteht eine Art Konkurrenzkampf, auch wenn du und deine Mitstreiter nicht gleichzeitig auf der Strecke seid.
Dank variablem Schwierigkeitsgrad bestimmst du, wie aggressiv die Computer-Piloten agieren.
Bild: Bandai Namco Entertainment
Alles richtig gemacht?
Wir begannen diesen Artikel mit dem Genre der Simcade-Racer und der Suche nach einem neuen Platz für die «Project Cars»-Reihe. Slightly Mad geht hier definitiv einen anderen Weg: Einsteigerfreundlicher, offener und zugänglicher. Gerade das Erfahrungssystem und die ständigen Belohnungen motivieren weit mehr als das langweilige Abarbeiten einzelner Rennen der Vorgänger.
In der Proberunde jedenfalls überzeugt «Project Cars 3». Egal, ob bei strahlendem Sonnenschein oder bei Regen – das Spiel rangiert technisch weiterhin in der Königsklasse, gibt sich aber weitaus einladender und genügsamer. Viele Strecken, Fahrzeugtypen und Spielmodi runden das Gesamtpaket ab. «Project Cars 3» erscheint am 28. August 2020 für Playstation 4, Xbox One und PC. Wenn Slightly Mad das auf die Strecke bringt, was die Preview-Fassung andeutet, dann könnte das einstmals graue Mäuschen an der schillernden Konkurrenz vorbeiziehen.
Mini-Jeeps: Die wohl coolste Fussnote der Autogeschichte!
Es gab mal eine Zeit – Mitte der 60er, etwa – als einige Automobilhersteller ein neues Konzept als zukunftsweisend einstuften: Offroader-Versionen von Kleinstwagen – Mini, Döschwo und Konsorten im Jeep-Format. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Mini Moke🇬🇧: Der Austin Moke («Moke» = alter englischer Slang für «Esel») basierte auf dem Austin Mini und war ursprünglich tatsächlich als Militärfahrzeug vorgesehen. flickr / flickr
Als Ultraleicht-Jeep sollte er per Fallschirm abgeworfen werden und so von Truppen als Verbindungsfahrzeug benutzt werden können.
mokeinternational.com / mokeinternational.com
Freilich merkte man alsbald, dass klitzekleine Räder und sportwagenähnliche Bodenfreiheit für das Fahren im Gelände eher suboptimal waren, weshalb es mit der Militärkarriere des Mokes vorbei war, ehe sie angefangen hatte. wikicommons / wikicommons
War aber egal. Denn der Moke legte trotzdem eine sehr erfolgreiche Karriere hin. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Als mediterran-tropische Alternative zum Mini wurde er während den Swinging Sixties ein überaus erfolgreiches Kultfahrzeug – besonders in Frankreich, Australien, den USA und in vielen Ferienorten der Karibik. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Citroën Méhari 🇫🇷: Vielleicht weil an der Côte derart viele Mini Mokes herumfuhren, machte sich Citroën daran, eine Jeep-Spassmobil-Version seines 2CVs zu entwickeln.
challenges.fr/ / challenges.fr/
Technisch basierte der Méhari weitgehend auf dem Citroën Dyane, der etwas besser ausgestatteten Version des 2 CVs, ... classicargarage.com / classicargarage.com ... nur dass beim Méhari die Karosserie war aus Plastik war. classicargarage.com / classicargarage.com
YEAH. classicargarage.com / classicargarage.com
ABS, um genau zu sein (Lego, etwa, ist aus ABS). Rosten konnte die Karosserie also nicht. Dafür aber brennen, weshalb der Wagen in gewissen Ländern keine Zulassung bekam.
wikicommons / wikicommons Trotzdem wurde das Teil ein Verkaufsrenner. Von 1968 bis 1987 wurden um die 145'000 Méhari gebaut. wikicommons / wikicommons
Interessanterweise legte der Méhari die umgekehrte Karriere des Mini Mokes hin: Er wurde als Spassmobil entworfen, in der Folge aber mit 4x4-Umrüstung und stärkerem Motor als Militär-Fahrzeug eingesetzt. 15'000 Stück wurden für die französische Armee produziert. classicargarage.com / classicargarage.com
Eine Filmkarriere hatte der Wagen auch noch – und zwar in ... ach, ihr ahnt es selbst. spotern.com / spotern.com
Meyers Manx Dune Buggy 🇺🇸: Der ursprüngliche Beach Buggy basierte auf ... nun vielleicht ahnt man's ...
sothebys.com / sothebys.com
Genau: Die Offroad-Version des VW Käfers ist ein durch und durch kalifornisches Produkt. sothebys.com / sothebys.com
Hach ... diese Sonne, diese Wellen ... aber wir schweifen ab. sothebys.com / sothebys.com
Bruce Meyers – Ingenieur, Künstler, Bootsbauer und Surfer (eine südkalifornischere Jobbeschreibung gibt es kaum) – baute 1963 seinen ersten Beach Buggy auf Basis eines verkürzten VW-Käfer-Chassis. Hier sieht man ihn in Aktion. twitter / twitter
Der Buggy mit Bezeichnung Manx (benannt nach der schwanzlosen Katzenrasse von der Isle of Man) hatte also VW-Fahrwerk, Geländefederung und eine Fiberglas-Karosserie. Damit war er sehr leicht und deshalb ordentlich flink. sothebys.com / sothebys.com Von 1964 bis 1971 wurden um die 6000 Meyers-Manx-Strandbuggies gebaut, aber als die Konstruktion populär wurde (und zudem einfach zu konstruieren war) gab es geschätzte 250'000 Nachbauten weltweit. sothebys.com / sothebys.com
Ach ja, Elvis besass so ein Ding. Beziehungsweise sein Hund, Brutus. museumsyndicate.com / museumsyndicate.com
Ferves Ranger 🇮🇹: Das, verehrte Damen und Herren, ist die Jeep-Version des Fiat 500! Der Ranger wurde 1966 von niemand Geringerem als Carlo Ferrari entworfen, um den Italienern eine Offroad-Lösung für Fahrzeuge wie den Fiat 500 zu bieten. silodrome.com / silodrome.com
Es sollte ein erschwingliches und einfaches Auto sein, das ebenso für die engen, verwinkelten italienischen Innenstädte geeignet war wie auch für das Durchqueren von Feldern und Geländeflächen. silodrome.com / silodrome.com
Das Auto, das sowohl mit Zwei- als auch Vierradantrieb angeboten wurde, bekam eine eigene Markenbezeichnung: Ferves ist ein Portmanteau von FERrari VEicoli Speciali (= Ferrari-Spezialfahrzeuge) silodrome.com / silodrome.com
Es wurden aber nur 600 Stück des Rangers bis 1971 hergestellt. Heute erzielen gut erhaltene Exemplare auf Oldtimer-Auktionen Preise um die 40'000 Franken. silodrome.com / silodrome.com
Renault 4 Rodeo 🇫🇷: Okay, wenn Citroën schon Erfolge mit seinem Méhari feierte, dürfte der grosse Konkurrent auf dem französischen Markt nicht nachstehen. wheelsage.org / wheelsage.org
Auf Basis seines Kleinwagen Renault 4 bot Renault den Rodeo an. Wie man sieht, ein durch und durch ähnliches Konzept ... bloss minus den Charme des Méhari. wheelsage.org / wheelsage.org
Geiler war da eher der Renault 4 Plein Air ... autoplus.fr / autoplus.fr
... aber damit wären wir streng genommen bei einer anderen Autoklasse, nämlich den Beach Cars, die wir ein anderes Mal hier besprechen. Versprochen.
historicvehicle.org / historicvehicle.org
Kann man Raclette in einem heissen Auto schmelzen?
Video: watson/Emily Engkent
Stellvertretend für das Team: Katze Mia mit Kumpels.
PS: Mia verfügt selbstverständlich über einen eigenen Instagram-Account.
bild: games.ch
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