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Ein Kontinent schliesst seine Schulen: Ein Überblick über die Massnahmen in Europa

Publiziert: 13.03.20, 08:42 Aktualisiert: 13.03.20, 13:59

Die Türen bleiben zu: Wegen der Verbreitung des Coronavirus haben viele europäische Länder die Schulen und Universitäten geschlossen. Zieht heute die Schweiz nach? Ein Überblick.

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Frankreich

«Ab Montag und bis auf Weiteres werden alle Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Universitäten geschlossen», kündigte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend an. Die Massnahme gilt «bis auf weiteres». In Frankreich wurden bislang 2281 Infizierte gezählt, 48 Infizierte starben.

Italien

Landesweit sind alle Schulen und Universitäten bis zum 3. April geschlossen. Mit mehr als 12'000 Infizierten und mehr als 820 Toten ist Italien das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land Europas. Am Dienstagabend verhängte die Regierung drastische Massnahmen und erklärte das ganze Land zur «Schutzzone».

Österreich

Den Schulunterricht ist für mindestens vier Wochen komplett ein. Für Schüler ab der neunten Klasse bleiben die Schulen ab Montag geschlossen. Für alle Klassen darunter wird der Unterricht ab Mittwoch eingestellt, gleichzeitig aber Betreuung angeboten, damit nicht durch das Coronavirus besonders gefährdete Senioren die Betreuung übernehmen müssen. Eine Pflicht, zuhause zu bleiben, gibt es vorerst nicht. Am Donnerstag meldete das Acht-Millionen-Einwohner-Land seinen ersten Todesfall. Es gibt rund 300 Infektionsfälle.

Deutschland

Immer mehr deutsche Bundesländer kündigen an, Schulen und Kitas vorübergehend zu schliessen, darunter Bayern, das Saarland, Berlin, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen. Auch Nordrhein-Westfalen will mit Schulschliessungen die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. Es ist damit zu rechnen, dass sich weitere Bundesländer dieser Entscheidung anschliessen.

Belgien

Alle Schulen sind ab heute Freitag geschlossen. Eltern, die arbeiten müssen, könnten ihre Kinder jedoch weiterhin zur Betreuung in die Schulen schicken. Grosseltern sollten die Enkelkinder nicht hüten, weil sie zu einer besonderen Risikogruppe gehören. Zudem werden alle alle Cafés, Restaurants und Diskotheken geschlossen. Belgien zählte bislang 314 Infektionsfälle und drei Todesfälle.

Dänemark

Alle Schulen, Kitas und öffentliche Einrichtungen sind für zwei Wochen geschlossen. In dem kleinen EU-Land mit 5,7 Millionen Einwohnern wurden mehr als 510 Menschen positiv getestet.

Polen

Die Schliessung von Schulen, Kindergärten und Universitäten wurde am Donnertag bis zum 25. März angeordnet. In Polen gab es am Donnerstag den ersten Todesfall, 25 Menschen sind mit dem Coronavirus infiziert.

Tschechien

Seit Mittwoch sind Grundschulen und weiterführenden Schulen bis auf weiteres geschlossen. Das kleine EU-Land zählt mehr als hundert Infektionsfälle.

Griechenland

Am Dienstag wurden Krippen, Schulen und Universitäten für zwei Wochen geschlossen. Bis Dienstag zählte das Land rund 90 Fälle, am Donnerstag gab es ein erstes Todesopfer.

Rumänien

Bis zum 22. März sind die Schulen geschlossen. Universitäten sollen Online-Unterricht anbieten.

Spanien

Vor allem in der Hauptstadtregion Madrid häufen sich die Fälle – dort wurden am Mittwoch Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen. Flächendeckende Schul- und Kitaschliessungen wären in Spanien ein ernstes Problem, da Grosseltern oftmals eng in die Kinderbetreuung einbezogen sind. Staatliche Kinderbetreuung gibt es kaum. Bis Mittwoch waren 2140 Infektionen registriert, 48 Menschen starben bis dahin an dem Coronavirus.

Portugal

Das Land hat alle seine Schulen geschlossen. Wie Ministerpräsident António Costa am Donnerstagabend mitteilte, beginnen die Schulschliessungen am Montag und dauern bis zum Osterwochenende.Der eigentlich für 30. März geplante Beginn der Osterferien wird damit um zwei Wochen vorgezogen.In Portugal gibt es bislang 78 bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Virus.

Irland

Ab heute Freitag bleiben alle Schulen, Colleges und Kindergärten geschlossen. Das Land zählt 43 Infektionsfälle und meldete am Mittwoch den ersten Todesfall.

Bulgarien

Das EU-Land hat einen einmonatigen Ausnahmezustand mit sofortiger Wirkung erklärt. Diese drastische Massnahme wurde am Freitag einstimmig vom Parlament in Sofia auf Vorschlag der bürgerlich-nationalistischen Regierung gebilligt. Damit können nun alle Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen werden.

Grossbritannien

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Schulen noch geöffnet. Geschlossen sind Institutionen, in denen eine Coronarvirusfall aufgetreten ist.

Norwegen

Seit Donnerstagabend sind alle Schulen, Universitäten und Kindergärten geschlossen. Die norwegische Regierungschefin Erna Solberg bezeichnete die Massnahmen als die umfassendsten, die das Land in Friedenszeiten je erlebt habe. Wie lange die Schulschliessungen gelten sollen, ist nicht bekannt.

Liechtenstein

Im Fürstentum bleiben ab Montag alle Schulen, Kinderhorte und Spielgruppen geschlossen. Die Massnahme gilt bis zu den Osterferien. Geschlossen werden die öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen. Tagesfamilien seien von der Massnahme nicht betroffen. In zwingenden Fällen soll es in Kitas, Kindergärten und Primarschulen ein Überbrückungsangebot bis zum 20. März geben. «Dieses ist für Familien, die absolut keine andere Betreuungsmöglichkeit haben, um sich auf die neue Situation einzustellen», schreiben die Behörden.

(sda/afp/mlu)

Spanische Grippe – Die Mutter aller Pandemien

25 bis 50 Millionen Menschenleben kostete die Pandemie, die von 1918 bis 1920 auf der ganzen Welt wütete. Nicht mal der Erste Weltkrieg holte sich so viele Opfer. In absoluten Zahlen war die Spanische Grippe in etwa so verheerend wie die Pest von 1348: Der Schwarze Tod riss damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung in den Tod. Spanisch nannte man die Grippe, weil die ersten Nachrichten über die Krankheit von dort herkamen. Im Bild: Das Militär-Notfallkrankenhaus im Camp Funston in Kansas 1918, wo das Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals ausbrach. quelle: wikimedia
Im Gegensatz zu kriegsführenden Ländern war die Zensur im neutralen Spanien nicht so strikt, sodass über das Ausmass nicht geschwiegen wurde: Ende Mai 1918 waren im ganzen Land 8 Millionen Menschen infiziert – darunter auch der spanische König Alfons XIII. Allerdings verlief diese erste Welle noch relativ harmlos, sie wies keine merklich höhere Todesrate als eine normale Grippe auf. Hier sehen wir einen Schaffner, der Fahrgästen ohne Schutzmaske die Mitfahrt verweigert, Seattle, 1918. quelle: wikimedia
Erst die zweite Welle im Herbst 1918 riss so viele Menschen in den Tod. In der Schweiz infizierte sich die Hälfte der Bevölkerung, rund 25'000 Menschen starben. Die ersten Schweizer, die sich ansteckten, waren wohl die Frontsoldaten in der Nähe des jurassischen Dorfes Bonfol, an der Grenze zu Frankreich. Sie wurden nach Hause geschickt – und brachten das Virus mit. Es holte sich besonders Männer zwischen 20 und 40 Jahren, wohl weil sie in Militärunterkünften und Bunkern in engerem Kontakt miteinander standen als Frauen. Zu sehen ist hier das Militärnotspital in der Aula eines Schulhauses im Jura. quelle: NEM, Biel via geschichte.redcross.ch
Wer nicht wieder gesund wurde, den konnte der Tod innert Stunden ereilen. Auf der Insel Java pflegte man zu sagen: «Morgens krank, abends tot; abends krank, morgen tot.» Auf den Wangen von Infizierten begannen sich rötliche Flecken zu bilden, dann breiteten sie sich über das ganze Gesicht aus. Die Patienten spuckten Blut, ihre Körper verfärbten sich dunkelblau bis violett und schliesslich erstickten sie. Ihre Lungen – das ergab die Obduktion der Leichen – waren mit Blut vollgelaufen. Die meisten Todesfälle verursachte nicht das Virus selbst, sondern eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung. Und für beides gab es kein Gegenmittel. Im Bild ist das Walter Reed Hospital in Washington, D.C. zu sehen, 1918/1919. quelle: wikimedia
Das Schweizerische Rote Kreuz mobilisierte die Helferinnen und lieferte Krankenbetten an die militärischen und zivilen Notspitäler, die in Schulhäusern und Kindergärten eingerichtet wurden. Im Bild sehen wir ein volles Krankenzimmer in einem umfunktionierten Oltner Schulhaus. Die Bevölkerung wurde ausserdem aufgefordert, Bettdecken und Matratzen zu spenden – und ihre Autos den Ärzten zur Verfügung zu stellen. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
Um die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, machte die Schweiz dicht: Schulen, Kirchen und Märkte blieben geschlossen. Tanz-, Theater- und Konzertaufführungen wurden abgesagt. Neben Masken – im Bild zwei besonders modische Exemplare, von zwei Australierinnen getragen – wurden allerlei Wundermittel beworben: Seifen, Mundspülungen und Nasensalben sollten helfen, den Erreger loszuwerden. quelle: national museum of australia
Aber auch Staubsauger sollten die Schweizer schützen – allerdings für satte 750 Franken, wie dieses Inserat vom 13. August 1918 im «Schaffhauser Intelligenzblatt» informiert. quelle: via Schaffhauser Nachrichten
Und fürs gefahrlose Telefonieren gab's den «Telephon-Desinfektor». quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
In New York wiederum stellte man das Spucken auf der Strasse unter Strafe. Etwa 500 Personen wurden verhaftet, weil sie dagegen verstiessen. quelle: via orderofthegooddeath
In vielen Städten wurde auch das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht: Hier zu sehen ein Strassenkehrer in New York, Oktober 1918. quelle: influenzaarchive.org
Das Schweizer Militär berief zahlreiche zusätzliche Krankenschwestern ein, die dann im zivilen Bereich fehlten. So war man auf Freiwillige angewiesen. Den behandelnden Ärzten war es in dieser verzweifelten Situation vollkommen gleichgültig, wer bei der Pflege half, «wenn es überhaupt nur ein Mensch sei». Hier zu sehen sind Krankenschwestern der Pflegeschule La Source, die mit einer militärischen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurden, November 1919. quelle: Archiv Stiftung La Source, Lausanne
Bis heute gilt die Spanische Grippe als eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte. Ihr fielen auch zahlreiche prominente Personen zum Opfer, so zum Beispiel Frederick Trump, der Grossvater des amerikanischen Präsidenten. quelle: wikimedia
Da keine wirkungsvollen Heilmittel zur Verfügung standen, versuchten die Ärzte wenigstens das Fieber samt Schüttelfrost, die starken Kopf- und Gliederschmerzen, den Husten und die Atemnot der Patienten zu lindern. In schweren Fällen griffen sie auf Opium, Morphium, Heroin oder Kokain zurück. Viel mehr konnten sie nicht tun. Sie wussten zwar, dass Viren existierten, hatten aber wegen deren Winzigkeit noch nie welche gesehen – es gab noch keine Elektronenmikroskope und das genetische Material von Viren war noch nicht entdeckt worden. Im Bild: das Notspital Münchhalden in Zürich, 1918. quelle: Archiv Schweizerisches Rotes Kreuz
Heute wissen die Forscher jedoch nicht nur, wie man ein Virus isoliert, sondern sie können auch seine genetische Sequenz analysieren und so einen Impfstoff entwickeln. Genau dies geschieht aktuell im Falle des Coronavirus. Doch nicht nur in den viel besseren Heil-Möglichkeiten unterscheidet sich die heutige Pandemie von der damals wütenden Spanischen Grippe. quelle: wikimedia
Die massiv höhere Sterberate lag 1918 bei mindestens 2,5 Prozent. Zudem war die Spanische Grippe besonders gefährlich für Menschen zwischen 20 und 40 Jahren (99 % der Opfer waren unter 65). Um die Eigenart dieser Krankheit zu erklären, geht eine Theorie davon aus, dass Jahrzehnte zuvor eine weniger tödliche Version des Spanischen-Grippe-Virus grassiert habe, die sich wie eine gewöhnliche Grippe verbreitete. Dadurch hätten die 1918 lebenden älteren Menschen bereits Antikörper entwickelt und seien so partiell immun gewesen. quelle: wikimedia
Eine andere Vermutung ist, dass die Spanische Grippe das besonders bei jungen Leuten starke Immunsystem überreagieren liess, sodass sich ihre Abwehrkräfte gegen den eigenen Körper richteten und unter anderem das Lungengewebe zerstört wurde. Nachgewiesen werden konnte dies an Menschenaffen mit dem nachkonstruierten Virus von 1918. quelle: via pinterest
Das Coronavirus dagegen tötet vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen, während Kinder und junge Leute kaum gefährdet scheinen. Verdachtsfälle mit leichten Symptomen können heute sofort getestet und bei einem positiven Befund in Quarantäne geschickt werden, während dazu 1918 keinerlei Möglichkeit bestand. quelle: influenzaarchive
Auch die Kontakte einer infizierten Person konnten nicht zurückverfolgt werden, die Spanische Grippe schien ganze Städte auf einmal heimzusuchen. Hinzu kam die mangelnde Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal. Von den 742 Krankenschwestern des Schweizerischen Roten Kreuzes, die sich in den Kampf gegen das Virus begaben, starben 69. quelle: pinterest
Eine von Gordon Brewster in der «Irish Weekly Independent» erschienene Karikatur, 1918. quelle: orderofthegooddeath
Der zweiten Infektions-Welle fielen damals so viele Menschen in so kurzer Zeit zum Opfer, dass es in Europa und den USA zu Engpässen bei der Sargproduktion kam. Weil sich die Toten in den Leichenkammern stauten, wurden viele von ihnen schliesslich in anonymen Massengräbern beigesetzt. Im Bild ist die Beerdigung von Grippeopfern im kanadischen Labrador zu sehen. quelle: wikimedia

Wegen Coronavirus sind in Italien Schulen geschlossen

Video: SRF / SRF

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