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«Wettlauf gegen die Zeit» – Hilfe für Erdbebenopfer in Haiti erschwert

Publiziert: 03.09.21, 15:10 Aktualisiert: 03.09.21, 15:17

Fast drei Wochen nach dem schweren Erdbeben in Haiti warten vor allem die Menschen auf dem Land noch immer auf Hilfe. Ein Beben der Stärke 7.2 hatte am 14. August den Südwesten des Karibikstaates erschüttert.

Ein eingestürztes Gebäude in Les Cayes, Haiti drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben. Bild: keystone

Zerstörte Strassen und Brücken erschweren den Transport von Hilfslieferungen und die Anreise von Einsatzkräften. So teilte die internationale Hilfsorganisation Care am Freitag mit, dass Hilfe in den Städten ankäme, während es eine grosse Herausforderung sei ländliche Gebiete zu erreichen. Viele Menschen müssen noch immer im Freien übernachten, hiess es in der Mitteilung von Care. Sie haben kein sauberes Trinkwasser und können sich nicht versorgen.

Lora Wuennenberg, die Care-Länderdirektorin für Haiti sagt: «Wir arbeiten sehr eng mit Behörden und lokalen Gemeinden zusammen. Aber eine eingestürzte Brücke ist eine eingestürzte Brücke. In Jérémie, einer Stadt im Westen Haitis, ist eine solche Brücke der einzige Weg aus der Stadt zu den stark vom Erdbeben betroffenen ländlichen Gemeinden. Wir versuchen andere Wege dorthin zu finden, aber es ist ein Wettlauf gegen Zeit.»

Nach Angaben des Zivilschutzes kamen aufgrund des Bebens 2207 Menschen ums Leben, über 12 000 weitere wurden verletzt. Rund 130 000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef waren 1.2 Millionen Menschen von dem Erdstoss betroffen. Haiti, das ärmste Land Amerikas, erlebt immer wieder schwere Naturkatastrophen. Im Jahr 2010 waren dort nach einem Erdbeben mehr als 220 000 Menschen ums Leben gekommen. (yam/sda/dpa)

Das verheerende Erdbeben von 1985 in Mexiko

Das Erdbeben der Stärke 7,1 in Mexiko 2017 weckt böse Erinnerungen. Auf den Tag genau vor 32 Jahren sorgte ein noch stärkeres Beben für Zehntausend Tote und gewaltige Zerstörung. «Es war 7.18 Uhr in der Früh, über Mexiko-Stadt wurde es wieder Nacht», beschrieb der Korrespondent des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» damals den Beginn der Katastrophe.
Wie Kartenhäuser fielen besonders in der Hauptstadt Mexiko City Gebäude zusammen. Insgesamt stürzten alleine in Mexiko City 412 Gebäude ein und weitere 3124 wurden schwer beschädigt. Rund 60 Prozent der Gebäude wurden in Ciudad Guzman, Jalisco zerstört. Zahlreiche Nachbeben verschärften die Ausnahmesituation. Das Mexiko-Erdbeben verursachte einen Schaden von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar.
Zum Symbol der Katastrophe wurde unter anderem das Luxus-Hotel Regis. Das neoklassizistische Prunkstück im Zentrum der Hauptstadt wurde durch das Beben vollständig zerstört.
Das Hotel wurde bis heute nicht mehr aufgebaut. Aus dem Grundstück ist heute die «Plaza de la Solidaridad» geworden.
Obwohl das Epizentrum vor der mexikanischen Pazifikküste lag, wurde die Hauptstadt besonders stark zerstört. Das hatte vor allem zwei Gründe.
Während Teile der Metropole fast frei von Schäden blieben, kam es hingegen in anderen Stadtteilen zu Verwüstungen. Grund hierfür waren die weichen, wassergesättigten Sedimente eines in den letzten Jahrhunderten trockengelegten Sees, auf dem die Stadt errichtet wurde.
Die weichen, wassergesättigten Sedimente wirkten wie ein Verstärker auf die Erdbebenwellen. Die Bodenbewegungen wurden bis auf das zwanzigfache verstärkt. Dadurch wurden die Gebäude in noch heftigere seitliche Schwingungen versetzt mit dem Resultat, dass hunderte Gebäude einstürzten.
Ein grosser Prozentsatz der beschädigten Gebäude in Mexiko-City war zwischen 8 und 18 Stockwerke hoch. Dies liess auf eine besonders gefährliche Resonanzkopplung zwischen der Bodenschwingung und der Eigenfrequenz der Hochhäuser schliessen und gilt heute als eine als Mexiko-City-Effekt bekannte Besonderheit.
Ein anderer Grund für das Ausmass der Zerstörung war, dass in den Achtzigerjahren in Mexiko noch kaum erdbebensicher gebaut wurde oder durch die grassierende Korruption umgangen wurde. Gravierende Verfehlungen gegen die Vorschriften zu erdbebensicherer Bauweise konnten allerdings nicht nachgewiesen werden.
«Die grösste Stadt der Welt sah aus wie nach einem Bombenangriff», notierte der Spiegel-Korrespondent 1985. Das Erdbeben von 1985 traf das Land hart – und nur wenige Monate vor der Fussball-Weltmeisterschaft im Sommer 1986.
«Nur Gott kann noch verhindern, dass Mexiko die Fussball-Weltmeisterschaft 1986 ausrichtet», triumphierte zwei Jahre vor der Austragung Mexikos WM-Organisator Guillermo Canedo. Acht Monate vor der Fussball-Party pfuschten dann tatsächlich höhere Mächte ins Spiel und brachten die WM in Gefahr.
Harry Cavan, damaliger Vizepräsident des Fussball-Weltverbandes FIFA aus Nordirland, zweifelte spontan und öffentlich, ob «Mexiko mit 24 Mannschaften, den vielen Offiziellen und Tausenden von Journalisten fertig werden» könne. Er schlug vor, die WM zu verschieben. Doch die oberste Fussballführung zeigte Cavan umgehend die rote Karte. «Nur Präsident Joao Havelange und ich sind ermächtigt, im Namen der FIFA zu sprechen», rügte der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter. (Im Bild: Eine mexikanische Delegation 1984 bei der FIFA in Zürich. Von links nach rechts, Joseph Blatter, FIFA-Generalsekretär, Guillermo Canedo, Präsident des mexikanischen Organisationskomitees, Hermann Neuberger, FIFA-Verantwortlicher für die WM in Mexiko, Joao Havelange, FIFA-Präsident, Rafael Castillo Ruis, Präsident des mexikanischen Fussballverbandes, Joaquin Soria Terrazas, Concacaf-Präsident. (KEYSTONE/Michel Euler) KEYSTONE / MICHEL EULER
Dass Mexiko von den FIFA-Oberen nicht mehr angezweifelt wurde, hatte wohl noch einen anderen Grund. Der Weltverband hatte die WM 1986 ursprünglich Kolumbien zugeschlagen. Doch der arme Andenstaat kapitulierte vor den FIFA-Forderungen, elf Stadien für je 40'000, dazu eine Endspiel-Arena für 80'000 Zuschauer zu errichten und die WM-Städte an das Eisenbahnnetz anzuschliessen. «Sehen wir uns die nächste WM lieber im Fernsehen an», entschied Präsident Belisario Betancur. Zum Handkuss kam Mexiko, das erst 1983 einsprang – und schliesslich eine der schönsten Weltmeisterschaften mit einem verdienten Sieger (Argentinien mit Diego Maradona) durchführte. AP / STR

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