Tod von George Floyd in Minneapolis: Proteste weiten sich auf andere Städte aus
Proteste in Minneapolis
Minneapolis brennt: Nach dem Tod von George Floyd sind in den ganzen USA Proteste ausgebrochen. keystone / John Minchillo
Hunderte versammelten sich in der Nacht auf Freitag, den 29.5., in Minneapolis, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. keystone / John Minchillo
Dabei wurde unter anderem eine Polizeistation gestürmt und ein Alkoholladen in Brand gesteckt. keystone / John Minchillo
Die Proteste finden im ganzen Land statt. Hier sehen wir Demonstrantinnen in New York. keystone / JUSTIN LANE
Auch in Louisville, Kentucky, gibt es Demonstrationen. keystone / Michael Clevenger
«Bitte, ich kann nicht atmen», sagte Floyd immer wieder. Auch nach mehrmaligem Flehen hörte der Polizist nicht auf. Ganze sieben Minuten drückt er das Knie auf Floyds Hals. AP / Richard Tsong-Taatarii
Bereits am Dienstag, 26.5., protestierten hunderte Menschen nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis. Dem Afro-Amerikaner wurde bei einer Verhaftung von einem Polizisten so lange das Knie auf den Hals gedrückt, bis er sich wenige Momente später nicht mehr bewegte. AP / Carlos Gonzalez
Die Polizei ging mit Tränengas und Gummischrot gegen die Demonstranten vor. Vier Polizisten wurden nach dem Tod von Floyd entlassen. AP / Carlos Gonzalez
Der Tod von George Floyd hat viele Wunden aufgerissen, wie die folgenden Bilder zeigen ... AP / Richard Tsong-Taatarii
AP / Richard Tsong-Taatarii
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keystone / Christine T. Nguyen
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keystone / Carlos Gonzalez
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Der Tod eines Schwarzen nach einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis hat den zweiten Tag in Folge Proteste gegen Polizeigewalt ausgelöst.
Neben friedlichen Demonstrationen nahe dem Tatort kam es vor dem 3. Polizeirevier Medienberichten zufolge wieder zu Gewalt, als Beamten am abgeriegelten Gebäude die dort versammelten Menschen zum Verlassen aufforderten.
Der US-Sender NBC berichtete von in Brand gesetzten Geschäften, zahlreichen Plünderungen und dem Einsatz von Tränengas. Auch habe es einen Toten durch Schüsse am Rande der Proteste gegeben, die Umstände seien aber völlig unklar, zitierte NBC Polizeisprecher John Elder. Berichte über Verletzte oder das Ausmass der Schäden gab es zunächst nicht.
Der Gouverneur des Staates Minnesota, Tim Walz, warnte auf Twitter vor einer «extrem gefährlichen Lage» und forderte Menschen auf, die Gegend zur eigenen Sicherheit zu verlassen. Der Lokalsender CBS Minneapolis berichtete, Demonstranten hätten Feuer in zahlreichen Geschäften gelegt, darunter in einem Autoteileshop der Kette «AutoZone», wie auf Fotos zu sehen war. Auch ein Laden der Discounterkette «Target» brannte. In anderen US-Städten wie Los Angeles und Memphis protestierten Menschen am Mittwoch ebenfalls gegen den Tod Floyds, wie die Zeitung «USA Today» berichtete.
Auslöser für die Wut und Empörung der Demonstranten war ein rund zehn Minuten langes Video aus der Stadt im Bundesstaat Minnesota, das auf Facebook gestellt wurde: Ein weisser Polizist drückte sein Knie mehrere Minuten lang an den Hals Floyds, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Afroamerikaner: «Ich kann nicht atmen.» Er starb kurz danach in einem nahen Krankenhaus.
Im 3. Polizeirevier soll einer der in den Vorfall beteiligten Polizisten gearbeitet haben, hiess es in US-Medien. Die insgesamt vier involvierten Polizisten seien mit sofortiger Wirkung entlassen worden, sagte der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey. Am Mittwoch forderte er in einer emotionalen Pressekonferenz in Anspielung auf den Polizeibeamten, der sein Knie auf Floyd drückte, dieser müsse festgenommen und angeklagt werden. «Wieso ist der Mann, der George Floyd getötet hat, nicht im Gefängnis?» fragte er vor Journalisten. «Wenn Sie es getan hätten oder ich es getan hätte, wären wir jetzt hinter Gittern.»
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine Untersuchung des Vorfalls durch das Justizministeriums und die Bundespolizei FBI angeordnet. Trump versicherte am Mittwochabend (Ortszeit) auf Twitter: «Der Gerechtigkeit wird Genüge getan!» Er habe die Behörden zu beschleunigten Ermittlungen aufgefordert. Zugleich sprach Trump den Angehörigen und Freunden des Opfers sein Mitgefühl aus. Der Präsident nannte den Tod Floyds «sehr traurig und tragisch».
Auch zahlreiche US-Sportstars äusserten sich in den sozialen Netzwerken erschüttert über den Vorfall. «Wenn euch dieses Foto nicht verstört und stinksauer macht, dann weiss ich auch nicht», schrieb etwa Basketballer Steph Curry auf Instagram zu einem Screenshot aus dem Video. Auch NBA-Topstar LeBron James äusserte sich, ebenso das NFL-Team der Minnesota Vikings und die deutsche Basketballerin Satou Sabally. (aeg/sda/dpa)
Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA: Die Fälle seit Ferguson
4.4.2015: Walter Scott wird auf der Flucht erschossen. Es ist der aktuellste Fall, in einer Reihe von Schwarzen, die in den USA bei Einsätzen der Polizei durch den Einsatz von Schusswaffen starben. X80001 / HANDOUT
Der Beamte schiesst Scott in den Rücken. Der Getötete war unbewaffnet. Er wurde wegen eines defekten Blinklichts angehalten, befürchtete aber möglicherweise, wegen ausstehenden Unterhaltszahlungen verhaftet zu werden. Insgesamt ereigneten sich in den vergangenen 9 Monaten 8 Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. X80001 / HANDOUT
9. August 2014: Michael Brown. Der 18-jährige afroamerikanische Schüler wird nach Tätlichkeiten gegenüber einem weissen Polizisten von diesem erschossen. Der Fall ereignete sich in der Kleinstadt Ferguson im US-Staat Missouri. AP/St. Louis Post-Dispatch Pool / Robert Cohen
Der Teenager ging mit einem Freund mitten auf der Strasse, weshalb er von der Polizei angehalten wurde. Der Polizist handelte nach eigener Aussage nach einem Handgemenge in Notwehr. Allerdings war der Jugendliche unbewaffnet. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass Brown von insgesamt 6 Kugeln aus der Waffe des Polizisten getroffen wurde. X03323 / MARK KAUZLARICH
Am 24. November entschied eine Grand Jury, dass es zu keinem Verfahren gegen den Polizisten, der Brown erschossen hatte, kommen soll. X90065 / JIM YOUNG
20. November 2014: Akai Gurley wird in New York von einem Polizisten bei einer Routine-Kontrolle erschossen.
Gurley und seine Freundin hatten bisherigen Ermittlungen zufolge am 20. November eine Tür zu einem Treppenaufgang eines Hochhauses geöffnet. Ein Polizeianfänger kam während seiner Patrouille mit gezogener Waffe von einem Stockwerk weiter oberhalb hinunter. Er schoss auf Gurley. X90066 / LUCAS JACKSON
Der Chef-Ermittler William Bratton sagte, die Schüsse seien offenbar ein Unfall gewesen, der ein «total unschuldiges» Leben gefordert habe. Die Gerichtsmedizin kam zum Schluss, dass es sich eindeutig um einen Tötungsdelikt gehandelt habe. X90052 / SHANNON STAPLETON
23. November 2014: Tamir Rice. Der Vorfall wird von einer Überwachungskamera augezeichnet. Das Video zeigt den 12-jährigen Tamir, der auf einem Gehweg in Cleveland (Ohio) läuft und mit einer Waffenattrappe spielt. Er wird von einem weissen Polizisten erschossen. AP/Richardson & Kucharski Co., L.P.A.
Der Beamte hielt eine Waffenattrappe, die der Junge in den Händen hielt, für echt. EPA/CLEVELAND OHIO POLICE DEPARTMENT / CLEVELAND OHIO POLICE DEPARTMENT
3. Dezember 2014: Rumain Brisbon wird in Phoenix (Arizona) von einem weissen Polizisten erschossen. EPA/ARIZONA DEPARTMENT OF CORRECTION / ARIZONA DEPARTMENT OF CORRECTIONS / HANDOUT
Offiziellen Angaben zufolge war der Beamte wegen vermuteter Drogendelikte vor einem Geschäft im Einsatz. Ein Polizist feuert zwei Schüsse auf Brisbon ab. Der Grund: Er vermutete eine Waffe in der Tasche des Mannes. Dort befand sich jedoch lediglich eine Packung mit Medikamenten, die auch als Aufputschmittel benutzt werden können. AP/The Arizona Republic / Nick Oza
23. Dezember 2014: Antonio Martin wird bei einer Routinekontrolle in Missouri erschossen. Der 18-Jährige soll mit einer weiteren Person zusammen auf den Polizeiwagen zugekommen sein. Als einer der beiden eine Pistole auf den weissen Beamten gerichtet habe, habe dieser keine Wahl gehabt und drei Schüsse abgegeben. Martin stirbt. EPA/ST. LOUIS COUNTY POLICE VIDEO / ST. LOUIS COUNTY POLICE VIDEO / HANDOUT
«Wir glauben nicht, dass der Verdächtige seine Pistole benutzt hat», sagte der Polizeichef von St.Louis, Jon Belmar. Vor Ort fanden die Ermittler nach Angaben Belmars eine Neun-Millimeter-Pistole, deren Seriennummer entfernt worden sei. X03493 / KATE MUNSCH
2. März 2015: Charly Leundeu Keunang wird in Los Angeles nach einem Streit mit Polizisten erschossen. Der obdachlose Schwarze war unbewaffnet. Die Beamten wurden wegen eines Raubüberfalls in die Nähe eines Obdachlosenheims gerufen.
In Videos von Augenzeugen, die kurz darauf im Internet auftauchten, hört man beim Handgemenge Schreie und sieht, wie der Obdachlose zu Boden geht. Schliesslich fallen fünf Schüsse. Ein auf Facebook veröffentlichtes Video des Vorfalls löst grosse Empörung aus. X90050 / LUCY NICHOLSON
7. März 2015: Tony Robinson wird in Wisconsin erschossen. Ein Beamter habe auf den 19-Jährigen gefeuert, nachdem er von ihm attackiert worden sei, sagte der örtliche Polizeichef von Madison. X03065 / TOM LYNN
Der Polizist ging zu dem Jugendlichen nach Hause, weil dieser verdächtigt wurde, den Strassenverkehr gestört und jemanden geschlagen zu haben. Der Beamte habe sich gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft, weil er von drinnen Lärm gehört habe. Dort habe der Jugendliche den Polizisten angegriffen, «der seine Pistole gezogen und geschossen hat», so der örtliche Polizeichef. Der Jugendliche habe keine Waffe gehabt. Getty Images North America / Scott Olson
11. März 2015: Weisser Polizist erschiesst schwarzen, verwirrten Mann. Der Schwarze war nackt in einem Vorort von Atlanta unterwegs, als Anwohner die Polizei riefen. Als der Beamte den 27-jährigen Schwarzen auf einem Parkplatz zur Rede stellen wollte, sei dieser auf ihn losgestürmt. AP/AP / David Goldman
Der Polizist habe zwei Schüsse abgegeben. Der 27-Jährige verstarb noch vor Ort. Weil der Mann nicht bewaffnet gewesen sei, leiteten die Behörden eine Untersuchung ein. Der Polizist wurde suspendiert. X00052 / TAMI CHAPPELL
Polizist bei Verkehrskontrolle: «Wir töten nur Schwarze»
Video: Roberto Krone
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