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Vater will Kinder impfen, seine Ex-Frau nicht – Gericht gibt ihr recht

Der Vater wollte seine Kinder impfen, die von ihm getrennt lebende Mutter nicht. Ein Gericht gibt ihr Recht. Impfgegner erhalten damit ein Vetorecht. Immunologe Beda Stadler kritisiert das Urteil scharf. Er spricht von Kindesmissbrauch.

Publiziert: 15.03.19, 11:46 Aktualisiert: 15.03.19, 15:31
Kari Kälin / CH MEdia

Bild: Shutterstock.com

Auf Internetseiten von Impfkritikern wird das Urteil als Erfolg gefeiert. Wenn ein Elternteil seine Einwilligung verweigert, müssen die Kinder nicht die üblichen Schutzimpfungen machen. Ein Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West hat Impfgegnern faktisch ein Vetorecht verliehen. In der Schweiz existiere kein Impfzwang. Eine Nicht-Impfung gefährde deshalb das Kindswohl nicht, argumentierte der zuständige Einzelrichter in seinem Entscheid vom vergangenen August.

Am Ursprung des Falls steht eine zerrüttete Ehe. Die Mutter weigerte sich, ihre drei Buben impfen zu lassen. Der Vater hingegen argumentierte, es könne nicht sein, dass «Verschwörungstheorien» das Wohl der eigenen und jenes anderer Kinder gefährdeten. Er wollte seine drei Buben gemäss den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Dazu gehören unter anderem der Schutz gegen Masern, Mumps und Röteln, aber auch Starrkrampf oder Keuchhusten.

Teilen sich getrennt lebende Eltern das Sorgerecht, so fällen sie wichtige Entscheidungen zu den Kindern gemeinsam. Können sich Vater und Mutter nicht einigen, falle keinem der beiden der Stichentscheid zu, hielt das Gericht fest. Und die Behörden müssten erst dann einschreiten, wenn der Elternstreit das Kindswohl gefährde. In den Augen des Gerichts war dies nicht der Fall. Ergo schlussfolgerte es: «Befürworten nicht beide Eltern die Impfung, bleibt es bei der Nicht-Impfung der Kinder.»

«Nicht-Impfung kann tödlich enden»

Beda Stadler taxiert das Verdikt als «skandalös». Der emeritierte Professor für Immunologie an der Universität Bern spricht von «Kindsmissbrauch» und sagt: «Eine Nicht-Impfung stellt eine Kindsgefährdung dar, die unter Umständen tödlich enden kann.» Das Gericht habe bei seinem Entscheid die medizinische Sicht völlig ausgeblendet. Stadler würde einen Impfzwang begrüssen.

Das Epidemiengesetz sieht keinen Impfzwang vor. Die Behörden können jedoch für bestimmte Personen wie zum Beispiel Ärzte eine Impfung für obligatorisch erklären. Lehnen dies die Betroffenen ab, können sie nicht zwangsgeimpft werden. Dafür dürfen sie für eine gewisse Zeit ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben.

Aktuell für Schlagzeilen sorgt der Kanton Bern. Seit Anfang Jahr sind 37 Personen, Kinder und Erwachsene, an Masern erkrankt. Das sind zehnmal mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen, wie der Kanton am Mittwoch mitteilte. Einige von ihnen landeten wegen mittleren bis schweren gesundheitlichen Problemen im Spital. Rund 50 ungeimpfte Schülerinnen und Schüler dürfen die Schule bis drei Wochen nicht besuchen.

Mit dieser Massnahme will das Kantonsarztamt die Ausbreitung der ansteckenden Krankheit verhindern. Allein an einer Rudolf-Steiner-Schule in Biel steckten sich im Februar ein Dutzend Schüler mit dem Masernvirus an. Schweizweit haben die Behörden im neuen Jahr bereits 74 Masernfälle registriert. Das sind jetzt schon 26 mehr als 2018.

Schweiz will Masern eliminieren

Aktuell sind in der Schweiz 87 Prozent der zweijährigen Kinder doppelt geimpft, bei den Jugendlichen beträgt dieser Wert 93 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will die Masern bis 2030 ausrotten. Mark Witschi, Leiter Sektion Impfempfehlungen beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), zeigt sich zuversichtlich, dass die Schweiz dieses Ziel erreicht.

Masern beginnen mit Schnupfen, gefolgt von Husten und einer Entzündung der Augen. Nach einigen Tagen klettert das Fieber, und im Gesicht zeigen sich rote Flecken, die sich nach und nach über den ganzen Körper ausbreiten. Meistens sind die Masern in fünf bis zehn Tagen überstanden. Um eine harmlose Krankheit handelt es sich aber nicht.

Gemäss Angaben des BAG stirbt in den Industriestaaten eine von 3000 Personen an der Erkrankung. «Mit der Impfung lassen sich Leiden, Komplikationen, Spitalaufenthalte und Todesfälle vermeiden», schreibt das BAG. Unerwünschte Impfnebenwirkungen treten viel seltener auf als Komplikationen nach den Masern.

Fakten sprechen für den Vater

Als Folge der Impfung landen nur 20 bis 30 von einer Million Personen im Spital. Bei Masernerkrankten müssen rund 8 bis 15 Prozent hospitalisiert werden. Und 5 bis 20 von 10'000 Masernerkrankten erleiden eine Hirnentzündung.

Eine impfkritische Minderheit der Bevölkerung lässt ihre Kinder gegen diverse Krankheiten, darunter Masern, nicht immunisieren. Impfgegner beziehen sich unter anderem auf eine Untersuchung eines englischen Arztes, gemäss der die Kombi-Impfung Masern, Mumps und Röteln Autismus auslösen kann. Bloss: An dieser Studie waren lediglich 12 Kinder beteiligt. Spätere Studien mit Tausenden von Kindern konnten keinen Zusammenhang mehr feststellen.

Die Fakten helfen dem Vater, der seine Kinder gegen den Willen der Mutter impfen wollte, nichts. Würde er in Deutschland leben, sähe es anders aus, obwohl auch dort kein Impfzwang herrscht. Der Bundesgerichtshof entschied bei genau derselben Konstellation, dass ein Vater seine Tochter impfen dürfe, weil er sich an den behördlichen Impfempfehlungen orientiere. Einwände der Mutter bezüglich einer «unheilvollen Lobbyarbeit» von Ärzten und Pharmaindustrie liess es nicht gelten.

Die Gesichter der Ebola-Überlebenden

Ebola-Überlebende Sontay Massaley, 37, wurde am 12. Oktober aus dem Médecins Sans Frontières-Zentrum in Paynesville, Liberia entlassen, wo sie acht Monate wegen Ebola verbracht hatte. Sie war Verkäuferin auf einem Markt, als sie mit dem Virus infiziert wurde. Jetzt, nachdem sie die Krankheit überlebt hat, ist sie gegen das Ebola-Virus immun. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Abrahim Quota, fünf Jahre: Vor zehn Tagen hat der liberianische Junge das Behandlungszentrum in Monrovia mit seinen Eltern erreicht verlassen muss er es allein. Beide starben. Jetzt sollen ihn Verwandte aufnehmen. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Benetha Coleman, 24 Jahre: Sie selbst überlebte das Ebolavirus doch sie verlor ihren Mann und zwei Kinder. Viele Betroffene pflegen ihre Angehörigen, weil sie keine Alternative haben und sie nicht im Stich lassen wollen. Dabei riskieren sie ihr eigenes Leben. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Victoria Masah, 28 Jahre: Ihr Mann und zwei Kinder starben am Ebolavirus. Viele Überlebende sind stark traumatisiert. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Eric Forkpa, 23 Jahre: Nach 18 Tagen konnte der Student für Bauingenieurwesen das Behandlungszentrum verlassen. Angesteckt hat er sich wahrscheinlich bei der Behandlung seines kranken Onkels, der mittlerweile an Ebola gestorben ist. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
John Massani, 27 Jahre: Der Bauarbeiter verlor ebenfalls sechs Mitglieder seiner Familie. Er geht davon aus, sich bei der Pflege eines erkrankten Verwandten infiziert zu haben. In seinem Heimatland Liberia gibt es aktuell nicht einmal für jeden vierten Infizierten einen Platz in einem Behandlungszentrum. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Emanuel Jolo, 19 Jahre: Der Highschool-Student verlor sechs seiner Familienmitglieder. Er glaubt, dass er sich infiziert hat, als er die Leiche seines Vaters wusch. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Mohammed Bah, 39 Jahre: Der Fahrer verlor seine Mutter, seinen Vater, seine Ehefrau und seine Schwester. Er selbst, sagt er, sei eine Woche im Behandlungszentrum geblieben. Wie viele andere klagt auch er über die Stigmatisierung: "Jeder hat mich abgewiesen. Jetzt bin ich allein mit meinen beiden Kindern." (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Varney Taylor, 26 Jahre: Der Mann kümmerte sich um die Leiche seiner Tante, die Toten gelten als hochinfektiös. Er verlor drei Familienmitglieder durch die Krankheit. (Photo by John Moore/Getty Images) *** BESTPIX *** Getty Images Europe / John Moore
Vavila Godoa, 43 Jahre: Aus Angst vor Ebola hat der Schneider alle Kunden verloren dabei sind die Menschen, die einmal die Krankheit durchlebt haben, immun und können andere, außer über ihre Samenflüssigkeit, nicht mehr anstecken. Doch auch er muss nun um seine Existenz fürchten: "Niemand kommt mehr bei mir vorbei", sagt Godoa. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
James Mulbah, zwei Jahre: Auch seine Geschichte macht anderen Mut. Der kleine Junge überlebte ebenso wie seine 28-jährige Mutter in einem Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Ami Subah, 39 Jahre: Die Hebamme vermutet, dass sie sich angesteckt hat, als sie das Baby einer kranken Mutter zur Welt brachte. Der Junge, erzählt sie, habe überlebt. Seine Mutter nicht. Seitdem sie wieder gesund sei, habe sie nicht mehr arbeiten können. Es ist das Ebola-Stigma, das nun an ihr haftet: "Sogar, dass ich Wasser von der Gemeinschaft zapfe, will niemand zulassen", sagt sie. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Peters Roberts, 22 Jahre: Der Student musste erleben, wie seine Schwester, sein Onkel und ein Cousin am Ebolafieber starben. Wahrscheinlich infizierte sich Roberts, als er seinen Onkel pflegte. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Anthony Naileh, 46, und seine Frau Bendu Naileh, 34: Anthony ist Stenograph im liberianischen Senat und will im Januar wieder arbeiten. Bendu ist Krankenschwester. Sie hat sich bei ihrem Neffen angesteckt, als sie ihre Hände zum Gebet auf ihn legte. Ihr Mann habe sich bei ihr angesteckt. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Jeremra Cooper, 16 Jahre: Der Schüler befindet sich in der achten Klasse. Auch er verlor sechs Familienmitglieder, bevor er selbst krank wurde. Im Behandlungszentrum erholte er sich nach einem Monat von seiner Infektion. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Lassana Jabeteh, 36: Als Taxifahrer hat er sich angesteckt, als ein kranker Polizist in seinem Auto erbrach. Jetzt betreut er für den MSF andere Kranke. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Mohammed Wah, 23 Jahre: Der Bauarbeiter hat sich wahrscheinlich mit dem Virus infiziert, als er seinen Neffen pflegte. Er erzählt, dass bereits fünf Mitglieder seiner Familie starben. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Jan Jallo, 40: Jallo, ein Verkäufer, hat neun Tage im Spital verbracht, bis er als geheilt galt. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Moses Lansanah, 30: Der Bauarbeiter sagt, dass er seine Verlobte Amifete, 22, wegen Ebola verloren hat. Sie war im neunten Monat schwanger. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Philip Ireland: Der Mediziner arbeitet selbst in einer Ebola-Notaufnahme. Im Juli verbrachte er 21 Tage auf einer Behandlungsstation, um sich von seiner Erkrankung mit dem Virus zu erholen. Noch ist das Virus in Liberia nicht unter Kontrolle, alle Bilder in dieser Fotostrecke stammen aus dem Land. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Mark Jerry, 30, (R), und Zaizay Mulbah, 34: Jerry war Geldwechsler und Mulbah ein Transporteur. Nach ihrer Genesung wurden sie vom MSF angestellt, um Ebola-Kranke und deren Angehörige zu betreuen. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
James Harris, 29: Der Bauarbeiter musste zwei Wochen lang im Spital verbringen und rang um sein Leben. Angesteckt wurde er, als er seinen Vater pflegte, der an Ebola starb. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Oliver Weeh, 40: Der Geschichtslehrer hat seinen jüngeren Bruder und seine Schwester verloren. Er pflegte beide und hat sich wahrscheinlich dabei angesteckt. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore
Paul Horace, 34 Jahre: Eine Woche lang erholte sich der Krankenwagenfahrer von seiner Infektion. Nur etwa 30 Prozent der Infizierten, schätzen Experten, überleben das Ebolafieber. (Photo by John Moore/Getty Images) Getty Images Europe / John Moore

Masernepidemie wieder aufgeflammt

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