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George Pell am 27. Februar 2019 vor dem Gericht in Melbourne. Bild: EPA/AAP

Chorknaben missbraucht: Papst-Vertrauter George Pell zu sechs Jahren Haft verurteilt

Publiziert: 13.03.19, 03:11

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, ist wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Melbourne gab das Strafmass gegen den 77-jährigen Australier am Mittwoch bekannt.

Damit blieb der Vorsitzende Richter Peter Kidd deutlich unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren. Einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung dürfe der einstige Papst-Vertraute frühestens nach drei Jahren und acht Monaten Haft stellen. Richter Kidd sagte am Mittwoch weiter, der 77-Jährige Pell werde das Gefängnis möglicherweise nicht mehr lebend verlassen.

Pell bestreitet jedoch alle Vorwürfe. Der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus geht gegen das Urteil in Berufung.

Strafminderung wegen Lebensleistung

Der Kurienkardinal war bereits im Dezember von einem Geschworenengericht für schuldig befunden worden, in den 1990er Jahren zwei damals 13 Jahre alte Chorknaben missbraucht zu haben. Zu jener Zeit war Pell Erzbischof der australischen Millionenmetropole. Seit Ende Februar sitzt er schon im Gefängnis. Der Berufungsprozess wird vermutlich im Juni beginnen. Strafmindernd wertete Richter Kidd unter anderem Pells Alter, seinen Gesundheitszustand und seine Lebensleistung.

Der Kardinal nahm das Urteil ohne besondere Regung zur Kenntnis. Insgesamt wurde er in fünf Punkten für schuldig befunden. Am schlimmsten wertete Richter Kidd, dass der Geistliche einen der beiden Jungen nach einem Sonntagsgottesdienst Ende 1996 in der Sakristei zum Oralsex gezwungen habe. Damit habe er seine Macht missbraucht und Vertrauen gebrochen. Kidd sprach von «atemberaubender Arroganz».

Wie kann sexueller Missbrauch verhindert werden?

Video: srf/SDA SRF

Hoffnung auf Freispruch

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Wegen der Vorwürfe liess er sich 2017 beurlauben. Offiziell war er als Finanzchef jedoch noch bis Februar im Amt. Die Verteidigung hofft im Berufungsprozess auf Freispruch.

Der Vatikan hatte kurz nach der Veröffentlichung des Urteils erklärt, auf sofortige Konsequenzen gegen Pell zu verzichten. Der Kirchenstaat wolle das Berufungsverfahren abwarten. Pell habe «das Recht, sich bis in die letzte Instanz zu verteidigen», erklärte ein Papstsprecher. Pell sei zudem immer noch Priester und Kardinal. Der Vatikan habe jedoch ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.

Papst unter Druck

Der Fall werde nun von der Kongregation für die Glaubenslehre geprüft, einer Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Im Fall von Missbrauchsvorwürfen kann sie Untersuchungen einleiten, die im äussersten Fall zum Ausschluss eines Beschuldigten aus dem Priesterstand führen können. Dies ist die Höchststrafe in der katholischen Kirche.

Papst Franziskus Bild: EPA/ANSA

Wegen weltweiter Missbrauchsskandale steht Papst Franziskus derzeit stark unter Druck, hart gegen Täter in den eigenen Reihen vorzugehen. Ein historisches Gipfeltreffen im Vatikan mit den Spitzen der Bischofskonferenzen der Welt ging Ende Februar allerdings ohne konkrete Massnahmen zu Ende. (sda/dpa/afp)

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Papst Franziskus in den Emiraten:

Papst Franziskus war am Sonntag, 3. Februar 2019 zu seinem historischen Besuch in den Emiraten eingetroffen. Er ist das erste Oberhaupt der katholischen Kirche, das die arabische Halbinsel und damit die Wiege des Islam besucht. AP/AP / Andrew Medichini
Eingeladen wurde Franziskus von Kronprinz Scheich Mohammed bin Sajed al-Nahjan (rechts). EPA/EPA / ALI HAIDER
Zu seinen Ehren wurde eine prunkvolle Zeremonie abgehalten. Soldaten feuerten 21 Salutschüsse ab ... EPA/EPA / ALI HAIDER
... und Flugzeuge malten mit farbigem Rauch die gelb-weisse Flagge des Vatikans in den Himmel. Scheich Mohammed erklärte, die Emirate seien «hocherfreut», den Papst im «Heimatland der Toleranz» begrüssen zu können. AP/AP / Andrew Medichini
Hinter der Veranstaltung steht der Islamische Rat der Ältesten, eine Vereinigung mit Sitz in den Emiraten, die sich für einen toleranten Islam einsetzt. Der Dialog mit dem Islam zählt für Franziskus zu den Schwerpunkten seines Pontifikats. AP/AP / Kamran Jebreili
«Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam oder es gibt keine Zukunft», so der Papst vor Muslimen, Juden, Katholiken und anderen Religionsvertretern. Zugleich verurteilte er «das Wettrüsten, die Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer». EPA/MINISTRY OF PRESIDENTIAL AFFAIRS / RYAN CARTER HANDOUT
Gemeinsam mit dem Grossscheich der in der islamischen Welt einflussreichen Al-Azhar-Universität von Kairo unterschrieb Franziskus ein «Dokument über menschliche Brüderlichkeit». (sda/dpa/afp) EPA/ANSA / LUCA ZENNARO