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Drei Mal gewinnt Tony Rominger die Spanien-Rundfahrt. bild: retroroadbike

Tony Rominger läutet mit seinem Vuelta-Sieg eine goldene Schweizer Epoche ein

17. Mai 1992: Mitte der 90er-Jahre ist die Spanien-Rundfahrt fest in Schweizer Hand. Tony Rominger gewinnt die Vuelta drei Mal in Folge, Alex Zülle siegt ebenfalls zwei Mal und einmal feiern die «Radgenossen» dank Laurent Dufaux gleich einen Dreifachsieg.

Publiziert: 17.05.20, 00:01 Aktualisiert: 17.05.20, 11:40
Dominik Moser / Keystone-SDA

Als Tony Rominger im April 1992 zur Vuelta startete, hatte er schon einige schöne Siege in seinem Palmarès stehen. Er gewann unter anderem eine Etappe des Giro d'Italia (1988) oder die Lombardei-Rundfahrt (1989). Auch bei der Tour de Romandie oder der Fernfahrt Paris-Nizza (jeweils 1991) war er schon als Gesamtsieger hervorgegangen.

Den Beweis, dass er eine dreiwöchige Rundfahrt ohne Einbruch überstehen kann, konnte der starke Zeit- und Bergfahrer bis dato allerdings noch nicht erbringen. Egal ob Giro, Tour de France oder Vuelta: Rominger baute nach starkem Beginn jeweils ebenso stark ab. Es hiess deshalb immer, zu einem grossen Rundfahrten-Sieg sei er nicht fähig.

Rominger in der Maglia Rosa: 1995 gewinnt er den Giro d'Italia. Bild: KEYSTONE

«Jetzt kann mich nur noch ein Sturz stoppen»

Bei seiner achten Teilnahme an einer Grand Tour sollte alles anders kommen. Dabei verliefen für den Zuger die ersten Tage in Spanien alles andere als optimal. Nach einem Sturz in der 5. Etappe plagten Rominger Schmerzen an der Schulter und im Knie. Entkräftet büsste er im Zeitfahren zum Ende der ersten Woche enorm viel Zeit auf die Konkurrenz ein – der Gesamtsieg war erneut in weite Ferne gerückt.

Doch Rominger steckte die Tiefschläge weg. Er war in den Bergen stärker als alle anderen. Und als am drittletzten Tag erneut ein Zeitfahren anstand, fand er auch in seiner Spezialdisziplin zur alten Stärke zurück. Er deklassiert seine schärfsten Rivalen Pedro Delgado und Jesus Montoya regelrecht und wurde als erster Schweizer Etappensieger und zugleich Leader der Vuelta. «Jetzt kann mich nur noch ein Sturz stoppen», zeigte er sich selbstbewusst.

Zusammenfassungen der 21 Etappen der Vuelta 1992.

Rominger behielt Recht. Auch die letzte schwierige Prüfung über drei Pässe meisterte er, mit der Unterstützung seiner spanischen Clas-Mannschaft, mit Bravour. Am 17. Mai 1992 fuhr er als verdienter Gesamtsieger in Madrid ein.

94 Siege als Profi

Für den Schweizer Radsport war es ein Triumph mit historischem Ausmass. Seit Carlo Clerici, der 1954 den Giro d'Italia gewann, war es keinem Schweizer mehr gelungen, eine der drei grossen Landesrundfahrten für sich zu entscheiden.

Rominger war auch Inhaber des Stunden-Weltrekords. Bild: AP

Mit seinem Gesamtsieg stand Rominger, der in seiner Karriere insgesamt 94 Profisiege feierte und damit sechs mehr als beispielsweise Fabian Cancellara, im Jahr 1992 am Beginn einer Schweizer Erfolgsserie an der Vuelta. 1993 und 1994 schaffte er es erneut zuoberst auf das Podest. Er ist bis heute der einzige Fahrer, der die Spanien-Rundfahrt dreimal in Folge gewinnen konnte. Nur Roberto Heras hat noch einen Vuelta-Triumph mehr auf dem Konto.

«Vuelta de los Suizos»

Alex Zülle führte 1996 die Schweizer Erfolgsserie an der Spanien-Rundfahrt fort, wobei Laurent Dufaux und Tony Rominger den Schweizer Dreifachsieg perfekt machten. Zülle doppelte 1997 nach. Das war das bisher letzte Mal, das an der Vuelta die Schweizer Nationalhymne gespielt wurde. Auch einen Schweizer Gesamtsieger bei einer Grand Tour gab es seither nicht mehr.

Unerreichter Schweizer Triumph: Zülle gewinnt die Vuelta 1996 vor Rominger und Dufaux. Bild: AP

Rominger war nie der Typ, der den Rummel um seine Person geniessen konnte. Der Kontakt mit dem Publikum und den Journalisten schien im eher fremd. «Ich ziehe es vor, in Ruhe gelassen zu werden», sagte er etwa nach seinem ersten Vuelta-Sieg.

Indurain war in der Hitze zu stark

Seine starken Auftritte waren seinen Absichten natürlich nicht förderlich. 1995 gewann er auch den Giro. Nur der Triumph bei der Tour de France blieb ihm verwehrt. Dies lag vor allem an Miguel Indurain, mit dem sich Rominger in den Bergen einige legendäre Duelle leistete. Der Spanier gewann die Frankreich-Rundfahrt von 1991 bis 1995 fünfmal in Folge. Rominger schaffte es 1993 als Zweiter ebenfalls einmal aufs Podest.

Indurain und Rominger bei einem Anlass in Grenchen 2016 mit Altbundesrat Samuel Schmid. Bild: KEYSTONE

Auch nach seinem Rücktritt im Jahr 1997 riss das Interesse an seiner Person nicht ab. Eine gescheiterte Ehe mit der Schlagersängerin Francine Jordi oder eine ungewollte Vaterschaft waren natürlich ein gefundenes Fressen für die Klatschpresse.

Heute Hobby-Gümmeler

Auch seines Berufes wegen geriet Rominger immer wieder in die Schlagzeilen. Nach seiner Profikarriere arbeitete der einstige Stunden-Weltrekordhalter unter anderem als Co-Kommentator im Fernsehen oder als Renndirektor der Tour de Suisse und betreute er Dopingsünder wie Alberto Contador oder Alexander Winokurow. Rominger selbst wurde nie positiv auf Doping getestet, obschon er all seine Erfolge in einer Zeit eingefahren hat, in der gerade EPO weit verbreitet war.

Auch heute noch ist der vierfache Schweizer Sportler des Jahres mit dem Radsport verbunden. Seit 2014 sitzt er in der Geschäftsleitung des Reiseveranstalters «Huerzeler Bicycle Holidays». Das vom ehemaligen Steher-Weltmeister Max Hürzeler gegründete Unternehmen organisiert Veloferien. Rominger ist für die Marketingbelange zuständig und radelt mit Kunden um die halbe Welt, wenn auch etwas gemächlicher als früher.

Unvergessen

In der Rubrik «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Tour de Suisse: Die schönsten Bilder längst vergangener Zeiten

Ein Zuschauer versucht 1960, die Fahrer der Tour de Suisse mit einem Kübel Wasser zu erfrischen. KEYSTONE / HANS-UELI BLOECHLIGER
Zwischen hohen Schneemauern führt Bernard Hinault 1986 eine Gruppe auf den Gotthard-Pass. KEYSTONE / STR
Mit diesem Bild vom San Bernardino schaffte es der Schweizer Fotograf Christoph Ruckstuhl auf den 2. Platz der World Press Photo Awards. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
1984 müssen die Fahrer ein Bergzeitfahren auf den Klausenpass absolvieren. KEYSTONE / STR
Weil es regnet, werden die Fahrer 1971 im Postauto über den Nufenen transportiert. Dieter Puschel macht dem Fotografen eine lange Nase. KEYSTONE / STR
1956 sah es im Zentrum von Wil noch so aus, heute ist hier der «Schwanenkreisel». KEYSTONE / HANS-UELI BLOECHLIGER
In Morcote am Luganersee verfolgen Zuschauer das Rennen von der Beiz aus. KEYSTONE / STR
Auf dem Weg von Diessenhofen nach Biel wird das Feld 1982 von einer geschlossenen Barriere aufgehalten. Sie wird zur Pinkelpause genutzt. KEYSTONE / HANS-UELI BLOECHLIGER
Beat Breu bei einem Zmorge 1981 – dem Jahr seines ersten von zwei Gesamtsiegen an der Tour de Suisse. KEYSTONE / STR
Der Belgier Prosper Depredomme, der legendäre Italiener Gino Bartali und Ferdy Kübler (von links) 1947 zwischen Davos und Bellinzona. Hulton Archive / Keystone
Bald haben die Fahrer der Tour 1973 die Passhöhe des Nufenen erreicht. KEYSTONE / STR
Der «Kannibale» Eddy Merckx beim Prolog 1975 von Baden nach Baldegg. Merckx gewann die Tour de Suisse «nur» einmal, im Jahr 1974. KEYSTONE / STR
Mit der Fähre wird während der Tour-Etappe 1985 der Vierwaldstättersee von Beckenried nach Gersau überquert. KEYSTONE / WALTER BIERI
In Willikon haben es sich diese Fans 1983 bequem gemacht – für die Fahrer gab's frühestens im Etappenziel in Meilen ein kühles Bier. KEYSTONE / MICHEL EULER
Roger de Vlaeminck schaut 1975 mit Tourchef Sepp Vögeli (links) das Zielfoto einer offenbar hauchdünnen Sprint-Entscheidung an. KEYSTONE / STR
In Fiesch posieren die ersten drei einer Etappe 1977 mit Oberwalliser Trachtenmädchen. KEYSTONE / STR
Ein TV-Kameramann filmt 1983 das Feld. KEYSTONE / STR
Daniel Gisiger erfüllt Autogrammjägern 1986 ihren Wunsch. KEYSTONE / STR
Schweizer Sprintraketen unter sich: Urs Freuler gewinnt die Schlussetappe 1983 auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon vor Max Hürzeler. KEYSTONE / STR
Velo-Legende Ferdy Kübler pilotiert 1992 seinen prominenten Beifahrer, den Selfmade-Millionär Hausi Leutenegger, vom Start ins Ziel. KEYSTONE / STR
Italienische Gastarbeiter feiern ihren Landsmann Franco Bitossi, der 1965 eine Etappe in Wohlen gewinnt. KEYSTONE / STR
Viele Fans beim Bergzeitfahren von Innertkirchen nach Steingletscher am Sustenpass im Jahr 1986. KEYSTONE / STR

Sei keiner dieser Selfie-Typen!

Video: watson / Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

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