«Habt keine Angst!» – sagt der afghanische Moderator mit 8 bewaffneten Taliban im Rücken
Der Moderator versucht, die Zuschauerinnen und Zuschauer zu beruhigen, während er von bewaffneten Taliban umgeben ist. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben.
«Habt keine Angst», wendet sich dieser afghanische TV-Moderator an alle Zuschauenden, während acht bewaffnete Taliban hinter ihm stehen. Dieses Video vom afghanischen Fernsehsender Peace Studio ging gestern viral, nachdem es auf Twitter gepostet wurde.
Sichtlich verängstigt fordert der TV-Moderator der Sendung «Paradz» die Öffentlichkeit dazu auf, mit den Taliban zu kooperieren und keine Angst zu haben. Währenddessen wird er von zwei bewaffneten Taliban flankiert, die scheinbar ins Leere starren.
Erst als die Kameraperspektive wechselt, ist erkennbar, dass sich gleich acht Taliban um das Moderatorenpult drängen.
In einem längeren Video, gepostet von BBC-Reporter Kian Sharifi, interviewt der Moderator im Anschluss einen der anwesenden Taliban-Kämpfer.
Angst ist allgegenwärtig
Seit der Machtübernahme am 15. August geraten Journalistinnen und Journalisten immer wieder ins Visier der Taliban. Dies obwohl die Taliban behaupten, freie Presse im Land zu erlauben.
Die Angst innerhalb der Bevölkerung ist gross. Noch immer versuchen Tausende Afghaninnen und Afghanen vor dem Regime der Taliban zu fliehen.
Als Folge davon kommt es am Flughafen immer wieder zu chaotischen Szenen, was Evakuierungen schwierig macht. Am vergangenen Donnerstag kam es gar zu zwei Selbstmordanschlägen durch den IS.
Noch bis morgen erlauben die Taliban Evakuierungseinsätze, danach soll Schluss sein. (saw)
Die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan
Am 15. August 2021 haben die Taliban ihr Ziel erreicht: Sie sind in der Hauptstadt Kabul einmarschiert und haben den Präsidentenpalast in ihrer Kontrolle. keystone / Zabi Karimi
Präsident Aschraf Ghani war zuvor geflüchtet und hat das Land verlassen. (Archivaufnahme).
keystone / Rahmat Gul
Diese Männer waren mit einem der letzten Linienflüge aus Kabul nach Neu-Delhi geflogen. Unterdessen ist der zivile Teil des Flughafens geschlossen. www.imago-images.de / Hindustan Times
In Kabul und am Flughafen spielten sich chaotische Szenen ab: Hunderte Menschen waren auf dem Flugfeld unterwegs und versuchten, in einen Flieger zu kommen. keystone / STRINGER
Taliban-Kämpfer haben sich vor dem Flughafen postiert. keystone / STRINGER
Vor einer Bank in Kabul haben sich lange Schlangen gebildet. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben und Lebensmittel zu kaufen. keystone / Rahmat Gul
Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt. www.imago-images.de / Bashir Darwish
Ein einsamer Joe Biden bespricht sich am Sonntag in Camp David mit seinen Beratern über die Lage in Kabul. keystone
Die US-Botschaft wurde geräumt. Es sind Bilder, die an das Ende des Vietnam-Krieges erinnern. keystone / Rahmat Gul
Vor dem Weissen Haus protestieren Menschen. keystone / MICHAEL REYNOLDS
Die Taliban wollen ein «Islamisches Emirat Afghanistan» errichten, so wie schon vor dem Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001. Damals setzten sie mit drakonischen Strafen ihre Vorstellung eines «Gottesstaats» durch: Frauen und Mädchen wurden systematisch unterdrückt, Künstler und Medien zensiert, Menschenrechtsverletzungen waren an der Tagesordnung. keystone / Rahmat Gul
Die Taliban hatten in den vergangenen knapp eineinhalb Wochen fast alle Provinzhauptstädte eingenommen. Viele waren kampflos an sie gefallen. keystone / Rahmat Gul
Am Samstagabend (Ortszeit) hatten sie Masar-i-Scharif im Norden (im Bild) und am Sonntagmorgen Dschalalabad im Osten erobert. keystone / STRINGER
Die Taliban versuchten, die Furcht der Bevölkerung vor Chaos und Gewalt zu zerstreuen. keystone / STRINGER
Suhail Schahin, ein Unterhändler bei den Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar, sagte der BBC: «Wir versichern den Menschen [...] in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind.» Es werde «keine Rache an irgendjemandem» geben. keystone / STRINGER
Taliban-Kämpfer hissen ihre Flagge im Gouverneurs-Palast in der Provinzhauptstadt Ghazni. keystone / Gulabuddin Amiri
«Ich habe meine Mutter begraben» – Noori musste wegen den Taliban in die Schweiz flüchten
Video: watson / Aya Baalbaki
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