Aktuelle Themen:

Kiffen in Goa? Eine schlechte Idee. Bild: shutterstock

Von den Traumferien zum Höllentrip: Wo am meisten Schweizer im Gefängnis landen

Wer in seinen Ferien keine Ahnung von den Gepflogenheiten vor Ort hat, für den kann der Trip auch schnell hinter schwedischen Gardinen enden. 215 Schweizer sitzen derzeit in ausländischen Gefängnissen.

Publiziert: 13.10.18, 07:46 Aktualisiert: 13.10.18, 10:40
yannick nock / schweiz am wochenende

Manchmal endet der Wunsch nach strahlender Sonne und ein paar entspannenden Tagen in einer dunklen Zelle irgendwo auf der Welt. 215 Schweizer sitzen derzeit in ausländischen Gefängnissen, wie neuste Zahlen des Bundes zeigen. Gerade jetzt, in der Ferienzeit, könnten weitere Insassen mit rotem Pass hinzukommen. Denn viele werden während ihres Urlaubs in fremden Gefilden verhaftet.

Zum Beispiel in Thailand. 13 Schweizer sitzen im südostasiatischen Ferienparadies in Haft. Dabei warnt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf seiner Homepage vor den Gefahren. Schon die kleinste Menge Drogen würden mit langjährigem Freiheitsentzug – manchmal bis lebenslänglich – geahndet. In gravierenden Fällen sogar mit der Todesstrafe.

Hans-Peter Heiniger leitet die Helpline des EDA und erzählt von einem schweren Fall, dieses Mal aus Indien: «Ich erinnere mich an einen Schweizer, der 14 Jahre wegen Haschisch in Goa im Gefängnis sass», sagt Heiniger in einem Interview mit «NZZ Folio». Alles Intervenieren habe nichts genützt. Der Schweizer sass bis zum letzten Hafttag. «Und die Bedingungen dort sind höllisch», sagt der Fachmann des Aussendepartements.

Die meisten sitzen in Frankreich ein

Drogendelikte sind der häufigste Grund, warum Schweizer im Ausland hinter Gitter landen. Von den 215 Insassen sitzen 60 wegen Drogenverstössen. Beim Rest handelt es sich meistens um Vermögensdelikte, Raub und Diebstahl sowie Verstösse gegen Aufenthaltsbewilligungen. Auf der Hitliste der Länder, in welchen die meisten Schweizer im Knast landen, steht Thailand (13 Insassen) lediglich auf Platz 4. Andere klassische Urlaubsparadiese wie Brasilien (8) belegen ebenfalls nicht die Spitzenplätze.

Am häufigsten mit dem Gesetz in Konflikt geraten Schweizer ganz in der Nähe – im Nachbarland Frankreich. 28 sitzen hinter schwedischen – pardon – französischen Gardinen. 24 sind es in Deutschland, 14 in Spanien.

215 Schweizer sitzen in ausländischen Gefängnissen

1. Frankreich (28 Insassen)
2. Deutschland ( 24 Insassen)
3. Spanien (14 Insassen)
4. Thailand (13 Insassen)
5. Italien (13 Insassen)​

Dass die Nachbarländer die Liste anführen, ist kein Zufall. Von den 750000 Auslandschweizern leben die meisten in Frankreich (200000), gefolgt von Deutschland (90000). Wo mehr Schweizer wohnen, ist naturgemäss auch die Wahrscheinlichkeit höher, Landsleute im Gefängnis zu sehen. Doch die Statistik kann sich rasch ändern, denn lebenslängliche Haft ist äusserst selten. Manchmal dauert der Gefängnisaufenthalt auch nur wenige Tage, was die Zahlen stark beeinflusst.

13 Millionen Auslandreisen

Jährlich suchen 65000 Personen Hilfe bei der EDA-Hotline. Dabei stehen meistens Visa-Probleme im Vordergrund, keine Gesetzesverstösse. Oft geht es aber auch nur darum, Menschen zu beruhigen. Zuletzt haben sich vermehrt verzweifelte Eltern ans EDA gewandt. «Sie bitten uns, mit ihren Kindern zu sprechen, um ihnen ihre Reisepläne auszureden», sagt Heiniger. «In Erziehungsfragen mischen wir uns aber prinzipiell nicht ein.»

Angesichts der jährlich 13 Millionen Auslandreisen von Schweizern sei die Menge der Anfragen human. Die meisten Reisenden würden sich gut vorbereiten, sagt Heiniger. Wer allerdings keine Ahnung von den Gepflogenheiten vor Ort habe, für den könne ein Trip auch schnell hinter schwedischen Gardinen enden.

Die Redensart geht übrigens auf die Verarbeitung von schwedischem Stahl zurück, der früher als besonders stabil galt. Gefängnisse aus aller Welt liessen ihre Gitter aus festem schwedischem Stahl fertigen. Auf die Schweiz bezogen, ist der Ausdruck aber mittlerweile alles andere als zutreffend. Sowohl was den Stahl als auch was das Land betrifft. Die Zahl der Schweizer, die in schwedischen Gefängnissen sitzen, beträgt derzeit nämlich – null.

Ein Tag im Gefängnis

In der geschlossenen Anstalt in Affoltern am Albis sitzen 65 Häftlinge ein, 23 Aufseher kümmern sich um sie.
Das Gefängnis liegt mitten in einer Wohnsiedlung.
Es gibt Einzelzellen (im Bild), Zweier- und Viererzellen.
Die Zellen sind einfach eingerichtet. In jeder steht ein TV.
Auf den Gängen verbringen die Insassen einen grossen Teil ihres Alltags.
Befolgen Häftlinge die Regeln nicht, können sie in die Arrest-Zelle geschickt werden.
Während dem Gruppenvollzug dürfen sich die Insassen frei auf den Gängen bewegen. Ein gut eingerichteter Kraftraum ins fünf Tage pro Wochen geöffnet.
Der Spazierhof: Jeder Häftling hat Anrecht auf eine Stunde frische Luft pro Tag.
So leer ist der Billard-Raum selten.
Nebst dem Fernseher ist Tabak das Wichtigste für die Häftlinge. Der hauseigene Kiosk verkauft aber auch Früchte oder Schokolade.
Wer sich weiterbilden will, findet in der Bibliothek Bücher zu fast allen Themen.
Drei Stunden am Morgen und zwei Stunden am Nachmittag arbeiten die Häftlinge. Sie bekommen dafür einen Lohn.
Rüebli schälen oder Zahnbürsten abpacken gehört zu den Jobs im Gefängnis in Affoltern am Albis.
Die Werkstatt ist gut eingerichtet. Fehlt etwas, müssen alle suchen, bis es gefunden ist.
Putzen gehört zu den beliebteren Ämtli.
Patrick B. ist seit 17 Jahren Aufseher. Er sagt, in seinem Beruf habe man mit speziellen Menschen zu tun. Das mag er.
Die Küche passt sich verschiedenen Bedürfnissen an.
Die Medikamentenausgabestelle: Hier bekommen die Insassen zum Beispiel Methadon.
Ein Häftling hat seine elektrische Zahnbürste in eine Tätowiermaschine umgewandelt.
Der Besuchsraum: Immer wieder schmuggeln Besucher Drogen ins Gefängnis.
Der Sicherheitstrakt von aussen.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität