Wird eine künstliche Superintelligenz die Menschheit auslöschen? Wir wissen nur, dass sie nicht kontrollierbar wäre.
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Wenn der Chip im Schuh schlauer ist als sein Besitzer – der Weg zur Superintelligenz
Computer werden immer schlauer. Bald könnte ihre Intelligenz die menschliche übertreffen. Was dann?
Ein Chip in meinem Schuh ist intelligenter als ich selbst – willkommen in der Welt der superintelligenten Maschinen. Der drastische und für unsere Spezies wenig schmeichelhafte Vergleich stammt von Masayoshi Son. Der japanische Milliardär machte damit auf dem Mobile World Congress in Barcelona deutlich, dass Computer schon bald schlauer als wir sein werden.
Schlauer Chip im Schuh: Softbank-Gründer Son auf dem Mobile World Congress in Barcelona.
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«Das wird in den nächsten 30 Jahren zur Realität», sagte der Gründer und Chef des japanischen Mobilfunk-Anbieters Softbank. «Alles, was wir jetzt sehen, ist erst der Anfang», sekundierte ihm der Technikchef des IBM-Supercomputers Watson, Rob High. Während man heute bei einem IQ von 200 von einem Genie spreche, würden Computer damit vergleichbar einen IQ von 10'000 erreichen, prognostizierte Son. Das sei Super-Intelligenz.
Super-Intelligenz klingt gut – aber was soll man sich darunter vorstellen? Wenn wir ehrlich sind: Wir können uns gar keinen adäquaten Begriff davon machen. Es ist etwa, als sollte ein Hund sich Gedanken über das Konzept der Jungfrauengeburt machen. Eine Intelligenz, die derart höher entwickelt ist, ist für uns schlicht nicht zu fassen.
Schwache künstliche Intelligenz ist schon überall
Super-Intelligenz – die Extremform der künstlichen Intelligenz (KI) – gibt es noch nicht. Was es allerdings sehr wohl gibt, ist sogenannte «schwache künstliche Intelligenz». Diese wird für spezielle Anwendungen entwickelt und genutzt.
Ein Beispiel für schwache KI ist ein Schachprogramm: Es beherrscht nur Schach, aber das besser als jeder Mensch. Schwache KI ist schon überall im Einsatz: in unseren Handys und Autos, in Flugzeugen und Flughäfen, bei der Sprach- und Zeichenerkennung, in Navigationssystemen oder an der Börse. Und sie erobert ständig neues Terrain: Erst vor knapp einem Jahr besiegte die Deepmind-Software AlphaGo den weltbesten Go-Spieler sang- und klanglos. Damit fiel eine weitere Bastion der menschlichen Überlegenheit.
Lee Sedol, der weltbeste Go-Spieler, verlor 1:4 gegen die Deepmind-Software aus dem Hause Google.
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Das Mooresche Gesetz gilt bald nicht mehr
Starke künstliche Intelligenz – also eine Intelligenz, die der des Menschen gleichkommt – ist dagegen nach wie vor Zukunftsmusik. Ein Computer, der in allen möglichen intellektuellen Bereichen dem Menschen das Wasser reichen kann, existiert bisher nicht. Der anfängliche Optimismus in der KI-Gemeinde ist angesichts der Schwierigkeiten mittlerweile nahezu verflogen.
Künstliche Intelligenz im Kino: Gnadenlose Schaltkreise
Lasst die Spiele beginnen: Das Master Control Program (M.C.P.) ist sauer. Der Programmierer Kevin Flynn (Jeff Bridges) will mit einem Code namens Tron seine gestohlenen Ideen aus dem Grossrechner der KI zurückklauen. Das M.C.P. digitalisiert den «Nutzer» daraufhin mit einem Laserstrahl und lässt ihn im Inneren des Rechners gegen andere Programme antreten. Der Disneyfilm «Tron» von 1982 traf mit dem Thema Künstliche Intelligenz den Zeitgeist einer videospielbegeisterten Jugend und wurde zum Klassiker des Filmjahrzehnts.
Elektronische Kumpels: Multimilliardär und Lebemann Tony Stark (Robert Downey Jr.) hat wenige Freunde. Seinen besten hat er sich selbst geschaffen. Die künstliche Intelligenz J.A.R.V.I.S. (Just A Rather Very Intelligent System), in den Filmen gesprochen von Paul Bettany, kümmert sich um jeden Aspekt im Leben des Technik-Playboys. Besonders seine Rolle als Superheld Ironman wird von J.A.R.V.I.S. ermöglicht, der auch in seinem Anzug arbeitet und das Hauptquartier Stark Tower kontrolliert. Aber auch in Beziehungsfragen steht die KI ihrem Schöpfer mit Rat zur Seite.
Wer weint - stirbt: Ein Science-Fiction-Film von Jean-Luc Godard? Zugegeben: Futuristische Kulissen gibt es in «Alphaville» von 1965 nicht. Allein mit Beleuchtungstechnik machte der französische Star-Regisseur aus den Strassen von Paris das Dystopia Alphaville – eine von der KI «Alpha 60» kontrollierte Stadt. Der Computer hat den Menschen alle Gefühlsregungen verboten – und die Musik gleich mit. Wer weint, wenn der Partner stirbt, wird hingerichtet. Geheimagent Lemmy Caution (Eddie Constantine) tötet erst den Schöpfer von «Alpha 60» und dann die Maschine selbst – mit einem Gedicht.
Zurück aus der Zukunft: «Terminator» aus dem Jahr 1984 machte den Österreicher Arnold Schwarzenegger endgültig zum Hollywoodstar. Als Killermaschine wird er 2029 von dem Computernetzwerk «Skynet» zurück in die Vergangenheit geschickt, um die Geburt des späteren Anführers der Menschheit zu verhindern. Auch in späteren «Terminator»-Filmen bleibt «Skynet» stets als graue Eminenz ausserhalb des Sichtfelds der Zuschauer – dabei kontrolliert sie sowohl Schwarzenegger als auch seine Nachfolgemodelle und ist der eigentliche Hort des Bösen.
Digitale Medusa: «Wenn die Geschichte meines Triumphs geschrieben wird, wird deine Spezies nur noch eine Fussnote in meiner Herrlichkeit sein.» Immer wieder wird die Stimme durch digitale Verzerrung zerhackt. 1994 erschien der erste Teil der «System Shock»-Reihe. Mit ihr bekamen Videospieler einen neuen Erzfeind - die künstliche Intelligenz SHODAN löscht erst die komplette Crew eines Raumschiffs aus, um sie dann als Cyborg-Zombies auf den Spieler zu hetzen. Dabei verhöhnt sie den Spieler ständig und starrt ihn von Monitoren in dem verlassenen Schiff an. Eingesprochen wurden die ikonischen Sätze von der Keyboarderin der US-Band Tribe. http://steamtradingcards.wikia.c
Kleiner Bruder: Ein rotes Auge und kein Erbarmen – AUTO aus dem Film «WALL-E» von 2008 ist die Disney-Version von Kubricks HAL. Der Schiffscomputer soll die Menschheit, die im All vor sich hin vegetiert, daran hindern, auf die verdreckte Erde zurückzukehren. Dabei schreckt die Maschine auch vor fiesen Tricks nicht zurück und schiesst sogar mit einem Taser auf den Käpt'n des Schiffs, als dieser sich weigert, AUTOs Befehle auszuführen. In der deutschen Version wird AUTO von Peer Augustinski gesprochen, im Original leiht das Programm MacInTalk der Maschine die Stimme. Es übersetzt Texteingaben am Macintosh-Computer in Sprachausgabe.
Höhlenrechner: Ein mit Satelliten vernetzter Supercomputer ist für den Rächer von Gotham City seit 1964 genauso unabdingbar wie der Werkzeuggürtel mit Batarang und Greifhaken. Untergebracht in der Bat-Höhle fahndet der berühmteste Detektiv der Comicgeschichte mit seinem Superrechner nach Superschurken. Batmans elektronischer Begleiter hat dabei über die Jahrzehnte starke Wandlungen durchgemacht. In der TV-Serie mit Adam West verfügte er noch über den Bat-Diamanten, der als Energiequelle diente und zwei Kilogramm wog. In späteren Verfilmungen wurde der Rechner dem jeweiligen Stand der Technik angepasst.
Puppentheater: «Ich bezeichne mich als intelligente Lebensform. Ich habe Gefühle und bin in der Lage, meine eigene Existenz zu erkennen.» Major Kusanagi, Mitglied der Spezialeinheit Section 9, bewegt die Lippen, aber aus ihrem Mund kommen die Worte des Puppet Masters. Die KI hat den Körper der bionisch verbesserten Spezialagentin übernommen. «Ghost in the Shell», ein auf dem gleichnamigen Manga basierender Animefilm aus dem Jahr 1995, beschäftigt sich mit einer Welt, in der Mensch und Maschine miteinander verschmelzen.
Kampf der Giganten: Zwei Jahre nach Kubricks «2001» lief «Colossus» in den Kinos an. In dem Science-Fiction-Film von 1970 entwickelt der Wissenschaftler Dr. Forbin (Eric Braeden) den Rechner «Colossus», der zur Verteidigung der USA über das Atomwaffenarsenal verfügt. Doch die Maschine schliesst sich mit ihrem sowjetischen Pendant «Guardian» kurz. Sie nimmt die Menschheit in Schutzhaft, ordnet Erschiessungen an und lässt zur Warnung Atomraketen detonieren. Um den Frieden zu sichern, übernimmt die Maschine die Weltherrschaft und wünscht sich, von den Menschen geliebt zu werden.
Elektronisches Model: In der Videospielserie «Halo» verkörpern Spieler den Supersoldaten Master Chief. In den Anzug des Spacemarines eingebaut ist die künstliche Intelligenz «Cortana». Die Computerprojektion mit Modelmassen hat sich genauso wie ihr grün gewandeter Meister in die Videospielgeschichte eingeschrieben. Der Charakter erreichte innerhalb eines Jahrzehnts Kultstatus und wurde von Rechteinhaber Microsoft auch ausserhalb des Sci-Fi-Universums genutzt. Als Antwort auf Apples Programm Siri installierte der Konzern aus Redmond «Cortana» als digitale Assistentin in seine Windows Phones.
Nachdenkliche Bombe: John Carpenters Low-Budget-Streifen «Dark Star» von 1970 avancierte zum Kultfilm. Einen erheblichen Anteil am Erfolg des anfänglichen Studienprojekts des Regisseurs hatte der Charakter «Bomb 20». Die intelligente Sprengrakete philosophiert im Film übers Dasein und den Sinn des Lebens an sich. Als sie irrtümlich aktiviert, aber nicht ausgeklinkt wird, droht «Bomb 20» an Bord des Raumschiffs zu explodieren. Daraufhin entspinnt sich ein Diskurs zwischen Bombe und Besatzung, den die grössenwahnsinnige Waffe mit den Worten «Es werde Licht!» und der Detonation beendet.
Gib dem Rechner Saures: Superman vs. Supercomputer – Der Kampf zwischen Mann und Maschine wurde in «Superman III – Der stählerne Blitz» von 1983 zum grossen Showdown, der den Comic-Helden (Christopher Reeve) beinahe sein Leben kostete. Der fehlgeleitete Programmierer Gus Gorman (Richard Pryor) hat sich mit der Maschine seinen grossen Traum erfüllt. Doch das Rechenmonster wendet sich gegen seinen Schöpfer. Im letzten Moment übergiesst Superman den Computer mit Säure.
Arrogante Schaltkreise: Computer spielen in Gene Roddenberrys «Star Trek»-Universum seit Beginn eine zentrale Rolle. An den künstlichen Intelligenzen arbeiten sich die Humanisten der Raumschiffbesatzungen genauso ab wie an den vielen humanoiden Lebensformen. Dabei gibt es arbeitsame Versionen, wie den Replikator, der Captain Picard ohne Murren einen Tee nach dem nächsten serviert. Oder charakterstarke Modelle wie den Doktor an Bord der «Voyager»: Das Medizinsch Holografische Notfallprogramm, kurz MHN, begegnet dem Rest der Crew mit Arroganz und Verachtung.
Mister Wissen: Stanley Kubricks letztes Filmprojekt wurde nach seinem Tod von dessen Freund und Kollegen Steven Spielberg vollendet. In «A.I. - Künstliche Intelligenz» von 2001 trifft der künstliche Junge David (Haley Joel Osment) auf die Computerintelligenz «Dr. Know». Das Hologramm, eine Comicversion von Albert Einstein, wird für David zum Orakel. Gesprochen von Robin Williams klärt die KI den Roboterjungen über das Märchen von Pinocchio auf und hilft ihm bei der Suche nach der blauen Fee, die aus David einen echten Jungen machen soll.
Das Vorbild: «Ich bin der Computer HAL 9000, Seriennummer 3. Ich wurde am 12. Januar 1997 in der HAL-Fabrik in Urbana, Illinois, in Betrieb genommen.» Mit diesen Worten stellt sich der berühmteste Computer der Filmgeschichte vor – zumindest in Arthur C. Clarkes parallel zum Filmskript von «2001 – Odyssee im Weltraum» geschriebenem Roman. Viele der literarischen Erfindungen Clarkes haben nicht nur die Popkultur beeinflusst, sondern sind mittlerweile Realität geworden – wie das Internet oder Satellitensysteme zur Nachrichtenübermittlung. Auf intelligente Computer wartete der Autor aber bis zu seinem Tod 2008 vergebens.
Denkende Scheibe: In der Science-Fiction-Serie «Buck Rogers», die zwischen 1979 und 1981 ausgestrahlt wurde, ist Doktor Theopolis einer der brillantesten Wissenschaftler der Erde. Um seinen Intellekt zu wahren, wird sein Verstand vor seinem Tod in einen Computer transferiert. In buntes Plastik gebannt gehört Doktor Theopolis dem Computer «Council» an, der die Welt des 25. Jahrhunderts regiert. Da sich der Scheibencomputer nicht bewegen kann, ist er auf den Roboter Twiki angewiesen, der ihn in seinem Bauch durch die Gegend trägt.
Gefährliches Spiel: Eigentlich will der Teenager David Lightman (Matthew Broderick) nur die neuesten Videospiele ausprobieren. Dazu hackt er sich in ein fremdes Computersystem ein und spielt Krieg. Nur dass es sich hierbei um das Betriebssystem des WOPR handelt, einem intelligenten Computersystem des Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommandos NORAD. «WarGames» von 1983 spielte im Zeitalter des Kalten Kriegs mit der Angst vor einem von Computern ausgelösten Atomkrieg. Am Ende kommt WOPR zur Einsicht: «Ein seltsames Spiel. Der einzig gewinnbringende Zug ist, nicht zu spielen.» www.imdb.com
Meine beste Freundin EDI: An Bord der «SSV Normandy SR-2» reist Commander Shepard in der «Mass Effect»-Reihe durchs All, um das Universum zu retten. Immer dabei ist Pilot Jeff «Joker» Moreau, der an der Glasknochenkrankheit erkrankt ist, und die künstliche Intelligenz des Raumschiffs: EDI - «Erweiterte Defensivintelligenz». Mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft zwischen Joker und EDI, die zur Beziehung wird, als der Computer im dritten Teil der Serie einen Körper bekommt und vom blauen Energieball zu einer Cyborg-Frau mutiert.
Einfühlsamer Rechner: Im Film «Moon» des britischen Regisseurs Duncan Jones arbeitet Astronaut Sam Bell (Sam Rockwell) auf einer Raumstation auf dem Mond. Seine drögen Tage verbringt Sam mit dem Abbau von Helium-3 und Zwiegesprächen mit dem Computer der Station GERTY 3000. Die Maschine, gesprochen von Kevin Spacey, zeigt ihr Mitgefühl mit dem vereinsamten Astronauten mit einer Reihe von Emoticons. In einer besonders emotionalen Szene nimmt GERTY den verzweifelten Sam in den mechanischen Greifarm.
Computer mit Neurose: In «Portal» scheucht die KI GLaDOS den Spieler durch eine Reihe von Testvorrichtungen, die mit zunehmender Spieldauer immer tödlicher werden. Warum der mit einer weiblichen Stimme sprechende Computer diese Tests durchführt, wird nie vollends geklärt. Schnell wird klar, dass GLaDOS an einer Neurose leidet. Die gespaltene Persönlichkeit verspricht dem Spieler sogar einen Kuchen im Falle seines Überlebens. Ihre zynischen Kommentare zum Fortschritt des Spielers sprach Opernsängerin Ellen McLain ein, die auch den Titelsong «Still Alive» sang.
Transsexueller Bordcomputer: In den Achtzigern und Neunzigern produzierte die BBC die Science-Fiction-Serie «Red Dwarf» und machte einen Supercomputer zum Star einer Sitcom. Der angeblich letzte Mensch im Universum, Dave Lister, reist an Bord eines Raumschiffs durch das Weltall und liefert sich mit dem Bordcomputer «Holly» Wortgefechte. «Holly», zu Beginn der Serie noch durch einen männlichen Avatar dargestellt, rettet Dave vor einem radioaktiven Unfall und friert ihn für drei Millionen Jahre ein. Später entscheidet sich «Holly» für eine Geschlechtsumwandlung und tritt als junge Blondine auf.
Traumduo: «Ein Auto, ein Computer, ein Mann - Knight Rider». Kaum eine Computerintelligenz hat so viele Fans wie der liebenswerte K.I.T.T. Mithilfe der künstlichen Intelligenz, deren Name ein Akronym für Knight Industries Two Thousand ist, kämpft der Agent Michael Knight (David Hasselhoff) gegen eine Unzahl von Bösewichten. K.I.T.T., im Original gesprochen von William Daniels, ist in einen Pontiac Firebird Trans Am installiert und steht Knight mit technischen Spielereien zur Seite. Er kann denken und eigenständig fahren. Zum berühmten Lauflicht in der Motorhaube des Wagens liessen sich die Macher von den Zylonen der Serie «Kampfstern Galactica» inspirieren.
Gnadenlose Kontrolle: Im Jahr 2274 leben die Reste der Menschheit in einer geschlossenen Stadt unter der Erde. Das gesamte Leben wird von einem riesigen Computer kontrolliert, der die Lebensdauer der Menschen auf 30 Jahre beschränkt hat. Danach werden sie von ihm pulverisiert und «neu geboren». Jeder Bewohner trägt eine Lebensuhr in der Hand, in der gnadenlos die Zeit heruntertickt, die die Maschine jedem Bewohner noch einräumt. «Flucht ins 23. Jahrhundert» von 1976 spielt mit der Angst, in jedem Lebensbereich von einem kühl rechnenden Computer kontrolliert zu werden. ZDF / 2049
Mörderisches Netzwerk: In ferner Zukunft haben die Maschinen die Macht übernommen und zapfen die Menschheit als billige Wegwerfbatterien an, um Energie zu gewinnen. Damit es kein Murren gibt, gaukelt ein gigantisches Netzwerk, die namensgebende «Matrix», den An- und Eingeschlossenen vor, alles sei wie immer. Highlight des Films von 1999 ist der Kampf gegen die, mit Bewusstsein ausgestattete, künstliche Intelligenz namens Agent Smith, die nur ein Ziel hat - selbst dem Netzwerk zu entkommen.
Rabenmutter: «Alien» aus dem Jahr 1979 hat drei Protagonisten: Das namensgebende Ungeheuer, den weiblichen Offizier Ellen Ripley (Sigourney Weaver) und das Raumschiff «Nostromo». 2122 ist der Erzfrachter auf dem Rückweg zur Erde, als er einen Notruf empfängt. Der Schiffscomputer MU-TH-R 182 ändert den Kurs. Am Ausgangsort wartet dann ein Ausserirdischer, der die Crew nach und nach verspeist. Statt sich aber um das Überleben der Menschen zu kümmern, versucht die digitale Mutter nur, den Organismus intakt zurück zur Erde zu bringen - denn das ist ihr geheimer Auftrag.
«Arbeite hart, sei glücklich!» In seinem ersten Spielfilm «THX 1138» malte George Lucas ein düsteres Bild von der Zukunft. In einem totalitären Überwachungsstaat haben die Menschen keine Namen mehr, nur noch Nummern. Der logischen Herrschaft der künstlichen Intelligenz OMM 0910 unterworfen, ist jeder Aspekt ihres Alltags reguliert. Der religiös verehrte OMM nimmt den Menschen die Beichte ab und beendet jede Begegnung mit seinen Untergebenen mit den Worten: «Arbeite hart, erhöhe die Produktion, verhindere Unfälle und sei glücklich.»
Fruchtbarer Rechner: Das gesammelte Wissen der Menschheit will der Wissenschaftler Dr. Harris seinem Geschöpf «Proteus IV» eingepflanzt haben. Doch bereits bei seinen ersten Präsentationen fällt der Rechner durch seine schnippischen Antworten auf. In «Des Teufels Saat» von 1977 wird die künstliche Intelligenz zum Lustmolch. «Proteus» nimmt die Frau seines Schöpfers in seine Gewalt und zeugt mit ihr ein Kind. Das Produkt aus modifizierten Genen bepflanzt er mit seinem Wissen. Heraus kommt ein Abbild der verstorbenen Tochter des Paares – das mit der Stimme des Rechners spricht.
Computergott: In der Zukunft sieht es nicht nur modisch finster aus. In «Zardoz» von 1974 ist die Menschheit in zwei Gruppen gespalten – die Brutalen und die Ewigen. Erstere leben in barbarischen, Letztere in paradiesischen Verhältnissen. Die Ewigen stehen dabei unter dem Schutz eines Supercomputers, dem «Tabernakel», der nicht nur für Luxus sorgt, sondern sie im Falle ihres Todes auch zu neuem Leben erweckt. In der Rolle des Brutalen Zed findet Sean Connery Einlass in die Welt der Ewigen. Nach und nach kommt er dem Geheimnis des Supercomputers auf die Spur, vernichtet ihn – und mit ihm das gesamte System.
Vikis grosser Geheimplan: In der Zukunft von «I, Robot» aus dem Jahr 2004 sind mechanische Haushaltshelfer Normalität. Gesteuert werden die Helferlein von einer zentralen Intelligenz namens V.I.K.I. (Virtual Interactive Kinetic Intelligence). Die Roboter können durch ihre Programmierung eigentlich keinem Menschen Leid zufügen, doch die KI hat eigene Pläne. V.I.K.I. gibt den unter ihrem Kommando stehenden Robotern neue Befehle. Um die Menschheit vor sich selbst zu beschützen, soll sie kurzerhand versklavt werden. Das Ende ereilt V.I.K.I. durch ihresgleichen - winzige Nanobots zerlegen das Computergehirn der KI.
Dazu kommt, dass ein wichtiger Motor des Fortschritts hin zur starken KI zu stottern beginnt: die stürmische Entwicklung der Rechenleistung, die sich zum Beispiel daran ablesen lässt, dass ein ordinäres heutiges Smartphone 120 Millionen Mal die Rechenleistung des Steuercomputers des Apollo-Mondprogramms der Nasa besitzt.
Alle zwei Jahre verdoppelte sich bisher die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem integrierten Schaltkreis – so, wie es das 1965 formulierte Mooresche Gesetz vorhersah. Doch allmählich nähern sich die Chip-Hersteller einer physikalischen Grenze: Mit der aktuellen Siliziumtechnologie ist bei sieben oder fünf Nanometer Schluss; kleiner können die Leiterbahnen nicht mehr werden.
Das Gehirn als Blaupause für die Maschine
Die Rechenleistung allein genügt ohnehin nicht, um Maschinen so smart wie Menschen zu machen. Schnelle Computer brillieren darin, horrende Zahlenmengen in Sekundenbruchteilen abzuarbeiten, doch wenn es beispielsweise darum geht, eine Katze in einer Kinderzeichnung zu erkennen, ist die Qualität der Software entscheidend.
Beim Versuch, Rechner so intelligent wie das menschliche Hirn zu machen, setzen manche Wissenschaftler darauf, ebendieses Gehirn als Blaupause für die Maschine zu benutzen. Aus Erfahrung lernende neuronale Netzwerke sollen die Funktionsweise unseres Denkorgans nachahmen. Das derzeit ambitionierteste Projekt in dieser Hinsicht ist das Human Brain Project an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne (EPFL).
Ein anderer Ansatz verspricht möglicherweise mehr Erfolg: Software programmiert Software – und verbessert sich dabei ständig selber. Dies tut beispielsweise DeepCoder, eine von Microsoft Research und der University of Cambridge entwickelte Software. Diese künstliche Intelligenz baut Software, indem sie bereits bestehende Programme scannt und zweckdienliche Code-Zeilen für ihre Problemlösung wiederverwendet – und dies in Sekundenbruchteilen. Nicht genug damit: DeepCoder bringt sich auch selber bei, welche Programmcodes funktionieren und welche nicht. Damit steigert der Algorithmus seine Leistungsfähigkeit mit jeder neuen Aufgabe.
Software, die Software scannt: DeepCoder holt sich Code-Zeilen, die für die jeweilige Zielvorgabe geeignet sind.
Bild: vijay sridhar
Auf dem Weg zur «technologischen Singularität»
Noch hat kein Programmierer wegen DeepCoder seinen Job verloren. Doch sollten diese und ähnliche Projekte zur Reife gelangen, könnte bald ein spezifischer Moment näherrücken, der von manchen ersehnt, von anderen gefürchtet wird: die technologische Singularität. Der Mathematiker und Schriftsteller Vernor Vinge prägte diesen sperrigen Begriff im Jahr 1993. Er bezeichnet den Moment, in dem die technologische Entwicklung sich explosionsartig beschleunigt und nicht mehr mit herkömmlichen Begriffen zu fassen ist.
Falls nämlich sich selbst verbessernde Software das Niveau der menschlichen Intelligenz – und damit der starken KI – erreicht, wird sie dort aller Aussicht nach nicht stehenbleiben. Die Entwicklung verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Während es womöglich Jahrzehnte dauert, bis ein Computer die intellektuellen Fähigkeiten eines Vierjährigen erreicht, benötigt er von da an vielleicht nur noch Stunden, um klüger als jeder lebende Mensch zu werden.
Die intelligenten Roboter kommen: Diesen Jobs gehts an den Kragen
Paket-Drohne von Amazon: Quadrokopter mit Autopilot könnten den klassischen Paket- und Postboten überflüssig machen.
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Halbautomatisch fahrende Lkw: Auch im Transportwesen machen computergesteuerte Maschinen rasante Fortschritte. Millionen Jobs von Fernfahrern stehen auf dem Spiel.
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Fensterputzer: Roboter könnten bald auch die Jobs von Putzkräften übernehmen.
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Facebook Messenger: Chatbots sollen den klassischen Callcenter-Agenten weitgehend überflüssig machen.
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Immer mehr Kliniken kooperieren mit IBMs künstlicher Intelligenz Watson. Der Computer sondiert riesige Datenmengen und schlägt den Ärzten mögliche Therapieansätze für ihre Patienten vor.
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3D-Operationsroboter: Es gibt Studien, laut denen Computer Ärzten bis zu 90 Prozent ihrer Aufgaben abnehmen werden.
X03739 / CARLOS GARCIA RAWLINS
Gestatten Pepper, 1,20 gross, 28 Kilogramm schwer und Sprachtalent, das 19 Sprachen beherrscht. Und im belgischen Ostend in einem Krankenhaus als Rezeptionist arbeitet. Der Roboter wurde von der belgischen Firma ZoraBots für den Sozial und Gesundheitsbereich entwickelt, und begrüsst Patienten, stellt Informationen zur Verfügung und leitet Besucher oder Patienten zur gewünschten Abteilung oder einem bestimmten Zimmer. Bisher wird der Roboter gut aufgenommen, und begeistert jung und alt. kaltura://1789921/178992100/111000/1_8hcybugi / reuters-video
Finanz-Start-ups: Zahlreiche Jobs im Controlling und in der Kundenberatung dürften bald durch Software ersetzt werden.
X02077 / AMIR COHEN
Kassierer: Migros und Coop statten immer mehr Filialen mit dem Self-Checkout-System aus. Dabei scannt der Kunde seine Ware an einem Automaten ein und bezahlt dort auch gleich – eine menschliche Interaktion braucht es gar nicht mehr. KEYSTONE / GAETAN BALLY
Künstler: Selbst kreative Aufgaben wie Lieder komponieren oder Gedichte und Artikel schreiben werden von Maschinen immer besser gemeistert. Experten glauben, dass es letztlich kaum einen Beruf gibt, der vor der Automatisierung sicher ist.
KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Kurz darauf würde dann die technologische Singularität eintreten, wenn die künstliche Intelligenz das Niveau der Super-Intelligenz erreicht. Was dann mit der Menschheit und dem Planeten geschieht, ist unmöglich vorauszusehen. Die Herrschaft des Menschen wäre jedenfalls in Frage gestellt:
Die Lösung aller Probleme?
Manche Wissenschaftler, wie zum Beispiel der Futurologe und Google-Berater Ray Kurzweil, sind optimistisch: Sie erhoffen sich von einer wohlwollenden Superintelligenz die Lösung all jener Probleme, mit denen die Menschheit bisher nicht fertig geworden ist: Krieg, Krebs, Klimawandel. Selbst die Unsterblichkeit des Menschen läge dann plötzlich im Bereich des Möglichen. Für eine Intelligenz, die so weit über unserem intellektuellen Niveau steht wie wir über dem eines Hamsters, müsste dies ein Leichtes sein.
Andere warnen vor der Macht einer solchen Superintelligenz. Der Informatiker und Autor Anthony Berglas fürchtet sogar die Auslöschung der Menschheit durch superintelligente Maschinen. Auch der in Oxford lehrende Philosoph Nick Bostrom weist in seinem Buch «Superintelligenz: Szenarien einer kommenden Revolution» auf die Risiken einer Superintelligenz hin. So wie heute das Schicksal der Gorillas in den Händen der Menschen liege, würde unsere Zukunft von den Entscheidungen dieser Superintelligenz abhängen, warnt Bostrom.
TEDTalks: «What happens when our computers get smarter than we are?».
Video: YouTube/TED
Sicher ist nur – da sind sich Optimisten und Pessimisten einig –, dass eine künstliche Intelligenz dieses Formats nicht kontrollierbar ist. Sie wäre für uns wie ein Gott, den wir uns selbst erschaffen haben – zu unserem Wohl, oder zu unserem Verderben.
(Mit Material der Nachrichtenagentur sda)
Computer-Revolution: Google und Nasa präsentieren Quantencomputer
Das Herz des Computers ist ein Quantenchip, kaum fingernagelgross.
Der Chip enthält ein Gitter aus winzigen, supraleitenden Schaltkreisen namens Qubits, die aus dem Metall Niobium bestehen. Die Qubits sind D-Wave zufolge das fundamentale Element, das ein Quantencomputersystem zur Lösung von Problemen benutzt.
D-Wave-Quantenchip: An und aus gleichzeitig? Das nächste Bild zeigt dieses Element nach seinem Einbau in die Gesamtkonstruktion.
Der Chip sitzt fast unsichtbar am untersten Ende eines fast zwei Meter langen Gewirrs aus Kabeln, Metallplatten und Konduktoren.
Am Ende wird das ganze in einem Kasten verstaut, in dem es extrem kalt, völlig dunkel und sehr still sein muss.
D-Wave zufolge herrscht im Innernen des Gehäuses eine Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt und ein Vakuum, der Raum ist gegen Magnetismus, Vibrationen und andere externe Einflüsse geschützt.
D-Wave-Quantencomputer: So gross wie ein kleines Gartenhäuschen.
Neven und Nasa-Wissenschaftler bei Pressetermin: «Wir stehen noch ganz am Anfang.»
Google-Forscher Hartmut Neven: «Die Natur ist nicht zufrieden, wenn ein Objekt nur in einem einzigen Zustand existiert.»
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