Aktuelle Themen:

USA bekräftigen Drohung gegen Türkei – Trump rät Kurden zu Rückzug

Publiziert: 13.10.19, 07:48 Aktualisiert: 13.10.19, 14:52

Die USA haben ihre Sanktionsdrohung gegen die Türkei nach deren Einmarsch in Syrien bekräftigt und vor der Flucht gefangener IS-Kämpfer gewarnt. US-Präsident Donald Trump riet den kurdischen Kämpfern dazu, sich aus dem umkämpften Grenzgebiet zur Türkei zurückzuziehen.

Donald Trump droht der Türkei mit Wirtschaftssanktionen. Bild: EPA

«Ich habe der Türkei klargemacht, dass wir sehr schnelle, starke und harte Wirtschaftssanktionen verhängen, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht einhalten», sagte Präsident Donald Trump am Samstagabend (Ortszeit) vor Anhängern in Washington. Zu diesen Verpflichtungen gehöre der «Schutz religiöser Minderheiten und auch die Überwachung von IS-Häftlingen, die wir gefangen haben».

Es sei sehr schwierig, eine Streitmacht zu schlagen, die – anders als die eigenen Einheiten – über eine Luftwaffe verfüge, sagte Trump. Deshalb hoffe er, dass sich die in Nordsyrien agierenden Kurdenmilizen von der Grenze zur Türkei entfernen.

Zehntausende Menschen auf der Flucht

Zum Abzug der US-Truppen aus dem Konfliktgebiet sagte Trump: «Ich glaube nicht, dass unsere Soldaten für die nächsten 50 Jahre dort sein und die Grenze zwischen der Türkei und Syrien bewachen sollten, wenn wir unsere eigenen Grenzen zu Hause nicht bewachen können.» Damit bezog sich der Republikaner auf die zahlreichen illegalen Grenzübertritte an der Südgrenze der Vereinigten Staaten zu Mexiko.

Kurdische Familien auf der Flucht. Bild: EPA

Kurz vor Beginn der türkischen Offensive hatte Trump den Abzug von US-Soldaten aus dem Gebiet in Nordostsyrien veranlasst. Kritiker werteten das als Freifahrschein für die türkische Staatsführung, gegen die kurdische YPG-Miliz vorzugehen, gegen die sich die Offensive richtet. Die von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) waren im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein wichtiger Verbündeter der USA. Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation.

Seit Beginn der Offensive am Mittwoch sind Zehntausende Menschen aus ihrer Heimat geflohen, darunter auch Christen. Priester Nidal Thomas, katholisch-chaldäischer Vikar in Hassaka im Nordosten Syriens, warnte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Wenn (der türkische Präsident Recep Tayyip) Erdogan nicht aufhört, werden alle verbleibenden Christen fliehen. Wir bitten um Intervention, um diese Tragödie zu verhindern.»

Angst vor Wiedererstarken des IS

Der in Berlin ansässige Vertreter der kurdischen Gebiete, Ibrahim Murad, sagte der Zeitung: «Wir stehen vor einer grossen Katastrophe.» Gegen Luftangriffe könnten kurdische Soldaten «fast nichts tun». Zudem warnte er: «Wir können die weitere Haft der Dschihadisten nicht garantieren», da alle Soldaten an der Grenze gebraucht würden.

Der ehemalige US-Verteidigungsminister und General James Mattis warnte in einem NBC-Interview angesichts der Syrien-Offensive der Türkei vor einem Wiedererstarken des IS. Die Terroristen seien nicht besiegt – und es sei fraglich, ob die Kurden trotz des türkischen Militäreinsatzes in der Lage sein werden, den Kampf gegen den IS aufrechtzuerhalten.

Strassenproteste in Europa

Die Offensive hat schon jetzt zahlreiche Menschen das Leben gekostet. Zu den Toten aufseiten der Kurdenmiliz YPG gibt es dabei stark widersprüchliche Zahlen. Die SDF gaben an, rund zwei Dutzend ihrer Kämpfer seien umgekommen. Dagegen erklärte das türkische Verteidigungsministerium am Samstagabend, mehr als 450 YPG-Kämpfer seien «ausser Gefecht» gesetzt worden. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen zudem mindestens 30 Zivilisten ums Leben.

Demonstranten in Stockholm. Bild: EPA

In mehreren Städten Europas gingen am Samstag aus Protest gegen den türkischen Einmarsch Zehntausende Menschen auf die Strasse. Zu Kundgebungen kam es etwa in Deutschland, Frankreich und auch in mehreren Schweizer Städten. (sda/dpa)

Türkei startet Offensive gegen Kurden in Syrien

Von der Türkei unterstützte syrische Milizionäre auf ihrem Weg nach Tal Abyad, Syrien. AP / Lefteris Pitarakis
EPA / SEDAT SUNA
Türkische Luftangriffe in Syrien haben zahlreiche Menschen getötet und verletzt. EPA / STRINGER
Die syrische Armee macht sich bereit. AP
Türkische Soldaten entladen gepanzerte Fahrzeuge nahe der syrischen grenze in Akcakale, Türkei. EPA / STR
Bombardierte Gebiete in Syrien, aufgenommen von der Türkei aus, nahe Akcakale. AP / Lefteris Pitarakis
Türkische Soldaten auf einem Schützenpanzer in Akcakale. EPA / STR
AP / Lefteris Pitarakis
Gepanzerte Fahrzeuge in der Südost-Türkei, an der Grenze zu Syrien. AP / Lefteris Pitarakis
Einsatzzentrale der türkischen Armee in Ankara. EPA / MURAT CETINMUHURDAR/TURKISH PRES
Syrer fliehen vor der Offensive in Ras al-Ain, Syrien. AP / Baderkhan Ahmad
Die Türkei hat ihren Militäreinsatz im Nordosten Syriens begonnen - gemeinsam mit pro-türkischen Rebellen gegen das Assad-Regime in Damaskus. Das teilte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch mit. Der Einsatz zielt gegen die kurdische YPG-Miliz. AP
Türkische Kampfjets beschossen am Mittwoch die Grenzstadt Ras al-Ain, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana und der türkische Sender CNN Türk übereinstimmend berichteten. AP / Lefteris Pitarakis
Er solle die «terroristische Bedrohung» an der türkischen Grenze beseitigen und Frieden schaffen. Zudem solle bei dem gemeinsamen Einsatz mit der Syrischen Nationalarmee (im Bild) eine «Sicherheitszone» geschaffen werden, um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu erleichtern, schrieb Erdogan. EPA / STR
Die sogenannte Syrische Nationalarmee ist der neue Name eines Zusammenschlusses von syrischen Rebellengruppen, die an der Seite der türkischen Streitkräfte kämpfen. Die Schaffung der «Sicherheitszone» war im August mit den USA vereinbart worden. EPA / STR
Die türkische Armee sammelte sich seit Anfang Woche an der türkisch/syrischen Grenze. AP / Lefteris Pitarakis
Die syrischen Kurden hatten eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet. Angesichts der zunehmenden Drohungen der Türkei und ihrer syrischen «Söldner» seien alle aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um in diesen «kritischen historischen Momenten» Widerstand zu leisten. EPA / STRINGER
Am Montag gab das Weisse Haus bekannt, dass die USA der Türkei nicht im Weg stehen werde. EPA / US ARMY/STAFF SGT. ANDREW GOEDL

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben