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Mutmasslicher Völkermord-Verantwortlicher Kabuga weist Vorwürfe zurück

Publiziert: 27.05.20, 16:52 Aktualisiert: 27.05.20, 18:03

Ein mutmasslicher Drahtzieher des Völkermords in Ruanda hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vor einem Pariser Gericht als «Lüge» bezeichnet.

Félicien Kabuga erschien am Mittwoch vor dem Berufungsgericht zu einer Anhörung über seine mögliche Auslieferung an ein internationales Tribunal im Rollstuhl, wie ein DPA-Reporter berichtete. Er bestätigte seine Identität und sagte, er sei 1933 und nicht 1935, wie in den Gerichtsdokumenten angegeben, geboren.

Félicien Kabuga. Bild: EPA

Der Vorsitzende Richter verlas die ihm vorgeworfenen Vergehen – darunter Völkermord sowie Verfolgung und Vernichtung der ruandischen Tutsi-Minderheit. «Das sind alles Lügen», erwiderte Kabuga mithilfe seines Dolmetschers. Der alte Mann trug eine Gesichtsmaske zum Schutz vor dem Coronavirus. Seine Anwälte forderten die Aufhebung seiner Haft, da seine medizinische Untersuchung zuvor ohne Dolmetscher erfolgt sei.

Der International Residual Mechanism for Criminal Tribunals (IRMCT) wirft Kabuga vor, die Interahamwe-Miliz unterstützt und finanziert zu haben, die 1994 für einen Grossteil der Morde an mindestens 800'000 Tutsi und gemässigten Hutu verantwortlich war. Die Hutu stellen in dem ostafrikanischen Land die Mehrheit, die Tutsi die Minderheit. Kabuga soll auch verantwortlich sein für den in den Genozid verstrickten Radio- und TV-Sender RTLM, der zu Morden an Tutsi aufgerufen hatte.

Der IRMCT in Den Haag wickelt unter anderem die letzten Fälle des UN-Tribunals zu Ruanda ab. Das UN-Tribunal für Ruanda wurde 1994 etabliert, um Mitverantwortliche des Völkermords strafrechtlich zu verfolgen. Das Tribunal mit Sitz in Arusha in Tansania wurde nach insgesamt 93 Anklagen und 62 Verurteilungen vor einigen Jahren geschlossen. Kabuga wurde vom UN-Tribunal zu Ruanda wegen sieben Punkten angeklagt.

Man erwarte nun, dass Kabuga in Arusha vor Gericht komme, sagte eine Sprecherin des IRMCT am Mittwoch. Das Tribunal will zunächst eine vorläufige Überstellung nach Den Haag wegen der Corona-Massnahmen. Aber langfristig wird ein Prozess in Arusha erwartet. Kabuga konnte 26 Jahre lang den Ermittlern immer wieder entwischen. Schliesslich wurde er vor anderthalb Wochen in Paris festgenommen, wo er unter falscher Identität wohnte. (aeg/sda/dpa)

Ruanda - 20 Jahre Genozid

Flüchtlinge tragen Wasser ins Flüchtlingslager in Benaco. Der Ort in Tansania, an der Grenze zu Ruanda, war zeitweise eines der grössten Flüchtlingslager der Welt mit mehr als 300'000 Menschen. Ende 1996 wurde es geschlossen. AP / KARSTEN THIELKER
Ruandische Flüchtlinge warten im Regen in einem der Lager von Goma (20. August '94). Der Ort in der Demokratischen Republik Kongo an der Grenze zu Ruanda beherbergte fast eine Million Flüchtlinge. Mehrere Hunderttausende Menschen weigerten sich nach Ende des Genozids in ihre Heimat zurückzukehren. Dies aus Sicherheitsbedenken und einer humanitären Katastrophe im Lager. AP / SANTIAGO LYON
Hunderttausende Flüchtlinge kehren im November '96 nach Ruanda zurück. Dies nachdem einige Flüchtlingslager allmählich geschlossen wurden. AP / JEROME DELAY
Ein Tutsi-Flüchtling am 25. August '94 in einem Lager. AP / JEAN-MARCH BOUJU
Vertriebene Ruander tragen Material herbei, um temporäre Unterkünfte aufzubauen. Das Bild vom 14. November '98 zeigt eines von zahlreichen, damals rasch wachsenden Zwischenlagern für zurückkehrende Vertriebene. Der Plan der Regierung war, bis zu 130'000 Vertriebene in neuen ruandischen Dörfern anzusiedeln. AP / BRENNAN LINSLEY
Ein Bulldozerfahrer schaufelt Leichen in ein Massengrab in der Nähe von Goma. Hilfswerke waren mit der rund einer Million Menschen, die den Ort erreichten, heillos überfordert. Darunter waren Flüchtlinge und Mittäter. Neben Gewaltausbrüchen hatte man mit Mangelernährung, medizinischen Engpässen und schlechten Unterkünften zu kämpfen. Zudem kam es zu einer Choleraepidemie. Dies alles führte zu rund 43'000 Todesopfern in den Lagern bei Goma. AP / MICHEL EULER

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