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Rauchen und Coronavirus – keine gute Kombination. Bild: KEYSTONE

Angegriffene Lunge: «Raucher haben erhöhtes Risiko auf schweren Corona-Verlauf»

Publiziert: 14.03.20, 21:20 Aktualisiert: 15.03.20, 02:28

Das Coronavirus ist weiter auf dem Vormarsch. Obwohl es heisst, Covid-19 könnte vorrangig für Menschen höheren Alters und für solche mit Vorerkrankungen einen schwerwiegenderen Verlauf annehmen, sind dennoch viele verunsichert. Gibt es noch weitere Risikogruppen, die sich besonders schützen sollten?

Wer beispielsweise regelmässig Zigaretten raucht, fragt sich möglicherweise spätestens jetzt, ob eine Entwöhnung vielleicht angebracht wäre. Dass Rauchen ungesund ist, wissen mit Sicherheit auch schon die hartnäckigsten Raucher. Schliesslich stehen mit Tabakkonsum eine Reihe schwerwiegender Leiden, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Krebs, in Verbindung.

Rauchern wegen ihres Konsums jetzt gezielt ein schlechtes Gewissen zu machen, ist in Anbetracht der sowieso schon angespannten Lage wohl wenig förderlich. Warum Raucher sich dennoch besonders schützen sollten, darüber hat watson mit Virologen und Medizinern gesprochen.

Bild: Shutterstock

Rauchen und Coronavirus – laut Virologen keine gute Kombi

Juliane Pfeiffer, Sprecherin Gesellschaft für Virologie, erklärt gegenüber watson:

«Raucher gehören zu den Personengruppen mit einem erhöhten Risiko für schwere oder tödliche Verläufe von Covid-19.»

Sie sollten sich laut Pfeiffer sorgfältig an die empfohlenen Vorsichts- und Hygieneregeln halten, wie Massenveranstaltungen meiden und die gängigen Hygieneregeln einhalten.

Rauchen greift die Lunge an – das könnte sie anfälliger für Covid-19 machen

Der Virologe Thomas Schulz von der Medizinischen Hochschule Hannover meint, Raucher, insbesondere schwere Raucher, haben immer eine leicht vorgeschädigte Lunge beziehungsweise Atemwege und seien anfällig gegenüber verschiedenen Atemwegserkrankungen.

Dem stimmt auch Virologe Norbert Tautz von der Universität Lübeck zu:

«Rauchen schädigt nachweislich die Lunge. Das ist bei Infektionen der Lunge nicht hilfreich.»

Tautz fügt noch hinzu, dass es zumindest bei Europäern noch keinen Hinweis gebe, dass Raucher massiv stärker gefährdet seien. Das sei noch nicht gut untersucht.

Ruhe bewahren trotz Corona

Geht man allerdings von der Logik aus, Rauchen belastet die Lunge, und eine angegriffene Lunge ist etwas, was man in Zeiten des Coronavirus vermeiden möchte: Dann sollte man vielleicht tatsächlich überlegen, seinen Rauchkonsum zumindest einzuschränken. Ähnlich wie bei anderen grippalen Infekten übrigens auch.

Ansonsten gilt, wie zahlreiche Experten in vergangener Zeit stetig wiederholen: Immunsystem nach Möglichkeit stärken mit gesunder Ernährung und Schlaf, Ruhe bewahren – und gründlich Hände waschen.

(bal/watson.de/ak)

Coronavirus: Was du wissen musst

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Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers. EPA / NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES O
Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am 1. März waren es weltweit rund 90'000. EPA / MARK R. CRISTINO
Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien. EPA / JAN HETFLEISCH
Das grösste Risiko, an Covid-19 – so heisst die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit – zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. EPA / JEROME FAVRE
Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck. EPA / TOLGA BOZOGLU
Anzeichen für eine Infektion sind gemäss WHO grippeähnliche Symptome, Atembeschwerden, Atemlosigkeit, Fieber und Husten. AP
Vier von fünf der von der Krankheit betroffenen Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. AP / Kerstin Joensson
In schweren Fällen kann das Virus zu Lungenentzündungen, akuten Atembeschwerden, Nierenversagen oder zum Tod führen. EPA / Tamas Soki
Zur Vorbeugung wird empfohlen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, sich regelmässig die Hände zu waschen, Mund und Nase zu bedecken, wenn man hustet und niest, respektive in die Ellenbeuge zu husten und zu niesen. EPA / MOURAD BALTI TOUATI
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