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Von de Indian-Wells-Absage nicht betroffen: Roger Federer kehrt erst in der Rasensaison auf die Tour zurück. Bild: AP

Lauter Corona-Verlierer – und mit Federer ein Sieger wider Willen

Wegen eines Corona-Falls im Coachella Valley findet das Masters-1000-Turnier in Indian Wells nicht statt. Es bleiben viele offene Fragen und eine lange Liste von Verlierern. Roger Federer gehört indes nicht dazu.

Publiziert: 09.03.20, 15:35 Aktualisiert: 09.03.20, 15:35
simon häring / ch media

Auch der Tennis-Zirkus bleibt vom global grassierenden Corona-Virus nicht verschont. Am Wochenende beriet sich der Spielerrat, am späten Sonntagabend Ortszeit meldeten die Veranstalter: Das Turnier der Männer und Frauen in Indian Wells findet nicht statt.

Die Gesundheitsbehörde des Riverside County hatte den gesundheitlichen Notstand für das Coachella Valley, in dem Indian Wells liegt, ausgerufen, nachdem ein Fall einer Infektion mit dem neuen Virus bestätigt worden war. «Wir sind sehr enttäuscht, aber Gesundheit und Sicherheit haben höchste Priorität», sagte Turnierdirektor Tommy Haas. Man bereite sich darauf vor, das Turnier zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen und erörtere die Möglichkeiten. Doch das dürfte ein frommer Wunsch bleiben, zu dicht gedrängt ist der Kalender. Viel wahrscheinlicher ist ein Ausfall.

Das Turnier in Indian Wells gehört der jeweils höchsten Kategorie an – bei den Männern der Masters-1000-Serie, bei den Frauen hält es den Status Premier Mandatory. Nach den vier Grand-Slam-Turnieren gilt Indian Wells als bedeutendstes Turnier, für die Weltbesten besteht Teilnahmepflicht. Insgesamt geht es um ein Preisgeld von über 17 Millionen Dollar.

Man bereite sich darauf vor, das Turnier zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen und erörtere die Möglichkeiten, sagte Tommy Haas. Indian Wells verzeichnet jährlich über 450'000 Zuschauer. Das Turnier dürfte frühestens im Herbst nachgeholt werden, wenn die Temperaturen wieder sinken und die Coronavirus-Epidemie abgeklungen sein könnte. Und womöglich in Asien grössere Turniere abgesagt werden müssen, etwa das Turnier in Schanghai. Dannzumal könnte auch Roger Federer wieder mittun, der sich derzeit von einer Operation am Knie erholt und pausiert.

Der beeindruckende Centre Court von Indian Wells bleibt in diesem Jahr leer. Bild: X02835

Federer erreichte in Indian Wells im Vorjahr den Final und gewann das Masters-Turnier in Miami, was in der Summe 1600 Ranglistenpunkten entspricht, die ihm demnächst aus der Wertung fallen würden. Federer fällt im nächsten Monat hinter den Russen Daniil Medwedew auf Rang 5 der Weltrangliste zurück. Es sei denn, die Profi-Organisation ATP beschliesst, die Punkte so lange in der Wertung zu belassen, bis das Turnier in Indian Wells ein nächstes Mal ausgetragen worden ist.

An der Platzierung hängen Existenzen

Aber nicht nur die Suche nach einem neuen Termin, sondern auch die Auswirkungen auf die Weltrangliste dürfte für Diskussionen sorgen. In der Regel zählen die in den letzten 52 Wochen gesammelten Punkte und fallen danach aus der Wertung. Dann also, wenn das jeweilige Turnier erneut gespielt worden ist. Die Platzierung in der Weltrangliste ist massgebend für die Meldung bei Turnieren. An ihr hängen also ganze Existenzen.

Die grosse Frage: Bleiben die Indian-Wells-Punkt vom letzten Jahr in der Wertung? Bild: EPA/EPA

Was also, wenn das Turnier in Indian Wells gar nicht gespielt werden kann? Und allenfalls noch weitere, wenn im Frühling in Europa auf Sand gespielt wird? Für diesen Fall wäre es einerseits denkbar, dass die Punkte ersatzlos wegfallen. Eine andere Möglichkeit wäre, die bei ausgefallenen Turnieren erzielten Punkte einem Moratorium zu unterstellen und so lange in der Wertung zu belassen, bis es wieder durchgeführt worden wäre. Diese Lösung steht indes im Verdacht, besser klassierte Spieler zu protegieren. Federer wäre auch in diesem Fall ein Sieger wider Willen.

Federers «Matches for Africa»

2019: Zum ersten Mal findet ein «Match in Africa» statt. Vor der Rekordkulisse von 51'954 Zuschauern duelliert sich Roger Federer bei der 6. Austragung im WM-Stadion von Kapstadt mit Rafael Nadal. Der Schweizer gewinnt mit 6:4, 3:6, 6:3. EPA / NIC BOTHMA
Unterstützt wurde Federer in Kapstadt einmal mehr von Microsoft-Gründer Bill Gates, der mit seiner eigenen Stiftung bereits Milliarden für Gesundheitsprojekte in Afrika gesammelt hat. Federer und Gates setzten sich in ihrer dritten gemeinsamen Doppelpartie gegen Nadal und den Komiker Trevor Noah 4:3 durch. EPA / NIC BOTHMA
2018: Als «Match for Africa 5: Silicon Valley» ging die fünfte Austragung der Exhibition in die Geschichte ein. In San Jose spielte Federer ein Einzel gegen Jack Sock, das er 7:6, 6:4 gewann. AP / JEFF CHIU
Im Doppel trat der «Maestro», der soeben das Australian Open gewonnen hatte, zum zweiten Mal an der Seite von Bill Gates an. AP/AP / Jeff Chiu
2017: Das «Match for Africa 4» fand in der KeyArena von Seattle statt. Federer spielte an der Seite von Bill Gates ein Doppel gegen John Isner und Mike McCready, den Leadgitarristen von Pearl Jam. AP/AP / Ted S. Warren
Im Einzel besiegte Federer den Amerikaner Isner mit 6:4 und 7:6. Insgesamt flossen über 2 Millionen US-Dollar in die Stiftung des «Maestro». AP/AP / Ted S. Warren
2017: Zum dritten Mal gastierte das «Match for Africa 3» in Zürich. Im Hallenstadion spielte Federer gegen Andy Murray, insgesamt generierte man 1,4 Millionen Franken. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Zuvor trafen sich Federer und Murray auf der Limmat und duellierten sich auf einem schwimmenden Floss kurz für die Fotografen. AP/Keystone / Ennio Leanza
2014: Auch das zweite «Match for Africa» fand im Zürcher Hallenstadion statt. Federer spielte gegen Stan Wawrinka und gewann mit 7:6 und 6:4. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Federer überzeugte nicht nur sportlich, sondern auch als Entertainer. Zwischendurch bestieg er gar den Schiedsrichter-Stuhl. EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
2010: Als Tennis-Schaukämpfe noch selten waren, rief Roger Federer das «Match for Africa» ins Leben. Gegen seinen ärgsten Rivalen Rafael Nadal gewann er vor 10'500 Zuschauern mit 7:6, 4:6 und 6:1. KEYSTONE / WALTER BIERI
Rund vier Millionen Dollar kamen zusammen, 2,5 Millionen flossen in die «Roger Federer Foundation», 1,3 Millionen in die «Fundacion Rafael Nadal». KEYSTONE / WALTER BIERI

Junge will wissen, von wo Roger den Spitznamen «The GOAT» hat

Video: watson / Roberto Krone

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