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Liebe Hipsters, ihr müsst jetzt ganz stark sein: Gluten-freies Essen bringt gar nichts!

Publiziert: 07.05.17, 10:53 Aktualisiert: 08.05.17, 06:32

Gluten-frei kannst du dir laut der neuesten Studie sparen. Bild: Jon Elswick/AP/KEYSTONE

Viele gesundheits- und figurbewusste US-Amerikaner verzichten auch ohne Darmbeschwerden vorsichtshalber auf Gluten. Möglicherweise kann dies aber sogar Nachteile bringen.

Die Cupcakes in der Theke des US-Bistros sehen verführerisch aus. Aber: «Ist da Gluten drin?» Kellner sind diese Frage gewohnt – rund 200 Millionen Essen pro Jahr werden in den USA Gluten-frei geordert. Denn der Verzicht auf das in Verruf geratene Klebereiweiss des Weizens, das auch in den meisten anderen Getreidearten vorkommt, liegt in den USA seit Jahren im Trend.

Gründe dafür sind vielfältig: Bei Menschen mit angeborener Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie), etwa einem Prozent der US-Bevölkerung, löst das Eiweiss eine Dünndarmentzündung mit teils heftigen Darmbeschwerden aus. Auch Blutarmut, Blähungen oder Osteoporose können die Folgen sein.

Einige andere Menschen leiden an Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität. Aber auch populäre Bücher wie «Wheat Belly» («Weizenwampe») des Arztes William Davis sagen dem Protein als vermeintlich ungesund und dickmachend den Kampf an.

Eine Flut teurer, Gluten-freier Lebensmittel findet viele Abnehmer: Jeder zehnte US-Haushalt lebt einer Marktforschungsumfrage zufolge Gluten-frei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei.

Weglassen vielleicht sogar ungünstig

Für die Herzgesundheit bringt glutenfreie Kost jedoch keine Vorteile, zeigt jetzt eine neue US-Studie, die im «British Medical Journal» veröffentlicht wurde. Vielleicht ist das Weglassen von Gluten sogar ungünstig: Denn mit dem Gluten reduzieren Viele auch ihren Vollkornkonsum, der das Herz zu schützen scheint.

«Basierend auf unseren Daten ist eine Gluten-arme Diät nur mit dem Ziel Herzgesundheit nicht zu empfehlen», resümiert der Gastroenterologe und Mitautor Andrew Chan von der Harvard School of Medicine.

Zusammen mit Benjamin Lebwohl vom Zöliakie-Zentrum der Columbia University (New York) und Kollegen hat er Material zweier US-Langzeitstudien ausgewertet: Von 1986 bis 2010 waren dafür alle vier Jahre vielfältige Ernährungs- und Gesundheitsdaten von 110'000 Amerikanern gesammelt worden.

Je nach Gluten-Konsum teilten die Forscher die Teilnehmer in fünf Gruppen ein. «Sogar in der Gruppe mit dem niedrigsten Gluten-Konsum gab es dieselben Raten an koronarer Herzerkrankung wie in der Gruppe mit dem höchsten Konsum», beschreibt Chan.

Motzen über Food Snobs? Voilà:

Video: watson/Oliver Baroni, Emily Engkent

«Gluten ist selbstverständlich schädlich für Menschen mit Zöliakie. Aber beliebte Diätbücher, die mit zufälligen und anekdotischen Beispielen arbeiten, haben die Ansicht befeuert, dass eine Gluten-arme Diät für jeden gesund ist», sagt Lebwohl. Wer jedoch auch auf Vollkorn-Produkte verzichte, laufe Gefahr, gleichzeitig deren schützenden Effekte vor Herzerkrankungen zu verlieren.

B-Vitamine können Herz schützen

Martin Raithel, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie (DGAKI), sieht das ähnlich. «Vor allem B-Vitamine können das Herz schützen», sagt er.

Ballaststoffe aus Vollkörnern sind zudem wichtige Bestandteile für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Wer Getreide ohne Grund meide, halte dem Körper zugleich wichtige Polyamine vor, etwa Weizenkeimöl, so der Experte.

So sieht es aus, wenn Kunst glutenfrei wird

Susi und Strolch vor einem Teller Spaghetti – und Susi und Strolch vor einem glutenfreien Teller Spaghetti. Tja, damals gabs halt noch keine glutenfreie Spaghetti, blöd. Walt Disney Alle bearbeiteten Bilder via Gluten Free Museum / Tumblr
Seine Mistgabel braucht er jetzt ja nicht mehr. Bild links: Grant Wood
Und aus diesem Cover wurde aus Pasta ein Basta. Wie sich die Welt sonst noch verändert hätte, wäre alles von Anfang an glutenfrei gewesen? Die Vorher-/Nachher-Bilder zeigen es uns. Bild links: Razzia
Bild links: Quentin Tarantino
Bild links: Morris
Bild links: Matt Groening
Bild links: Wayne Thiebaud
Bild links: Vincent van Gogh
Bild links: Jean-François Millet
Bild links: Martin Parr
Bild links: Giuseppe Arcimboldo
Bild links: Caravaggio
Bild links: Sennedjem
Bild links: Andy Warhol
Bild links: Guinness
Bild links: Robert Doisneau
Bild links: Anna Ancher
Bild links: Salvador Dalí
Bild links: Jeff Koons
Bild links: Johannes Vermeer
Bild links: Willy Ronis
Bild links: Édouard Manet
Bild links: Daniel Spoerri
Bild links: Paul Cézanne
Und zum Abschluss ein Gemälde von Pieter Brueghel: Einmal mit Gluten, einmal ohne. Mehr Bilder gibt es hier zu sehen >>

Mit Blick auf die Herzgesundheit stelle die Studie keine kausalen Zusammenhänge her, aber sei insgesamt sehr detailliert gemacht und über diesen langen Zeitraum auch aussagekräftig, sagt Raithel. «Die Zahlen der Weizen- oder Glutensensitivität werden in der Öffentlichkeit und in den Medien generell überschätzt. Problematisch ist, dass nach den einzelnen Ursachen nicht immer diagnostisch ausreichend gefahndet wird.»

Gang zum Arzt empfohlen

Um Klarheit zu bekommen, empfehlen Experten, bei anhaltenden Darmbeschwerden nicht mit Selbst-Tests aus dem Internet oder beim Heilpraktiker Hilfe zu suchen, sondern sich beim Arzt diagnostizieren zu lassen.

Kinder in der Familie in die Gluten-freie Diät einfach mit einzubeziehen, sei für den Nachwuchs nicht nur einschränkend, sondern sogar gefährlich, warnt Raithel. «Kinder sollten wirklich von allem etwas essen, auch Fleisch und geringe Mengen Zucker», betont der Darmexperte. «Denn mit jeder Einschränkung von Lebensmitteln verkleinert sich die Vielfalt der Darmflora. Und das ist wiederum ein Risikofaktor für die Entstehung von vielen Erkrankungen.»

Ein Abklingen des Gluten-frei-Trends kann Raithel noch nicht feststellen. «Das hängt wohl auch damit zusammen, dass oft über Tierversuche berichtet wird, in denen Gluten schädliche Wirkungen zeigt.» Viele seien dadurch übersensibilisiert. Aber Ergebnisse aus Tierversuchen seien nicht einfach zu übertragen. «Der menschliche Körper reagiert in vielen Fällen komplexer.» (sda/dpa)

Baroni isst

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