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Der merkwürdige neue Slogan der BDP – warum langweilig gut ist

«Langweilig, aber gut»: So heisst der Wahlslogan der BDP. Eine Umfrage bei Werbern und Politikberatern zeigt: Der Wahlspruch der kleinen Mittepartei kommt gut an.

Publiziert: 29.04.19, 20:28 Aktualisiert: 29.04.19, 20:35
Roger Braun / ch media

Plakate, fotografiert an der Delegiertenversammlung der BDP Schweiz, am Samstag, 27. April 2019 in Burgdorf. Bild: KEYSTONE

Lösungsorientiert, konstruktiv, pragmatisch: Wenn Mitteparteien um den Zuspruch der Wählerschaft buhlen, klingt das meist etwas gleich. Ausser bei der BDP: «Langweilig, aber gut» heisst der neue Slogan, den die kleine Mittepartei an ihrer Delegiertenversammlung vom Wochenende vorgestellt hat.

Gar nicht langweilig finden das profilierte Wahlkampfexperten und Werber. «Der Slogan ist erfrischend, weil er ehrlich ist», sagt Roman Hirsbrunner, der Geschäftsführer der renommierten Werbeagentur Jung von Matt.

«Der Slogan schafft durch seine Ehrlichkeit Nähe. Man erhält den Eindruck, dass da jemand spricht, der einen versteht.»

Hirsbrunner sagt, der BDP-Wahlspruch entspreche perfekt dem Aikido-Prinzip aus der Werbebranche: Man macht aus einer Schwäche eine Stärke.

«Die BDP muss mit dem Vorwurf leben, langweilig zu sein. Doch anstatt den Fehler zu machen, sich dagegen zu wehren, macht sie eine Stärke daraus.»

Für Hirsbrunner ist die Selbsterkenntnis das, was eine starke Marke ausmacht. «Wenn jemand sich gut selbst einschätzen kann, demonstriert das den Kunden Kompetenz und Verlässlichkeit.»

Louis Perron

Positiv bewertet auch Wahlkampfberater Louis Perron den Slogan. «Er ist mutig und stösst deshalb auf Interesse», sagt er. Perron findet auch, dass der Wahlspruch gut zur BDP passt.

«Die BDP sieht sich als lösungsorientierte bürgerliche Kraft. Der Slogan bringt das gut auf den Punkt, ohne zu langweilen.»

Bild: KEYSTONE

Kein Problem sieht Perron darin, dass Langeweile als Begriff negativ konnotiert ist. Als Person höre man es ungern, dass man langweilig sei, sagt der Wahlkampfberater. Doch:

«Wenn es um die Politik in Bern geht, haben die Leute ganz gerne etwas mehr Langeweile. Die vielen Provokationen, die Selbstprofilierung und die Symbolkämpfe haben sich etwas abgenutzt.»

Im Hinblick auf die Wahlen im Herbst ist Hirsbrunner einverstanden mit dieser Einschätzung. Er sagt aber auch: «Langfristig muss die Partei den Slogan weiterentwickeln, weil viele Bürger von den Parteien auch einen gewissen Gestaltungswillen erwarten. »

Mark Balsiger Bild: zvg

Für Politikberater Mark Balsiger wirkt der Slogan ebenfalls sympathisch. Er sei zwar gewagt, passe aber gut zum Image der BDP. Ein Fragezeichen setzt er hingegen bei der Verständlichkeit.

«Umfragen zeigen immer wieder, dass Selbstironie von vielen Menschen nicht verstanden wird.»

Vor allem aber kritisiert er, dass der Slogan mit keinem politischen Inhalt verbunden wird. «Zu Beginn stösst dieser Slogan sicher auf das Interesse der Medien, doch griffiger wird das Profil der BDP deshalb nicht.»

Bundespräsidenten der letzten 25 Jahre [1.2.19/jaw]

Ueli Maurer, Amtierender Bundespräsident. EPA/EPA / FLORIAN WIESER
Alain Berset, Bundespräsident 2018, während einer kurzen Pause zwischen bilateralen Treffen bei der UNO-Generalversammlung in New York. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Doris Leuthard, Bundespräsidentin im 2017, mit ihrem Mann bei ihrem Besuch der chinesischen Mauer. UVEK
Johann Schneider-Ammann, Bundespräsident 2016. KEYSTONE/TI-PRESS / DAVIDE AGOSTA
Als Bundespräsidentin für das Jahr 2015 wurde Simonetta Sommaruga (SP) gewählt. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Bundespräsident 2014 war Didier Burkhalter (FDP). AP/AP / Steffi Loos
Bundespräsident 2013 war Ueli Maurer (SVP). KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Bundespräsidentin 2012 war Eveline Widmer-Schlumpf (BDP). KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Bundespräsidentin 2011 war Micheline Calmy-Rey (SP). KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Bundespräsidentin 2010 war Doris Leuthard (CVP). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundespräsident 2009 war Hans-Rudolf Merz (FDP). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundespräsident 2008 war Pascal Couchepin (FDP). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundespräsidentin 2007 war Micheline Calmy-Rey (SP). KEYSTONE / MARCEL BIERI
Bundespräsident 2006 war Moritz Leuenberger (SP). KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Bundespräsident 2005 war Samuel Schmid (SVP, heute BDP). KEYSTONE / MONIKA FLUECKIGER
Bundespräsident 2004 war Joseph Deiss (CVP). KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Bundespräsident 2003 war Pascal Couchepin (FDP). KEYSTONE / REGINA KUEHNE
Bundespräsident 2002 war Kaspar Villiger (FDP). KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Bundespräsident 2001 war Moritz Leuenberger (SP). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Bundespräsident 2000 war Adolf Ogi (SVP). KEYSTONE / CHRISTIAN BRUN
Bundespräsidentin 1999 war Ruth Dreifuss (SP). KEYSTONE / KARL-HEINZ HUG
Bundespräsident 1998 war Flavio Cotti (FDP). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Bundespräsident 1997 war Arnold Koller (CVP). KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Bundespräsident 1996 war Jean-Pascal Delamuraz (FDP). KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
Bundespräsident 1995 war Kaspar Villiger (FDP). KEYSTONE / STR

Claude Longchamp schaut für uns in die Zukunft der Politik

Video: watson / Roberto Krone

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