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Unser Nachbarplanet Venus: Eine heisse Hölle, auf der es aber möglicherweise mikrobiologisches Leben gibt. Bild: keystone

In der Venus-Atmosphäre gefundenes Molekül weist auf mikrobiologisches Leben hin

Publiziert: 14.09.20, 15:18 Aktualisiert: 14.09.20, 18:11

Die Erde ist vielleicht nicht der einzige Ort im All, an dem es Leben gibt. Auf der Venus könnte es Mikroben geben, die in den Wolkenschichten unseres inneren Nachbarplaneten überleben. Astrobiologen haben in der Venus-Atmosphäre ein Gas nachgewiesen, dessen Vorhandensein auf biologische Prozesse hinweist.

Das internationale Forschungsteam aus Wissenschaftlern Wissenschaftlern der Cardiff University, der University of Manchester und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) präsentierte seine Erkenntnisse in einer Medienkonferenz, die um 17 Uhr (MEZ) via Zoom stattfand. Die Forscher bestätigten, was zuvor bereits als Gerücht kursiert hatte: Sie haben in der mittleren Venus-Atmosphäre die Signatur von Monophosphan (Phosphin, PH3) entdeckt. Dieses Molekül gilt als Biomarker, da es zumindest auf der Erde nur künstlich in Labors oder von anaeroben Mikroben erzeugt werden kann.

Die Entdeckung des Moleküls gelang den Wissenschaftlern mithilfe des James Clerk Maxwell Telescope (JCMT) auf Hawaii und des Atacama Large Milimetre Array (ALMA). Letzteres wird unter anderem von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betrieben. Die Information war bereits am Sonntagnachmittag – vermutlich aufgrund eines Bruchs der Sperrfrist – publik geworden. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe von «Nature Astronomy» erschienen.

Das Vorhandensein von Monophosphan in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten ist allerdings kein wasserdichter, direkter Beweis der Existenz von Leben. Es ist vielmehr ein sehr deutlicher Beleg für chemische Reaktionen auf der Venus, die nach gegenwärtigem Wissensstand lediglich von anaeroben Mikroben verursacht sein können. Laut der geleakten Studie können abiotische Mechanismen – also solche, bei denen kein Leben involviert ist – nicht für die grossen Mengen von Monophosphan verantwortlich sein, die nun entdeckt wurden. Die Verbindung wurde in jenen Schichten der Venus-Atmospäre nachgewiesen, die manche Astrobiologen für potenziell lebensfreundlich halten.

«Possible signs of life on Venus» Video: YouTube/Massachusetts Institute of Technology (MIT)

Die an der Studie beteiligten Astronomen ermuntern ihre Fachkollegen, Erklärungen für das Vorhandensein von Monophosphan zu finden, die ohne die Anwesenheit von Leben auskommen. Das Molekül, das aus einem Phosphor- und drei Wasserstoffatomen besteht, ist ausserhalb der Erde bisher nur in den Atmosphären von Gasriesen wie Jupiter und Saturn nachgewiesen worden. Unter den dort herrschenden Bedingungen waren die enormen Energiemengen vorhanden, die bei der Bildung dieser Verbindung erforderlich sind.

Auf der Erde bilden anaerobe Mikroben in sauerstoffarmen Zonen Monophosphan, indem sie Phosphatmineralien und Wasserstoff absorbieren und die Verbindung als Ausscheidungsprodukt in die Umgebung abgeben. Ansonsten entstehen kleine Mengen des Gases bei Blitzen oder in Vulkanen. In der Wolkenhülle der Venus befindet sich laut den Forschern 10'000 Mal so viel Monophosphan, als durch solche Quellen gebildet werden könnte.

Janusz Petkowski, einer der Studienautoren, zieht folgendes Fazit:

«Unsere Entdeckung bedeutet, dass es dort entweder Leben oder physikalische oder chemische Prozesse gibt, die wir auf Felsplaneten bisher nicht in dieser Art erwartet hätten. (…) Wir haben tatsächlich alle bekannten Wege überprüft, über die Monophosphan auf Felsplaneten entstehen könnte. Wenn wir es hier nicht mit Leben zu tun haben, dann klafft in unserem Verständnis von Felsplaneten allgemein eine gewaltige Wissenslücke.»

(dhr)

Wenn die Planeten am Nachthimmel so nah wie der Mond wären

Das vertraute Bild: Unser Trabant steht am Nachthimmel, hier über dem Bundeshaus in Bern. Durchmesser: 3474,2 km Mittlere Distanz zur Erde: 384'400 km watson/Keystone
Der sonnennächste Planet, Merkur, ist zugleich der kleinste. Obwohl er etwas grösser ist als der Mond, würde er am Himmel praktisch gleich gross erscheinen. Durchmesser: 4879,4 km Distanz zur Erde: zwischen 77 und 221 Mio. km watson/Keystone
Die Venus gelangt auf ihrer Bahn der Erde von allen Planeten am nächsten. Sie ist nur wenig kleiner als die Erde (Durchmesser: 12'742 km) und wäre in Monddistanz deutlich grösser als dieser. Durchmesser: 12'103,6 km Distanz zur Erde: zwischen 38 Mio. und 261 Mio. km watson/Keystone
Der Rote Planet ist der äussere Nachbarplanet der Erde und viel kleiner als diese. Seine rötliche Scheibe wäre in Monddistanz minim grösser als jene des Mondes. Durchmesser: 6792,4 km (von Pol zu Pol) Distanz zur Erde: zwischen 55 und 401 Mio. km watson/Keystone
Der gigantische Gasplanet hat mehr Masse als alle sieben anderen Planeten zusammen. In Monddistanz würde er einen imposanten Teil des Nachthimmels bedecken. Allerdings würde die Erde dann um den Jupiter kreisen, nicht umgekehrt. Durchmesser: 142'984 km Distanz zur Erde: zwischen 589 und 968 Mio. km watson/Keystone
Der Saturn ist ebenfalls einer der äusseren Gasriesen im Sonnensystem. Er ist etwas kleiner als der Jupiter, doch seine Ringe würden sich in Monddistanz weithin über den irdischen Nachthimmel erstrecken. Durchmesser: 120'536 km Distanz zur Erde: zwischen 1195 und 1658 Mio. km watson/Keystone
Uranus ist minim grösser als sein äusserer Nachbar Neptun, hat aber aufgrund seiner geringeren Dichte etwas weniger Masse. Durchmesser: 51'118 km Distanz zur Erde: zwischen 2590 und 3160 Mio. km watson/Keystone
Der Neptun ist seit der Deklassierung von Pluto zum Zwergplaneten der sonnenfernste Planet unseres Systems. Er ist der Gasplanet mit der grössten Dichte. Durchmesser: 49'528 km Distanz zur Erde: zwischen 4304 und 4689 Mio. km watson/Keystone
Der Begleiter des Jupiter ist der grösste Mond des Sonnensystems; er ist sogar grösser als der Merkur, hat aber weniger Masse als dieser. Durchmesser: 5262,4 km watson/Keystone

So können wir auf einem anderen Planeten leben

Video: SRF / Roberto Krone

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