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BMW nach schwachem Jahresbeginn wieder auf festeren Füssen

Publiziert: 06.11.19, 13:54

Bild: AP/AP

Der neue BMW-Chef bekam für seine erste Quartalsbilanz eine Steilvorlage: Absatz, Umsatz und Gewinn legten im Sommer zu. Der Autobauer sieht sich auf Kurs - allerdings auf einem steinigen Weg.

Umsatz und Gewinn haben im dritten Quartal überraschend deutlich zugelegt. Konzernchef Oliver Zipse sagte bei der Vorlage seiner ersten Zwischenbilanz am Mittwoch in München: «Wir liegen auf Kurs, um unsere Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen.»

Mit entscheidend dafür ist die Nachfrage in China, wo BMW dieses Jahr 15 Prozent mehr Autos verkaufte als im Vorjahr. Der Absatz in Europa und Amerika stagniert, «China wächst dagegen derzeit stärker als gedacht», sagte Finanzchef Nicolas Peter. Während mehrere Autobauer und Zulieferer erwarten, dass der weltweite Automarkt in den nächsten fünf Jahren schwächelt, betonte Zipse, die Nachfrage nach teuren Autos sei robust.

Der Konzernumsatz stieg im dritten Quartal um fast 8 Prozent auf 26.7 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern legte sogar um 23 Prozent zu auf 2.25 Milliarden Euro. Analysten hatten weniger erwartet. Finanzchef Peter erklärte, BMW habe mehr SUV- und Oberklassefahrzeuge verkauft und auch von Währungseffekten profitiert. Und im Vorjahr hatten Rückrufe und die Umstellung auf den WLTP-Abgasstandard den Quartalsgewinn belastet.

Weniger rosige Aussichten

Für das Gesamtjahr sieht es aber weniger freundlich aus. Wie der grosse Konkurrent Daimler erwartet BMW zwar ein leichtes Absatzwachstum, aber deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr. Im vergangen Jahr war das Vorsteuerergebnis bereits auf 9.6 Milliarden Euro gesunken.

Dieses Jahr werde es noch einmal deutlich darunter liegen, sagte Peter. Und wie Daimler und Audi will BMW massiv sparen, um die enormen Investitionen in Elektromobilität stemmen zu können.

BMW stellt das Motorrad der Zukunft vor

Anlässlich des 100. Geburtstags der Marke tourt BMW aktuell mit spektakulären Studien durch die Megacitys dieser Welt. In Los Angeles zeigte die Motorradsparte der Bayern die Vision Next 100 «The Great Escape». Der Antrieb: Noch nicht näher definiert, aber natürlich kein Verbrenner. (Bild: Jochen Vorfelder)
Die Studie sieht aus wie direkt einem Science-Fiction-Film entsprungen. Entsprechend weit entfernt scheint eine Serienfertigung. (Bild: BMW)
Die Designer sagen, sie hätten sich beim Rahmen der Studie vom R32, dem ersten BMW-Motorrad überhaupt, inspirieren lassen. (Bild: BMW)
Clou der Studie ist der sogenannte Flexrahmen, der Federgabel, Gelenke etc. weitgehend überflüssig macht. Stattdessen federt er über Verformung. (Bild: BMW)
Darf nicht fehlen: Ein grosses, abgefahrenes Display als Kommandozentrale für das vollvernetzte Bike. (Bild: BMW)
Bei der Studie verändern die beiden markanten Zierzylinder ihre Form: Im Ruhezustand liegen sie eng an. Sobald die Fahrt beginnt, fahren sie als aerodynamische Elemente seitlich aus. (Bild: BMW)
Cloudanbindung und Verbundsysteme von autonom fahrenden Fahrzeugen sollen in Zukunft auch Motorräder unfallfrei machen. (Bild: BMW)
Statt eines Helms trägt der Fahrer oder die Fahrerin nach dem Willen von BMW eine Kombination aus Windschutz und Datenbrille, den sogenannten Visor – zusammen mit einem von Sensoren durchzogenen Anzug dient sie zur Kommunikation mit dem Fahrzeug. (Bild: BMW)
Batmobil lässt grüssen: Die Studie BMW Vision Next 100: The Great Escape. (Bild: BMW)
Aktive gyrostatische Assistenzsysteme, heute schon bekannt zum Beispiel aus den Segway-Rollern, balancieren die BMW Vision Next 100 sowohl während der Fahrt als auch im Stand selbstständig aus. (Bild: Jochen Vorfelder)
Vision-100-BMW-Motorrad – der schwarze Dreiecksrahmen der Vision Next 100 zitiert das erste BMW-Motorrad, die R32 von 1923. Von der Seite wirkt der Entwurf wie ein zukünftiges Naked Muscle Bike. (Bild: Jochen Vorfelder)
Edgar Heinrich, Chef-Designer von BMW Motorrad, schätzt, dass einige Features der visionären Fingerübung in zwei bis drei Modellgenerationen auf dem Markt Einzug halten. (Bild: Jochen Vorfelder)
Die Oberflächen des Flexrahmens, der auch die bisherigen Gabelelemente ersetzt, bestehen aus mattschwarzem Textil. Wird der Lenker bewegt, verformt sich der gesamte Rahmen und macht eine Richtungsänderung möglich. (Bild: BMW)
Karosserieteile wie der Sitz, die obere Rahmenabdeckung und die Kotflügel sind aus Carbon gefertigt. (Bild: BMW)
Der «Boxer», der kein Verbrennungsmotor mehr ist, soll je nach Fahrsituation seine Form ändern. Im Ruhezustand liegt er eng an. Zur Fahrt fährt der Motorblock aus aerodynamischen Gründen wie ein Akkordeon aus und wird zum Wetterschutz. (Bild: BMW)
BMW zeigte in Los Angeles auch ein Motorrad der näheren Zukunft: Ab 2017 soll das «Bagger» genannte XXL-Bike den Maschinen von Harley-Davidson Konkurrenz machen. Die K 1600 B basiert auf der Konzeptstudie Concept 101, die im Mai 2015 zur Eröffnung des Concorso d'Eleganza am Comer See vorgestellt wurde. (Bild: BMW)
Mehr Bagger geht nicht: Schräg von der Scheibe nach hinten abfallende Linie, fest integrierte Koffer, niedriges Heck. Die K 1600 B wird vom grossen BMW-Sechszylinder-Reihenmotor angetrieben; nach BMW-Motorradchef Stephan Schaller ist sie die ideale Maschine für die legendäre Route 66. (Bild: BMW)

In den ersten neun Monaten hat BMW nur 5.0 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern erwirtschaftet. Das sind 35 Prozent weniger als im Vorjahr. «Unser Anspruch ist jedoch ein anderer», sagte Peter. Nicht einmal die Hälfte des Gewinneinbruchs ist mit der Rückstellung von 1.4 Milliarden Euro für eine drohende EU-Kartellstrafe zu erklären.

Kosten steigen schneller als Einnahmen

Das Problem ist: Die Kosten steigen schneller als die Einnahmen. Die Forschungs- und Entwicklungskosten stiegen im laufenden Jahr und 9 Prozent, die Investitionen um 14 Prozent. BMW hat inzwischen zehn Hybride und zwei vollelektrische Autos am Markt - der erste Elektro-Mini ist in Oxford gerade vom Band gelaufen.

Die Autoindustrie ist unter Druck

Video: srf

2021 werde BMW bereits jedes vierte seiner Autos in Europa mit Hybrid- oder Elektroantrieb verkaufen, kündigte Zipse an. Diese Autos werfen zwar weniger Gewinn ab. Doch BMW werde die CO2-Vorgaben der EU einhalten, sagte Zipse. Sonst drohen Strafzahlungen.

Bis 2022 will BMW nun 12 Milliarden Euro einsparen - auch durch «Senkung der Personalkosten», wie Peter sagte. Die grösseren Brocken bei den Einsparungen sollen aber aus dem Einkauf, der Reduzierung der Benzin- und Dieselvarianten bei vielen Modellen und Partnerschaften in und ausserhalb der Branche kommen. Weltweit ist die Zahl der BMW-Mitarbeiter binnen Jahresfrist sogar um 800 gestiegen - auf nunmehr 135 500 Beschäftigte. (aeg/sda/awp/dpa)

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