Das Ende einer Männerfreundschaft: Trump und sein Justizminister Barr.
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William Barr geht auf Distanz zu Donald Trump
Der Justizminister will nichts mit der Ukraine-Affäre zu tun haben – und noch weniger mit Rudy Giuliani.
Eine Faustregel in Washington in der Trump-Ära lautet: Je häufiger und wütender der Präsident gegen einen Artikel tweetet, desto wahrer ist dessen Inhalt. So gesehen stimmt die jüngste Enthüllung der «Washington Post» mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.
Das renommierte Blatt hat enthüllt, dass Justizminister William Barr sich geweigert hat, an einer Pressekonferenz den Präsidenten von jeder Schuld in der Ukraine-Affäre freizusprechen.
Trump hat auf diesen Artikel mit einer wahren Flut von wütenden Tweets reagiert. «Reine Erfindung», so der Präsident «Wir beide bestreiten diese Story. Eine Müll-Zeitung.» Inzwischen haben jedoch andere Medien den Befund bestätigt.
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Barr begrüsst Trump.
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Die Weigerung des Justizministers, den Präsidenten in der Ukraine-Affäre weisszuwaschen, ist tatsächlich eine Sache von grosser Bedeutung. Bisher ist Barr nämlich vor keiner Schandtat zurückgeschreckt.
So hat er den Inhalt des Mueller-Reports grotesk verfälscht und eigenmächtig erklärt, der Präsident habe die Justiz nicht behindert, obwohl der Sonderermittler mehr als zehn Vorfälle aufgelistet hat, in denen er genau dies tat.
Barr hat stets vehement das «executive privilege» des Präsidenten verteidigt, ein Vorwand, mit dem Trump begründet, weshalb die Mitglieder seiner Regierung nicht zu den Hearings vor dem Intelligence Committees erscheinen.
Zuvor hatte der Justizminister öffentlich erklärt, gegen Trump sei «spioniert» worden, obwohl ein Bericht des Inspector General zu einem gegenteiligen Schluss gekommen ist. Barr ist sogar persönlich nach Rom und London geflogen, um diese Verschwörungstheorie zu erhärten.
Der Justizminister hat sich geweigert, aufgrund der Aussagen des Whistleblowers eine Untersuchung einzuleiten und wollte die Sache unter den Teppich kehren. Schliesslich hat Barr eine persönliche Party in das Trump Hotel in Washington verlegt und dafür 30’000 Dollar hingeblättert.
Schlechtes Omen für den Präsidenten
Dass Barr nun in der Ukraine-Affäre den Schwanz einzieht, ist ein schlechtes Omen für Trump. Schon nach der Veröffentlichung des Transkripts des Gesprächs des US-Präsidenten mit seinem Gegenpart in der Ukraine hat das Justizministerium Distanz signalisiert. Trump hat Wolodymyr Seleskyj darin aufgefordert, mit Barr Kontakt aufzunehmen. Das wurde umgehend vom Justizministerium dementiert.
Gar nichts zu tun haben will Barr mit Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani. Dieser gilt als Kopf eines Schattenkabinetts, das die Fäden in der Ukraine-Affäre in der Hand hielt. Das Justizministerium hat das Southern District of New York (SDNY), die härteste Strafverfolgungs-Behörde der USA, nicht daran gehindert, gegen Giuliani zu ermitteln. Dies, obwohl das SDNY dem Justizministerium unterstellt ist.
Für Giuliani wird diese Untersuchung zunehmend mehr als nur lästig. Er, der einst selbst Chef des SDNY war, muss nun befürchten, dass seine Nachfolger ihn in den Knast bringen. Giuliani hat erkannt, dass er echt in Gefahr ist und hat deshalb Anwälte zu seinem Schutz angeheuert.
Lev Parnas und Rudy Giuliani.
Er hat auch allen Grund dazu: Offenbar ist einer der beiden «Shreks», Lev Parnas, bereit, mit den Untersuchungsbehörden zusammenzuarbeiten. Sollte dabei herauskommen, dass Giuliani tatsächlich einen direkten Draht zu Dmytry Firtash, einem ukrainischen Oligarchen mit besten Beziehungen zur russischen Mafia, hatte, dann könnte dies weitreichende Folgen haben – auch für den Präsidenten.
Als ob Trump nicht schon genug Ärger hätte. Nächste Woche sollen die öffentlichen Hearings beginnen. Zudem werden die Aussagen der Zeugen, die bisher vor verschlossenen Türen über die Bühne gegangen sind, sukzessive veröffentlicht.
Sie zeigen ein unschönes Bild: Es hat tatsächlich ein quid pro quo gegeben. Immer deutlicher wird auch, dass hinter der Ukraine-Affäre weit mehr als ein Telefongespräch steckt. Es war vielmehr eine von Giuliani orchestrierte und von Trump abgesegnete weitreichende Aktion. Dabei sollte Dreck gegen Joe Biden gesammelt und «bewiesen» werden, dass nicht Russland, sondern die Ukraine hinter den Hackerangriffen während des Wahlkampfs 2016 gestanden hat.
Inzwischen ist auch der Prozess gegen Roger Stone angelaufen. Der ehemalige Kumpel von Trump wird beschuldigt, den Sonderermittler und das Intelligence Committee mehrfach angelogen zu haben.
Steht vor dem Kadi: Trump-Kumpel Roger Stone.
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Auch das könnte Trump gefährlich werden. Der Ankläger hat in seinem einleitenden Referat sehr deutlich erklärt, worum es letztlich geht: «Roger Stone hat das House Intelligence Committee angelogen, weil die Wahrheit schlecht für die Trump-Kampagne aussieht und weil die Wahrheit schlecht für Donald Trump aussieht.»
Für die Republikaner wird es zunehmend schwieriger, ihren Präsidenten zu verteidigen. Sie meiden die TV-Kameras mittlerweile wie die Pest, oder sie machen auf Vogel Strauss. Lindsey Graham, Senator aus South Carolina und vehementer Trump-Verteidiger, erklärt nun, er weigere sich, die Transkripte mit den Zeugenaussagen zu lesen. Noch vor ein paar Tagen hatte er erklärt, sollte es handfeste Beweise für ein quid pro quo geben, dann sei dies eine ernsthafte Sache.
In ihrer Verzweiflung sollen einzelne Republikaner gar erwägen, Giuliani, Botschafter Gordon Sondland und Stabschef Mick Mulvaney zu opfern. Die drei hätten die ganze Ukraine-Affäre hinter dem Rücken des Präsidenten ausgeheckt, so der Kern dieses Plans. Trump selbst habe nichts davon gewusst und sei deshalb unschuldig.
Steckt den Kopf in den Sand: Lindsey Graham.
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Mit Schrecken müssen die Republikaner auch feststellen, dass Trumps Magie verblasst. Die Bundesstaats-Wahlen in Virginia und Kentucky sind trotz massiver Unterstützung des Präsidenten bös in die Hosen gegangen. Umfragen zeigen derweil, dass immer mehr Amerikaner nicht nur ein Impeachment befürworten, sondern auch die Absetzung des Präsidenten.
Besonders Schlaue haben noch vor kurzem behauptet, das Impeachment sei eine unverhoffte Wahlhilfe für den Präsidenten und die Republikaner. Diese Stimmen sind inzwischen verstummt. Dafür können wir mit einer weiteren Flut von wütenden Trump-Tweets rechnen.
Rücktritte und Entlassungen unter Trump
SALLY YATES, 30. Januar 2017: Trump entlässt die amtierende Justizministerin und Chefanklägerin, offiziell vor allem wegen ihres Widerstands gegen seine Einwanderungspolitik. AP/AP / Steven Senne
MICHAEL FLYNN, 13. Februar: Nach nur 23 Tagen im Amt tritt Trumps Sicherheitsberater zurück. Er ist in die Russland-Affäre über eine etwaige Wahlbeeinflussung verstrickt.
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JAMES COMEY, 9. Mai: Trump entlässt den FBI-Chef, eine folgenreiche Sensation. Die Russland-Affäre nimmt immer weiter Fahrt auf.
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MIKE DUBKE, 30. Mai: Nach nur drei Monaten im Amt wirft der Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses hin.
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WALTER SHAUB, 6. Juli: Der Direktor des unabhängigen Büros für Regierungsethik gibt entnervt auf.
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SEAN SPICER, 21. Juli: Als sein Präsident ihm Anthony Scaramucci als Kommunikationsdirektor vorsetzen will, mag Trumps Sprecher nicht mehr und geht.
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REINCE PRIEBUS, 28. Juli: Trumps Stabschef verlässt seinen Posten. Er sagt, freiwillig. Andere sagen, Trump habe ihn gefeuert.
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ANTHONY SCARAMUCCI, 31. Juli: Erst zehn Tage zuvor zum Kommunikationsdirektor bestallt, ist der Ex-Wallstreet-Banker seinen Posten schon wieder los.
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STEVE BANNON, 18. August: Trumps Chefstratege und früherer Wahlkampfchef verlässt das Weisse Haus.
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DINA POWELL, 8. Dezember: Die Vize-Sicherheitsberaterin kündigt ihren Rückzug an. Die Ex-Investmentbankerin sagt, sie gehe in gutem Einvernehmen.
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HOPE HICKS, 28. Februar 2018: Die Kommunikationschefin und enge Trump-Vertraute teilt mit, sie werde das Weisse Haus in den nächsten Wochen verlassen.
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GARY COHN, 6. März: Trumps Wirtschaftsberater kündigt seinen Rückzug an. Er war gegen von Trump angedrohte Strafzölle.
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JOHN MCENTEE (rechts), 12. März: Der persönliche Assistent Trumps wird fristlos entlassen.
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REX TILLERSON, 13. März: Trump verkündet auf Twitter, dass der Aussenminister seinen Posten räumen müsse. Spekulationen gab es schon länger.
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ANDREW MCCABE, 16. März: Zwei Tage vor seiner Pensionierung wird der ehemalige FBI-Vizechef entlassen.
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GENERAL H.R. McMASTER, 22. März: Der nationale Sicherheitsberater muss seinen Hut nehmen, er wird von John Bolton abgelöst.
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DAVID SHULKIN, 28. März: Trump entlässt den in die Kritik geratenen Veteranenminister. Hintergrund ist eine Reise seiner Frau auf Kosten der Steuerzahler.
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MICHAEL ANTON, 8. April: Das Weisse Haus teilte mit, dass der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates geht - einen Tag, bevor Bolton sein Amt übernimmt. AP/AP / Carolyn Kaster
JOSEPH W. HAGIN (ganz rechts), 19. Juni: Der stellvertretende Stabschef tritt zurück.
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SCOTT PRUITT, 5. Juli: Der Chef der Umweltschutzbehörde EPA räumt nach einer Serie von Skandalen sein Amt.
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DONALD F. McGAHN, 29. August: Trump trennt sich von seinem Rechtsberater Don McGahn.
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NIKKI HALEY, 9. Oktober: Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York gibt freiwillig ihren einflussreichen Posten zum Jahresende auf.
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JEFF SESSIONS, 7. November: Der Justizminister reicht einen Tag nach der Zwischenwahl auf Bitten Trumps seinen Rücktritt ein.
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MIRA RICARDEL, 14. November: Die First Lady Melania Trump fordert öffentlich den Rauswurf der stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberaterin. Präsident Trump zieht nach. Ricardel muss das Weisse Haus verlassen. AP/AP / Evan Vucci
JOHN KELLY, 8. Dezember: Trump gibt bekannt, dass sein Chef des Stabes zum Jahresende das Weisse Haus verlässt. Damit verschleisst er seinen zweiten Stabschef in weniger als zwei Jahren.
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NICK AYERS, 9. Dezember: Der Chef des Stabes von Vizepräsident Mike Pence teilt mit, dass er das Weisse Haus zum Jahresende verlässt. Schlecht für Trump: Ayers war sein Wunschkandidat für die Kelly-Nachfolge.
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RYAN ZINKE, 15. Dezember: Trump teilt mit, dass der skandalumwitterte Innenminister zum Jahresende ausscheidet. Medienberichten zufolge hatte ihm das Weisse Haus eine Frist zum Rücktritt gesetzt gehabt.
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JAMES MATTIS, 20. Dezember: Trump gibt bekannt, dass der Verteidigungsminister seinen Posten Ende Februar verlässt. Mattis selbst erklärt in einem Schreiben an Trump, dass er aus eigenen Stücken gehe; ferner macht Mattis deutlich, dass inhaltliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und ihm Hintergrund für diesen Schritt seien. (sda/dpa)
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KIRSTJEN NIELSEN, 7. April 2019: Die Heimatschutzministerin verlässt die Regierung.
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SARAH SANDERS, Juni 2019, die Pressesprecherin verlässt das Weisse Haus. AP/AP / Evan Vucci
PATRICK SHANAHAN, 18. Juni 2019, der geschäftsführende Verteidigungsminister verlässt den Posten noch vor Amstantritt. AP/AP / Manuel Balce Ceneta
ALEXANDER ACOSTA, 12. Juli 2019: Der Arbeitsminister tritt nach den Ermittlungen in der Affäre um Missbrauchsvorwürfe gegen den Unternehmer Jeffrey Epstein zurück. AP / Alex Brandon
DAN COATS, 28. Juli: Trump kündigt an, dass der Geheimdienstkoordinator seinen Posten am 15. August verlassen wird. AP / EVAN VUCCI
MADELEINE WESTERHOUT, 31. August: Die persönliche Assistentin Trumps räumt überraschend ihren Posten. Sie soll – zum Missfallen ihres Chefs – mit Reportern über seine Familie gesprochen haben. EPA / JIM LO SCALZO
JOHN BOLTON, 10. September: Der Nationale Sicherheitsberater wird entlassen. Bolton betont, er habe seinen Rücktritt angeboten, Trump erklärt, er habe ihn zum Rücktritt aufgefordert. AP / Pablo Martinez Monsivais
KEVIN McALEENAN, 11. Oktober: Trump kündigt den Abgang des kommissarischen Heimatschutzministers an. Ihn ziehe es in die Privatwirtschaft, und er wolle künftig auch mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, heisst es zur Begründung. EPA / MICHAEL REYNOLDS
RICK PERRY, 17. Oktober: Der Präsident erklärt, der Energieminister werde zum Jahresende abtreten. Dieser habe ihm schon vor einigen Monaten gesagt, dass er für die Zukunft andere Pläne habe. AP / J. Scott Applewhite
Trumps «Impeachment» erklärt:
Video: SRF / SDA SRF
Trump und das Impeachment