Aktuelle Themen:

Die neue höchste Schweizerin heisst Marina Carobbio

Publiziert: 26.11.18, 15:12 Aktualisiert: 26.11.18, 16:50

SP-Nationalrätin und neu Nationalratspräsidentin Marina Carobbio kommt aus dem Tessin Bild: KEYSTONE

Sieben Jahre nach ihrer Kandidatur für den Bundesrat übernimmt Marina Carobbio (SP/TI) das Zepter im Nationalrat. Als dessen Präsidentin will sich die Tessiner Sozialdemokratin vor allem für die Anliegen von Frauen und Minderheiten stark machen.

Die unermüdliche, streit- und unternehmungslustige 52-Jährige ist sich bewusst, dass sie während ihres Jahres als Nationalratspräsidentin eine andere Rolle einnehmen wird. «Ich werde lernen müssen, mich weniger in politische Auseinandersetzungen einzumischen, mehr über den Dingen zu stehen und alle Meinungen mit gleichem Respekt zu behandeln», räumte sie im Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA ein.

Bild: KEYSTONE

Jean-René Fournier (CVP) ist neuer Ständeratspräsident

Der Walliser CVP-Politiker Jean-René Fournier ist neuer Ständeratspräsident. Die kleine Kammer hat ihn am Montag mit 44 von 45 Stimmen gewählt. (sda)

Als höchste Schweizerin will sich Carobbio trotzdem auf zwei Themenbereiche fokussieren, die ihr besonders am Herzen liegen: die Vertretung der Frauen in der Politik und die Rolle der sprachlichen und kulturellen Minderheiten.

Die Politikerin ist seit über 11 Jahren Mitglied der Grossen Kammer. 2007 rutschte sie für Franco Cavalli in den Nationalrat nach. Vor sieben Jahren bewarb sie sich in ihrer Partei erfolglos um die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey im Bundesrat. Auf dem Ticket landeten schliesslich Pierre-Yves Maillard und Alain Berset.

Eine neue Webseite

In der Wintersession will Carobbio eine neue Webseite zum Thema Frau und Politik aufschalten. Diese ist ausdrücklich der politischen Stellung der Frauen in Vergangenheit und Gegenwart gewidmet. Es brauche unbedingt mehr Frauen in der Politik, sagt die Nationalratspräsidentin 2018/19 mit Bestimmtheit.

Der Frauenanteil im Nationalrat liege bei lediglich 32 Prozent. Das seien 64 von 200 Mitglieder der Grossen Kammer. Gar nur 15 Prozent oder 7 von 46 Ständeratsmitgliedern seien weiblich. «Und in der Tessiner Kantonsregierung hat es gar keine Frau», beklagt sich Carobbio.

Was die Rolle der Minderheiten angehe, so werde sie sich darum bemühen, die Vielsprachigkeit in der Schweiz zu fördern. So werde das Verständnis in dem multikulturellen Land gestärkt. Insbesondere will die höchste Schweizerin jenen eine Stimme geben, die sonst kaum zu Wort kommen und wahrgenommen werden. Deshalb werde sie die Sitzungen des Nationalrats auch auf italienisch leiten.

25 Bilder zeigen unsere Classe politique beim Schaffen in Bern

Daniel Jositsch (SP/ZH). KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Hans-Ueli Vogt, SVP-ZH. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Parteipräsident Albert Roesti, SVP-BE, (links) und Cedric Wermuth, SP-AG. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Hans Egloff, SVP-ZH, zeigt ein Shirt des Cupsiegers FC Zürich. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Andreas Glarner, SVP-AG. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Bergbauer Armin Capaul mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Bundesrat Ignazio Cassis. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Roger Köppel, SVP-ZH, (links) und Thomas Aeschi, SVP-ZG, KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Christine Häsler, GPS-BE, (rechts) und Evi Allemann, SP-BE. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Flavia Wasserfallen, SP-BE, Kathrin Bertschy, GLP-BE, Claudia Friedl, SP-SG, Martina Munz, SP-SH, und Min Li Marti, SP-ZH (von links nach rechts). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Fraktionschef Thomas Aeschi, SVP-ZG. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Magdalena Martullo-Blocher, SVP-GR, Gregor Rutz, SVP-ZH, und Roger Köppel, SVP-ZH. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Celine Amaudruz, SVP-GE, (vorne), Walter Wobmann, SVP-SO, Albert Roesti, SVP-BE, Adrian Amstutz, SVP-BE, Gregor Rutz, SVP-ZH, und Magdalena Martullo-Blocher, SVP-GR, (von links nach rechts). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundesraetin Simonetta Sommaruga und Ida Glanzmann-Hunkeler, CVP-LU. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Bundesrat Guy Parmelin und Thomas Hefti (FDP/GL). KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Flavia Wasserfallen, SP-BE. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Nationalrat Juerg Stahl, SVP-ZH, Ständeraetin Pascale Bruderer, SP-AG und der Direktor des Bundesamtes für Sport, Matthias Remund. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Barbara Steinemann, SVP-ZH, (links) und Barbara Keller-Inhelder, SVP-SG. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Denis de la Reussille, PdA-NE mit Sibel Arslan, GP-BS. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Lisa Mazzone, GP-GE, Priska Seiler Graf, SP-ZH, und Maya Graf, GP-BL, (von links nach rechts). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-BL, und Beat Walti, FDP-ZH. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Aline Trede, GP-BE. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-BL, und Kathy Riklin, CVP-ZH. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Celine Amaudruz, SVP-GE. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Bundesrat Johann Schneider-Ammann. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE

Dem Tessin mehr Gehör verschaffen

Weiter möchte sie auch das Bild ihres Heimatkantons Tessin besser nach aussen tragen. «Das Tessin muss im Rest der Schweiz besser verstanden werden, insbesondere, was die Arbeitswelt und das Lohngefüge angeht.»

Der Südkanton müsse seine Beziehungen in die Bundesstadt und zu den anderen Kantonen verbessern. «Es muss uns gelingen, neue Angebote zu lancieren zum Vorteil von wirtschaftlichen Sektoren, in denen wir stark sind, wie zum Beispiel in der Biomedizin.» Das sei in erster Linie Sache des Tessiner Politpersonals, schiebt Carobbio nach.

Der Tessiner Blickwinkel ist immer ihr Mass, auch wenn sie seit elf Jahren unter der Bundeshauskuppel in Bern aktiv ist. Allerdings muss sie eingestehen, dass die Tessiner SP vier Monate vor den kantonalen Wahlen in einer Identitätskrise steckt. Die Partei muss sich für den 7. April 2019 neu erfinden und setzt dabei auf die Jungen und die Frauen für die Wahlen in die Kantonsregierung.

Aus dem Schatten des Vaters getreten

Marina Carobbio ist in einer Familie gross geworden, wo die Politik quasi zum Tagesgeschäft gehörte. Wer im Tessin Carobbio sagt, denkt immer noch zuerst an Werner Carobbio, an das Tessiner Urgestein und früheren Präsidenten der autonomen Sozialisten (PSA).

Doch Marina ist mehr als nur die Tochter einer lebenden Legende des linken Kampfes in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ihr Vater sass schon im Nationalrat, als sie noch ein kleines Mädchen war.

Marina machte sich jedoch rasch einen Namen. Verheiratet mit einem Ingenieur, Mutter eines 22-jährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter, ist sie bereits seit 2008 eine der Vizepräsidentinnen der SP Schweiz. Und obwohl sie seit 2007 im Nationalrat sitzt, hat sie sich daneben auch ein normales Berufsleben bewahrt.

Zusammen mit Bekannten teilt sie sich eine Arztpraxis in Roveredo in den Bündner Südtälern. Dort nimmt sie nun eine Auszeit bis Ende 2019, weil die Belastung mit dem Präsidialjahr in Bern sonst doch zu gross würde. (sda)

Bern trauert um seinen Stadtvater

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität