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Berns Mark Arcobello läuft aufs Eis vor dem Spiel gegen den HC Davos. Bild: KEYSTONE

Titanic SC Bern – ein wenig Hollywood und eine neue, interessante Rolle

Mit Willhem Busch können wir reimen: Lange machte der SCB die Zuschauer mit Langeweile «krank» – jetzt unterhält er wieder, Gott sei Dank. Aber von der Rolle des Titanen heisst es Abschied nehmen. Trotzdem will Kari Jalonen bleiben.

Publiziert: 13.10.19, 06:12 Aktualisiert: 13.10.19, 12:33

Für SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi ist gute Unterhaltung so wichtig wie der Ruhm aus Siegen und Titeln. Er ist bis heute der einzige Manager Europas, der seinen Trainer wegen langweiliger Spielweise gefeuert hat (Larry Huras im November 2011).

Marc Lüthi ist ein Befürworter von unterhaltsamer Spielweise. Bild: KEYSTONE

Der SCB lebt halt wie kein anderes Hockeyunternehmen von der Bewirtschaftung der Zuschauer. Europas grösster Hockey-Tempel (17'031 Plätze) kann nur mit unterhaltsamem Hockey regelmässig gefüllt werden. Diese Saison war der Tempel noch nie voll: Auch wegen langweiliger Spielweise («Schablonen-Hockey»).

Aber Besserung ist in Sicht. Die schlechte Nachricht: Der SCB hat gegen die letztjährigen «Playoutisten» in zwei Partien gerade mal drei Punkte geholt. Weder gegen die Lakers (4:5 n.V) noch gegen den HC Davos (4:3 n.P) reichten zwei Tore Vorsprung. In Rapperswil-Jona vergab der Meister eine 3:0 und 4:1-Führung, gegen Davos am nächsten Tag genügte ein 2:0 und 3:1 nicht für drei Punkte.

Aber es gibt eben auch eine gute Nachricht: Die Unterhaltung stimmt so wieder. Dem SCB gebührt inzwischen das grösste Kompliment, das es während der langen Monate der Qualifikation gibt: Man darf nicht nach Hause gehen, bevor das Spiel vorbei ist.

In den letzten drei Jahren unter Kari Jalonen (seit dem Herbst 2016) reichten zwei Tore Vorsprung gegen Teams wie die Lakers den aktuellen HCD bei Weitem zum Sieg. Leuchtete oben auf dem Videowürfel bei Spielhälfte ein 2:0 oder 3:1 konnte man sich getrost in die Stadionbeiz zurückziehen – oder vorzeitig nach Hause gehen, um nicht in den Verkehrsstau zu geraten.

Das ist jetzt nicht mehr zu empfehlen. Die taktischen Schablonen sind inzwischen nur noch aus Sperr- und nicht mehr aus Hartholz. Was hat das für den weiteren Verlauf der Saison zu bedeuten?

«Kari ist keiner, der davonläuft, wenn schwierigere Zeiten kommen.»

Die SCB-Titanic fährt zwar blind durch den Nebel. Oben auf der Kommandobrücke herrscht Ratlosigkeit darüber, wie es weitergehen soll. Die Hoffnung, Kari Jalonen möge einem den Entscheid abnehmen und von sich aus Ende Saison gehen, wird sich mit ziemlicher Sicherheit nicht erfüllen.

Marc Lüthi und sein Sportchef Alex Chatelain müssen den folgenschweren Entscheid (mit Kari Jalonen verlängern – ja oder nein?) bei den veränderten Verhältnissen selber fällen. Juho Sintonen, der Freund und Agent des SCB-Trainers sagt nämlich: «Kari ist keiner, der davonläuft, wenn schwierigere Zeiten kommen.» Dass Marc Arcobello nach der Saison zu Lugano wechselt, und dass der SCB womöglich bald kein meistertaugliches Team mehr hat, vermögen den finnischen Meistertrainer nicht abzuschrecken. Zu gut sind Bezahlung und Lebensqualität im schönen Bern.

Kari Jalonen wird versuchen, seinen Trainer-Posten zu behalten – doch die Entscheidung liegt bei Lüthi und Chatelain. Bild: KEYSTONE

Mag die Ratlosigkeit über den zu steuernden Kurs oben auf der Kommandobrücke der SCB-Titanic anhalten – unten im Maschinenraum hat «Chef-Ingenieur» Kari Jalonen die Sache nach wie vor recht gut im Griff.

Als drittälteste Mannschaft der Liga (Gottéron und Lausanne sind im Schnitt noch älter) kann der SCB nach dem Verlust wichtiger Spieler (wie Leonardo Genoni und Gaëtan Haas) die Qualifikation nicht mehr nach Belieben dominieren wie in den letzten drei Jahren. Quantitativ und qualitativ ist der SCB nicht mehr gut genug für konsequentes «Schablonenhockey». Gegen mutige, jüngere Lauf- und Tempomannschaften gerät der Meister inzwischen gehörig ins Wanken.

Dabei spielt der Verlust von Leonardo Genoni nicht mehr jedes Mal eine zentrale Rolle: Gegen die drei HCD-Treffer war Niklas Schlegel am Samstag ganz einfach machtlos. Es war die Abwehr, die unter dem Druck auseinanderbrach und den HCD-Stürmern dreimal freie Schussbahn gewährte. Wichtige SCB-Verteidiger wie Eric Blum (33), Justin Krüger (32) oder der aktuell verletzte Beat Gerber (37) und der Zweiwegcenter Andrew Ebbett (36) werden eben älter und langsamer. Und der ausländische Verteidiger (Miika Koivisto) würde nicht spielen, wenn er Colin Gerber hiesse.

Das bedeutet eine neue Rolle für den Meister. Abschied von der Rolle des Titanen. Konzentration auf das Wesentliche: Genug Punkte sammeln, um in die Playoffs zu kommen – und dann kann es in den Playoffs noch immer «räblä».

Simon Moser gilt als Leitwolf der Mannschaft. Bild: KEYSTONE

Der SCB ist nicht mehr eine «Siegesmaschine», gebaut für das «Feuerwehr-Hockey» in der Qualifikation. Für dieses Lauf- und Tempohockey («run and gun»), das für unsere Liga so typisch ist.

Zwar ist aus dem «Maschinenraum» der SCB-Titanic ab und an Murren unter den «Mechanikern» zu vernehmen. Kari Jalonen ist in der Kabine nicht nur populär. Grosse Trainer waren in der Kabine noch nie populär.

Aber die Leistungskultur ist intakt. Die Leitwölfe um Simon Moser halten das Team zusammen und weisen die Murrenden in die Schranken. Es gibt keine Zerfallserscheinungen. Und natürlich gibt es einen neidvollen Blick nach Zug, das genug Geld hatte, um Grégory Hofmann einzukaufen, der soeben den Spitzenkampf gegen die ZSC Lions mit drei Treffern entschieden hat und die Liga-Skorerliste anführt. Aber vielleicht wird ja aus Vincent Praplan wenigstens ein «Grégory Hofmann des armen Mannes». Er hat gegen Davos zum ersten Mal für den SCB zwei Treffer in einem Spiel erzielt.

Wenn es im Frühjahr um den Titel geht, wird anderes Hockey als im Herbst gespielt. Dann werden Erfahrung und Schlauheit, das «Geheimwissen», wie man Meisterschaften gewinnt, von zentraler Bedeutung. In diesem Bereich müsste der SCB eigentlich nach wie vor konkurrenzfähig sein.

Die grosse Frage, wie nächste Saison die Mannschaft erneuert werden kann, klammern wir gnädigerweise erst einmal aus. Bei dieser Analyse geht es um die Gegenwart.

Sportchef Alex Chatelain hat mehr als genug Zeit, um bis im Februar einen brauchbaren vierten Ausländer (als Ersatz für Miika Koivisto) und zur Absicherung einen ausländischen Torhüter zu verpflichten. Sein Ausreden-Konto ist leer.

Nach wie vor sind die Spieler und ihr Trainer unten im Maschinenraum der SCB-Titanic Löwen. Es wird sich zeigen, ob sie auf der Kommandobrücke oben von sportlichen Eseln geführt werden.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

HC Davos: 5 - Marc Gianola. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. PHOTOPRESS / JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. KEYSTONE / Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. KEYSTONE / STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. KEYSTONE / MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
SC Bern: 22 – Patrick Howald. KEYSTONE / JUERG MUELLER
SC Bern: 26 – Marc Reichert. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
SC Bern: 28 – Martin Plüss. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
SC Bern: 31 – Renato Tosio. KEYSTONE / EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. KEYSTONE / URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. KEYSTONE / STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. KEYSTONE / URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. KEYSTONE / GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KEYSTONE / KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. KEYSTONE / EDI ENGELER
EV Zug: 57 – Fabian Schnyder keystone / ENNIO LEANZA
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. KEYSTONE / EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. KEYSTONE / STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. KEYSTONE / ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. KEYSTONE / GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. PHOTOPRESS / KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt. KEYSTONE
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. TI-PRESS / FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. KEYSTONE / STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. KEYSTONE / MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. KEYSTONE / EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. PHOTOPRESS / FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER

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