Aktuelle Themen:

Für viele der personifizierte Teufel: Um Bill Gates kursieren die wildesten Verschwörungstheorien. Bild: EPA/ANP

Bill Gates: «Ich fühle mich schrecklich»

Vor fünf Jahren warnte Bill Gates die Welt, die grösste Bedrohung für die Menschheit sei kein Krieg, sondern eine Pandemie. Viele, die ihn belächelt haben, schlucken jetzt schwer: Seine Vorhersage ist eingetreten.

Publiziert: 13.05.20, 19:03 Aktualisiert: 14.05.20, 13:56

Bill Gates ist in der Corona-Krise weltweit in die Schlagzeilen geraten. Der zweitreichste Mann der Welt soll persönlich für die Pandemie verantwortlich sein, lautet der Vorwurf der Verschwörungstheoretiker. Jetzt hat Gates dem Wall Street Journal ein Interview gegeben (kostenpflichtig) und erstmals auf die Vorwürfe reagiert.

Wir haben für euch die fünf brisantesten Aussagen aufgelistet.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

«Alles, was wir tun, ist Geld ausgeben und unsere Meinung kundtun.»

Auf die Frage, was er von den Verschwörungstheorien rund um seine Person halte, bleibt er diplomatisch. «Letztlich sind nicht wir es, welche die Entscheidungen fällen», sagt Gates. Das Virus sei «das Dramatischste, was in seinem Leben passiert ist». Es stoppe viele Bemühungen der Bill and Melinda Gates Foundation, wie zum Beispiel die Ausrottung Polios, die Impfung von Kindern in Drittweltländern und andere Langzeitprojekte. Die Finanzierung dieser Projekte werde dennoch fortgesetzt.

Das Coronavirus habe, wenn überhaupt, aufgezeigt, dass eine einzige Person - in diesem Fall selbst die zweitreichste der ganzen Welt - nicht allein in der Lage ist, eine solche Pandemie zu stoppen. Die Gates Foundation hat bisher ganze 305 Millionen Dollar in die Suche nach einem Impfstoff gegen COVID-19 und Arzneimittel sowie in die Beschaffung von Medikamenten und Hilfsgütern für Länder mit niedrigen Einkommen gesteckt. Bevor die Pandemie vorbei ist, werde Gates «am Ende noch viel mehr ausgeben».

«Diese Verschwörungstheorien und Fehlinformationen sind völlig falsch»

Sprecherin von Bill Gates

Die Verschwörungstheorien rund um Gates geraten ausser Kontrolle und werden immer skurriler: So soll der Microsoft-Gründer Menschen Mikrochips implantieren wollen, um zu verfolgen, wer positiv auf COVID-19 getestet wurde und so jederzeit deren Standort tracken zu können - eine Behauptung, die von Facebook als falsch gekennzeichnet wurde.

In weiteren Theorien soll er als Ziel haben, Frauen mittels der Corona-Impfung gezielt zu sterilisieren, um so die Überbevölkerung zu minimieren. Eine Gemeinsamkeit solcher Theorien ist die Unterstellung, Gates bereichere sich an der Krise. Gemäss einer Sprecherin von Gates habe sich das Paar, Bill und Melinda Gates, dazu verpflichtet, den grössten Teil ihres geschätzten Vermögens von 160 Milliarden US-Dollar zu spenden, bevor sie sterben. Die Sprecherin beteuerte ausserdem, dass «diese Verschwörungstheorien und Fehlinformationen völlig falsch sind.»

«Ich fühle mich schrecklich»

«Ich wünschte, ich hätte mehr getan, um auf die Gefahr aufmerksam zu machen», sagt Bill Gates im Rückblick auf die letzten Jahre. Er hat es kommen sehen: Bereits vor fünf Jahren warnte Gates in einem Ted Talk, die grösste Gefahr für die Welt sei kein Krieg, sondern eine Pandemie, weil die Staaten nicht ausreichend darauf vorbereitet seien. Der Milliardär spendete hunderte Millionen Dollar, um diverse Impfungen und Krankheits-Tracking-Systeme herzustellen.

Gates bedauert, seinen Warnungen vor den Gefahren einer Pandemie nicht mehr Nachdruck verliehen zu haben. «Ich fühle mich schrecklich.»

Er versuchte, diverse Staaten dazu zu bringen, sich auf eine mögliche Pandemie mittels internationalen Warn- und Reaktionssystemen, Schnelldiagnostik, Medikamentenvorräten und Technologien zur schnellen Herstellung von Impfstoffen vorzubereiten. «Das ganze Gerede war dafür da, um in Aktion zu treten und den Schaden zu minimieren», sagt er.

«Ich wünschte, meine Warnungen hätten mehr Gehör gefunden»

Bereits 2016 erklärte Gates den damaligen US-Präsidentschaftskandidaten die Risiken einer Pandemie und forderte sie auf, die Vorbereitungen darauf zu einer nationalen Priorität zu machen. Er versuchte auch den dann gewählten Präsidenten Trump während eines Meetings im Trump-Tower davon zu überzeugen. Das Weisse Haus lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

An der Münchner Sicherheitskonferenz 2017, einem jährlichen Treffen zur internationalen Sicherheitspolitik, sagte Gates, dass «die Vorbereitung auf eine globale Pandemie genauso wichtig ist wie die nukleare Abschreckung und die Vermeidung einer Klimakatastrophe». Dies geht aus seinen vorbereiteten Notizen hervor. Er sprach dort ebenfalls über schnellere Wege zur Herstellung von Impfstoffen.

Bill Gates an der Münchner Sicherheitskonferenz 2017. Bild: AP/AP

Gates nutze seine Person, um Regierungen zu erreichen. Sie seien die Einzigen, die über Mittel verfügen, um sich diesem Risiko anzunehmen. «Ich habe mich dazu entschieden, über die Risiken einer Pandemie zu sprechen, wenn ich einflussreiche Menschen an der Spitze in Europa, in den USA und überall auf der Welt treffe», sagte er.

Viele dieser Menschen stimmten ihm grundsätzlich zu. Aber da eine Pandemie zu diesem Zeitpunkt nicht eine unmittelbare Bedrohung darstellte, waren sie nicht bereit, solch hohe Geldbeträge für Präventionsarbeiten auszugeben.

«Wir brauchen die WHO»

Nach der Ankündigung von Präsident Trump, dass die Vereinigten Staaten die Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation einstellen werde, übte Gates harte Kritik. «Wir brauchen die WHO, und sie zu bremsen ... - ich verstehe es einfach nicht, wirklich nicht.», sagt Gates. «Wir haben eine Pandemie, bei der die WHO eine sehr wichtige Rolle spielt. Wenn, dann brauchen sie mehr Ressourcen.»

Gates' Reaktion auf die Entscheidung der USA, der WHO kein Geld mehr zukommen zu lassen.

Die WHO mit Sitz in Genf wurde 1948 mit dem Ziel gegründet, für alle Völker das höchstmögliche Gesundheitsniveau zu erreichen. Finanziert wird die WHO zu 80 Prozent von privaten Spendern, die restlichen 20 Prozent stammen von Beiträgen der 194 Mitgliedsstaaten. Die Gates Foundation hat der WHO seit der Jahrtausendwende 2,5 Milliarden Dollar gespendet – 1,6 Milliarden davon für die Ausrottung von Polio, Kinderlähmung. Pro Jahr macht das gemäss Finanzbericht der WHO einen Anteil von 9.76 Prozent aus - somit ist die Gates Foundation der zweitgrösste Spender nach der USA.

«Ich hoffe, die Welt wird daraus lernen»

Die Corona-Pandemie hat die Welt mit riesiger Wucht getroffen. Die Weltwirtschaft rast wahrscheinlich auf eine Rezession zu und es ist klar geworden, wie unvorbereitet die Staaten auf solch eine Situation waren. Überfüllte Krankenhäuser, Mangel an Schutzausrüstung, viele Arbeitslose: Das sind nur einige der schlimmen Folgen der Krise. Gates sagt, die Bemühungen der Welt, eine Pandemie aufzuhalten, seien «nicht das, was im Idealfall hätte getan werden sollen».

Sein Blick auf die Zukunft ist optimistischer: «Ich hoffe jetzt, dass Führungskräfte auf der ganzen Welt, die für den Schutz ihrer Bürger verantwortlich sind, aus dieser Tragödie lernen und das neue Wissen dazu nutzen, in Systeme zu investieren, um zukünftige Ausbrüche zu verhindern.»

(cki)

Coronavirus in den USA

Die Coronakrise hat die USA voll erwischt und die Schwachstellen des vermeintlich mächtigsten Landes der Welt schonungslos aufgedeckt. EPA / EUGENE GARCIA
Die Basketballliga NBA schickt während des All-Star-Weekends am 14. Februar eine Solidaritätsbotschaft nach Wuhan. Zu jenem Zeitpunkt ahnt kaum jemand, wie schlimm es die USA treffen wird. EPA / NUCCIO DINUZZO
Präsident Donald Trump besucht am 6. März das Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention in Atlanta. Er hatte das Coronavirus lange verniedlicht und die Krise heruntergespielt. AP / Alex Brandon
Am 7. März verhängt Gouverneur Andrew Cuomo den Notstand über den Bundesstaat New York. Die Metropole New York City wird schrittweise in den Stillstand versetzt. AP / John Minchillo
Die «City that never sleeps» wirkt wie ausgestorben. Selbst auf dem Times Square ist nichts los. AP / Seth Wenig
In der sonst so geschäftigen Grand Central Station herrscht gähnende Leere. AP / Frank Franklin II
Die Theater am Broadway müssen zum ersten Mal in ihrer Geschichte schliessen. AP / Kathy Willens
Am 11. März teilt Hollywoodstar Tom Hanks mit, er und seine Frau Rita Wilson seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. AP / Jordan Strauss
Die Zahl der Corona-Tests ist von Anfang an ein grosses Problem. Ein erster selbst entwickelter Test erweist sich als fehlerhaft. Mit der Zeit entstehen überall mobile Testzentren, wie hier in Bolinas (Kalifornien). EPA / JOHN G. MABANGLO
Eine Motorradfahrerin mit Maske am südlichsten Punkt der USA in Key West (Florida). Noch im März vergnügten sich zahlreiche Jugendliche am Spring Break an den Stränden im Sunshine State. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Ein Wandbild in Seattle mahnt zum Abstandhalten. Die Wirtschaftsmetropole an der Westküste ist einer der ersten Corona-Hotspots in den USA. AP / Elaine Thompson
Ein grosses Problem ist der Mangel an Schutzmaterial. Eine aus Freiwilligen bestehende Organisation in Alameda (Kalifornien) sammelt unter anderem T-Shirts, um daraus Schutzkleidung zu fabrizieren. EPA / JOHN G. MABANGLO
Etwas Humor darf auch sein: Ein Bäcker in Chicago kreiert eine Torte in Gestalt einer Rolle Toilettenpapier. AP / Nam Y. Huh
Der Immunologe Anthony Fauci wird in der Coronakrise zur Stimme der Vernunft und bildet damit den Kontrast zum irrlichternden Präsidenten. AP / Evan Vucci
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus schickt die Börsenkurse weltweit auf Talfahrt. Inzwischen haben sie in der Hoffnung auf eine rasche Erholung einen grossen Teil der Verluste wettgemacht. AP / Richard Drew
Dagegen spricht der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit. Seit März haben 33 Millionen Amerikaner den Job verloren. Und die Arbeitsämter kommen mit der Bearbeitung der Anträge nicht nach. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Mit der Arbeitslosigkeit nimmt die Nachfrage nach Lebensmittelhilfe stark zu. Vor den Food Banks wie hier in San Antonio (Texas) warten selbst schicke Autos im Stau. EPA / LARRY W. SMITH
Am schlimmsten von der Krise getroffen bleibt New York. Teilweise müssen die Körper toter Covid-Patienten in Kühllastern gelagert werden, weil in den Leichenhallen nicht genug Platz ist. EPA / JUSTIN LANE
Im Central Park wird ein notfallmässiges Feldspital mit Zelten errichtet. EPA / JUSTIN LANE
Zur Entlastung der Spitäler schickt die Navy das Lazarettschiff «Comfort» nach New York. EPA / Peter Foley
Trauerfeier mit Masken und Sicherheitsabstand für ein Covid-19-Opfer in New Orleans. Schwarze sind von der Pandemie überdurchschnittlich stark betroffen. AP / Gerald Herbert
Mit zunehmender Dauer der Krise verlangen immer mehr Menschen ein Ende des Lockdown. Besonders heftig sind die Proteste im Bundesstaat Michigan gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer. AP / Paul Sancya
Unter den Demonstranten wie hier in Maryland sind viele Fans von Donald Trump. Der um seine Wiederwahl fürchtende Präsident schürt die Proteste via Twitter. EPA / MICHAEL REYNOLDS
Einige von der Republikanern regierte Bundesstaaten beginnen Ende April mit der Lockerung. Ein besonders forsches Tempo legt Georgia vor, wo auch Restaurants wieder öffnen dürfen. EPA / ERIK S. LESSER
Ein Wandgemälde in Los Angeles dankt dem Spitalpersonal. Bis Anfang Mai sind mehr als 70'000 Personen in den USA an Covid-19 gestorben, und eine interne Prognose der Regierung rechnet mit 135'000 Toten bis August. EPA / ETIENNE LAURENT

«Ich bin ein Mensch, ich brauche keinen Personalausweis»

Video: watson / Lino Haltinner

Das könnte dich auch interessieren:

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste