Vorwurf aus Russland: USA sollen «Schlüsselrolle» bei Protesten in Belarus inne haben
Russland beschuldigt die USA, hinter den Massenprotesten in Belarus (Weissrussland) zu stecken und Präsident Alexander Lukaschenko stürzen zu wollen. Es handle sich um einen «schlecht getarnten Versuch», in der ehemaligen Sowjetrepublik eine Revolution und einen verfassungswidrigen Putsch zu organisieren, zitierte die Staatsagentur Tass am Mittwoch den Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts, Sergej Naryschkin. Mit den Interessen der Menschen in Belarus habe das nichts zu tun.
Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts, Sergej Naryschkin, an einem Treffen mit Kreml-Chef Putin, Februar 2020.
Bild: keystone
Von Washington aus seien seit Beginn 2019 fast 17 Millionen Euro über verschiedene Nichtregierungsorganisationen in «regierungsfeindliche Demonstrationen geflossen», sagte Naryschkin. Das Geld sei beispielsweise dafür verwendet worden, um ein Netzwerk von «angeblich unabhängigen Bloggern» aufzubauen. Die USA spielten eine «Schlüsselrolle» bei der Vorbereitung der Massenproteste.
Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August kommt es täglich zu Demonstrationen gegen Lukaschenko. Er hatte sich 80.1 Prozent der Stimmen zusprechen lassen, um nach 26 Jahren weiter an der Macht zu bleiben. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Sie ist ins EU-Land Litauen geflohen.
Tichanowskaja wies die Aussagen des Geheimdienstlers zurück. «Lukaschenko hat die Wahl verloren, er will aber nicht abtreten.» Das sei der Grund für die Proteste. Bei den Forderungen der Demonstranten lasse sich nicht erkennen, dass da «Beziehungen zu anderen Ländern» eine Rolle spielten.
Lukaschenko hat schon mehrfach das Ausland beschuldigt, hinter den Protesten zu stehen. Neben Litauen, Polen und der Ukraie nannte er auch die USA. Beweise legte er keine vor. (sda/dpa)
Proteste in Belarus gehen weiter
Belarus kommt nicht zur Ruhe. Seit dem Präsidentschaftswahlen am 9. August wird im Land protestiert. keystone / Dmitri Lovetsky
Amtsinhaber Alexander Lukaschenko gewann die Wahlen von Belarus nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen. Von Oppositionellen wird dieses Ergebnis in Frage gestellt. Ihm wird Wahlbetrug vorgeworfen. keystone / Dmitri Lovetsky
Swetlana Tichanowskaja kandidierte gegen den amtierenden Präsidenten. Gemäss offiziellen Zahlen verlor sie die Wahl mit nur 10 Prozent Stimmanteil. Sie verliess das Land unter unklaren Umständen und flüchtete nach Litauen. keystone / Sergei Grits
Dieses angebliche Wahlergebnis löste in Belarus viele Proteste aus. Täglich wird in vielen weissrussischen Städten demonstriert. keystone / Dmitri Lovetsky
Lukaschenko schickte Polizisten los, um die Demonstrationen unter Kontrolle zu bringen. keystone
Die Sicherheitskräfte gingen mit grosser Härte gegen die Protestierenden vor, was noch mehr Demonstrationen auslöste. Tausende Protestierende wurden verhaftet. keystone
Am 14. August lassen die Behörden mehr als 2000 Gefangene frei. Viele zeigten danach schwere Verletzungen: Blutergüsse, blutigen Striemen auf dem Rücken, Platzwunden am Kopf und Verbrennungen von Blendgranaten. keystone / Sergei Grits
In diesem Bild hält eine belarussische Frau ein Bild eines Mannes hoch, der Berichten zufolge in Polizeihaft übel zugerichtet wurde. keystone / TATYANA ZENKOVICH
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sah auch Hinweise auf Folter. Die Behörden wiesen ungeachtet unzähliger Foto- und Videobeweise die Vorwürfe von Misshandlungen zurück. In diesem Bild zeigt der Demonstrant Artem Pronin seine Blutergüsse, die er nach eigenen Angaben zufolge in Polizeihaft erlitten hatte. keystone / TATYANA ZENKOVICH
Diese Gedenkstätte in Minsk wurde für Aleksandra Viktor und Aleksandar Trajkovski errichtet. Die beiden starben während Demonstrationen. keystone / STR
Nach Darstellung der Opposition befinden sich noch immer 4000 Menschen in Haft. Medien zufolge werden rund 80 Menschen noch vermisst. keystone / MARTIN DIVISEK
Bei den grössten Protesten bisher überhaupt waren im ganzen Land nach Schätzungen von Aktivisten mehr als eine halbe Million Menschen auf den Beinen. Allein in der Hauptstadt Minsk waren es Hunderttausende. Proteste in dieser Grössenordnung in Belarus gelten als historisch. Sie verliefen friedlich. keystone / Sergei Grits
Die Polizei schritt Anfangs letzter Woche nicht mehr ein. Die Lage ist gespannt, weil die Behörden die Proteste für illegal erklärt haben. Es stehen auch Militärfahrzeuge bereit, wie auf Fotos im Nachrichtenkanal Telegram zu sehen ist. keystone / YAUHEN YERCHAK
Die Sonderpolizei OMON ist während den Protesten stark präsent. Gegen Ende letzter Woche wurden wieder vermehrt Menschen festgenommen, darunter auch Dutzende Journalisten. keystone / Dmitri Lovetsky
Im Machtkampf in Belarus ist Russland bereit, seinem Nachbarn und Verbündeten bei einer weiteren Zuspitzung der Lage mit Einsatzkräften zu helfen. Es sei eine eigene Reserve für den Fall eines Eingreifens gebildet worden, sagte Kremlchef Wladimir Putin. keystone / Tatyana Zenkovich
In Minsk sind letzten Sonntag trotz dem erhöhten Aufgebot von Sicherheitskräften und Putins Drohung erneut Zehntausende auf die Strasse gegangen. keystone
Zwar erreichen die Bürger diesmal nicht den Unabhängigkeitsplatz in Minsk. Er ist mit Metallgittern abgesperrt. keystone / STRINGER
Aber an vielen Stellen der Stadt versammeln sich Tausende Menschen – und stellen sich mutig den Uniformierten entgegen. «Uchodi!» – «Hau ab!» – skandiert die Menge. Und «Lukaschenko w Awtosak» – «Lukaschenko in den Gefangenentransporter». keystone
Gewalt gegen Protester in Belarus
Video: watson / een
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