Aktuelle Themen:

Provozieren um Aufmerksamkeit auf ein ihr wichtiges Thema zu lenken. Billies Weg. screenshot: youtube

Billie Eilish zeigt sich im BH und kämpft so gegen Body–Shaming

Publiziert: 12.03.20, 06:43 Aktualisiert: 12.03.20, 08:06

Billie Eilish trägt Jogging-Anzüge von Gucci, Prada oder Chanel. Schick aber immer bequem sah man Billie auf dem roten Teppich oder auf der Bühne. Ihr selbst ist es immer wichtiger sich wohl zu fühlen, als irgendeiner Popstar-Norm zu entsprechen. Sexy ist Billie durch ihr Talent.

Ganz anders zeigte sie sich jetzt in einem Einspieler-Video auf einem Konzert ihrer Welt-Tour in Miami am Dienstag. In diesem ist zu sehen, wie sich Billie langsam erst ihren Sweater, dann ihr Shirt und schliesslich ihr Top auszieht. Am spektakulärsten ist hierbei nicht, dass sie am Ende im BH zu sehen ist. Es ist die wichtige Botschaft, die sie in Form eines Textes an ihre Fans schickt.

Also hört gut zu:

Video: YouTube/RadektheRadical

Die Fans verstehen ihre Provokation nicht sofort

Das Video von Billie bestätigt ihr angesprochenes Body-Shaming-Thema gleich doppelt. Als die Fans erkennen, dass Billie dabei ist sich auszuziehen rasten, sie nämlich total aus. Manche schreien immer wieder: «Take it off!»

Das Interesse der Fans scheint eher auf den Körper der 18-jährigen Künstlerin konzentriert, nicht auf das, was sie sagt. Dabei war gerade das so essenziell. Denn eigentlich ist es kein Video in dem sich Billie Eilish auszieht, sondern ein Video in dem Billie Eilish eine wichtige Botschaft loswerden will.

«Wenn ich trage, was bequem ist, bin ich dann keine Frau? Wenn ich die Schichten ablege, bin ich dann eine Schlampe?»

Weiter sagte sie, dass sie ständig verurteilt oder beurteilt wurde, obwohl bis jetzt keiner ihren Körper gesehen hatte. Sie fragt, warum man Menschen und auch sie nur nach ihrem Aussehen beurteilen würde. Sie wisse, dass sie bei allem, was sie tue, beobachtet würde.

Menschen, die sie sehen, würden sich ein Bild darüber machen, ob sie dünn oder zu dick, kleiner oder grösser sein sollte. Aber: «Wer entscheidet, was mich ausmacht? [...] Gründet mein Wert auf eurer Vorstellung? Oder liegt eure Meinung über mich nicht in meiner Verantwortung?», fragt Billie am Ende des Videos.

“Während ich also eure Blicke, eure Missbilligung oder eure Seufzer der Erleichterung spüre – wenn ich danach leben würde, wäre ich nie in der Lage, mich zu bewegen.”

Wer den ganzen Text lesen möchte, findet ihn in der Beschreibung des verlinkten Videos.

Billie setzt Massstäbe in Sachen Self-Love und Akzeptanz

Billie ist eine der ersten jungen Künstlerinnen, die sich nicht über ihren Körper instrumentalisieren lässt. Dass sie sich durch ihr Aussehen keine Bestätigung von Fans holen muss, sollte jedem klar sein. Was man trägt, ob Oversize-Look oder viel Haut, darf jeder selbst entscheiden, findet sie.

2019 stellte Billie in einem Interview ausserdem klar: Wenn sie ihren Körper zeigen wolle, würde sie das tun. Sie fragte sich: «Was, wenn ich ein Video machen möchte, in dem ich begehrenswert aussehe?» Sie beantwortet die Frage selbst und meint, dass die Menschen dann sagen würden, dass sie den Respekt vor ihr verloren hätten.

Jetzt hat Billie getan, was sie vor einem Jahr ankündigte und bis jetzt bekommt sie hauptsächlich Respekt und wird für ihre Entscheidung verteidigt.

Die Kommentare unter Billies Video:

«Wenn die Menschen sie loben oder jetzt von ihr erwarten, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu kleiden, limitiert sie das in ihrer Möglichkeit, frei zu sein.»
«Der Fakt, dass wir Frauen kein Stück Haut zeigen können, ohne Body-Shaming zu erfahren, ist ekelhaft»
«Es ist echt komisch, dass alle angefangen haben zu jubeln, als sie sich ausgezogen hat.»
«Es gab noch nie so viel Aufmerksamkeit von der Presse wegen einem Teenager, der nicht freizügig genug war.»

(joey/watson.de)

Das AdiPositivity-Projekt

Frei nach dem Motto «Big Is Beautiful» rückt Substantia Jones Dicke ins Rampenlicht: Die Fotografin und Radiomoderatorin hat das Projekt AdiPositvity ins Leben gerufen, das ein neues Bild von beleibten Mitmenschen zeichnen will. (Bild: Substantia Jones)
«Meine Bilder zeigen jeweils eine fette Person, die stolz auf ihren Körper ist, ihren Körper liebt und selbstsicher ist – und nicht versucht, irgendwas an ihrem Körper zu ändern» erklärte Fotografin Substantia Jones gegenüber Time. «Die Fett-Akzeptanz-Bewegung ... (Bild: Substantia Jones)
... versucht deshalb zum einen fetten Menschen zu helfen, sich selbst anzunehmen und zum anderen andere zu zwingen, das auch zu tun. Wir wollen unsere Körper lieben und wir wollen, dass andere uns unsere Körper lieben lassen.» (Bild: Substantia Jones)
Die New Yorkerin fotografiert Einzelpersonen, aber auch Paare. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2007 hat die Aktivistin schon etwas bewegen können: ... (Bild: Substantia Jones)
... Während damals auf keinem der Bilder ein Gesicht zu sehen war wie bei diesem Foto von 2007, (Bild: Substantia Jones)
... verhüllen sich heutzutage immer weniger ihrer Models und stehen zu ihren Pfunden. Dabei sind die Frauen mutiger .... (Bild: Substantia Jones)
... als die Männer, die deutlich seltener vertreten sind. «Die einen begrüssen mich bereits nackt und fühlen sich pudelwohl, ... (Bild: Substantia Jones)
... andere lassen mich vor der Tür stehen und läuten, weil sie es sich anders überlegt haben. Aber viele haben mir später gesagt, dass sie [das Shooting] als Werkzeug benutzt haben, um ihr eigenes Körpergefühl zu steigern.» (Bild: Substantia Jones)
Auf der Homepage des Projekts, wo auch Abzüge bestellt werden können, ergänzt Jones: «Das AdiPositivity Project will die Akzeptanz der liebevollen Variationen des menschlichen Umfangs promoten ... (Bild: Substantia Jones)
... und Diskussionen über das Körperbild anstossen – nicht durch das Auflisten der Verdienste grosser Leute [...], sondern durch die visuelle Darstellung von physischem Fett. Die Art, die normalerweise nicht gesehen wird.» (Bild: Substantia Jones)
Jones betont: «Die Hoffnung ist, die Definition von physischer Schönheit zu erweitern. Im wahrsten Sinne des Wortes.» (Bild: Substantia Jones)
Und weiter: «Die Frauen, die man auf den Fotos sieht, sind Erzieherinnen, Managerinnen, Musikerinnen, Profis, Darstellerinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen, Angestellte und Autorinnen. ... (Bild: Substantia Jones)
... Vielleicht sind sie sogar jene Frauen, über die du in der U-Bahn gegackert, wegen denen du auf dem Markt die Augen verdreht oder über die du Witze mit deinen Freunden gemacht hast. So sehen sie aus, ... (Bild: Substantia Jones)
... wenn sie sich ausgezogen haben.» Obwohl sich auch nicht alle Sujets gleichen. «Einige von ihnen zeigen dir ihre Körper voller Stolz. ... (Bild: Substantia Jones)
... andere ängstlich. Und einige ziemlich widerwillig. Aber sie alle teilen den Entschluss, das Schönheitsideal zu verändern.» (Bild: Substantia Jones)
Eine Bitte hat Jones noch an uns: «Und bitte verbreitet die Kunde vom Adipositvity Project. Den Teil mit dem Fett, den Teil mit dem Feminismus und den Fuck-You-Teil.» (Bild: Substantia Jones)
«Denn der Hang zu Gewicht ist eine ernste Sache», so Jones. Und diese stecke unter einem Schirm des Bigotterie. (Bild: Substantia Jones)
Sie sei Teil der Diät-Kultur gewesen, bis sie zu Jones gekommen ist, sagte Jones-Model Alison Michelle der «Time». «[Die Fotografin! hat nichts gesehen, was man verstecken müsste. Warum also sollte ich sowas denken?» (Bild: Substantia Jones)
Jones' Fotografie hilft: «Mein Leben hat sich verändert», betonte Model Alison Michelle. (Bild: Substantia Jones)

Model zeigt Beinhaar und erntet dafür einen Shitstorm

Video: watson / Lya Saxer

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Themen