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Uno kritisiert geplantes Schweizer Anti-Terrorgesetz – ist es zu willkürlich?

Publiziert: 31.05.20, 14:08 Aktualisiert: 31.05.20, 15:26

Polizisten der Kapo Zürich (Symbolbild). Bild: KEYSTONE

Die Uno kritisiert die Gesetzesvorlage des Bundesrates zur Bekämpfung des Terrorismus. Sie warnt in einem Brief an die Regierung vor dem geplanten Gesetz, das unpräzise formuliert sei; dies öffne willkürlichen Freiheitsentzügen Tür und Tor.

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Sonntag den Eingang eines Briefes des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte. Aus dem Schreiben betreffend das Bundesgesetz über «Polizeiliche Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus» hatte der «SonntagsBlick» berichtet. Der Gesetzesentwurf, der unter anderem eine Präventivhaft vorsieht, wird noch im Parlament beraten.

Laut der EJPD-Sprecherin hat der Bundesrat einen der umstrittenen Punkte, die sogenannte gesicherte Unterbringung für terroristische Gefährderinnen und Gefährder (GUG), nicht vorgeschlagen. Dieser Vorschlag sei vom Parlament eingebracht worden.

Ist Präventivhaft EMRK-konform?

Grundsätzlich stelle sich die Frage, ob eine Präventivhaft der Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) entspreche, sagte die Sprecherin weiter. Ein Gutachten sei zum Schluss gekommen, dass eine Präventivhaft nicht EMRK-konform umsetzbar sei.

Die vom Bundesrat vorgeschlagene «Eingrenzung auf eine Liegenschaft» könne hingegen EMRK-konform angewandt werden, da die Anordnung voraussetze, dass der terroristische Gefährder eine weniger einschneidende Massnahme wie ein Kontaktverbot oder eine Meldepflicht verletze, hielt die EJPD-Sprecherin fest.

Laut «SonntagsBlick» befürchten die Unterzeichnenden des Briefes, dass «die Anwendung dieses Gesetzes zu erheblichen Verletzungen der Menschen- und Grundrechte führt». In der heutigen Form seien die geplanten Anti-Terror-Massnahmen weder mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar noch mit der Uno-Kinderrechtskonvention.

Kritik auch aus dem Europarat

Bereits Mitte Mai hatte die Menschenrechtsbeauftragte des Europarates in einem Brief an die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SiK) die Vorlage kritisiert. Diese entspreche in etlichen Punkten nicht den Menschenrechten.

Kritisiert wird insbesondere, dass bereits 15-Jährige unter Hausarrest gestellt werden könnten, dies widerspreche den Menschen- und den Kinderrechten. Auch die Möglichkeit, Massnahmen gegen Kinder ab zwölf Jahren erlassen zu können, stösst auf Widerspruch. So könne die Bundespolizei zudem ohne strafrechtliche Untersuchung Menschen als sogenannte Gefährder unter Hausarrest stellen, dabei sei Willkür möglich.

Der Ständerat hat die Vorlage bereits verabschiedet. Er hatte sich in der abgebrochenen Frühlingsession als Erstrat bei den Massnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus für härtere Strafen für Terroristen ausgesprochen als der Bundesrat vorschlug. In den Kernpunkten folgte er der Regierung. Für die Kontrolle von terroristischen Gefährdern soll die Polizei zusätzliche Instrumente erhalten. In der Sommersession wird der Nationalrat darüber befinden. (sda)

Die Tricks der Terroristen

Briefbomben gehören zum Standardrepertoire des Terrors. In den letzten Jahren verübten italienische Öko-Extremisten auf diese Weise mehrfach Anschläge auf Schweizer Ziele. AP / REPRO:RONALD ZAK
Briefe mit weissem Pulver sorgen immer wieder für Aufregung. Mehrfach wurden auf diese Weise biologische Kampfstoffe wie Milzbrand oder Anthrax versandt. AP ARCHIV / AXEL SEIDEMANN
An Weihnachten 2009 scheiterte in den USA ein Anschlag auf ein Flugzeug mit einer Bombe, die in einer Unterhose versteckt war. Die Al Kaida im Jemen arbeitet weiterhin an der Entwicklung von Kleidern, die mit Sprengstoff präpariert werden können. EPA / FEDERAL BUREAU OF INVESTIGATION / HANDOUT
Mit Sprengstoff in den Schuhsohlen wollte ein gebürtiger Brite im Dezember 2001 ein Flugzeug zum Absturz bringen. Noch heute müssen Flugpassagiere in den USA ihre Schuhe ausziehen und durchleuchten lassen. AP ABC NEWS / STR
Im Oktober 2010 versuchte die Al Kaida im Jemen, zwei Frachtflugzeuge mit präparierten Druckerpatronen zu sprengen. EPA / DUBAI POLICE / HANDOUT
Im Oktober 2006 konnten in Grossbritannien mehrere Anschläge auf Flugzeugen mit Sprengstoff im Handgepäck vereitelt werden. Danach wurden die Vorschriften zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck massiv verschärft. AP dapd / Martin Oeser
Mit Teppichmessern und ähnlichen Gegenständen können Terroristen ebenfalls eine grosse Wirkung erzielen. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 gelang es ihnen unter anderem auf diese Weise, die Flugzeuge zu kapern. AP / JIM MCKNIGHT
Der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einer Vergiftung mit dem radioaktiven Polonium-210. Eine ähnliche Todesursache wird bei Palästinenserpräsident Jassir Arafat vermutet, doch der Befund ist umstritten. AP / WINFRIED ROTHERMEL
Mit Handys lassen sich Bomben fernzünden, wie 2004 in Madrid, sie lassen sich aber auch als Bombe verwenden. Der israelische Geheimdienst tötete auf diese Weise 1996 einen Bombenexperten der Hamas. AP / LEFTERIS PITARAKIS

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