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Das ganze Jahr hindurch demonstrierten in der Schweiz Hunderttausende Personen für mehr Klimaschutz. Doch auch die Klimaskeptiker haben zugenommen. Bild: KEYSTONE

Für Weihnachten: So begegnest du den «Fakten» deines Onkels, dem Klimawandel-Skeptiker

An Weihnachten gibt's Geschenke, Völlerei und Besinnlichkeit. Womit sich aber einige ebenfalls jedes Jahr wieder konfrontiert sehen, ist die Skepsis einiger älterer Familienmitglieder gegenüber dem Klimawandel.

Publiziert: 24.12.19, 09:31 Aktualisiert: 28.05.20, 13:32

Gerade als das Fondue Chinoise angeworfen wird, platzt deinem Onkel der Kragen: «Das ist doch alles nur ein Hype!» Doch im Gegensatz zu Oliver Baroni meint er nicht das Fondue Chinoise, sondern die Angst vor dem Klimawandel. Damit du deinem Onkel etwas entgegen kannst, hier die neun häufigsten Aussagen von Klima-Skeptikern im Faktencheck:

«Es gibt gar keinen Klimawandel»

«Manchmal ist es halt kalt und manchmal warm!» Mit dieser einfachen Aussage versuchen Klimaskeptiker immer wieder, den Klimawandel zu widerlegen. Doch: Das Wetter ist nicht das Klima. Ein Klimawandel findet dann statt, wenn sich Wetterdaten – wie zum Beispiel die Temperatur – im Durchschnitt über einen längeren Zeitraum verändern.

Genau dieses Phänomen beobachten Wissenschaftler auf der ganzen Welt im Moment. Die Temperaturen fallen höher aus, die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre wird dichter und der Meeresspiegel steigt. All dies sind starke Hinweise darauf, dass sich das Klima im Moment verändert.

Bild: sealevels.org

Das Leugnen eines Klimawandels im Allgemeinen entbehrt also jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Deshalb ist die Aussage «es gibt gar keinen Klimawandel» klar falsch.

«Es gab schon immer Schwankungen, das ist normal»

Tatsächlich gab es in der langen Geschichte unseres Planeten immer wieder starke Schwankungen, was die Temperatur, den Meeresspiegel und das CO2 in der Atmosphäre betrifft. So gab es sogar Zeiten vor mehreren Millionen Jahren, in denen die CO2-Dichte und die Durchschnittstemperaturen über denen von heute lagen.

Update

Dieser Artikel wurde bereits am 9. April veröffentlicht. Wir haben uns entschieden, ihn aus aktuellem Anlass erneut zu publizieren.

Während dem Pliozän, etwa vor zwei bis fünf Millionen Jahren, war die Dichte von CO2-Molekülen in der Atmosphäre etwa gleich hoch wie heute. Die Durchschnittstemperatur lag etwa drei Grad über heutigen Messungen.

Aber: Das hohe Level an CO2 in der Atmosphäre wurde damals über mehrere Jahrtausende hinweg erreicht und nicht in weniger als 100 Jahren. Das Ökosystem des Planeten konnte sich also über eine sehr lange Zeitspanne an die neuen Gegebenheiten anpassen. Wir können das nicht.

Doch auch ein so kurzfristiger Anstieg ist nicht neu. In der Vergangenheit gingen solche CO2-Explosionen aber jeweils mit einem Massensterben einher. Es stimmt also, dass es bereits vorher Schwankungen gab. Solche kurzfristigen Schwankungen sind aber alles andere als normal und für das Ökosystem stets katastrophal.

«Der Klimawandel ist gar nicht so schlimm»

Wie bereits im vorherigen Punkt gezeigt, sind starke und kurzfristige Schwankungen in der Atmosphäre oft mit einem Massensterben einhergegangen. Ähnliche Anzeichen dafür gibt es bereits heute.

Die Folgen des Klimawandels äussern sich bereits heute in einigen Regionen der Erde. So breiten sich wegen des Temperaturanstiegs in sehr trockenen Regionen Wüsten aus. Wegen des Anstiegs des Meeresspiegels sind Küstenregionen bedroht und extreme Wetterlagen häufen sich auf der ganzen Welt.

Extreme Wettersituationen wie der Zyklon in Mosambik werden vom Klimawandel noch verstärkt. Bild: EPA/LUSA

Dadurch wird sehr viel Lebensraum zerstört, die Folgen sind Massenmigration und Ressourcenknappheit. Dies als «nicht so schlimm» zu bezeichnen, ist schlicht falsch.

«Der Mensch hat gar keinen Einfluss auf den Klimawandel»

Der Zusammenhang zwischen einem Anstieg von Treibhausgasen – am wichtigsten CO2 – und früheren Klimaveränderungen ist bereits ausführlich erwiesen. Vor der Industrialisierung waren in der Atmosphäre im Durchschnitt von einer Million Molekülen 277 CO2-Verbindungen. Heute sind es bereits über 400.

Doch woher kommen die zusätzlichen CO2-Moleküle? Von natürlichen Quellen wie zum Beispiel Vulkanausbrüchen, meinen Skeptiker. Vulkanausbrüche gab es aber bereits vor der Industrialisierung. Ausserdem stossen Vulkane jährlich etwa 200 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Menschen sind aber durch fossile Brennstoffe alleine jährlich für mehr als 35 Milliarden Tonnen CO2 verantwortlich.

Sehr viel mehr als Vulkane: So viel CO2-Emissionen verursacht der Mensch über fossile Brennstoffe. bild: Global Carbon project

Der Mensch sorgt also für gleich viel CO2, wie wenn jährlich 175 Mal mehr Vulkane ausbrechen würden. Den Einfluss des Menschen auf die Steigerung der CO2-Konzentration und damit auf den Klimawandel zu negieren, ist also falsch.

«Die Schweiz trägt gar nicht so viel zum Klimawandel bei»

Im weltweiten Vergleich belegte die Schweiz 2017 in absoluten Zahlen mit einem Gesamtausstoss von etwa 40 Millionen Tonnen CO2 den 67. Platz. Wenn dieser Ausstoss noch pro Kopf ausgerechnet wird, belegen wir sogar nur den 80. Platz. Die Schweiz gehört damit tatsächlich nicht zu den Hauptproduzenten des Treibhausgases.

Bild: datawrapper

Doch: Die Schweiz ist ein Dienstleistungsland. Viele für die Schweiz produzierte Produkte werden im Ausland hergestellt. Die Emissionen durch die Produktion fallen deshalb auch in diesen Ländern an und sind in dieser Auflistung nicht sichtbar.

Ausserdem zeigte kürzlich eine Studie des Bundes, dass das viele Geld, welches in der Schweiz angelegt wird, kaum klimafreundliche Verwendung findet. Ein Grossteil des Geldes fliesst in Anlagen von Unternehmen, die klimaschädliche Geschäfte betreiben.

«CO2 ist gar nicht so schädlich»

CO2 ist ein natürlich vorkommendes Molekül in der Luft. Viele Pflanzen brauchen die Zusammensetzung für die Photosynthese und somit zum Überleben. Pauschal zu sagen, CO2 sei schlecht, stimmt also nicht.

Das Problem ist die Masse an CO2. Wie bereits in vorherigen Punkten gezeigt, ist die Dichte an CO2-Molekülen in der Atmosphäre seit der Industrialisierung stark gestiegen. Je mehr CO2 in die Atmosphäre steigt, desto stärker wird der sogenannte Treibhausgaseffekt.

Konkret wird die Energie, die durch die Sonneneinstrahlung auf die Erde gelangt, durch die CO2-Verbindungen zurück auf die Erde geworfen, anstatt dass sie wieder in den Weltraum reflektiert wird.

Doch sind wir wirklich sicher, dass es die CO2-Moleküle sind, die den Treibhausgaseffekt auslösen? Ja, denn es lässt sich messen, welche Energiewellen der Sonneneinstrahlung weniger gut ins All zurückreflektiert werden. So lässt sich errechnen, welche Moleküle dafür verantwortlich sind. An der Spitze der Tabelle steht CO2, gefolgt von Ozon und Methan. CO2 ist also sehr wohl schädlich.

«Nicht alle Forscher glauben an den menschengemachten Klimawandel»

Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass jede Theorie, jede These durch neue wissenschaftliche Befunde widerlegt werden kann. Klimaskeptiker weisen deshalb gerne darauf hin, dass dies auch bei der Klimaforschung der Fall sei. Mittlerweile gebe es durchaus Befunde, die den Menschen als Hauptverursacher des Klimawandels entlasten.

2016 veröffentlichten sechs Wissenschaftler unabhängig voneinander Studien zu dieser Frage. Sie alle kommen zum Schluss: In etwa 97 Prozent aller Fälle unterstützen die Ergebnisse die These, dass der Klimawandel auf den Menschen zurückzuführen ist. Der Studie liegen fast 12'000 Forschungsprojekte zu Grunde.

Von 12'000 Untersuchungen von ganz unterschiedlichen Wissenschaftlern kommen also rund 11'500 zum Schluss, dass der Klimawandel auf den Menschen zurückzuführen ist. Einen 100-prozentigen Konsensus gibt es also nicht, aber die Zahl liegt sehr nahe dran.

Quellen:

- IOP Science

«Die Klimaschützer schalten AKWs ab und setzen dafür auf Kohlestrom»

Kohlekraftwerke sind grosse CO2-Schleudern, wenn es um die Energiegewinnung geht. Deshalb sind diese bei Klimaschützern besonders verpönt. Die Alternative der Kernenergie ist aber ebenfalls nicht sehr beliebt. Im Vordergrund stehen hier die Gefahr eines Zwischenfalls und die Frage der Entsorgung.

Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 beschloss Deutschland im Gegensatz zur Schweiz, bis 2022 alle Atomkraftwerke abzuschalten. Gegner dieses Entschlusses wiesen darauf hin, dass die Atomkraftgegner damit den Kohlekraftwerken wieder Tür und Tor öffneten.

Der Energieträger Atomstrom (pink) hat in Deutschland abgenommen, die erneuerbaren Energien (grün) sind deutlich gewachsen. bild: Deutsches umweltbundesamt

Nun – acht Jahre später und nach der Schliessung von zehn Kraftwerken – lässt sich feststellen: In Deutschland kam es zu keinen Energieengpässen und die weggefallene Kernenergie konnte komplett durch erneuerbare Energiequellen ausgeglichen werden.

«AKWs sind klimaneutral»

Atomkraftwerke produzieren während des Betriebs kein CO2, sondern nur Wasserdampf. Doch in der sogenannten «vorgelagerten Prozesskette» ist das nicht mehr so einfach. Damit gemeint ist der Bau der Kraftwerke selber, die Gewinnung der Rohstoffe wie zum Beispiel Uran oder Plutonium sowie der Rückbau der Anlagen.

Werden diese Faktoren hinzugezählt, sind Atomkraftwerke nicht mehr so klimaneutral, wie sie scheinen. Ein Vergleich zwischen verschiedenen Arten der Energiegewinnung zeigt, «dass erneuerbare Energien [...] im Hinblick auf Treibhausgas-Vermeidungskosten wettbewerbsfähiger sind als Atomstrom – und dies selbst dann, wenn keine externen Kosten für nukleare Risiken veranschlagt werden», wie eine Studie des Instituts für angewandte Ökologie in Darmstadt zeigt.

Auch erneuerbare Energiequellen sind nicht gänzlich klimaneutral. So fallen besonders durch die Produktion von Solarzellen ebenfalls CO2-Emissionen an. Diese lassen sich mit jenen von Atomkraftwerken vergleichen. Wasserkraftwerke und Windanlagen verursachen jedoch weniger CO2.

Die besten Schilder des Klimastreiks

Zehntausende Klimaaktivisten gehen seit Monaten auf die Strassen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren, und zeigen bei der Gestaltung ihrer Schilder viel Kreativität. Wir machten uns auf die Suche nach den besten Schildern. EPA/EPA / NEIL HALL
Kate, 31, aus Bern (und Texas): «Es gibt viel zu viele Arschlöcher, Pardon, Politiker auf diesem Planeten, die nur ans Geld denken. Besonders in den USA, wo ich herkomme. Diese Leute sollte man aus ihren Ämtern verbannen. Und dazu viele Bäume pflanzen, die CO2 aufnehmen.»
Petra Frey, 28, Bern: «Velo statt Tram, reparieren statt wegwerfen. Ich habe einfach jene Sachen aufgeführt, mit denen man im Alltag das Klima schonen kann. An dem Plakat haben wir eine halbe Stunde gebastelt. Dabei haben mich meine Kolleginnen kurzerhand in eine Kartonschachtel gesteckt und diese mit verschiedensten Sujets bemalt.»
Lino, 15, Aarau: «Rick and Morty ist meine Lieblingsserie. Deshalb ist auf unserem Plakat der Arm von Rick zu sehen, der aus seinem Portal herausschaut und Donald Trump den Mittelfinger zeigt. Wir haben dann in unserer Klasse Geld zusammengelegt und haben das Sujet in Aarau in einer Druckerei drucken lassen. Am Schluss haben wir es an einem alten Besenstiel befestigt, um es in die Höhe strecken zu können.»
Michael Bühler, 32, Bern: «Ist euch unsere Zukunft egal? Mein Plakat soll zeigen, wie unsere rechten Politiker und vor allem die Banken aufs Klima pfeifen und rücksichtslos Gewinne einfahren. Wir verbrennen das Geld und heizen so das Klima an! An dem Plakat habe ich etwa eine Stunde gebastelt.»
Elvira (11) und Ursula, Zürich: Was bedeutet euer Plakat? – «Wir wollen damit den Tieren eine Stimme geben. Auf sie achtet man in der ganzen Diskussion zu wenig.»
Nicole, 16, Aarau: Wie kam es zu diesem Plakat? – «Das ist ganz simpel. Wir haben im Internet gestöbert und sind dann auf diesen Spruch gekommen.»
Sämi, 14, Zürich: «Meine selbst gebastelte Puppe stellt ein Spermium dar. Weil: Es geht hier um unsere Zukunft!»
Olive, 15, Zürich: «Ich denke, dass die Politiker endlich wachgerüttelt werden müssen. Schlussendlich müssen wir aber auch Eigenverantwortung wahrnehmen.»
«Dinosaurier dachten auch, sie hätten Zeit.» EPA/EPA / ADAM BERRY
«Wir haben keine Wahl mehr, wir müssen etwas tun»: Tausende von Schülern und Studenten protestierten im November in der australischen Stadt Sydney. EPA/AAP / DAN HIMBRECHTS
In Melbourne kämpfen Schülerinnen verkleidet als Schutzengel für «Unser Klima, unsere Zukunft». EPA/AAP / DANIEL POCKETT
Bis Anfang Dezember schliessen sich weltweit mehr als 20'000 Schüler in rund 270 Städten Thunbergs Protesten an. So wie hier in Berlin ... AP/AP / Michael Sohn
... oder in Zürich.
So diese zwei Schülerinnen in Zürich. Anfang Januar halten sie eine Klima-Mahnwache am Paradeplatz.
Auch in Lausanne trotzen zahlreiche Schüler der eisigen Kälte und machen mit selbstbemalten Transparenten auf den Klimawandel aufmerksam. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
In Rom erheben die Schüler ihre Transparente zum Protest. EPA/ANSA / ANGELO CARCONI
Im Berliner Invalidenpark haben sich Mitte Januar Hunderte von Schülern versammelt, um für das Klima zu streiken.
An Kreativität mangelt es nicht. Stolz werden die Plakate am «Friday for Future» in die Luft gehoben. EPA/EPA / ADAM BERRY
Noch immer dasselbe Plakat in den Händen, sorgt Thunberg für einen riesigen Medienrummel in Davos. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Während Thunberg versucht, die Wirtschaftselite aufzurütteln, streiken in Deutschland die Schüler weiter.
In München demonstrieren bis zu 2000 Schüler leidenschaftlich gegen die zurückhaltende Klimapolitik Deutschlands.
Auch das Alter spielt keine Rolle: Wie die «Süddeutsche» schreibt, setzen sich diese beiden Buben mit ihrem Transparent sogar in die Bäume, um besser gesehen zu werden. laif / Gordon Welters/laif
Auch die Schweizer Städte sind freitags voll mit Schülern.
Die Proteste werden immer grösser: Im Januar marschierten in der belgischen Hauptstadt Brüssel über 70'000 Menschen für ein besseres Klima. EPA/EPA / STEPHANIE LECOCQ
Kalte Temperaturen und Nieselregen tun dem Demonstrationswillen keinen Abbruch. Im Gegenteil. EPA/EPA / STEPHANIE LECOCQ
Greta Thunberg, das 17-jährige Mädchen aus Schweden, ist die Galionsfigur der Klimaschutzbewegung. Am 20. August 2018 schnappt sie sich Plakat und Stift, schwänzt das erste Mal die Schule und stellt sich mit dem Slogan «Skolstrejk för klimatet» (Schulstreik fürs Klima) vor das schwedische Reichstagsgebäude in Stockholm. EPA/TT NEWS AGENCY / HANNA FRANZEN

10'000 Teilnehmer an Berner Klima-Demo

Video: watson / nico franzoni

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