Aktuelle Themen:

Von links nach rechts: Adrian Amstutz (SVP), Guy Parmelin (SVP), Moderator Jonas Projer, Rosmarie Quadranti (BDP), Balthasar Glättli (Grüne). Bild: screenshot/srf

Kampfjet-«Arena»: Grünen-Glättli stürzt ab und Amstutz geht mit Rentner B. in den Dogfight

Der Bundesrat gab am Mittwoch bekannt, dass er für acht Milliarden neue Kampfjets und ein neues Boden-Luft-Abwehrsystem beschaffen will. Das sorgt für rote Köpfe – auch in der «Arena».

Adrian Amstutz konnte nur noch den Kopf schütteln. Mit einem Schluck Wasser spülte der SVP-Nationalrat seinen Ärger herunter, aber man hätte dem Berner etwas Hochprozentiges ins Glas gewünscht. Denn was sich Amstutz bieten lassen musste, war doch allerhand. Da hatte der noch-Fraktionschef seiner Partei gerade darüber räsoniert, dass die Schweiz neue Kampfjets dringend brauche, weil, eben, zum Beispiel, falls die USA und «der Tubel aus Nordkorea» aneinandergeraten, und da wirft einer aus dem Publikum mit einem süffisanten Lächeln ein:

«Und unsere glorreiche Armee wird das zu verhindern wissen.»

Die glorreiche Armee

Video: streamable

Volltreffer. Blattschuss. Mitten ins stolze Herz des Ex-Fallschirmgrenadiers Amstutz. Die Schweizer Armee, der Lächerlichkeit preisgegeben, vor der ganzen Fernsehnation, und zur besten Sendezeit.

Rentner Baumann, der Absender des ätzenden Geschosses, genoss den Applaus des Publikums sichtlich. Mit seiner roten Hornbrille, dem treuherzigen Lächeln und dem leicht zerknautschen Gesicht kam der Rentner wie die Reinkarnation eines netten Schweizer Beamten aus den 70ern daher: Freundlich im Ton, ungemein charmant in seiner Biederkeit und knallhart in der Sache.

Dass in dieser Arena über die Beschaffung von Kampfjets mit harten Bandagen und meist ausserhalb des Rings gekämpft wurde, lag auch und vor allem an Balthasar Glättli, der an diesem Freitag ganz offensichtlich mit dem falschen Fuss aufgestanden war. Der Grünen-Nationalrat verteilte Rundumschläge, piesackte seinen Nationalratskollegen Amstutz bei jeder Gelegenheit und fuhr Verteidigungsminister Guy Parmelin derart an den Karren, dass man sich um den Haussegen in Bundesbern sorgte. 

Am Schärfsten ging Glättli aber mit Amstutz ins Gericht. Nachdem dieser einen unpassenden Vergleich ins Feld geführt hatte, kniff Glättli die Augen zusammen, fixierte die Kamera und richtete einen flammenden Appell an die Zuschauer da draussen, als ob er der Nation gerade einen Staatsstreich verkünden müsste. Ein aussergewöhnlicher Moment Schweizer Fernsehgeschichte. Entweder, der Mann war wirklich wütend oder er sehnte sich bloss sehr dringend nach ein bisschen Grandezza.

Glättli vs Amstutz

Video: streamable

Amstutz hatte zuvor in der wirkmächtigsten und abgegriffensten Mottenkiste der Geschichte (Nationalsozialismus) gewühlt und das zum Vorschein Gekommene kräftig durch den Fleischwolf der Partei-Propaganda gedreht. Fünf Jahre vor der Machtergreifung der Nazis, dozierte der SVP-Nationalrat, hätte niemand damit gerechnet, dass einmal ein solches Scheusal wie Hitler an der Spitze Deutschlands steht. Und vor fünf Jahren hatte niemand den Einmarsch Russlands auf der Krim oder die totale Eskalation des Syrien-Konflikts auf dem Radar. Und jetzt drohe eben auch der Schweiz Gefahr, nämlich seitens der ungebremsten Zuwanderung und des Islamismus. 

Zuwanderung und Islamismus auf der einen Seite, Bildungsprojekte, Vaterschaftsurlaub und Olympia-Kandidatur auf der anderen Seite: «Will denn hier niemand über die Kampfjets sprechen?», fragte ein zunehmend resignierter Jonas Projer in die Runde. 

Doch, wollte man schon. Aber es blieb luftig. Das lag in erster Linie daran, dass die Themen in dieser Arena fast schon grobfahrlässig vermischt wurden. Sprach man nun über die Beschaffung neuer Kampfjets? Sprach man über luftpolizeiliche Aufgaben oder über die Verteidigung des Luftraums oder über die Armee als Ganzes? 

Rosmarie Quadranti gab sich Mühe, das Themenknäuel zu entwirren und ein wenig Ordnung ins Schlachtengetümmel zu bringen. «Das Thema jetzt ist nicht Armee Ja oder Nein, sondern die Frage, ob wir ein möglichst sicheres Dach über dem Land wollen». Aber die Rolle als Botenläuferin zwischen den Fronten brachte der BDP-Nationalrätin keine Meriten ein. Man ging schnell wieder in den Nahkampf über. 

Vornehme Zurückhaltung gebot sich den Kampfjet-Befürwortern hingegen bei der Frage, womit denn eigentlich die neuen Flugzeuge finanziert werden sollen. Weil die Schweiz, das kann eigentlich gar nicht oft genug wiederholt werden, durchläuft ja gerade klamme finanzielle Zeiten, und acht Milliarden sind nun doch kein Pappenstiel. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen, zum Beispiel bei anderen Departementen? Es erinnerte ein bisschen an das Spiel, ‹Ich sehe was, was du nicht siehst›. In diesem Fall sah Verteidigungsminister Parmelin einen grossen Topf voll Geld irgendwo im VBS herumstehen. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir ein Wachstum haben in diesem Land», beschwichtigte Parmelin. Und ja, natürlich werde man überall, wo es nötig sei, ein bisschen sparen. 

Das schrillten bei Lewin Lempert, dem Vetreter der Gruppe Schweiz ohne Armee Gsoa, die Alarmglocken. Lempert, dem zwei, drei souveräne Vorstösse von der Expertenkanzel aus gelangen, erinnerte an die zahlreichen Skandale und Skandälchen im Verteidigungsministerium (aus dem Ruder gelaufene IT-Projekte, die Duro-Posse und verloren gegangene Panzer),  und ermahnte das VBS, vor der eigenen Haustür zu kehren: «Ein Departement, das mit Milliarden nur so um sich wirft, muss zuerst einmal bei sich selber schauen.»

Und das Volk? Hat irgendjemand an das Volk gedacht? Schliesslich hat der Stimmbürger vor drei Jahren den Gripen an der Urne zerzaust, und jetzt mehren sich die Anzeichen, dass das Volk nicht über die Kampfjet-Beschaffung abstimmen könnte. Wenig überraschend war es erneut Balthasar Glättli, der am schrillsten sprach. Der Grünen-Fraktionspräsident zitierte aus einem Interview mit Parmelin in der NZZ. Und löste wiederum eine mittelgrosse Staatskrise aus. «Sie sagen, das Volk sei zu dumm, um über die Kampfjets abzustimmen», warf er dem Verteidigungsminister vor. Parmelins Çasuffit («Herr Glättli, das ist nicht seriös!») erzielte die gewünschte Wirkung: Glättli verwarf entnervt die Hände und mässigte sich gegen Ende der Sendung.

Das Volk ist dumm

Video: streamable

Als die Lichter im Studio langsam ausgingen, hörte man dann von irgendwoher Moderator Projer rufen: «Ein Wort nur: Apéro!»

Es tönte wie eine verzweifelte Durchhalteparole in einer längst aussichtslosen Schlacht. 

Bomben auf Bern: Die «Arena» ist im Kriegszustand und Autor Bärfuss an vorderster Front

EU-«Arena» mit Blocher und Minder: Die zornigen alten Männer und der vorgetäuschte Erasmus

Wermuth erst souverän, dann kommt er unter die Räder – «Grenzerfahrungen» in der «Arena»

Wer wird Bundesrat? Elefantenrunde debattiert in der «Arena» – und designiert Verlierer

«Frau Keller-Sutter, das ist schlicht falsch» – Berset lässt Reform-Gegner auflaufen

Da schwimmt nicht nur Rigozzi – die «Arena» im KESB-Sumpf

Ein Hoch auf die «langweilige Schweizer Politik» – das war die Trump-«Arena»

Christoph Blocher, die AfD und der «Tod der Politik» – das war die Volksentscheid-«Arena»

Priester Pfister gewinnt die Christentum-«Arena» gegen Frevler Wermuth und Wobmann

Chlor im Poulet, «theoretischer Blödsinn» und Verlierer SVP-Reimann – das war die «Arena» zum TTIP

Krankenkassen-«Arena»: Der heilige Zorn der drei alten Herren und des Roboters feine Klinge

«Rentenreform» – wenn SVP-Frehner und SP-Bruderer halbherzig aufeinander losgehen, gewinnen Unbekannte  

«Grüne Wirtschaft»: Wenn Pardini und Wasserfallen sich streiten, schlägt Girod die Bundesrätin

Asyl-«Arena»: Sheriff Gobbi verliert das Duell gegen Marschall Glättli

Wette um ein «Weltwoche»-Abo und Köppels Bildungs-Geständnis: Das war die «Arena» zum Brexit

Einbürgerungs-«Arena»: Lukas Reimann verliert eine absurde Debatte um SVP-Terroristen und Fondue-Secondos

Steuer-«Arena»: Badran verliert gegen Matter und das unter umgekehrten Vorzeichen

BGE-«Arena»: Eine Frauenbashing-Orgie und Gössi kopiert die SVP-Rüpel  

Keine Chance für «Arena»-Wiederholungstäter Salvisberg: Der «Pro-Service-Public»-Initiant verliert gegen drei blitzgescheite 20-Jährige

Geheime WhatsApp-Protokolle: Wie Ueli Maurer Serge Gaillard in die «Arena» gezwungen hat

#käLuscht: Gegen diesen Mann wollte Bundesrat Maurer nicht in der «Arena» antreten

Ueli «#käluscht» Maurer will «Arena»-Gästeliste diktieren und Berset lässt drei Bier mitlaufen

Flüchtlings-«Arena»: SVP-Glarner nervt Polizeichef und Fiala mit Invasionsfantasien

«Arena» zu Homo-Eltern: Ratlose Lesbe und FDP-Portmann chancenlos gegen Gott und SVP-Frehner

Islam-«Arena»: Alle auf den Blancho und dann läuft der Moslem-Präsident voll ins Messer 

«Arena» lädt IZRS-Blancho ein, um über Islam zu reden. Das ist wie …

Asyl-«Arena»: Köppel wird sauer und Sommaruga stellt Toni Brunner kalt – aber so richtig 

«Domodossola»: Zuerst rockt der alte Berner Secondo die «Arena» und jetzt auch noch YouTube

Islam-«Arena» II: Muslim-Präsident brüskiert Lokführer – und der Katholik sagt, wie's ist 

Tumultuöse MEI-«Arena»: Professor läuft raus, Moderator stellt SVPler bloss 

DSI-«Arena»: Ein alter Berner Secondo sagt, wie's ist – und Guts und Amstutz' Abend ist gelaufen

Jonas Projer hat neue Spielzeuge – diese fünf Dinge musst du über die neue «Arena» wissen

Das könnte dich auch interessieren:

Die 10 witzigsten Rezensionen bei Amazon – zum Beispiel für diese Huhn-Warnweste

12 geniale Erfindungen, die deinen Koch-Alltag einfacher machen

Mit Vollgas in die Vergangenheit – was der Tesla-Chef falsch macht

Wir müssen uns dringend über die 00er-Jahre unterhalten! Sitzung! Sofort!

Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Firefox Quantum? Dieser Speed-Vergleich zeigt es

Trump-Kenner Kim Holmes: «US-Verbündete sollten Trumps Tweets nicht allzu ernst nehmen»

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Peter Pan ein Kindermörder? Die absurdesten Fan-Theorien im Filmuniversum

Liam füdliblutt – wieso Eltern denken müssen, bevor sie ihre Kinder zu Insta-Stars machen

HÄSSIG! So käme es heraus, wenn du deinen Aggressionen immer freien Lauf lassen würdest