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Von links nach rechts: Adrian Amstutz (SVP), Guy Parmelin (SVP), Moderator Jonas Projer, Rosmarie Quadranti (BDP), Balthasar Glättli (Grüne). Bild: screenshot/srf

Kampfjet-«Arena»: Grünen-Glättli stürzt ab und Amstutz geht mit Rentner B. in den Dogfight

Der Bundesrat gab am Mittwoch bekannt, dass er für acht Milliarden neue Kampfjets und ein neues Boden-Luft-Abwehrsystem beschaffen will. Das sorgt für rote Köpfe – auch in der «Arena».

Publiziert: 11.11.17, 04:41 Aktualisiert: 11.11.17, 19:35

Adrian Amstutz konnte nur noch den Kopf schütteln. Mit einem Schluck Wasser spülte der SVP-Nationalrat seinen Ärger herunter, aber man hätte dem Berner etwas Hochprozentiges ins Glas gewünscht. Denn was sich Amstutz bieten lassen musste, war doch allerhand. Da hatte der noch-Fraktionschef seiner Partei gerade darüber räsoniert, dass die Schweiz neue Kampfjets dringend brauche, weil, eben, zum Beispiel, falls die USA und «der Tubel aus Nordkorea» aneinandergeraten, und da wirft einer aus dem Publikum mit einem süffisanten Lächeln ein:

«Und unsere glorreiche Armee wird das zu verhindern wissen.»

Die glorreiche Armee

Video: streamable

Volltreffer. Blattschuss. Mitten ins stolze Herz des Ex-Fallschirmgrenadiers Amstutz. Die Schweizer Armee, der Lächerlichkeit preisgegeben, vor der ganzen Fernsehnation, und zur besten Sendezeit.

Rentner Baumann, der Absender des ätzenden Geschosses, genoss den Applaus des Publikums sichtlich. Mit seiner roten Hornbrille, dem treuherzigen Lächeln und dem leicht zerknautschen Gesicht kam der Rentner wie die Reinkarnation eines netten Schweizer Beamten aus den 70ern daher: Freundlich im Ton, ungemein charmant in seiner Biederkeit und knallhart in der Sache.

Dass in dieser Arena über die Beschaffung von Kampfjets mit harten Bandagen und meist ausserhalb des Rings gekämpft wurde, lag auch und vor allem an Balthasar Glättli, der an diesem Freitag ganz offensichtlich mit dem falschen Fuss aufgestanden war. Der Grünen-Nationalrat verteilte Rundumschläge, piesackte seinen Nationalratskollegen Amstutz bei jeder Gelegenheit und fuhr Verteidigungsminister Guy Parmelin derart an den Karren, dass man sich um den Haussegen in Bundesbern sorgte. 

Am Schärfsten ging Glättli aber mit Amstutz ins Gericht. Nachdem dieser einen unpassenden Vergleich ins Feld geführt hatte, kniff Glättli die Augen zusammen, fixierte die Kamera und richtete einen flammenden Appell an die Zuschauer da draussen, als ob er der Nation gerade einen Staatsstreich verkünden müsste. Ein aussergewöhnlicher Moment Schweizer Fernsehgeschichte. Entweder, der Mann war wirklich wütend oder er sehnte sich bloss sehr dringend nach ein bisschen Grandezza.

Glättli vs Amstutz

Video: streamable

Amstutz hatte zuvor in der wirkmächtigsten und abgegriffensten Mottenkiste der Geschichte (Nationalsozialismus) gewühlt und das zum Vorschein Gekommene kräftig durch den Fleischwolf der Partei-Propaganda gedreht. Fünf Jahre vor der Machtergreifung der Nazis, dozierte der SVP-Nationalrat, hätte niemand damit gerechnet, dass einmal ein solches Scheusal wie Hitler an der Spitze Deutschlands steht. Und vor fünf Jahren hatte niemand den Einmarsch Russlands auf der Krim oder die totale Eskalation des Syrien-Konflikts auf dem Radar. Und jetzt drohe eben auch der Schweiz Gefahr, nämlich seitens der ungebremsten Zuwanderung und des Islamismus. 

Zuwanderung und Islamismus auf der einen Seite, Bildungsprojekte, Vaterschaftsurlaub und Olympia-Kandidatur auf der anderen Seite: «Will denn hier niemand über die Kampfjets sprechen?», fragte ein zunehmend resignierter Jonas Projer in die Runde. 

Doch, wollte man schon. Aber es blieb luftig. Das lag in erster Linie daran, dass die Themen in dieser Arena fast schon grobfahrlässig vermischt wurden. Sprach man nun über die Beschaffung neuer Kampfjets? Sprach man über luftpolizeiliche Aufgaben oder über die Verteidigung des Luftraums oder über die Armee als Ganzes? 

Rosmarie Quadranti gab sich Mühe, das Themenknäuel zu entwirren und ein wenig Ordnung ins Schlachtengetümmel zu bringen. «Das Thema jetzt ist nicht Armee Ja oder Nein, sondern die Frage, ob wir ein möglichst sicheres Dach über dem Land wollen». Aber die Rolle als Botenläuferin zwischen den Fronten brachte der BDP-Nationalrätin keine Meriten ein. Man ging schnell wieder in den Nahkampf über. 

Vornehme Zurückhaltung gebot sich den Kampfjet-Befürwortern hingegen bei der Frage, womit denn eigentlich die neuen Flugzeuge finanziert werden sollen. Weil die Schweiz, das kann eigentlich gar nicht oft genug wiederholt werden, durchläuft ja gerade klamme finanzielle Zeiten, und acht Milliarden sind nun doch kein Pappenstiel. Woher also nehmen, wenn nicht stehlen, zum Beispiel bei anderen Departementen? Es erinnerte ein bisschen an das Spiel, ‹Ich sehe was, was du nicht siehst›. In diesem Fall sah Verteidigungsminister Parmelin einen grossen Topf voll Geld irgendwo im VBS herumstehen. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir ein Wachstum haben in diesem Land», beschwichtigte Parmelin. Und ja, natürlich werde man überall, wo es nötig sei, ein bisschen sparen. 

Das schrillten bei Lewin Lempert, dem Vetreter der Gruppe Schweiz ohne Armee Gsoa, die Alarmglocken. Lempert, dem zwei, drei souveräne Vorstösse von der Expertenkanzel aus gelangen, erinnerte an die zahlreichen Skandale und Skandälchen im Verteidigungsministerium (aus dem Ruder gelaufene IT-Projekte, die Duro-Posse und verloren gegangene Panzer),  und ermahnte das VBS, vor der eigenen Haustür zu kehren: «Ein Departement, das mit Milliarden nur so um sich wirft, muss zuerst einmal bei sich selber schauen.»

Und das Volk? Hat irgendjemand an das Volk gedacht? Schliesslich hat der Stimmbürger vor drei Jahren den Gripen an der Urne zerzaust, und jetzt mehren sich die Anzeichen, dass das Volk nicht über die Kampfjet-Beschaffung abstimmen könnte. Wenig überraschend war es erneut Balthasar Glättli, der am schrillsten sprach. Der Grünen-Fraktionspräsident zitierte aus einem Interview mit Parmelin in der NZZ. Und löste wiederum eine mittelgrosse Staatskrise aus. «Sie sagen, das Volk sei zu dumm, um über die Kampfjets abzustimmen», warf er dem Verteidigungsminister vor. Parmelins Çasuffit («Herr Glättli, das ist nicht seriös!») erzielte die gewünschte Wirkung: Glättli verwarf entnervt die Hände und mässigte sich gegen Ende der Sendung.

Das Volk ist dumm

Video: streamable

Als die Lichter im Studio langsam ausgingen, hörte man dann von irgendwoher Moderator Projer rufen: «Ein Wort nur: Apéro!»

Es tönte wie eine verzweifelte Durchhalteparole in einer längst aussichtslosen Schlacht. 

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