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Schweiz im Ravioli-Rausch: Migros fährt die Konserven-Produktion hoch

Das Coronavirus hat Folgen für den Detailhandel. Konsumenten kaufen vermehrt Esswaren, die lange gültig bleiben. Nun reagiert die Migros.

Publiziert: 11.03.20, 10:38
Benjamin Weinmann / ch media

In den Einkaufskörben der Kunden landen vermehrt Lebensmittel in Konserven.

Von Hamster-Käufen war die Rede. Der Ausbruch der Corona-Krise in der Schweiz brachte viele Leute dazu, ihren Notvorrat zu Hause aufzustocken. Bilder von leergefegten Teigwaren- und Konservendosen-Regalen bei Migros und Coop machten online die Runde. Nun reagiert die Migros auf die verstärkte Nachfrage nach lange haltbaren Esswaren. Im konzerneigenen Magazin sagt Marco Oswald, Verantwortlicher für das Konserven-Sortiment beim orangen Riesen, dass man gewisse Lebensmittel verstärkt produziere.

Gerade bei Ware, die nicht ernteabhängig sei, sei man flexibel. «Solange genug Weizen, Fleisch und Tomaten vorhanden sind, können wir zum Beispiel Ravioli produzieren», sagt Oswald. «Die sind momentan wichtig, also machen wir mehr davon.» In der jetzigen Situation mit dem Corona-Virus sei man froh, dass die Migros eigene Industriebetriebe habe. «Dort geniessen wir oberste Priorität. Unsere Eigenindustrie macht für uns das, was wir gerade brauchen.» Gelagert werden die Migros-Dosen im Verteilzentrum in Suhr, sowie in den Lagern der Lieferanten, wie zum Beispiel im Migros-Industriebetrieb Bina in Bischofszell.

Die zusätzliche Konservendosen-Produktion hat auch Folgen für das Personal in den Supermärkten, wie Oswald sagt. «In den Läden muss ein Erbsen-, Rüebli- oder eben Ravioliregal nicht mehr alle zwei, drei Tage aufgefüllt werden. Sondern täglich, vielleicht sogar mehrmals.»

Die Migros führt das Notlager nicht nur freiwillig

Gleichzeitig gibt der Migros-Manager Entwarnung. Die Kundschaft müsse keine Angst haben, dass bald nichts mehr da sei. «Die Regale sind aufgrund der erhöhten Nachfrage nur kurzfristig leer.» Die Lager seien gut gefüllt. Die Migros kaufe jeweils Mengen für über ein Jahr ein, speziell Produkte, die von der Erntezeit abhängig seien, etwa Erbsen und Rüebli.

Die Lager füllt die Migros aber nicht nur freiwillig. Der Bund verpflichtet die Privatwirtschaft, strategische Reserven anzulegen, darunter auch Migros und Coop. Damit soll sichergestellt werden, dass die Schweiz für Notsituationen über ein gut gefülltes Pflichtlager verfügt. Seit 2016 liegt der Fokus auf Grundnahrungsmitteln, die hierzulande nicht in ausreichender Menge produziert werden können, sowie Energieträger und Medikamente. Im Krisenfall decken sie den Bedarf für drei bis sechs Monate.

Coronavirus: Was du wissen musst

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 geht um die Welt. Was du darüber wissen musst. AP / Zoltan Balogh
Sars-CoV-2 gehört zur gleichen Erregergruppe wie das Sars- und Mers-Virus. EPA / CENTERS FOR DISEASE CONTROL AND
Das neue Virus ist zwar deutlich ansteckender, die Sterberate ist jedoch deutlich tiefer als bei Sars und Mers. EPA / NIAID- RML/NATIONAL INSTITUTES O
Ende 2019 waren vier Fälle bekannt, am 1. März waren es weltweit rund 90'000. EPA / MARK R. CRISTINO
Das erste Opfer in Europa starb am 21. Februar in Norditalien. EPA / JAN HETFLEISCH
Das grösste Risiko, an Covid-19 – so heisst die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenkrankheit – zu sterben, haben Menschen über 80 Jahre. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt die Mortalitätsrate in dieser Altersgruppe bei 14,8 Prozent. EPA / JEROME FAVRE
Patienten mit Herzkrankheiten sind besonders gefährdet, vor den Diabetikern und Personen mit Atemwegserkrankungen und hohem Blutdruck. EPA / TOLGA BOZOGLU
Anzeichen für eine Infektion sind gemäss WHO grippeähnliche Symptome, Atembeschwerden, Atemlosigkeit, Fieber und Husten. AP
Vier von fünf der von der Krankheit betroffenen Patienten leiden an einer gutartigen Ausprägung, wie eine chinesische Studie an 72'000 Personen zeigte. AP / Kerstin Joensson
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Zur Vorbeugung wird empfohlen, Abstand zu seinen Mitmenschen zu halten, sich regelmässig die Hände zu waschen, Mund und Nase zu bedecken, wenn man hustet und niest, respektive in die Ellenbeuge zu husten und zu niesen. EPA / MOURAD BALTI TOUATI
Einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gibt es noch nicht. Und das dürfte auch noch dauern. Für das Mers-Virus, das 2012 auf der Arabischen Halbinsel entdeckt wurde und das auch zu den Coronaviren gehört, wird ein Impfstoff erst seit 2018 klinisch geprüft. EPA / NICOLA FOSSELLA
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Video: SRF / SDA SRF

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