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Hat Jesperi Kotkaniemi sein letztes Spiel für Montreal gespielt? Bild: keystone

Carolina bietet Montreal-Youngster Millionenvertrag an – als reine Retourkutsche

Die Carolina Hurricanes haben Montreals Jesperi Kotkaniemi eine Offer Sheet gemacht – eine Retourkutsche für eine ähnliche Situation vor zwei Jahren. Der Spass könnte das Team von Nino Niederreiter allerdings noch teuer zu stehen kommen.

Publiziert: 30.08.21, 18:41

Manchmal können es sich auch NHL-General Manager und Teambesitzer nicht verkneifen, nachtragend zu sein. Jüngstes Beispiel: Don Waddell und Tom Dundon, GM und Besitzer der Carolina Hurricanes.

Doch um zu verstehen, was passiert ist, müssen wir kurz am Rad der Zeit drehen. Am 1. Juli 2019 stecken die Carolina Hurricanes in den Verhandlungen mit ihrem Free Agent Sebastian Aho, da machen die Montreal Canadiens dem Finnen eine Offer Sheet.

Was ist eine «Offer Sheet»?

Eine «Offer Sheet» ist eigentlich ein ganz normaler Vertrag. Mit der kleinen Ausnahme, dass man es einem Spieler eines anderen Teams anbietet. Der Spieler darf dann entscheiden, ob er den Vertrag ablehnt oder annimmt.

Nimmt der Spieler den Vertrag an, hat sein aktuelles Team sieben Tage Zeit, die eigene Offerte dem gegnerischen Angebot anzupassen. Tut es das, bleibt der Spieler. Tut es das nicht, wechselt der Spieler zu seinem neuen Team.

Natürlich hatte die Offer Sheet von damals keine Auswirkungen. Die Hurricanes waren mühelos in der Lage, das 8,454-Millionen-Angebot der Canadiens zu egalisieren. Doch wie wenig man in Carolina damals über das Vorgehen Montreals erfreut war, zeigt sich jetzt zwei Jahre später.

Denn nun haben die «Canes» ihrerseits eine Offer Sheet gemacht – an Canadiens-Youngster Jesperi Kotkaniemi. Die Vermutung, dass dies bloss passierte, um dem NHL-Rekordmeister eins auszuwischen ist naheliegend, denn:

  • Die Hurricanes kündigten die Offer Sheet unter anderem auch in Französisch an.
  • Der Unterschriftsbonus im Vertrag für Jesperi Kotkaniemi betrug exakt 20 US-Dollar. 20 ist die Trikotnummer von Sebastian Aho.
  • Die Lohnsumme im neuen Vertrag für Kotkaniemi ist genau genug gross, dass die Canadiens Probleme mit dem Salary Cap erhalten, sollten sie das Angebot egalisieren.
  • Die Hurricanes posteten noch am gleichen Tag ein Bild einer Richtungswechsel-Karte aus dem Spiel «Uno» auf ihren sozialen Medien.

Und wem das alles noch nicht Beweis genug ist, der darf gerne die Statements der zwei Teams nach den jeweiligen Offer Sheets vergleichen. Vor zwei Jahren sagte Canadiens-GM Marc Bergevin:

«Sebastian Aho hat unsere Offerte akzeptiert. Er will nach Montreal kommen. Er sieht unsere jungen Spieler in der Organisation und will Teil davon sein. Wir sind stolz, aber noch gilt es abzuwarten.»

Marc Bergevin, 2019

Nun lässt sich Hurricanes-GM Don Waddell wie folgt zitieren:

«Jesperi Kotkaniemi hat unsere Offerte akzeptiert. Er will nach Carolina kommen. Er sieht den Kern, den wir aufgebaut haben und will Teil davon sein. Wir sind stolz, aber noch gilt es abzuwarten.»

Don Waddell, 2021

Tatsächlich haben die Canadiens jetzt noch bis am 4. September Zeit, auf die Offer Sheet zu reagieren. Lassen sie das bleiben und gleichen die Offerte nicht an, wechselt der 21-jährige Kotkaniemi tatsächlich zu den Carolina Hurricanes, wo er 6,1 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen würde. Im Gegenzug würde Montreal den Erst- und Drittrunden-Draftpick der Hurricanes im nächsten Sommer erhalten.

Vielleicht wäre dieser Deal gar nicht so schlecht für die Canadiens. Einerseits ist keineswegs gesichert, dass Carolina nächstes Jahr auch in den Playoffs steht, was bedeuten würde, dass der Erstrunden-Pick höchst wertvoll sein könnte. Andererseits ist Kotkaniemi noch bei Weitem keine 6,1 Millionen Wert (62 Skorerpunkte in 171 Spielen für Montreal).

Es scheint nicht unrealistisch, dass sich Montreal bei den aktuellen Cap-Problemen tatsächlich vom Finnen verabschiedet und Carolina dann wegen einer Retourkutsche auf einem zu teuren Vertrag festsitzt.

Schweizer Meilensteine in der NHL

29. Januar 1995: Pauli Jaks, Los Angeles Kings – Pauli Jaks schreibt am 29. Januar 1995 Schweizer Eishockeygeschichte: Als erster Schweizer überhaupt kommt er in der NHL zum Einsatz. Für die Los Angeles Kings darf er gegen die Chicago Blackhawks nach der ersten Drittelspause 40 Minuten lang das Tor hüten. Er kassiert zwei Gegentreffer und sollte nie mehr einen Fuss auf NHL-Eis setzen.
27. Juni 1997: Michel Riesen, Edmonton Oilers – Michel Riesen wird von den Edmonton Oilers in der ersten Runde als Nummer 14 gedraftet. Am 27. Juni 1997 zieht er sich anlässlich dieses Drafts zum ersten Mal das Oilers-Trikot über. Zunächst spielt er in der AHL bei den Hamilton Bulldogs, erst im Jahr 2000 folgt dann der Wechsel in die NHL. Insgesamt absolviert Riesen zwölf NHL-Spiele und verbucht dabei einen Assistpunkt. AP / GENE J PUSKAR
5. Oktober 2000: Reto von Arx, Chicago Blackhawks – Der Emmentaler Reto von Arx bestreitet als erster Schweizer Feldspieler ein NHL-Spiel. Er kommt auf 13:06 Minuten Eiszeit und meint nach dem Spiel ehrfürchtig: «Was Intensität und Einsatz angeht, habe ich noch nie in meinem Leben auf so hohem Niveau gespielt.» AP / TOM OLMSCHEID
07. Oktober 2000: Reto von Arx, Chicago Blackhawks – Im erst zweiten NHL-Einsatz erzielt Reto von Arx bereits eine Doublette. Er ist somit der erste Schweizer, der in einem NHL-Spiel ins Schwarze trifft. Der «Blick» titelt am Tag darauf euphorisch: «Von Arx besser als Gretzky». Etwas gar voreilig, wie sich herausstellen sollte. Nach 19 Spielen in der NHL beendet von Arx sein Abenteuer in Übersee und kehrt wieder zurück in die Schweiz.
26. Oktober 2000: David Aebischer, Colorado Avalanche – In seinem zweiten NHL-Spiel von Beginn weg gelingt David Aebischer gegen die Chicago Blackhawks der erste Shutout eines Schweizer Torwarts in der NHL. AP / DAVID ZALUBOWSKI
9. Juni 2001: David Aebischer, Colorado Avalanche – David Aebischer wird zwar schon 1997 gedraftet, sein erstes NHL-Spiel absolviert der Torwart aber erst am 18. Oktober 2000. Bereits am 9. Juni gewinnt der Schweizer mit den Colorado Avalanche gegen die New Jersey Devils den Stanley Cup – Stammtorwart ist jedoch Patrick Roy. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
25. Januar 2009: Mark Streit, New York Islanders – Als erster Schweizer wird Mark Streit für das All-Star-Game nominiert. Dort spielt er im Team der Eastern Conference unter anderem mit Alexander Owetschkin, Zdeno Chára und Jewgeni Malkin. AP The CANADIAN PRESS / Ryan Remiorz
13. Oktober 2010: Nino Niederreiter, New York Islanders – Niederreiter erzielt die 1:0-Führung gegen die Washington Capitals. Damit wird er mit 18 Jahren und 35 Tagen zum jüngsten Islanders-Torschützen aller Zeiten und zum jüngsten Schweizer Torschützen in der NHL. FR67404 AP / Nick Wass
21. September 2011: Mark Streit, New York Islanders – Der Berner Mark Streit wird als erster Schweizer Captain eines NHL-Teams. Bei den New York Islanders spielt Streit von 2008 bis 2013, danach folgt der Wechsel zu den Philadelphia Flyers. FR170351 AP / Kathleen Malone-Van Dyke
10. Juni 2013: Roman Josi, Nashville Predators – Roman Josi, MVP der Eishockey-WM 2013, unterschreibt bei den Nashville Predators einen Traumvertrag über sieben Jahre, welcher ihm 26 Millionen Franken einbringt. Zuma Sports Wire / Billy Hurst/freshfocus
13. November 2014: Nino Niederreiter, Minnesota Wild – Nino Niederreiter gelingt beim 6:3-Heimsieg von Minnesota gegen die Buffalo Sabres als erstem Schweizer überhaupt ein Hattrick. AP/AP / Jim Mone
April 2015: Nino Niederreiter, Minnesota Wild – Nino Niederreiter erzielt als erster Schweizer mehr als 20 Tore (24) in der Regular Season. zumapress / Mike Wulf/freshfocus
12. Juni 2017: Mark Streit, Pittsburgh Penguins – Mark Streit gewinnt mit den Pittsburgh Penguins als erster Schweizer Feldspieler und als dritter Schweizer überhaupt den Stanley Cup.
24. Juni 2017: Nico Hischier (New Jersey Devils) – Nico Hischier schreibt Schweizer Sportgeschichte. Als erster Schweizer wird der junge Walliser im NHL-Draft an erster Stelle gezogen (von den New Jersey Devils).
27. Februar 2018: Roman Josi (Nashville Predators) – Roman Josi skort als erster Schweizer fünf Punkte in einem NHL-Spiel beim 6:5-Sieg gegen die Winnipeg Jets gelingen dem Nashville-Captain fünf Assists. AP/AP / Mark Humphrey
20. Mai 2018: Luca Sbisa (Vegas Golden Knights) – Luca Sbisa schafft mit dem Expansion Team (!) aus Las Vegas den Einzug in den Stanley-Cup-Final. Dort scheitern der Zuger und seine Golden Knights aber an den Washington Capitals. AP/AP / John Locher
26. Januar 2019: Roman Josi (Nashville Predators) – Der Berner Verteidiger der Nashville Predators wird als erster Schweizer zum zweiten Mal für ein All-Star-Game nominiert.
1. April 2019: Timo Meier (San Jose Sharks) – Als erster Schweizer knackt Timo Meier die magische 30-Tore-Marke in der NHL. Mit 66 Punkten (30 Tore/36 Assists) stellt er den neuen Schweizer Punkterekord für eine Regular Season auf. AP/FR171606 AP / Josie Lepe
26. Januar 2020: Nico Hischier (New Jersey Devils) und Roman Josi (Nashville Predators) – Zum ersten Mal werden mit Nico Hischier und Roman Josi zwei Schweizer für ein NHL-All-Star-Game nominiert. AP / Jeff Roberson
22. September 2020: Roman Josi (Nashville Predators) – Roman Josi wird an den NHL-Awards mit der James Norris Memorial Trophy als bester Verteidiger der Saison ausgezeichnet. Nie zuvor konnte ein Schweizer eine der begehrten Auszeichnungen gewinnen. imago images/Icon SMI / Nicole Fridling/Icon Sportswire

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