Das Enthüllungsbuch von John Bolton erschien am Dienstagabend. Bild: keystone
John Bolton rechnet in seinem kürzlich erschienenen Enthüllungsbuch mit Donald Trump ab. Die besten Passagen haben wir für euch aufgelistet.
Das Buch des früheren Sicherheitsberaters des Präsidenten Donald Trump, John Bolton, ist gestern in den Verkauf gegangen. Und das trotz diversen Bemühungen der amerikanischen Regierung, genau das zu verhindern. Bolton arbeitete von 2018 bis 2019 für den Präsidenten als Sicherheitsberater und hatte somit viele Eindrücke aus Trumps Leben und den Deals mit den anderen Staaten gewinnen können. Nach Ansicht der Regierung enthält das 570-seitige Buch mit dem Titel «The Room Where It Happened» geheime Informationen und sei nicht ordnungsgemäss von den zuständigen Stellen freigegeben worden.
John Boltons Enthüllungsbuch über Trump erschien am Dienstagabend. Bild: keystone
Der amerikanische Journalist Steve Inskeep hat das Buch gelesen und auf Twitter die in seinen Augen wichtigsten Passagen veröffentlicht. Wir haben sie für euch zusammengefasst.
Das Ziel des Präsidenten sei es, die USA zu einem militärischen Auftragnehmer zu machen. Er denke, arabische Nationen würden «Kosten plus 50 Prozent» für US Truppen in Syrien und im Irak zahlen, damit die USA mit Gewinn Krieg führen können. Bolton wisse, dass dies nicht funktionieren wird – und dennoch bringt er die Idee den Vertretern des persischen Golfs vor.
Ein weiterer Vorwurf: Trump grösstes Ziel gemäss Bolton sei es, wiedergewählt zu werden. Das sei die einzige «Leitplanke», die Trump daran hindert, sein wahres Gesicht zu zeigen. In einer zweiten Amtszeit würde diese Leitplanke weg sein.
Auf Seite 82 schreibt Bolton über seine Auftritte in diversen TV-Shows. Der Präsident habe ihm gesagt, er schlage sich gut im Fernsehen, «solle ihn jedoch mehr loben». Er will von ihm für seine Diplomatie mit dem Nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un gelobt werden, welche laut Trump wie nichts zuvor in der Geschichte sei.
Des Weiteren vergleiche Trump sein Verhältnis zu Kim Jong Un mit seinem Dating-Leben. Wenn er Frauen datet, ziehe er es vor, mit ihnen Schluss zu machen, bevor sie ihn abservieren können. Deshalb sagte er demonstrativ den Gipfel in Singapur ab, bevor Kim dies tun kann. Schlussendlich nimmt er dennoch am Gipfel teil.
Bolton beschreibt Trump in der Beziehung zu Kim als «verzweifelt». Er wolle ihn «um jeden Preis» treffen, ändert aber ständig seine Meinung darüber, wie er dann vorgehen soll.
Geheimdienstbesprechungen waren laut Bolton nicht nützlich. Laut ihm wurde die meiste Zeit damit verbracht, Trump zuzuhören, anstatt dass Trump den Fachmännern zuhörte.
Bolton über Trump
Aus Seite 181 schreibt Bolton, Trump blockierte immer wieder öffentliche, kritische Erklärung an anderen Staaten wie Russland oder China. Der Grund: Er hätte Angst, dass die Kritik an ausländischen Staaten seine gute persönliche Beziehung zu dessen Führer aufs Spiel setze.
Bolton macht in seinem Buch diverse Vorwürfe gegen Trump in seinem Umgang mit China. An vorderster Front stehen nach ihm die persönlichen Interessen des Präsidenten. Die Politik mit China werde «auf chaotische Weise durch zufällige, sich repetierende Treffen» gemacht.
Gemäss Bolton spricht Trump fast kindlich mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping. Er fragte ihn, ob er ihm die Entscheidung der USA, sich vom iranischen Atomabkommen zurückzuziehen, vorab mitteilen soll.
Bolton kritisiert auch das Verhalten von Trump während der Coronakrise. Der Präsident reagiere immer wieder mit seinem «Reflex, sich aus allem herausreden zu wollen».
Zuvor verteidigte Trump eine Umstrukturierung des National Security Council Staffs (NCS), die eine Eliminierung des Amtes für Pandemievorsorge durchsetzte. Gemäss Präsident sei dieses irrelevant. Bolton behauptet, das NSC habe Pandemien korrekt verfolgt und 2020 eine Frühwarnung gegeben. Trump habe diese aber ignoriert. «Das Biosicherheitsteam des NSC funktionierte genau so, wie es sollte. Es war der Stuhl hinter dem Resolute Desk, der leer war», schreibt Bolton.
Laut Bolton war Trump plötzlich davon besessen, die Ukraine würde ihn holen wollen. Er forderte Bolton dazu auf, den Präsidenten der Ukraine anzurufen und sicherzustellen, dass Trumps persönlicher Anwalt Rudolph Giuliani sicher ist, dass das Treffen mit der Ukraine sicher sei. Giuliani fütterte nach Bolton den Präsidenten mit «Unsinn», welcher Trump glaubt. Bolton verstehe nicht, warum Trump plötzlich an «militärischer Hilfe für die Ukraine interessiert» sei. Trump wolle nichts mit dem Präsidenten der Ukraine und seinen Leuten zu tun haben, obwohl Bolton zu dem Schluss kam, dies seien «Leute, mit denen man zusammen arbeiten konnte». (cki)
Video: watson / leb