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Greta Thunberg ist Favoritin für den Friedensnobelpreis – aber einiges spricht dagegen

Publiziert: 07.10.19, 15:32

Greta Thunberg: Das furchtlose Mädchen von Davos

Sitzstreik für das Klima: Greta Thunberg am 25. Januar 2019 am WEF in Davos. AP/AP / Markus Schreiber
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Greta Thunberg mit François Villeroy de Galhau, Chef der französischen Nationalbank (links), und John J. Haley, CEO Willis Tower Watson, während einer Podiumsdiskussion am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Klimademonstration der Schülerinnen in Davos am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Greta Thunberg ist zum heimlichen Star am WEF in Davos geworden. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Fast immer mit dabei: das Plakat mit dem Aufruf zum Klimastreik der Schüler. EPA/KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Greta Thunberg in Davos. AP/AP / Markus Schreiber
Greta im Kongressgebäude am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Fürs Klima vom Flugzeug auf den Zug umsteigen – und das viele, viele Stunden lang: Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat den langen Weg nach Davos mit der Bahn auf sich genommen. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Schon am frühen Dienstagmorgen trat die 16-Jährige in Schweden ihre erste Etappe auf der Reise an – «Morgenzug zum Weltwirtschaftsforum in Davos», schrieb sie dazu auf Twitter. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Am Mittwochmittag traf sie in Davos ein. Die 16-Jährige schläft am WEF übrigens im Zelt. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Fahrtdauer hin und zurück: etwa 65 Stunden. Im Gepäck: ein Rucksack, ein kleiner roter Koffer und ein Demonstrationsschild mit der Aufschrift «Skolstrejk för klimatet» (Schulstreik fürs Klima). KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Weil Flugreisen viel CO2 ausstossen und damit klimaschädlich sind, entschied sie sich für die Anreise per Zug. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Greta Thunberg trifft auf IWF-Chefin Christine Lagarde. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Am Mittwoch um ca. 11.50 Uhr traf Thunberg in Davos ein, wo sie sofort von nationalen und internationalen Medien belagert wurde. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA
«Ich weiss, was ich will. Und ich weiss, was richtig ist», sagte sie nach der Ankunft zu den Medien. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Sie wolle den Mächtigen in Davos sagen, dass sie versagt hätten. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Vom Weltwirtschaftsforum erwartet sie jedoch «nichts». EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Greta Thunberg kündigte an, bis Freitag beim WEF dabei zu sein. Sie setzt sich an vorderster Front für ein stärkeres Klimabewusstsein ein. AP/Keystone / Valentin Flauraud
Sie fordert, dass mehr gehandelt und weniger bloss über den Klimawandel geredet wird. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
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Im Rahmen ihrer Protestaktion «Schulstreik fürs Klima» demonstriert sie jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm. Die Aktion fand bereits Nachahmer in aller Welt, auch in der Schweiz. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Auf der Uno-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hatte sie im Dezember gesagt: «Wir müssen verstehen, was für ein Chaos die älteren Generationen angerichtet haben, das wir nun aufräumen und mit dem wir leben müssen.» KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Ankunft im Kongressgebäude. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Greta hält vor dem Arctic Basecamp in Davos eine Rede. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Bekommt sie ihn wirklich? Klimaaktivistin Greta Thunberg gilt in diesem Jahr als Favoritin für den Friedensnobelpreis. Sie wäre die jüngste Preisträgerin der Nobelgeschichte. Manches spricht jedoch gegen die junge Schwedin - unter anderem die starke Konkurrenz.

Was dafür spricht

Manchmal wundert man sich, dass Greta Thunberg noch immer erst 16 Jahre alt ist. Die junge Klimaaktivistin aus Schweden ist streckenweise so omnipräsent, dass man denken könnte, sie stünde schon seit Jahren im Zentrum der Weltöffentlichkeit. Doch der Beginn ihres Klimaprotestes vor dem Reichstag in Stockholm ist nicht einmal 14 Monate her - und Thunberg seitdem erst ein Jahr älter geworden.

Trotz ihres Alters hat sich die junge Schwedin mit ihrer Botschaft für einen stärkeren Einsatz gegen die Klimakrise zur Favoritin für den diesjährigen Friedensnobelpreis gemausert.

Papst Franziskus Bild: EPA EFE

Vor der Bekanntgabe der renommiertesten politischen Auszeichnung der Welt an diesem Freitag in Oslo wird sie von mehreren Wissenschaftlern zum engeren Kandidatenkreis gezählt, verschiedene Wettbüros sehen sie als klare Spitzenkandidatin, weit vor grossen Namen wie denen von Papst Franziskus und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel oder Organisationen wie Reporter ohne Grenzen oder dem Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Der Friedensforscher Peter Wallensteen von der Universität in Uppsala weist darauf hin, dass es Thunberg geglückt sei, junge Menschen in aller Welt zu mobilisieren. Er denke, mit ihrem Handeln erfülle sie Nobels Vorgabe, für die Verbrüderung zwischen den Völkern beigetragen zu haben. Sipri-Direktor Smith sagt: «Das Friedensnobelpreiskomitee hat Umweltaktivismus bereits in der Vergangenheit geehrt. Bei dem Preis geht es nicht immer um Kriege und bewaffnete Konflikte.» Es sei das Jahr der Klimaproteste, was Thunberg zu einer offensichtlichen Kandidatin mache. «Dieser Teenager hat einen Weckruf gegeben, den die Leute gehört haben.»

Was dagegen spricht

Bild: AP

Dass die Schwedin bei den skandinavischen Nachbarn in Norwegen geehrt wird, ist allerdings alles andere als ausgemachte Sache. Das liegt zum einen daran, dass sich das zuständige Nobelkomitee kaum von der öffentlichen Meinung in eine Richtung drängen lässt. «Das Komitee ist sehr gut darin, die Welt zu überraschen», sagt auch Dan Smith, der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri.

Hinzu kommt, dass die Auswahl in diesem Jahr recht hoch ist: 301 Nominierungen sind für den Preis diesmal in Oslo eingegangen, der vierthöchste Wert jemals. Darunter finden sich 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Ihre Namen werden vonseiten der Verantwortlichen für fünfzig Jahre unter Verschluss gehalten.

Das grosse Teilnehmerfeld und die Nobelstatuten sorgen dafür, dass es vor der Bekanntgabe des Preisträgers alle Jahre wieder ein grosses Rätselraten gibt. Das führt unter anderem so weit, dass man auf so ziemlich jeden bekannten Namen wetten kann, der bei drei nicht auf dem Baum ist: Bei den Wettanbietern kann man sein Geld selbst auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Grossbritanniens Ex-Premier Theresa May und den Katalanen Carles Puigdemont setzen. Auch US-Präsident Donald Trump steht recht weit oben auf der Liste - ihm werden teils gar bessere Chancen als etwa US-Whistleblower Edward Snowden eingeräumt. Dann doch eher Thunberg - oder?

Soll Greta Thunberg den Friedensnobelpreis erhalten?
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Greta wäre die Jüngste

99 Mal hat das norwegische Nobelkomitee seit 1901 die Auszeichnung vergeben, insgesamt wurden 130 verschiedene Preisträger gekürt, darunter 89 Männer, 17 Frauen und 24 Organisationen. In 19 Jahren gab es, vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten, keinen Preisträger. Die diesjährige Vergabe ist die 100. und somit ein Jubiläum für die Jury - vielleicht ein Grund, diesmal eine Generation zu ehren, die bislang kaum bei den Preisen Beachtung fand.

Malala Bild: AP/Malala Fund

Bekommt Thunberg tatsächlich den Preis, wäre sie die jüngste Preisträgerin in der Nobelgeschichte überhaupt. Bislang ist das die Pakistanerin Malala Yousafzai, die 2014 im Alter von damals 17 Jahren ausgezeichnet wurde. Die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad erhielt den Friedenspreis 2018 mit 25, nach Malala der jüngste Wert. Thunberg wird erst Anfang Januar 17 Jahre alt.

Gretas Konkurrenz aus Hongkong, Libyen, Somalia

Der Direktor des Osloer Instituts für Friedensforschung Prio, Henrik Urdal, hat mehrere junge Aktivisten auf dem Schirm - Thunberg zählt aber nicht dazu. Sein engerer Favoritenkreis wird von drei Jüngeren angeführt: Hadschar Scharif aus Libyen, Ilwad Elman aus Somalia und Nathan Law aus Hongkong. Die Bedeutung des Einsatzes junger Aktivisten sei in den vergangenen Jahren immer deutlicher geworden, erklärte Urdal dazu. «Junge Leute setzen die Agenda für Themen, die für Frieden und Sicherheit sowohl lokal als auch global von entscheidender Bedeutung sind.» Dabei forderten sie auch die übliche Machtverteilung unter den Generationen heraus.

Hongkong: Neuste Bilder der Proteste und vom Generalstreik

Zahlreiche Demonstranten versammeln sich am Montag am Gebäude der Zentralregierung. AP / Vincent Thian
Vermeintlicher Schutz gegen das Tränengas, das die Polizei einsetzt. AP / Kin Cheung
Mit einem Verkehrshütchen versucht dieser Demonstrant eine Tränengas Granate abzudecken. AP / Vincent Thian
Ein Protestler sprüht einen Slogan auf eine Wand während der Demonstration in Hongkong vom Samstag, 3. August 2019. AP / Vincent Thian
Demonstranten marschieren in Hongkong mit einem Banner mit folgender Aussage: «Die Polizeibehörde ist zu gross» (Samstag, 3. August 2019). AP / Steve Leung
Demonstranten vor einer Wand mit politischen Statements (Samstag, 3. August 2019). AP / Vincent Thian
Ein Protestler mit einer US-Flagge (3. August 2019). AP / Vincent Thian
Bei der Konfrontation mit der Polizei zünden die Demonstranten Karton an – und schaffen so eine Barriere aus Feuer (3. August 2019). AP / Kin Cheung
Die Demonstranten setzten Steinschleudern gegen die Polizei ein (3. August 2019). AP / Vincent Thian
Die Polizei setzt Tränengas gegen die Demonstranten ein (3. August 2019). AP / Vincent Thian
Einige Teilnehmer des Protestes warfen die Tränengas-Patronen zurück (3. August 2019). AP / Vincent Thian
Demonstranten in einer Tränengas-Rauchschwade (3. August). AP / Kin Cheung
Bei der Konfrontation zwischen Demonstranten und Polizei in Hongkong am Samstag, den 3. August 2019, werden Mülleimer in Brand gesteckt. AP / Vincent Thian
Protestler verstecken sich hinter Abschrankungen und blenden die Polizei mit Lasern, um die Gesichtserkennung der chinesischen Regierung zu stören (Samstag, 3. August 2019). AP / Steve Leung
Protestierende und Polizei stehen sich gegenüber (3. August 2019). AP / Vincent Thian
Ein Demonstrant steht inmitten von Tränengas bei der Konfrontation mit der Polizei in Hongkong in den frühen Morgenstunden des Sonntags, 4. August 2019. AP / Elson Li
Bei der Demonstration wurde seitens Polizei Tränengas eingesetzt (Sonntag, 4. August 2019). AP / Vincent Thian
Ein friedlicher Teil der Demonstration im Belcher Bay Park am Sonntag, 4. August 2019). Die Aufschrift des Banners: «Gegen institutionelle Gewalt, wir wollen echte Wahlen.» AP / Kin Cheung
Die Polizei begegnet den Demonstranten am Causeway Bay in Hongkong (Sonntag 4. August 2019). AP / Vincent Thian
Der Protest führt zu einem Verkehrschaos (4. August 2019). AP / Vincent Thian
Mit selbstgebastelten Schleudern werden Steine auf das Tseung Kwan O Polizeigebäude gespickt (Sonntag, 4. August 2019). AP / Vincent Thian
Auch Eier werden als Wurfgeschosse eingesetzt (4. August 2019). AP / Vincent Thian
Die Steine fliegen auch von Hand auf die Tseung Kwan O Polizeistation (4. August 2019). AP / Vincent Thian
Demonstranten versammeln sich am 4. August im Po Tsui Park. AP / Vincent Thian
Am 4. August setzt die Polizei erneut Tränengas gegen die Demonstranten ein. AP / Vincent Thian
Am 5. August gehen die Proteste weiter – ein Demonstrant mit US-Flagge und den Rauchwolke des eingesetzten Tränengases. AP / Kin Cheung
Auch am Montag (5. August 2019) setzt die Polizei erneut Tränengas gegen die Demonstranten ein. AP / Vincent Thian
A protester throws back a tear gas canister in Hong Kong on Monday, Aug. 5, 2019. Droves of protesters filled public parks and squares in several Hong Kong districts on Monday in a general strike staged on a weekday to draw more attention to their demands that the semi-autonomous Chinese city's leader resign.(AP Photo/Vincent Thian) AP / Vincent Thian
Demonstranten sitzen auf den Strassen in der Nähe des Gebäudes des Legislativrates und des Gebäudes der Zentralregierung während des Protestes gegen das Auslieferungsgesetz in Hongkong (Montag, 5. August 2019). AP / Vincent Thian
Ein Pärchen hält Händchen während des Protests (5. August 2019). AP / Kin Cheung

Sipri-Leiter Smith erwähnt aber auch einen älteren Kandidaten: den heute 88 Jahre alten US-Whistleblower Daniel Ellsberg, der 1971 die sogenannten Pentagon-Papiere enthüllt und damit die geheimen Vietnamkriegspläne der damaligen US-Regierung publik gemacht hatte. «Ich glaube, wir brauchen Whistleblower. Die Demokratie braucht sie.»

Ellsberg wäre eine überraschende Wahl. Neben Thunberg fällt dagegen immer wieder ein weiterer Name, den die Experten auf dem Zettel haben. «Ich denke, das Komitee wird sich für Abiy Ahmed entscheiden, den Ministerpräsidenten von Äthiopien», sagt der norwegische Nobelhistoriker Asle Sveen. Abiy habe mit Eritrea nach vielen Jahren des Krieges ein Friedensabkommen geschlossen und einen Reformprozess in Gang gesetzt. «Das stünde im Einklang mit Alfred Nobels Testament.» Auch Urdal und Wallensteen erwähnen Abiy, Smith ebenso. Der sagt aber auch: «Es gibt in diesem Jahr viele gute Kandidaten, und das in einem eher schwierigen globalen Umfeld. Ich finde, das ist ziemlich ermutigend.» (aeg/sda/dpa)

Greta Thunberg und das Schiff

Greta Thunberg posiert in Plymouth vor der Abfahrt auf der Hochseejacht "Malizia II". AP / KIRSTY WIGGLESWORTH
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EPA / HOLLY COVA / TEAM MALIZIA HANDOU
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Skipper Boris Herrmann AP / Kirsty Wigglesworth
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Greta Thunberg sticht in See

Video: SRF / Roberto Krone

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