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Obama kritisiert Trump: Er will der Post «die Kniescheibe zertrümmern»

Publiziert: 15.08.20, 10:23 Aktualisiert: 15.08.20, 16:38

Knapp drei Monate vor der US-Präsidentenwahl rückt die Rolle der Post bei der Abstimmung in Corona-Zeiten immer stärker in den Mittelpunkt. Die US-Post warnte in am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Briefen die Bundesstaaten, sie könne nicht garantieren, dass per Briefwahl abgegebene Stimmzettel rechtzeitig zugestellt würden, um gezählt zu werden. Zugleich wurden interne Unterlagen bekannt, laut denen die Post gerade zahlreiche Briefsortiermaschinen abbaut.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor offen davon gesprochen, der Post die Mittel vorzuenthalten, die sie haben wolle, um Abermillionen Briefwahlzettel fristgerecht zu befördern. Demokraten sehen darin einen Versuch des Amtsinhabers, die Wahlbeteiligung zu seinen Gunsten gering zu halten.

Trump erklärt stets ohne nähere Belege, das Fälschungsrisiko bei einer Briefwahl sei sehr hoch. Am Samstag setzte er seine mittlerweile fast täglichen Warnungen vor der Briefwahl fort. «Die Demokraten wissen, dass die Wahl 2020 ein betrügerisches Chaos sein wird. Werden vielleicht nie erfahren, wer gewonnen hat!», schrieb Trump auf Twitter. Wegen seiner wiederholten Angriffe auf die Briefwahl wird Trump vorgeworfen, Zweifel an der Sicherheit der Abstimmung zu säen und die Wahl beeinflussen zu wollen.

Sein Vorgänger, der Demokrat Barack Obama, warf Trump vor, er wolle der Post «die Kniescheiben zertrümmern». Der demokratische Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Connecticut, William Tong, griff zu noch schärferen Worten. «Ich denke, es ist klar, dass der Präsident absichtlich versucht, der Post das Geld zu entziehen und uns am Wählen zu hindern», sagte Tong dem Nachrichtensender CNN. «Der Präsident versucht ganz klar, diese Wahl zu sabotieren.»

Trump sagte am Donnerstag, er wolle, dass die Amerikaner an der Wahl am 3. November teilnehmen, aber «das bedeutet, dass sie zu einem Wahllokal gehen müssten, wie sie es immer getan haben, und abstimmen». Das stelle trotz der Coronavirus-Pandemie keine Gefahr dar.

Die meisten US-Bundesstaaten rechnen wegen der Pandemie mit deutlich mehr Briefwählern. Viele Staaten haben es einfacher gemacht, die Wahl per Post zu beantragen. Manche schicken sogar proaktiv Wahlunterlagen an die Bürger.

Die amerikanische Post (USPS) kämpft mit Defiziten und Verzögerungen bei der Auslieferung. Bild: EPA

Damit ist plötzlich ein bislang eher strauchelndes Unternehmen in den Mittelpunkt des Wahljahres gerückt: die amerikanische Post (USPS). Das Unternehmen wird von einem republikanischen Grossspender geleitet und kämpft bereits mit Defiziten und Verzögerungen bei den Auslieferungen. Doch ohne eine rechtzeitige Zustellung der Briefwahlunterlagen – die Fristen unterscheiden sich je nach Bundesstaat – könnten schlimmstenfalls Hunderttausende oder noch mehr Stimmzettel unausgezählt bleiben.

Die «Washington Post» veröffentlichte am Freitag bereits Ende Juli verschickte USPS-Briefe an die Bundesstaaten. Darin hiess es in vielen Fällen, dass die vorgegebenen Fristen für den Eingang der Stimmzettel nicht vereinbar mit der Arbeitsweise des Postdienstes seien. Die Website «Vice» berichtete zugleich unter Berufung auf interne Unterlagen von Plänen, 15 Prozent der Briefsortiermaschinen zu demontieren.

Die Demokraten setzen sich dafür ein, dass die Bundesstaaten wegen der Pandemie möglichst vielen Wählern die Abstimmung per Briefwahl ermöglichen. Weil im November mehr Wahlzettel per Post eingehen dürften, könnte sich die Bekanntgabe des Wahlergebnisses in diesem Jahr nach Ansicht vieler Beobachter deutlich verzögern, was Vorwürfen eines Wahlbetrugs zusätzlichen Rückenwind verschaffen könnte.

Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden betonte am Freitag, die Stimmabgabe per Briefwahl sei «sicher» – und fügte einen Seitenhieb gegen den Präsidenten hinzu. «Und verlassen sie sich dabei nicht auf mich», schrieb Biden bei Twitter. Wie sicher die Methode sei, zeige sich daran, dass Trump selbst gerade im Bundesstaat Florida beantragt habe, per Briefwahl abzustimmen, schrieb Biden.

Trump und seine Frau Melania hatten an ihrem Wohnsitz in Florida diese Woche Briefwahlzettel für am Dienstag anstehende örtliche Vorwahlen beantragt, wie die Webseite der Wahlbehörde der Stadt Palm Beach zeigte. Trump stimmte auch in der Vergangenheit bereits mehrfach per Briefwahl ab. (meg/sda/dpa)

Das waren die unbeliebtesten US-Präsidenten

Waaas? Kennedy? Natürlich nicht! Wir beginnen mit dem Beliebtesten! John F. Kennedy, ausgerechnet er, der 1963 Opfer eines Attentats wurde, war der beliebteste US-Präsident aller Zeiten. EPA / ABBIE ROWE / NATIONAL PARK SERVICE HANDOUT
Ebenfalls sehr beliebt war der charismatische Dwight Eisenhower (rechts), hier 1960 beim Golfen. In den Beliebtheits-Polls, die Prognose-Pionier George Gallup in den 30ern erfunden hat, rangiert er auf Platz zwei. AP/AP / Paul Vathis
Auch Franklin D. Roosevelt schafft es unter die ersten drei. Der Demokrat war zwischen 1933 und 1945 bis zu seinem Tode Präsident der USA. Für seine Führung im Zweiten Weltkrieg erntet er heute noch grossen Respekt. AP/AP
Auch George H. W. Bush, George W. Bushs Vater, war während seiner Amtszeit recht beliebt. Sein Sohn sollte es in punkto Beliebtheit nicht so weit bringen wie er. AP/AP / Barry Thumma
Auf dem fünften Platz landet Lyndon B. Johnson. Der Demokrat übernahm 1963 nach dem Attentat auf Kennedy das Präsidentenamt. Er erklärte die Rassentrennung in ganz Amerika für illegal. AP/AP / John Rous
Ein prominentes Gesicht: Auch Bill Clintons Arbeit als Präsident, zwischen 1993 und 2001, wurde sehr geschätzt. Seine Lügen in der Affäre Monica Lewinsky setzten seinem Ansehen jedoch zu. AP/Invision / Andy Kropa
Ronald Reagan, 1981 während einer Pressekonferenz im Weissen Haus, bewegt sich in punkto Beliebtheit im Mittelfeld. Die Republikaner bejubelten seinen Sozialabbau, die Demokraten weniger. AP/AP / Anonymous
Auch George W. Bush war gar nicht mal so unbeliebt. Er teilt sich aber seinen Platz mit ... AP/AP / LM Otero
... Richard Nixon. Der republikanische Präsident war genau gleich beliebt bzw. unbeliebt wie Bush. Nach der Watergate-Affäre musste er von seinem Amt zurücktreten. AP/AP / Uncredited
Jetzt geht's aber markant bergab. Der Republikaner Gerald Ford, zwischen 1974 und 1977, war ziemlich unbeliebt. Nur zweieinhalb Jahre im Amt, versuchte er nach Nixons Rücktritt, das Vertrauen ins Weisse Haus wiederherzustellen.
Ford war dabei aber nicht so unbeliebt wie Barack Obama. Er landet auf dem drittletzten Platz. X00280 / MIKE THEILER
Jimmy Carter, vor allem in der Energie-, Bildungs- und Umweltpolitik engagiert, schaffte es nicht, die USA aus ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise zu führen. Er war während seiner Amtszeit der zweitunbeliebteste US-Präsident. AP/AP
Der absolut unbeliebteste Präsident während seiner Amtszeit war aber Harry S. Truman (1945–1953). Der Demokrat mauserte sich dafür später: Im 21. Jahrhundert gehört er bei Umfragen unter Amerikanern zu den beliebtesten US-Präsidenten. NARA
So, das, ähm, wars jetzt mit den unbeliebtesten US-Präsidenten. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais

Schlagabtausch zwischen Obama und Trump

Video: watson / leb

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