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Tausende Migranten in Texas – USA setzen auf Abschiebungen nach Haiti

Publiziert: 19.09.21, 06:49 Aktualisiert: 19.09.21, 06:49

Angesichts Tausender Migranten in der US-Grenzstadt Del Rio setzt die US-Regierung auf schnelle Abschiebungen. Zahlreiche Haitianer und Menschen aus anderen Ländern haben sich seit vergangener Woche unter einer Brücke, welche die USA und Mexiko verbindet, versammelt. Das US-Heimatschutzministerium kündigte am Samstag an, zusätzliche Transportmittel zu beschaffen, um Tempo und Kapazität von Abschiebeflügen nach Haiti zu erhöhen. Die Situation an der Grenze wirft ein Schlaglicht auf die Einwanderungspolitik von US-Präsident Joe Biden - die Zahl aufgegriffener Migranten an der US-Südgrenze ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen.

Der Bürgermeister von Del Rio, Bruno Lozano, hatte zuletzt dringend Hilfe des Bundes angefordert. Lozano sagte, die Migranten stammten überwiegend aus Haiti, kämen illegal ins Land und warteten darauf, von der US-Grenzschutzbehörde aufgegriffen zu werden. Diese sei jedoch überfordert angesichts des grossen Andrangs. US-Medien berichten von rund 14'000 Menschen, die in Del Rio unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharrten.

Ein Mädchen in Del Rio – es ist erst sechs Tage alt. Bild: keystone

Das Heimatschutzministerium will nun Migranten auf andere Orte in der Region umverteilen, um sie schneller abfertigen zu können. Dort soll sichergestellt werden, dass Menschen ausgewiesen würden, wenn sie sich unrechtmässig in den USA aufhielten. Das Weisse Haus habe die zuständigen US-Behörden angewiesen, mit der haitianischen und anderen Regierungen in der Region zusammenzuarbeiten, um den Menschen nach ihrer Rückkehr Hilfe und Unterstützung zu bieten, hiess es weiter.

Der bitterarme Karibikstaat Haiti war Mitte August von einem schweren Erdbeben erschüttert worden. Mehr als 2000 Menschen kamen ums Leben. Kurz zuvor war der Präsidenten Jovenel Moïse ermordet worden. Viele Menschen sind bereits nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 aus dem Land nach Südamerika geflohen. Beobachter gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sie erneut zur Flucht getrieben haben. Auf Bildern war zu sehen, wie die Menschen durch knietiefes Wasser wateten und im Schlamm unter der Brücke, die über den Fluss Rio Grande führt, provisorische Zelte errichteten.

US-Präsident Joe Biden muss sich Kritik gefallen lassen. Bild: keystone

Angesichts der Krise gibt es auch deutliche Kritik am demokratischen Präsidenten Biden. Lozano, der Bürgermeister der 36'000-Einwohner-Stadt Del Rio, ist ebenfalls ein Demokrat und kritisierte schon vor Monaten, es sei völlig unzureichend, wie die Bundesregierung mit der Situation an der Südgrenze der USA umgehe. Die demokratische Abgeordnete Ayanna Pressley forderte Bidens Regierung auf, die Abschiebeflüge nach Haiti sofort zu stoppen. Republikaner hingegen werfen Biden eine zu laxe Politik an US-Grenze zu Mexiko vor.

Zuletzt ist die Zahl aufgegriffener Migranten dort deutlich gestiegen. Im Juli hatte die Grenzpolizei CBP nach eigenen Angaben rund 213'000 Menschen beim Versuch der illegalen Einreise aus Mexiko aufgegriffen – so viele wie seit gut 20 Jahren nicht mehr in einem Monat. Im August waren es laut CBP mehr als 208'000 Menschen gewesen.

Die Bedingungen in Del Rio sind schlecht. Bild: keystone

Das US-Heimatschutzministerium betonte, dass die Mehrheit der Migranten unter der sogenannten Titel-42-Regelung abgeschoben werde. Die Richtlinie wurde unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt und sieht eine schnelle Abschiebung vor. Begründet wird dies mit der Gefahr einer Einschleppung von Covid-19. Unter Biden wurde die Regelung verlängert. Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung vor, die Pandemie nur als Vorwand zu nutzen, um Menschen ohne ausreichende Prüfung und Gerichtsanhörung pauschal abzuschieben.

«Irreguläre Migration stellt eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Grenzgemeinden und für das Leben der Migranten selbst dar», erklärte das Ministerium. Die Grenzen seien nicht offen, Menschen sollten sich nicht auf die «gefährliche Reise» begeben. «Diese Regierung hat grosse Töne gespuckt, als sie sagte, sie wolle ein humanes Asylsystem», sagte hingegen Lee Gelernt, ein Anwalt Bürgerrechtsorganisation ACLU, der «New York Times». Es sei entsetzlich, dass die Regierung die pauschale Botschaft sende, dass die Grenze geschlossen sei. Sie erkenne nicht an, dass die Menschen keine andere Wahl hätten, als zu fliehen. (sda/dpa)

Pilotprojekt: Bauern stellen Flüchtlinge ein

Schweizer Bauern wollen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen Gelegenheit geben, einer Arbeit nachzugehen und gleichzeitig ihren Mitarbeiterbedarf zu decken. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Problemlos ist die Mitarbeit von Flüchtlingen auf Bauernbetrieben nicht: Nehmen sie die Arbeit auf, fallen sofort alle Leistungen vom Staat weg, wie der Leiter des Gemüsebaubetriebs in Füllinsdorf BL, Andreas Eschbach (rechts) ausführte. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Zurzeit machen zehn Betriebe beim Projekt mit. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Im ersten Monat erhalten die arbeitenden Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommenen 2300 Franken brutto als Lohn. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Vom zweiten Monat an bezahlen die Bauern den Mindestlohn gemäss Normalarbeitsvertrag. In den meisten Kantonen sind das laut Mitteilung 3200 Franken. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Ziel des auf drei Jahre angelegten Pilotprojekts ist es, herauszufinden, was es braucht, damit die Beschäftigung von Flüchtlingen auf Bauernhöfen ein Erfolg wird – sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Angestellten. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Die Betriebe erhalten für ihren administrativen Aufwand im Zusammenhang mit der Auswertung des Projekts 200 Franken im Monat. KEYSTONE / PATRICK STRAUB
Weitere 200 Franken werden den Bauern als pauschale Entschädigung ausbezahlt, wenn die Arbeitskräfte auf dem Betrieb wohnen und die Bauernfamilie sie verpflegt. KEYSTONE / PATRICK STRAUB

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