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UPC-Mutter Liberty Global will Sunrise kaufen: Konkurrenz für Swisscom, Freenet kassiert

Ob auch die Endkunden von einer solchen Elefantenhochzeit profitieren, ist fraglich...

Publiziert: 12.08.20, 06:57 Aktualisiert: 12.08.20, 15:52

Elefantenhochzeit in der Schweizer Telekombranche: Die UPC-Besitzerin Liberty Global will Sunrise kaufen. Der Deal hat einen Wert von 6.8 Milliarden Franken, wie Sunrise am Mittwoch in einem Communiqué bekannt gab.

Liberty Global biete 110 Franken pro Sunrise-Aktie. Das sind 32 Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten 60 Tage. Sunrise-Grossaktionärin Freenet habe sich verpflichtet, ihre gesamte Beteiligung an Sunrise von gut 24 Prozent anzudienen. Sunrise soll nach der Übernahme von der Schweizer Börse SIX dekotiert werden.

Damit ist ein Stolperstein ausgeräumt: Freenet hatte im vergangenen Jahr die geplante Übernahme von UPC durch Sunrise platzen lassen. Nun findet die Hochzeit doch statt, einfach umgekehrt.

Nach sorgfältiger Prüfung erachte der Verwaltungsrat von Sunrise die Transaktion als im besten Interesse von Sunrise und ihren Aktionären, und habe daher einstimmig beschlossen, das Angebot zur Annahme zu empfehlen.

Für die Kunden ändere sich vorläufig nichts, aber ...

Sunrise werde während der Angebotsfrist weiterhin unabhängig operieren und seine Geschäftskunden- und Konsumenten-Initiativen entsprechend seiner Roadmap und Strategie weiter vorantreiben. Für die Sunrise Kunden werde es «in dieser Zeit keine Veränderungen» geben.

Mit dem Zusammenschluss soll ein stärkerer landesweiter konvergenter Herausforderer für Swisscom und Co. entstehen, der «in allen Bereichen der 4P-Bundle-Angebote einschliesslich Glasfaser, Kabel, TV und Mobile tätig» sei.

Zur Erinnerung: Ende 2019 war der geplante (und angekündigte) milliardenschweren Kaufs von UPC durch Sunrise geplatzt. Wegen Widerstands der Freenet-Aktionäre. Der damalige Sunrise-Chef Olaf Swantee liess daraufhin verlauten, es gebe keine weiteren Verhandlungen mehr mit UPC-Besitzerin Liberty Global. Allerdings hoffte die UPC-Mutter weiterhin auf einen neuen Deal für ihre Schweizer Kabelnetztochter. Das scheint nun zu klappen.

Mit der Fusion könnte Sunrise die Marktführerin in allen Geschäftsbereichen attackieren. Konkret erhielte Sunrise Zugang zum umfassenden Kabelnetz von UPC – und würde so ihre Abhängigkeit von der Swisscom reduzieren.

Wie stark dies die dominante Marktführerin unter Druck setzt, muss sich zeigen. Wenn weniger Unternehmen auf dem Markt um Kunden buhlen, kann dies den Wettbewerb auch hemmen, was steigende Preise erwarten liesse.

Glasfaser- und 5G-Netzausbau

Zum Ausbau der Datennetze heisst es in der am Mittwoch veröffentlichten Sunrise-Medienmitteilung:

«Das kombinierte Unternehmen wird gut positioniert sein, um den Ausbau der Netzinfrastruktur der nächsten Generation, einschliesslich 5G und zukünftiger Technologien, fortzusetzen und bis ins Jahr 2021 90% der Schweizer Haushalte mit Internet von bis zu 1 Gbps zu versorgen, mit dem Ziel, die Geschwindigkeit im Laufe der Zeit bis zu 10 Gbps zu erhöhen. Das Festnetz der nächsten Generation von UPC Schweiz mit ausgedehntem Glasfasernetz wird die Führungsposition von Sunrise bei 4G und 5G weiter stärken.»

Glasfasernetzausbau in Genf: Das kombinierte Unternehmen soll gemäss Sunrise «besser in der Lage sein, den Wettbewerb zum Vorteil der Schweizer Wirtschaft und Konsumenten voranzutreiben». Bild: KEYSTONE

Im Falle des erfolgreichen Vollzuges des Angebots ziehe Liberty Global in Betracht, die im Publikum verbliebenen Sunrise-Aktien zu erwerben und anschliessend die Dekotierung der Sunrise-Aktien von der SIX Swiss Exchange zu beantragen. Damit würde Sunrise zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft innerhalb der Liberty Global-Gruppe.

Freenet macht Kasse

Sunrise-Grossaktionär Freenet macht mit dem Verkauf seines Anteils an Liberty Global gross Kasse. Freenet kann die Aktien für 110 Franken je Titel veräussern. Eingestiegen waren die Deutschen bei einem Kurs von 72,95 Franken.Mit den 11,05 Millionen Aktien hat Freenet somit rechnerisch 409,5 Millionen Franken Gewinn gemacht. Sein Kampf habe sich gelohnt, sagte der hörbar zufriedene Freenet-Chef Christoph Vilanek am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP: «Ich habe die grundsätzliche Logik des Deals nie abgelehnt. Ich habe nur die Konstruktion abgelehnt.»

Im ursprünglichen Konzept von Liberty hatte eine Fusion von Sunrise und UPC als Zusammenschluss unter Gleichen gestanden. «Ich hatte das gut gefunden», sagte Vilanek. Die damalige Sunrise-Spitze von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und Konzernchef Olaf Swantee habe aber die Kontrolle behalten wollen, worauf Sunrise ein Kaufangebot für 6,3 Milliarden Franken für UPC unterbreitet hatte.

«Dieser Deal hat uns nicht gepasst», sagte der Freenet-Chef, der im vergangenen Jahr den Widerstand der Sunrise-Aktionäre gegen den Kauf von UPC angeführt hatte. Vor allem den Kaufpreis und die dazu nötige Kapitalerhöhung kritisierte er als zu hoch. Auch die Struktur des Deals sei nachteilig für die Sunrise-Aktionäre.

Hinter dem jetzigen Deal einer Übernahme von Sunrise durch die UPC-Besitzerin Liberty Global steht der Freenet-Chef indes voll und ganz: «Wir haben eine unwiderrufliche Verpflichtung unterschrieben, unseren Anteil von 24,42 Prozent für 110 Franken pro Aktie an Liberty Global abzugeben.» Die Verhandlungen seien schnell gegangen. Der Kaufvertrag sei erst gestern Abend unterzeichnet worden.

(dsc/sda/awp)

Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks

«Wo biiisch!?» watson präsentiert Meilensteine der Schweizer Mobilfunk-Geschichte. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1978 geht in der Schweiz das erste öffentliche Mobilfunknetz in Betrieb: NATEL A. Das ist die Abkürzung für Nationales Autotelefon ... und wird zum Synonym für Mobiltelefon. KEYSTONE / STR
Der Begriff «Handy» setzt sich in der Schweiz erst viel später durch, weil er seit den 1960ern durch das Geschirrspülmittel der Migros belegt ist. PS: Die Romands sagen «Mobile» und die Tessiner «Telefonino».
Alleiniger Netzbetreiber ist lange Zeit der Bund, oder besser die schweizerische PTT, die Behörde für Post, Telefon und Telefax. KEYSTONE / STR
1983 lancieren die PTT mit NATEL B ein zweites zusätzliches Mobilfunknetz, um die grosse Nachfrage zu befriedigen. (Und in Zürich startet das «Nonstop»-Sexkino Cinebref) KEYSTONE / STR
1984 stellen die PTT das schnurlose Funktelefon «Radiotel» vor. Es ist für eine monatliche Gebühr von 26 Franken erhältlich, eignet sich jedoch ausschliesslich für den hausinternen Gebrauch. KEYSTONE / STR
1987 ist das Jahr, in dem der Mobilfunk technische Fortschritte macht ... KEYSTONE / STR
Im September 1987 geht in der Region Zürich das erste NATEL-C-Netz in Betrieb. Nun werden die Mobiltelefone kompakter und auch langsam günstiger. KEYSTONE / STR
1991: Mit NATEL D lancieren die PTT das erste digitale Mobilfunknetz, das zudem mit ausländischen Netzen verbunden werden kann. Das Foto zeigt ein Mobiltelefon des Schweizer Herstellers Ascom. KEYSTONE / PATRICK AVIOLAT
April 1996: SBB, UBS und Migros gründen die Newtelco AG, die 1997 – nach Einstieg von British Telecom und Tele Danmark – den Markennamen «Sunrise» lanciert. KEYSTONE
1992 bis 1998: Der Schweizer Telekommunikationsmarkt wird liberalisiert, die PTT verlieren ihr Monopol. Der Fernmeldebereich wird 1993 zur Telecom PTT und 1997 zur selbständigen Swisscom. KEYSTONE / STR
Juni 1994: Das Bundesgericht verbietet in einem Grundsatzurteil das Telefonieren während dem Autofahren. Wer von der Polizei erwischt wird, bezahlt 40 Franken. Per September 1996 wird die Busse auf 100 Franken erhöht. APA FILES / GEORGES SCHNEIDER
1997: Miss-World-Finalistin Tanja Gutmann posiert am Strand mit Handy und die «Sonntagszeitung» bringt einen der ersten kritischen Artikel zum Thema Roaming-Gebühren. Titel: «Tarif-Chaos im weltweiten Handy-Netz». Die Swisscom versucht zu beschwichtigen. AP / ADIL BRADLOW
1998: Der Mobilfunk boomt, in der Schweiz gibt es 1,3 Millionen Handy-Besitzer. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
April 1998: Der Bund vergibt die zwei neuen Mobilfunklizenzen an die Unternehmen Diax und Orange Communications. Die drei Mitbewerber Sunrise, Fortel SA und Unlimitel gehen leer aus. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
August 1998: Obwohl sich die Mehrheit der Bündner Jäger für die Zulassung von Mobiltelefonen auf der Jagd ausgesprochen hat, lehnt die Kantonsregierung das Begehren ab. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
Dezember 1998: Das Swisscom-Monopol fällt. An Heiligabend schaltet Diax sein Mobilfunknetz auf, das allerdings nur Teile der Schweiz abdeckt. Bild: Hans Rudolf Wittmer, Diax-Chef. KEYSTONE / MARTIN RUETSCHI
1999: Natel-Antennen sorgen vermehrt wegen Gesundheitsrisiken und Klagen von Anwohnern für Schlagzeilen. Die Fachleute sind sich uneins, was die Auswirkungen des Elektrosmogs betrifft, und die Strahlungs-Grenzwerte sind umstritten. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Februar 2000: Die EU-Kommission nimmt die Roaming-Tarife der europäischen Mobilfunk-Anbieter ins Visier. Die Preisunterschiede bei internationalen Anrufen mit und ohne Roaming betragen laut Untersuchungen bis zu 500 Prozent. AP / EDGAR R.SCHOEPAL
2001: Die Schweizer Telekom-Firmen Diax und Sunrise fusionieren, der Markenname «diAx» verschwindet. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
2002: Sunrise lanciert das Multimedia Messaging-System MMS. Und über die Weihnachtstage werden mehrere Millionen von SMS-Botschaften verschickt, so viel wie noch nie. KEYSTONE / WALTER BIERI
Ende 2012: Die Swisscom lanciert als erster Schweizer Provider ein LTE-Netz, das ist praktisch der Schweizer Startschuss ins 4G-Zeitalter. KEYSTONE / GAETAN BALLY
2015: Orange (Schweiz) ändert den Namen und heisst neu Salt. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Juni 2017: In der EU werden die Roaming-Gebühren abgeschafft. AP/AP / Francois Mori
Schweizer Mobilfunkanbieter dürfen von ihren Kunden weiterhin happige Zuschläge verlangen, wenn diese im Ausland telefonieren und mobil surfen – das Parlament sträubt sich bislang gegen eine Einschränkung. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
Die Parlamentarier dürfen im Ausland täglich pauschal 50 Franken fürs Roaming abrechnen – unabhängig davon, ob sie diesen Betrag effektiv benötigen. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
April 2019: Swisscom gibt die Inbetriebnahme des ersten 5G-Netzes in der Schweiz bekannt – in vorerst 54 Ortschaften, darunter Chur, Davos, Genf, Lausanne und Zürich. Gleichzeitig nimmt der politische Widerstand gegen den Bau neuer Antennen in einzelnen Kantonen zu. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
April 2019: Während die Provider den neuen Mobilfunk-Standard propagieren, legt der Jura den Antennenbau auf Eis: Und auch die Kantonsregierungen von Genf und Waadt haben wegen Gesundheitsbedenken ein provisorisches 5G-Moratorium beschlossen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
März 2020: Die Swisscom stellt dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Standortdaten aus ihrem Mobilfunknetz zur Verfügung, um die Mobilität der Bevölkerung in der Corona-Krise zu überwachen. Bild: Ein geschlossener Spielplatz auf einer Autobahn-Raststätte in Maienfeld GR. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
November 2020: Die Schweizer Teleko-Anbieter UPC und Sunrise sind keine Konkurrenten mehr, sondern Tochterunternehmen der Muttergesellschaft Liberty Global. Erklärtes Ziel ist es, der Marktführerin Swisscom beim ultraschnellen Internet (Glasfaser und 5G-Mobilfunk) Kundinnen und Kunden abzujagen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
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