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Nicklas Bendtners Jubel nach seinem Rekordtor. Bild: Getty Images Europe

22.12.2007: Arsenal-Bad-Boy Nicklas Bendtner schiesst 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung das schnellste Joker-Tor aller Zeiten

22. Dezember 2007: Der junge Arsenal-Stürmer Nicklas Bendtner zeigt bei seinem ersten Premier-League-Tor für Arsenal, warum er einst als eines der grössten Talente im Weltfussball galt. 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung trägt sich der Däne mit einem wuchtigen Kopfball in die Fussball-Geschichtsbücher ein.

Nicklas Bendtner hat schon als Teenager alles, was ein Toptorjäger braucht. Er ist gross (1,93 Meter), schnell und weiss, wo das Tor steht. Schon bald wird deshalb der FC Arsenal auf den Jungspund aus einer Kopenhagener Arbeiterfamilie aufmerksam. Für 250'000 Euro holen die «Gunners» den 17-Jährigen 2005 in den eigenen Nachwuchs.

Bei all seinem Talent merken sie in London aber schnell, dass Bendtner kein einfacher Charakter ist. Seinen Lehrern erklärt er damals freimütig, dass er keine Hausaufgaben zu machen brauche, schliesslich wolle er nicht Anwalt, sondern Profi-Fussballer werden.

Der junge Nicklas Bendtner. Bild: Getty Images Europe

Darauf muss er dann auch nicht lange warten. Im Oktober 2005 wird der Stürmer das erste Mal in der Premier League eingewechselt. Im August 2006 leihen ihn die «Gunners» jedoch an Birmingham City aus, wo er sofort Stammspieler wird.

Er kam, sah und traf

2007 kommt der Däne mit gestärktem Selbstvertrauen und elf Premier-League-Toren auf dem Konto zurück nach London. Eines seiner ersten Spiele absolviert er im Emirates-Cup gegen Paris St-Germain: Bendtner erzielt ein Tor (sein allererstes im Emirates-Stadion) und bereitet ein zweites vor. Allerdings verschiesst er auch kläglich einen Elfmeter. Trotzdem: Die Erwartungen vor seiner ersten Saison sind riesig, die Konkurrenz aber gross.

Der Assist, das Tor und der verschossene Elfmeter von Bendtner gegen den PSG. Video: Youtube/D1979N

An Robin van Persie, Emmanuel Adebayor und Eduardo gibt es kein Vorbeikommen, deshalb wird Bendtner von Trainer Arsène Wenger meist nur als Joker eingesetzt. So auch im North-London-Derby gegen Tottenham Hotspur am 18. Spieltag zwei Tage vor Weihnachten: Erst in der 74. Minute darf der Stürmer – acht Minuten nach dem 1:1-Ausgleich durch Tottenhams Dimitar Berbatov – für Emmanuel Eboué aufs Feld. 

Bendtners Kopfball-Kracher 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung. video: youtube/UneCleUSB

Und Bendtner schlägt ein wie ein Bombe. Nach einem Corner von Cesc Fabregas steigt der Däne hoch und nickt das Leder mit einem Gewaltskopfball nach nur gerade 1,8 Sekunden im Spiel wuchtig in den «Spurs»-Kasten. Torhüter Paul Robinson ist machtlos.

Bendtner steht förmlich in der Luft. bild: getty images Europe

Was Bendtner da noch nicht weiss: Er hat sich mit seinem ersten Premier-League-Tor soeben in die Fussball-Geschichtsbücher eingetragen. Sein Treffer ist das schnellste Joker-Tor der Historie. Doch viel wichtiger: Bendtner hat sich mit dem 2:1-Siegtreffer in die Herzen der Arsenal-Fans geschossen. 

Eskapaden und grosse Sprüche

Doch das Hochgefühl hält nicht lange. Trainer Wenger setzt ihn in den kommenden Spielen wieder auf die Bank und beim nächsten Duell mit den «Spurs» im Januar 2008 verscherzt es sich Bendtner auch mit den eigenen Fans. Im Rückspiel des Carling-Cup-Halbfinals kommt es zum Eklat mit Teamkollege Adebayor. 1:4 liegen die «Gunners» zurück, als die beiden vor einer Standardsituation aufeinander los gehen.

«Ich bin im Spiel, weil du scheisse spielst», soll Adebayor vor der Keilerei gesagt haben – kurz nachdem ihm Bendtner den Mittelfinger gezeigt hat. Der Däne holt sich ein blutige Nase, Arsenal-Captain William Gallas und selbst Schiedsrichter Howard Webb müssen schlichten.

Nach dem Zoff mit Emmanuel Adebayor ist «Nick» Bendtner bei den eigenen Fans untendurch. Bild: Getty Images Europe

Nur noch selten macht Bendtner in der Folge sportlich auf sich aufmerksam, dafür umso mehr neben dem Platz. Zu Beginn der Saison 2009/10 kommt Bendtner auf die Idee, seine bisherige Rückennummer 26 zu ändern. Wie es sich für einen echten Torjäger gehört, strebt er die Nummer 9 an. Diese trägt zu diesem Zeitpunkt jedoch Eduardo. Also entscheidet sich Bendtner für die 52 – «weil sie gut aussieht». Den Fans, die zu diesem Zeitpunkt bereits ein Trikot mit der Nummer 26 gekauft haben, zahlt er das Geld zurück.

Trotz bescheidener Einsatzzeit und Ausleihen zu Sunderland und Juventus Turin, sein Selbstvertrauen verliert der nicht gerade für seinen Trainingsfleiss bekannte Bendtner nie. «Ich will Topskorer der Premier League werden, Topskorer bei der Weltmeisterschaft und in fünf Jahren will ich zu den besten Stürmern der Welt gehören. Vertraut mir, es wird passieren», posaunt er 2009.

Wolfsburg statt Real oder Barça

Zwei Jahre später legt er nach: «Wenn du mich fragst, ob ich einer der besten Stürmer der Welt bin, werde ich mit ‹Ja› antworten. Weil ich daran glaube.» Aussagen wie diese, die kurze Beziehung zu einem 13 Jahre älteren Model aus Adelskreisen, kombiniert mit schwachen Leistungen bringen dem Dänen auf Social-Media-Plattformen den Spitznamen «Lord Bendtner» ein.

Im März 2013 erwischt ihn die Polizei in Kopenhagen als Falschfahrer, der Alkoholtest zeigt 1,5 Promille an. Ein halbes Jahr später denkt er laut darüber nach, Arsenal zu verlassen. Auf die Frage, wohin es denn gehen soll, sagt er wie selbstverständlich: «Real oder Barcelona.» Im Juli 2014 postet er ein Nacktfoto, auf dem sein bestes Stück nur von einem BH verdeckt wird. 

Aus Real und Barcelona wird schliesslich nichts. Als sein Vertrag mit Arsenal ausläuft, wechselt er im Sommer 2014 zum VfL Wolfsburg. Mit mässigem Erfolg: In 44 Einsätzen für die «Wölfe» hat der Hoffnungsträger im Sturm nur neun Törchen erzielt. Noch immer gilt, was die «Sun» einst über ihn geschrieben hat: «Bendtner hat die Arroganz von Thierry Henry, aber leider nicht seine Klasse vor dem Tor.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

Die 20 meistüberschätzten Fussballer aller Zeiten

Rang 20: Giorgi Kinkladse (Mittelfeld, Georgien), Klubs: u. a. Dinamo Tiflis, Manchester City, Ajax Amsterdam, Derby County. Begründung: Nur ein schönes Tor geschossen. (Quelle: telegraph.co.uk) Clive Brunskill
Rang 19: Carlos Alberto Valderama (Mittelfeld, Kolumbien), Klubs: u. a. HSC Montpellier, Real Valladolid, Tampa Bay Mutiny. Begründung: Nur seine Frisur war spektakulär. FERNANDO LLANO
Rang 18: Nicolas Anelka (Sturm, Frankreich), Klubs: u. a. Paris St-Germain, Arsenal, Real Madrid, Manchester City, Chelsea, Juventus Turin. Begründung: Launisch, schwache Torquote für einen derart teuren Spieler. DENIS DOYLE
Rang 17: Florent Malouda (Mittelfeld, Frankreich), Klubs: Guingamp, Olympique Lyon, Chelsea, Trabzonspor, Metz. Begründung: Nur eine gute Saison bei Chelsea, ansonsten eher limitiert. FELIPE TRUEBA
Rang 16: Denilson (Mittelfeld, Brasilien), Klubs: u. a. São Paulo, Betis Sevilla, Girondins Bordeaux, Al Nasr. Begründung: Zwar Weltmeister mit Brasilien 2002 und ein paar coole Tricks auf Lager, das war's aber auch schon. JULIO MUNOZ
Rang 15: David Ginola (Mittelfeld, Frankreich), Klubs: Stade Brest, Paris St-Germain, Newcastle United, Tottenham Hotspur, Aston Villa, Everton. Begründung: Nur ganz selten Weltklasse, sonst Frustgarant für seine Trainer. Shaun Botterill
Rang 14: Wayne Rooney (Sturm, England), Klubs: Everton, Manchester United. Begründung: Nur in guten Mannschaften richtig stark, mit der Nationalmannschaft unter «ferner liefen». Mike Dinovo
Rang 13: Adriano (Sturm, Brasilien), Klubs: u. a. Flamengo, Inter Mailand, AC Florenz, AC Parma, FC São Paulo, AS Rom, Le Havre. Begründung: Trotz besten Anlagen eine enttäuschende Karriere, zu faul. Vittorio Zunino Celotto
Rang 12: Roberto Baggio (Sturm, Italien), Klubs: AC Florenz, Juventus Turin, AC Mailand, FC Bologna, Inter Mailand, Brescia Calcio. Begründung: In den wirklich wichtigen Spielen versagte er zu oft, die Nostalgie für die 90er reicht nicht. Getty Images
Rang 11: Steven Gerrard (Mittelfeld, England), Klubs: Liverpool, Los Angeles Galaxy. Begründung: Guter, aber nicht sehr guter Spieler, nur zwei Karriere-Höhepunkte. PETER POWELL
Rang 10: Jack Wilshere (Mittelfeld, England), Klubs: Arsenal, Bolton Wanderers. Begründung: Wurde seinem Ruf als grösstes englisches Fussballtalent der Neuzeit (noch) nicht gerecht. Catherine Ivill/freshfocus
Rang 9: Sergio Ramos (Verteidigung, Spanien), Klubs: Sevilla Atlético, FC Sevilla, Real Madrid. Begründung: Pures Glück, dass er im «Goldenen Fussball-Zeitalter» Spaniens spielen darf, im 1:1 viel zu ungestüm. Andres Kudacki
Rang 8: Wesley Sneijder (Mittelfeld, Holland), Klubs: Ajax Amsterdam, Real Madrid, Inter Mailand, Galatasaray Istanbul. Begründung: Gut, gehört aber nicht zu den Besten. Hat sein Potenzial nie richtig ausgenutzt. MURAD SEZER
Rang 7: Ezequiel Lavezzi (Mittelfeld, Argentinien), Klubs: Estudiantes, San Lorenzo, SSC Napoli, Paris St-Germain. Begründung: Läuft viel und sieht beschäftigt aus, trifft als offensiver Mittelfeldspieler aber nur selten. IAN LANGSDON
Rang 6: David Luiz (Verteidigung, Brasilien), Klubs: EC Vitória, Benfica Lissabon, Chelsea, Paris St-Germain. Begründung: Haarsträubende Pässe und technische Defizite. Nie wurden Luiz die Grenzen brutaler aufgezeigt als beim 1:7 gegen Deutschland im WM-Halbfinal 2014 gegen Deutschland. Matthew Ashton/freshfocus
Rang 5: Faustino Asprilla (Sturm, Kolumbien), Klubs: u. a. AC Parma, Newcastle United, Fluminense. Begründung: Unglaublich talentiert, wandelte aber zu oft lustlos über den Platz. Stu Forster
Rang 4: Zlatan Ibrahimovic (Sturm, Schweden), Klubs: Malmö FF, Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona, AC Mailand, Paris St-Germain. Begründung: Bei weitem nicht so gut, wie er selbst denkt. AJ Mast
Rang 3: Radamel Falcao (Sturm, Kolumbien), Klubs: River Plate, FC Porto, Atético Madrid, AS Monaco, Manchester United, Chelsea. Begründung: Nur bei Atlético Madrid wirklich gut. FACUNDO ARRIZABALAGA
Rang 2: Robinho (Sturm, Brasilien), Klubs: FC Santos, Real Madrid, Manchester City, AC Mailand, Guangzhou Evergrande. Begründung: Immer wieder für viel Geld gewechselt, die Hoffnungen aber nirgends erfüllt. Jamie McDonald
Rang 1: Mario Balotelli (Sturm, Italien), Klubs: Inter Mailand, Manchester City, AC Mailand, FC Liverpool. Begründung: Konnte sein Potenzial nur einmal komplett ausschöpfen, beim 2:0 im EM-Halbfinal 2012 gegen Deutschland. Matthew Ashton/freshfocus