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Mit Bibel und Barbie in die Wüste zum Wasteland Weekend

Dicke Autos und martialische Kostüme: In der Mojave-Wüste Kaliforniens haben sich Mad-Max-Fans zum Endzeitfestival getroffen. Der Deutsche Helge Thomsen war dabei. Warum nur?

Margret Hucko



Ein Artikel von

Spiegel Online

Spiegel Online: Herr Thomsen, das sogenannte Wasteland Weekend ist seit Sonntag vorbei. Sie waren vor zwei Jahren selbst dort. Was treibt einen Autofan in die Ödnis der Mojave-Wüste?
Helge Thomsen: Das Wasteland Weekend ist eine grosse Show, ein Zusammentreffen von Gleichgesinnten, die feiern, dass man noch lebt – mit selbst gebranntem Schnaps und selbst gebauten Autos. Das Leben nach der Apokalypse ist das grosse Thema der Mad-Max-Filme. Ich bin ein grosser Fan und besitze selbst eine Replika des originalen Mad-Max-Autos. Im Film heisst der Wagen «Interceptor» – also Abfangjäger – und ist in Wirklichkeit ein australischer Ford Falcon XB Coupé.

Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Sind Sie mit Ihrem «Interceptor» in der Wüste aufgekreuzt?
Nein, der Transport von Deutschland nach Kalifornien wäre zu kompliziert und teuer gewesen. Aber wir wollten auch nicht mit einer japanischen Leih-Gurke dort aufkreuzen, sondern unseren eigenen Endzeit-Wagen bauen. Das haben wir einem Auswanderer erzählt, der ursprünglich aus der Gegend von Hamburg kommt und nun in Long Beach lebt und Oldtimer exportiert. Der besorgte einen 1979er Ford Pick-up. Nach einer Woche Schrauben bei ihm in einer Wellblechhütte war das Endzeit-Vehikel fertig, und wir sind gemeinsam auf dieses Festival gefahren.

Enthusiasts watch fights at the Thunderdome during Wasteland Weekend event in California City, California September 26, 2015. The four-day event has a post-apocalyptic theme and is inspired by the Mad Max movie franchise. Picture taken September 26, 2015.  REUTERS/Mario Anzuoni

Gute Stimmung auch nachts im Wasteland.
Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Wie sah das Endzeit-Vehikel denn aus?
Unseren Truck haben wir selbst mit Sachen ausgestattet, die wir auf dem Schrott gefunden haben. An der Seite hing zum Beispiel ein Blumentopf mit einer Nutzpflanze drin. Schliesslich braucht man ja Samen und Nahrung in der Endzeit. Ausserdem befestigten wir eine Bibel und eine Barbie-Puppe an dem Pick-up – als Erinnerung an die gute alte Zeit. Vorne montierten wir einen Jagdsitz mit Plastikmaschinengewehr, und auf die Seite schrieben wir «Autobahn-Kommando». Auf den Begriff «Autobahn» fahren die Amis voll ab.

Was passiert dann auf dem Festival?
Das Festival findet auf einem abgesperrten Gelände statt mit einem grossen Eisentor. Nur wer verkleidet ist und ein entsprechendes Auto fährt, kommt da rein. Innerhalb dieses Camps gibt es eine grosse Bühne für Live-Bands, Feuerspucker führen ihre Tricks vor und es finden Schaukämpfe statt. Bier oder Wein gibt es nicht zu kaufen, sondern muss an einer Bar getauscht werden. Jeder bringt etwas mit. Zu den Höhepunkten gehören sicherlich die Ausfahrten in die Wüste mit einer Armada von Fahrzeugen.

Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

Welches war für Sie das verrückteste Auto?
Es gibt dort einen Wettbewerb für Autos, die nach Kriterien wie Nützlichkeit, Design und Idee prämiert werden. Als ich dort war, hat eine umgebaute Stretch-Limousine gewonnen, die den Insassen maximalen Schutz vor dem Bösen in der Endzeit gewährte. Aus deren Seitenfenster ragten Kanonen.

Hand aufs Herz, ist das Wasteland Weekend für erwachsene Menschen nicht zu albern?
Ohne jetzt politisch zu werden: Es zeichnet sich doch ab, dass wir so nicht ewig weiterleben können. Wir verbraten Rohstoffe, wir haben Kriege, Grosskopferte, die Atombomben bauen. Das Festival zeigt nur, was passieren könnte, wenn es richtig knallt. Was wir dann brauchen ist Feuer, Wasser und Fahrzeuge, die man selbst reparieren kann – und nicht diesen modernen Elektronik-Schrott.

Enthusiast Byron Priore is pictured during the Wasteland Weekend event in California City, California September 26, 2015. The four-day event has a post-apocalyptic theme and is inspired by the Mad Max movie franchise. Picture taken September 26, 2015.  REUTERS/Mario Anzuoni

Bild: MARIO ANZUONI/REUTERS

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