DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Zum Tod von Peaches 

Das Schicksal der Familie Geldof

Schon Peaches Geldofs Grossvater war ein TV-Star, ihre Mutter zog es vor die Kamera und der Vater ihrer Halbschwester füllte ganze Stadien – doch das Rampenlicht machte keinen von ihnen glücklich.
08.04.2014, 07:1808.04.2014, 13:34

Mit 15 schreibt sie ihre ersten Kolumnen, mit 16 steht sie für ein TV-Format vor der Kamera, das sie selbst entwickelt hat. Mit 17 gilt sie als Fashion-Ikone, mit 18 als sexy. Peaches Honeyblossom Geldof, britischer Star, mit 25 verstorben.

Peaches Geldofs Ableben wird Sie noch trauriger stimmen, wenn Sie ihre sympathischen&nbsp;<a href="http://www.watson.ch/Front/articles/813836617-Wenn-Sie-Peaches-Geldofs-Instagram-Feed-anschauen%2C-wird-Ihnen-noch-viel-trauriger-zumute">Instagram-Bilder</a>&nbsp;gesehen haben.
Peaches Geldofs Ableben wird Sie noch trauriger stimmen, wenn Sie ihre sympathischen Instagram-Bilder gesehen haben.Bild: Instagram

Bedrückend ist dabei nicht nur ihr junges Alter oder die Tatsache, dass sie zwei kleine Kinder und Ehemann hinterlässt. Bitter ist auch die Verstrickung von Showgeschäft und Schicksal, die sich scheinbar wie ein roter Faden durch die Geschichte ihrer Familie zieht. 

Der Grossvater: Frustrierter Kinderstar

Hughie Green, Peaches Geldofs Grossvater mütterlicherseits, in der ersten Episode seiner Show&nbsp;Double Your Money im Jahr 1955.
Hughie Green, Peaches Geldofs Grossvater mütterlicherseits, in der ersten Episode seiner Show Double Your Money im Jahr 1955.Bild: Gemeinfrei

Hughie Green kommt 1920 in London zur Welt und muss früh Verantwortung übernehmen: Weil sein Vater bankrott ist, fördert er das Showtalent seines Sohnes, der mit 14 eine eigene BBC-Radioshow hat und als «Hughie Green and his Gang» durchs Land tourt. Es verschlägt ihn nach Kanada, wo er mit 17 eine Platzanweiserin schwängert. Er landet bei der Royal Canadian Air Force, wird Kanadier.

Nach dem Krieg soll ihn eine Klage gegen die BBC vor dem Bankrott retten. Er scheitert. Nach seiner Hochzeit arbeitet er als Flugzeug-Mechaniker, ersinnt aber eine Spielshow, deren Konzept die BBC 1949 aufgreift, aber bald als nicht britisch genug verwirft. Green klagt erneut. Er verliert. Ausgerechnet Luxemburg bewahrt den zweifachen Familienvater vor der Pleite: Green adaptiert 1955 eine RTL-Show, die beim britischen Sender ITV ein Erfolg wird.

Ein Trailer zu einer Channel-4-Sendung über Green.Video: YouTube/Unbroken1

Eine Weile läuft es gut mit der Moderatorenkarriere, doch von Ehefrau Claire trennt er sich schon 1961. Nach der Scheidung 1975 läuft es auch im Job schlechter, weil Green rechtskonservative Kommentare absondert. 1978 wirft sein Sender ihn deshalb raus, fortan gelingt ihm nicht mehr viel. Nach einer misslungenen Klage zieht Green sich ab 1989 zurück und stirbt sechs Jahre später verarmt an Lungenkrebs. 

Erst jetzt deckt ein Reporter auf, dass Hughie Greene der wahre Vater von Paula Yates, der Mutter von Peaches Geldof, ist.

Die Mutter: das Penthouse-Kuckuckskind 

Paula Yates wird 1959 geboren, als Hughie Green 39 ist. Yates Mutter, Elaine Smith, hat als Showgirl und Schauspielerin gearbeitet, schreibt Erotik-Geschichten. Jess Yates ist 16 Jahre älter als die Mutter und Moderator bei einer christlichen Sendung bei ITV. Er stürzt 1974 über eine Sexaffäre, 1975 wird Jess Yates als «The Bishop» deshalb abgesetzt. In dieses Jahr fällt auch die Scheidung.

Paula bleibt bei der Mutter, wird Fan der Boomtown Rats und lernt deren Sänger kennen, mit dem sie 1976 sogar zusammenkommt. Die Beziehung zu Bob Geldof hindert die junge Frau nicht daran, sich 1979 für das Männermagazin Penthouse zu entblättern, bevor sie sich als Musikjournalistin etablieren kann. 

Der grösste Hit der Boomtown Rats: «I Don't Like Mondays».Video: YouTube/TheBoomtownRatsVEVO

Alles scheint im Lot: 1983 wird Tochter Fifi geboren, drei Jahre später heiraten Geldof und Yates. 1989 kommt Peaches zur Welt, Pixie folgt ein Jahr darauf. Doch in Wahrheit ist es da bereits um Paula Yates geschehen, die schon 1985 einen Mann getroffen hat, der sie nicht loslässt. 

Bob Geldof, inzwischen ein Sir, mit Fifi Trixibell im Jahr 2004.
Bob Geldof, inzwischen ein Sir, mit Fifi Trixibell im Jahr 2004.Bild: AP
Nach Peaches' Geburt: die fünfjährige Fifi Trixibelle und die stolzen Eltern am 16. März 1989 im St. Mary's Hospital in Paddington, London.
Nach Peaches' Geburt: die fünfjährige Fifi Trixibelle und die stolzen Eltern am 16. März 1989 im St. Mary's Hospital in Paddington, London.Bild: AP
Peaches (links) und Pixie Geldof 2009 bei einer Filmpremiere in London.Bild: EPA

Der «Stiefvater»: «I've fucking had enough»

Der Mann, dem Paula Yates so verfällt, ist damals 25 und Sänger der aufstrebenden australischen Rockband INXS. Michael Hutchence ergattert bald auch Filmrollen, ist als rebellischer Casanova Dauergast in den Klatschspalten. Der britische Boulevard wittert auch bei Paula Yates Lunte. 1994 wird die Affäre publik: Als sich Geldof 1996 von ihr scheiden lässt, wird auch Tiger Lily, Peaches Halbschwester, geboren.

Michael Hutchence und Paula Yates mit Tochter Heavenly Hiraani Tiger Lily auf einem Foto von 1996 oder 1997. Bild: NEWS LTD
Von Paparazzi an der Tür erwischt: Yates mit Tochter und Hutchence im März 1997.
Von Paparazzi an der Tür erwischt: Yates mit Tochter und Hutchence im März 1997.Bild: EPA PRESS ASSOCIATION

Für die Paparazzi ist Hutchence wegen solcher Storys ein lohnendes Ziel. Einer von ihnen bekommt dessen Wut darüber zu spüren. Gleichzeitig knüpfen die INXS-Alben, die 1996 und 1997 erscheinen, nicht an den Erfolg der Vorgänger an. Die letzte Tour der Band soll im November in ihrer australischen Heimat enden. Wie auch das Leben des 37-Jährigen.

INXS: «Never Tear Us Apart».Video: YouTube/INXSVEVO 

Am Morgen des 22. November 1997 ruft er in Sydney seine Managerin an. «Michael here. I've fucking had enough», spricht er auf die Mailbox. Dann erreicht er aufgelöst eine Ex-Freundin, bittet sie, vorbeizukommen. Als sie eintrifft, ist Hutchence tot. Er stand unter Alkohol- und Drogeneinfluss und hat sich das Leben genommen. Ob mit Absicht, ob wegen Depressionen, ob nach Bedrohung – unklar.

Überdosis Sorgerechtsstreit

No Components found for watson.rectangle.

Für Paula Yates bricht die Welt zusammen. Sie versucht selbst, sich umzubringen, was Bob Geldof 1998 veranlasst, das alleinige Sorgerecht für Fifi, Peaches und Pixie einzufordern. Michael Hutchences Vater tut dasselbe mit Tiger Lily, während Yates das Erbe des Sängers verwehrt wird. 

Zu allem Überfluss erfährt sie in diesem Jahr auch noch aus der Presse, dass ihr Vater Jess gar nicht ihr wirklicher Vater ist, sondern Hughie Green, der ein halbes Jahr zuvor das Zeitliche segnete. Paula Yates' Tod passt in dieses Trauerspiel. Sie stirbt am 17. September 2000 an einer Überdosis. 

Sie hat offenbar leichtsinnig gehandelt und keinen Selbstmord versucht. Sie war ausgerechnet an dem Tag so unvorsichtig, als Pixie zehn Jahre alt wird. Heute ist Pixie 23. Mit dem Tod ihrer Schwester Peaches ist das Paket Familienschicksal, das sie mit sich herumtragen muss, schrecklich schwerer geworden.

Peaches und Pixie Geldof beim Glastonbury Festival 2009.
Peaches und Pixie Geldof beim Glastonbury Festival 2009.Bild: EPA
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Darum müssen Geimpfte nicht in Quarantäne – Kantonsärztin und Taskforce ordnen ein
Quarantäne nur für Ungeimpfte – diese Regelung wird von einigen hinterfragt. Doch die Befreiung mache Sinn, sagt die Covid-Taskforce.

Die Situation dürfte immer mehr Eltern bekannt vorkommen: Der Sohn oder die Tochter wird in der Schule positiv auf das Coronavirus getestet und muss sofort in Quarantäne, ebenso die Geschwister. Denn das Virus kursiert mit Abstand am meisten unter Jugendlichen und Kindern. Wenn die Eltern geimpft sind, dürfen diese weiterhin zur Arbeit gehen, sich mit anderen treffen, trotz engem Kontakt mit ihrem infiziertem Kind.

Zur Story