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FILE - In this April 16, 2014 file photo,  released by South Korea Coast Guard via Yonhap News Agency, South Korean rescue team boats and fishing boats try to rescue passengers of the sinking Sewol ferry, off South Korea's southern coast,near Jindo, south of Seoul. It is a decision that has maritime experts stumped and is at odds with standard procedure: Why were the passengers of the doomed South Korean ferry told to stay in their rooms rather than climb on deck?  Evacuations can be chaotic and dangerous, and an important principle in maritime circles is that even a damaged ship may be the best lifeboat. But car ferries like the Sewol, which left some 300 people missing or dead when it sank Wednesday, are different. They are particularly susceptible to rapid capsizing which makes it critically important that the crew quickly evacuate passengers when there is trouble. (AP Photo/South Korea Coast Guard via Yonhap, File) KOREA OUT

Verunglückte Fähre «Sewol» (am Mittwoch): «Das habe ich nicht gemeint». Bild: AP/South Korea Coast Guard Via Yonhap

Fährunglück in Südkorea

Funkverkehr zeigt Chaos bei Crew und Schiffsüberwachung

Weshalb liess die Crew der vor Südkorea gesunkenen Fähre die Passagiere nicht sofort evakuieren? Abschriften des Funkverkehrs legen nahe: Die Kommunikation zwischen Schiff und Hafen verlief konfus, überlebenswichtige Informationen wurden verschwiegen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Seoul – Noch immer werden rund 240 Menschen im Innern der gesunkenen Fähre «Sewol» vor der südkoreanischen Hafenstadt Jindo vermutet. Inzwischen konnten Taucher 25 Leichen aus dem Wrack ziehen, die Zahl der geborgenen Toten des Schiffsunglück erhöhte sich damit auf 58.

Gleichzeitig wächst die Wut der Angehörigen auf die Verantwortlichen – ebenso wie das Unverständnis von Fachleuten: Wieso veranlasste der Kapitän die Evakuierung der Passagiere – mehrheitlich Schulkinder – nicht sofort? Und wieso liess die Crew sie nicht zumindest auf dem Schiffsdeck versammeln, sondern wies sie an, unter Deck zu bleiben, womit das Schiff zur Todesfalle wurde?

Nun hat die Küstenwache Abschriften des Funkverkehrs zwischen der Schiffscrew und dem Vessel Traffic Services Center, ein der Flugsicherung vergleichbares Schiffsüberwachungssystem, im Hafen Jindo veröffentlicht. Sie belegen, wie unentschlossen die Verantwortlichen an Bord agierten, wie konfus die Kommunikation mit dem Hafen war – und dass die Crew womöglich lebensrettende Informationen nicht erhielt.

Etwa eine halbe Stunde, nachdem die «Sewol» am Mittwochmorgen Ortszeit gefährlich in Schräglage gekommen war, teilt ein bislang noch nicht identifiziertes Besatzungsmitglied dem Hafen Jindo mit, dass es unmöglich sei, den Passagieren Anweisungen über die Lautsprecheranlage zu geben.

«Das habe ich nicht gefragt!»

Als Antwort ergeht eine klare Anweisung seitens der Schiffsüberwachung: «Selbst wenn Sie keine Lautsprecher-Anweisungen geben können, gehen Sie bitte an Deck und lassen die Passagiere mehr Kleidung und Rettungswesten anlegen.»

Das Besatzungsmitglied will daraufhin wissen, ob die Passagiere überhaupt rechtzeitig von anderen Schiffen gerettet werden könnten, sollten sie die «Sewol» verlassen. Die Schiffsüberwachung im Hafen antwortet: «Gebt ihnen zumindest Rettungsringe und lasst sie von Bord gehen!» Das Crewmitglied insistiert: «Wenn diese Fähre Passagiere evakuiert, werden sie dann rechtzeitig gerettet werden?»

Statt einer Antwort wiederholt der Hafen die Anweisung: «Lasst sie nicht ungeschützt gehen – gebt ihnen zumindest Rettungsringe und lasst sie von Bord! »Dann geht er auf die Frage von der «Sewol» ein, hat sie aber offenbar nicht richtig verstanden: «Der Kapitän sollte die Entscheidung selbst treffen und sie evakuieren. Wir kennen die Situation nicht gut genug. Der Kapitän sollte die endgültige Entscheidung treffen und entscheiden, ob Sie die Passagiere evakuieren oder nicht.»

«Das habe ich nicht gefragt», antwortet die «Sewol». «Ich habe gefragt: Wenn sie jetzt evakuiert werden, können sie rechtzeitig gerettet werden?» Die Frage ist durchaus berechtigt, denn in dem Gebiet herrschen starke Strömungen.

US-Experten werfen Crew falsche Entscheidung vor

Doch erst jetzt geht der Hafen auf die Frage ein: Patrouillenboote seien binnen zehn Minuten zur Stelle. Allerdings verschweigt der Hafen womöglich lebensrettende Informationen – ein anderes Schiff befand sich bereits in unmittelbarer Nähe und hatte dem Hafen nur zehn Minuten zuvor mitgeteilt, dass es alle Evakuierten aufnehmen könne. Davon erfährt die Crew der «Sewol» allerdings nichts.

Doch auch wenn die Mannschaft der Fähre vom Hafen Jindo nicht gut informiert wurde und sich möglicherweise viel zu lange auch deshalb nicht zu einer Evakuierung der Passagiere durchrang, können Experten ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen – insbesondere die Anweisung, unter Deck zu bleiben. «Wenn man ihnen gar nichts gesagt hätte, wären sie von allein an Deck gekommen, um zu sehen, was gerade passiert», sagt Mario Vittone, der früher Schiffsunglücke für die US-Küstenwache untersuchte.

Aus Vittones Sicht hätte die Crew die Passagiere auch dann zu Sammelpunkten auf dem Deck rufen sollen, als noch nicht sicher war, ob das Schiff überhaupt sinken und ob eine Evakuierung nötig werden würde oder nicht. Selbst wenn sich der Vorfall im Nachhinein als harmlos herausgestellt hätte, wären die Passagiere im schlimmsten Fall der Unannehmlichkeit ausgesetzt gewesen, einige Minuten auf dem Deck zu stehen.

Regierung ruft Katastrophenzonen aus

Noch immer ist die Strömung an der Unglücksstelle stark. Taucher versuchen dennoch, in die Fähre vorzudringen, um Überlebende zu finden, auch wenn die Aussicht darauf minimal ist, dass Passagiere in einer Luftblase mehrere Tage überleben konnten. Stattdessen ziehen sie nach und nach Tote aus dem Wrack. Freunde und Angehörige nehmen in Trauerfeiern Abschied von den ersten gefundenen Todesopfern.

Am Sonntag hat die südkoreanische Regierung den Landkreis Jindo sowie die Stadt Ansan in der Nähe der Hauptstadt Seoul zu Sonder-Katastrophengebieten erklärt. Unter den 475 Insassen waren 325 Oberschüler aus Ansan. Die Massnahme gibt den betroffenen Gemeinden wie auch den Familien der Unfallopfer Anspruch auf staatliche Sonderhilfen. (fdi/AP/Reuters/dpa)



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